2037567

Alte Netbooks als Router recyceln

18.04.2015 | 10:25 Uhr |

Netbooks versprachen Mobilität, wurden aber schnell von Tablets abgelöst. Sie liegen heute oft ungenutzt in der Schublade. Alte Netbooks und Notebooks eignen sich aber gut als Router und Access Point.

Rein funktional gesehen bündeln Hardware-Router, die im Fachhandel angeboten werden, eine ganze Reihe von Programmen und Anwendungen. Neben der Kernfunktion, nämlich der Weiterleitung von Datenpaketen von einem Netzwerk in ein anderes, sind zumindest ein DHCP-Server sowie eine Firewall enthalten. Alle Funktionen eines Routers können auch mit Programmpaketen unter Linux abgebildet werden. Um einen Computer als Router einzusetzen, muss dieser über zwei Netzwerkadapter verfügen. Bei den meisten Notebooks und Netbooks ist dies mit Ethernet und WLAN Standard. Über den einen Netzwerkadapter wird die Verbindung mit dem Internet hergestellt; der zweite leitet die Datenpakete in das interne Netz weiter. Grundlegende Netzwerkkenntnisse sind, wie Sie sehen werden, unbedingt notwendig. Wie Sie die Aufgabe konkret realisieren, erklärt die folgende Anleitung. Sie orientiert sich an Ubuntu, ist aber dem Prinzip nach auch auf andere Linux-Distributionen übertragbar.

Ubuntu 12.04 statt 14.04!

Installieren Sie für diese spezielle Aufgabe am besten ein älteres Ubuntu 12.04 LTS. Beim aktuellen Ubuntu 14.04 ist das Netzwerkpaket „hostapd“ fehlerhaft und für die Einrichtung des Hotspots unbrauchbar. Das ältere 12.04 LTS erhalten Sie etwa unter http://wiki.ubuntuusers.de/Downloads/Precise_Pangolin . Es handelt sich um ein Live-System, das Sie etwa mit der Freeware Imgburn auf DVD oder mit dem ebenfalls kostenlosen Tool Unetbootin auf USB-Stick kopieren Das damit gebootete Netbook oder Notebook lädt das Linux-System, und auf dessen Desktop finden Sie die Verknüpfung „Ubuntu installieren“. Das Setup selbst ist einfach und weitgehend selbsterklärend. Setzen Sie danach das Programmpaket „hostapd“ mit diesem Terminalbefehl

sudo apt-mark hold hostapd  

auf „Halten“, damit es bei einem Upgrade nicht durch das fehlerhafte aktualisiert wird.

Access Point in wenigen Schritten

Etwas versteckt bieten alle aktuellen Ubuntu- Versionen direkt eine Option, um einen Rechner in einen Access Point zu verwandeln. Sie können also eine Verbindung mit dem Internet mit anderen WLAN-Geräten teilen. Über eine so genannte Bridge ist es dann auch möglich, kabelgebundene Geräte wie Spielekonsolen oder Smart-TVs mit dem so aufgespannten Netzwerk zu verbinden. Rufen Sie dazu die Systemeinstellungen auf, und klicken Sie hier in die Rubrik „Netzwerk“. In der Kategorie „Drahtlos“ klicken Sie auf die Schaltfläche „Als HotSpot verwenden“. Das System blendet Ihnen jetzt einen Hinweis ein, der Sie darüber aufklärt, dass eine eventuell bestehende WLAN-Verbindung damit unterbrochen wird. Akzeptieren Sie das mit Klick auf „Einschalten“. In einer Zusammenfassung lesen Sie nun den Namen des Netzwerks sowie den Sicherheitsschlüssel, der benötigt wird, um sich mit diesem Netz verbinden zu können. Sobald Sie den Dialog verlassen, ist das Ad-hoc-Netzwerk betriebsbereit. Allerdings besitzt es einen nicht unerheblichen Schönheitsfehler: Android- Geräte finden dieses Netzwerk nicht, da sie von Haus aus keine Ad-hoc-Netzwerke unterstützen. Um den Rechner in einen dauerhaften regulären Hotspot zu verwandeln, der dann auch von Android-Tablets und Smartphones gefunden wird, sind einige zusätzliche Arbeiten zu erledigen.

Mit einem Terminal-Kommando überprüfen Sie, ob die eingebaute WLAN-Karte für die Nutzung als Access Point geeignet ist.
Vergrößern Mit einem Terminal-Kommando überprüfen Sie, ob die eingebaute WLAN-Karte für die Nutzung als Access Point geeignet ist.

Tauglichkeit testen

Für die Einrichtung des Netbooks oder Notebooks als Hotspot wird eine spezielle Software benötigt, die allerdings nicht mit allen Chipsätzen kompatibel ist, wie sie in WLAN-Karten verbaut werden. Sie sparen sich eine Menge Arbeit und Ärger, wenn Sie zuerst prüfen, ob Ihr System die notwendigen Voraussetzungen erbringt. Dazu öffnen Sie ein Terminal und geben dort

iw list  

ein. Antwortet Ubuntu gleich mit einer Reihe von Ausgaben, sind das bereits gute Nachrichten. Finden Sie im Abschnitt „Supported interface modes“ die beiden Einträge „AP“ und „AP/ VLAN“, ist die Einrichtung als regulärer Hotspot möglich. Taucht dagegen ein lapidares „nl80211 not found“ als einzige Ausgabe des Befehls auf, ist nur die Einrichtung als Ad-hoc- Netzwerk möglich.

Programmpakete installieren

Für die weiteren Schritte brauchen Sie zwei Software-Pakete. Sie können für deren Installation das Software-Center oder auch den Paketmanager Synaptic mit seiner grafischen Oberfläche verwenden. Am schnellsten geht die Installation aber immer noch mit dem Terminal:

sudo apt-get install hostapd  sudo apt-get install dnsmasq  

Ist die Installation abgeschlossen, machen Sie sich an die eigentliche Arbeit der Einrichtung des Systems.

Die Musterdatei von „Hostapd.conf“ enthält bereits alle wesentlichen, aber noch auskommentierten Optionen für die Einrichtung des Hotspots.
Vergrößern Die Musterdatei von „Hostapd.conf“ enthält bereits alle wesentlichen, aber noch auskommentierten Optionen für die Einrichtung des Hotspots.

Das System konfigurieren

Damit Ihre Arbeiten am System nicht vom Netzwerkmanager beeinflusst werden, deaktivieren Sie dessen Verwaltung durch einen Rechtsklick auf das Symbol im Panel. Dazu klicken Sie im Kontextmenü einfach auf „deaktivieren“ neben den Einträgen. In einem Terminal rufen Sie mit

sudo gedit /etc/default/hostapd  

mit root-Rechten die Basisdatei für das Programm hostapd. Entfernen Sie dort das Zeichen „#“ vor dem Eintrag „DAEMON_CONF“. Direkt dahinter notieren Sie den Pfad zur neuen Konfigurationsdatei, die Sie erst noch anlegen müssen. Als Pfad für die Datei nutzen Sie „/etc/hostapd.conf“.

Diese Datei existiert noch nicht, was Sie aber im Anschluss korrigieren werden. Speichern Sie die Datei, und lassen Sie den Editor noch geöffnet. Öffnen Sie mit dem Menü „Datei“ die Beispieldatei „/usr/share/doc/hostapd/examples/ hostapd.conf.gz“. Diese speichern Sie jetzt unter „/etc/hostapd.conf“. Ubuntu weist sie darauf hin, dass die Datei vorher komprimiert gespeichert war, und möchte wissen, ob sie jetzt als reiner Text angelegt werden soll. Bestätigen Sie diese Aktion.

Die Einstellungen in dieser Steuerungsdatei sind umfangreich. Für den Betrieb des Hotspots sind einige Angaben unerlässlich – hier die wichtigsten:

interface=wlan0  

Die Bezeichnung für den WLAN-Anschluss müssen Sie bei Bedarf an Ihr System anpassen.

driver=nl80211  

Dies definiert den Standardtreiber. Der Eintrag

ssid=SLA_Hotspot  

bestimmt den Namen des Netzwerks, und ferner müssen Sie den Funkkanal etwa mit „channel= 1“ festlegen sowie einen Ländercode angeben („country_code=DE“). Es folgt eine Reihe von optionalen Einstellungen, die Sie nach den Spezifikationen Ihrer Netzwerkkarte abändern können. Herausgegriffen werden sollen an dieser Stelle nur einige besondere Werte. Mit

macaddr_acl  

erlauben Sie allen Netzwerkgeräten den Zugriff auf das neue Netzwerk. Mit dem Eintrag „wpa=2“ legen Sie sicheres WPA2 als Verschlüsselung fest. Das Kennwort wird nach „wpa_ passphrase=“ eingetragen. In einem Terminal lässt sich die Konfiguration testen:

hostapd -dd /etc/hostapd.conf  

Achten Sie auf die Ausgaben des Scripts. Gehen Sie mit den Hilfeseiten zum Programm jedem Hinweis nach, der auf einen bestehenden Fehler („failed“) deutet.

Alte Geräte in NAS-Server umwandeln

Sobald Sie einen Pfad zur Konfigurationsdatei eintragen und das Kommentarzeichen (#) entfernen, wird der Dienst beim nächsten Systemstart automatisch gestartet.
Vergrößern Sobald Sie einen Pfad zur Konfigurationsdatei eintragen und das Kommentarzeichen (#) entfernen, wird der Dienst beim nächsten Systemstart automatisch gestartet.

DNS-Konfiguration einrichten

Im Falle eines Hotspots vergibt das Notebook IP-Adressen an die Systeme, die sich anmelden wollen. Dazu muss der Computer also als DHCP-Server arbeiten. Die IP-Adresse des Ethernet-Anschlusses darf sich allerdings nicht ändern. Denn das Notebook erhält ja selbst ebenfalls eine IP-Adresse vom zentralen Router Ihres eigenen Netzwerks, über den die Verbindung mit dem Internet hergestellt wird. Diese Optionen stellen Sie in der Konfiguration von „DNSMasq“ ein. Arbeiten an diesen zentralen Optionen bergen immer die Gefahr, aus Versehen Daten zu verändern, die für das Funktionieren des Systems essenziell sind. Deswegen machen Sie es sich am besten zur Gewohnheit, von solchen Dateien zunächst eine Sicherheitskopie anzulegen, bevor Sie diese ändern:

sudo cp /etc/dnsmasq.conf /etc/dnsmasq.conf.bak  

Sie brauchen root-Rechte, um in diesem Verzeichnis Dateien zu bearbeiten oder zu kopieren. Der cp-Befehl legt eine Sicherheitskopie der Datei mit der Endung bak an. Mit

sudo gedit /etc/dnsmasq.conf  

öffnen Sie das Original nun im Editor gedit und bearbeiten dort die folgenden Einträge:

interface=wlan0  no-dhcp-interface=eth0  dhcp-range=interface:wlan0,192.16 8.4.20,192.168.4.200,infinite  

Damit schalten Sie die DHCP-Vergabe von IPAdressen für die Schnittstelle des WLAN ein, aber explizit für Ethernet aus. Der zweite Eintrag definiert den Adressbereich, der vom Notebook vergeben werden darf. Diese darf natürlich nicht mit bereits fest definierten Adressen kollidieren. Passen Sie den Bereich Ihren Gegebenheiten an. Der Zusatz „infinite“ gibt an, dass die IP-Adresse zeitlich unbegrenzt gehalten wird. Es erfolgt also nicht nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne die Zuweisung einer neuen IP-Adresse.

Der letzte Schritt: Netzwerkeinstellungen

Damit das System wie gewünscht die Aufgaben eines Access-Punkts übernehmen kann, müssen Sie noch die Konfiguration der Netzwerkschnittstellen bearbeiten. Mit root-Rechten öffnen Sie die Datei „/etc/network/interfaces“. Die ersten drei Zeilen lassen Sie unangetastet. Definieren Sie zunächst, dass die Ethernet- Schnittstelle ihre IP-Adresse per DHCP automatisch bezieht:

auto eth0  iface eth0 inet dhcp  

Dann notieren Sie einen Block für das WLAN. Dieser korrespondiert mit Ihren Angaben in der DNS-Masq-Datei. Vergeben Sie eine feste IP-Adresse, die für Ihr internes Netzwerk gilt. Da 192.168.1.1, 192.168.2.1 und auch 192.168.3.1 oft von Routern und Netzwerkgeräten selbst in Anspruch genommen werden, weichen wir hier auf 192.168.4.x aus:

iface wlan0 inet static  address 192.168.4.1  netmask 255.255.255.0  broadcast 192.168.4.255  

In diesem Abschnitt haben Sie die Adresse der Schnittstelle definiert und ferner, welcher Adressbereich „ausgesendet“ wird, also frei für die Anmeldung durch andere Geräte ist. Es folgt jetzt der umfangreichste Block, der die Anweisungen dafür enthält, dass Datenpakete innerhalb des Systems weitergeleitet werden:

up /sbin/iptables –F  up /sbin/iptables –X  up /sbin/iptables -t nat -F  

Diese ersten drei Zeilen sind dazu gedacht, eventuell bereits vorhandene Regeln zu löschen und neu anlegen zu können.

up iptables -A FORWARD -o eth0 -i wlan0 -s 192.168.0.0/24 -m conn track --ctstate NEW -j ACCEPT  up iptables -A FORWARD -m conn track --ctstate ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT  up iptables -t nat -A POSTROU TING -o eth0 -j MASQUERADE  up sysctl -w net.ipv4.ip_for ward=1  up /etc/init.d/hostapd restart  up /etc/init.d/dnsmasq restart  

Dieser umfangreiche Block sorgt nun für die eigentliche Weiterleitung der Datenpakete, die von der Ethernet-Schnittstelle ja an die WLANSchnittstelle durchgereicht werden müssen. Nachdem Sie die Datei gespeichert haben, starten Sie das Netzwerk auf dem Rechner neu:

sudo /etc/init.d/networking re start

Jetzt können Sie einen ersten Verbindungsversuch wagen. Sollten Sie den Daemon (Systemdienst) wieder ausschalten wollen, müssen Sie in der Datei „/etc/default/hostapd“ nur die erste Zeile wieder mit #-Zeichen auskommentieren und das System neu starten.

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

PC-WELT Hacks - Technik zum Selbermachen?

Raspberry Pi erfreut sich gerade unter Bastlern einer großen Beliebtheit. Kein Wunder, denn mit der 35-Euro-Platine lassen sich viele spannende Projekte realisieren. Vom Mediacenter, Netzwerkspeicher, Fotomaschine bis hin zum Überwachungssystem ist alles möglich. Dieser Bereich ist aber nicht nur dem Raspberry Pi gewidmet, sondern bietet auch viele Tipps, Tricks und Anleitungen für andere spannende Bastelprojekte.

2037567