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Also: Wem gehört Facebook?

11.07.2010 | 16:44 Uhr | Benjamin Schischka

Bevor wir uns dieser alles entscheidenden Frage widmen müssen wir an dieser Stelle betonen, dass niemand, der in irgendeiner Weise im Management von Facebook tätig oder ein Investor ist, auf unsere Anfragen reagiert hat. Selbst Analysten scheuten vor eindeutigen Antworten auf unsere Frage zurück – und wir können uns denken, warum: Facebook ist zweifellos das mächtigste Unternehmen im heutigen Netz und jeder möchte ein Teil davon werden, sofern er es nicht schon ist. Und Mark Zuckerbergs "Entweder mein Weg oder die Straße"-Prinzip ist da nicht unbedingt sonderlich hilfreich. Nichtsdestotrotz haben wir jemanden gefunden, der uns ein bisschen Einsicht geben konnte: Ben Parr, Co-Autor der Webseite Mashable. Früher ein unverblümter Facebook-Kritiker, ist Parr nun selbst Verfechter des Unternehmens. Doch auch Parr gibt zu, dass seine Kenntnisse vom inneren Betrieb Facebooks begrenzt sind. In einer Sache ist er sich jedoch sicher: "Ich sehe keine Zukunft, in der Mark Zuckerberg nicht mehr Firmenchef von Facebook ist."

"Jedes Mal, wenn ich mit Facebook zu tun hatte, wurde mir klar: Zuckerberg hat die Fäden in der Hand. Wenn er sich mit jemandem uneinig ist, lässt er alles stehen und liegen. Er hat keine Angst davor, ein Projekt zu 90 Prozent fertigzustellen und dann doch alles zu verwerfen. Viele Leute frustriert das, doch die Entscheidung liegt immer bei Zuckerberg. Wenn du damit nicht zurecht kommst, bist du raus. Wenn du seine Vision nicht teilst, auch."

Sheryl Sandberg Foto: Facebook
Vergrößern Sheryl Sandberg Foto: Facebook
© 2014

Ben Edelman, Professor an der Harvard Business School, teilt diese Meinung. Auch wenn Edelman selbst keine Beteiligung an Facebook hat, beobachtet er, dass das Unternehmen sprunghaft ist, insbesondere bei großen Entscheidungen und Prozessen. "Dem Konzern fehlt die Weitsicht, die man von einem Unternehmen dieser Größe in der heutigen Zeit eigentlich erwarten würde", so Edelman.
Und was ist mit Sheryl Sandberg und ihrer "erwachsenen Unterstützung"? "Sandberg übernimmt zwar eine leichte Führung", sagt Parr. "Aber in Wirklichkeit ist sie nur zuständig für den alltäglichen, pedantischen Kram – zum Beispiel Werbeverkäufe. Ich bin sicher, sie und Zuckerberg streiten oft über bestimmte Dinge und sie bringt eine andere Perspektive mit sich. Aber sie konzentriert sich hauptsächlich auf Verkäufe, er auf Technologien. Zuckerberg bestimmt die Richtung der Firma. Punkt."

Obwohl David Kirkpatrick in seinem Buch "Der Facebook Effekt" schreibt, Sandberg wäre ein "essentieller Partner Zuckerbergs", entsteht in Interviews und anhand ihres Auftretens doch eher das Gefühl, sie spiele stets nur die zweite Geige. Nichtsdestotrotz ist sie zu einem geschätzten Mitglied des Teams geworden. Wie Kirkpatrick schreibt: "Sie hat ihren Platz in dieser jugendlichen Kultur gefunden und andere Top-Manager sprechen ihre Bewunderung aus, wie gut sie das Unternehmen organisiert."

Okay, aber auch, wenn Zuckerberg am Ende die Entscheidungen trifft: die Investoren haben im Austausch für ihr Geld doch wohl ziemlich großes Mitspracherecht? "Nein, eigentlich nicht so viel, wie man sich vorstellt", sagt Parr. "Insbesondere über die neueren Investoren wie DST ist bekannt, dass sie sich vollkommen heraushalten. Und auch Zuckerberg würde kein Geld von einem Investor annehmen, der sich im Gegenzug in die Geschäfte einmischen möchte." Das stimmt. Denn seit den Accel-Investitionen von 2005 wurde keinem Investor mehr ein Platz in der Direktoren-Riege im Austausch gewährt und Zuckerberg wandte sich von einigen vielversprechenden Investoren ab, da sie es auf einen solchen Platz abgesehen hatten.

Zuckerberg hat sogar Schritte eingeleitet, dass nach einem möglichen Börsengang nur er selbst die Kontrolle behält. Berichten zufolgebesitzen die meisten Anteilseigner derzeit Klasse-B-Anteile. Sollten sie sie jemals verkaufen, werden diese Klasse-B-Anteile jedoch zu Klasse-A-Anteilen, die nur rund ein Zehntel des Stimmrechts einer Klasse B haben. So soll gesichert werden, dass die Machtverteilung bei Facebook auch in Jahren noch genauso bleibt, wie sie jetzt ist.
Parr fasst seine Meinung kurz und bündig zusammen: "Zuckerberg steht absolut nicht unter Druck. Er hat die Kontrolle. Er sichert sich selbst ab, dass er auch nach einem Börsengang Firmenchef bleibt. Und er wird auch in zehn Jahren noch genau da sein, wo er jetzt ist. Wenn die Firma weiter wächst, wird auch Zuckerberg mit ihr wachsen."

Dieser Artikel stammt von Christopher Null von unserer Schwesterpublikation PC World .

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