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Alles virtuell: Hardware nutzen, die Sie gar nicht haben

20.12.2020 | 08:30 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Zentraler Datenzugriff ohne Netzwerkfestplatte, Testcomputer ohne Zweit-PC, Briefversand ohne Drucker und das schnelle Anmelden am PC ohne Fingerprint-Sensor sind nur einige Beispiele für die Nutzung virtueller Hardware. Dazu stellen wir Ihnen die passenden Tools vor.

Bei manchen Anwendungen macht schon die Bezeichnung klar, dass es sich nicht um echte Hardware handelt: der virtuelle Computer, die virtuelle Festplatte oder das virtuelle DVD-Laufwerk. Das aber sind längst nicht alle Geräte, die sich verwenden lassen, ohne dass man sie tatsächlich besitzt. Unser Ratgeber erläutert solche virtuellen Geräte vom Netzwerk- und WLAN-Drucker bis zur bequemen Windows-Anmeldung ohne Spezialkamera für Windows Hello. In vielen Fällen sparen Sie sich so die Ausgabe für ein bestimmtes Gerät, in anderen Fällen bekommen Sie ganz neue Funktionen.

Virtuelle PCs oder Maschinen ersetzen zusätzliche Rechner

Ein Rechner, der gar nicht existiert? Genau das leistet ein virtueller PC, auch als virtuelle Maschine bezeichnet. Ein virtueller PC simuliert dabei einen normalen Computer, ohne dass die zusätzliche Hardware physisch vorhanden wäre: quasi ein zusätzlicher Rechner im Rechner. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Betriebssysteme, Windows-Versionen oder Systeme zum Testen parallel nutzen.

Zum Einrichten eignen sich die Virtualisierungsprogramme Virtualbox  und Vmware Workstation Player . Einen Sonderfall virtueller PCs stellen die Instant-Recovery-Tools Reboot Restore Rx  und Time Freeze  dar. Sie setzen den Windows-Rechner bei jedem Hochfahren stets in einen zuvor definierten Zustand zurück. Wie Sie Reboot Restore Rx und Time Freeze verwenden, lesen Sie online .

Um einen virtuellen PC einzurichten, installieren Sie zunächst einmal Virtualbox und klicken oben auf der Programmoberfläche auf „Neu“. Bei „Name“ wählen Sie eine für Ihren Zweck aussagekräftige Bezeichnung, danach übernehmen Sie alle weiteren Voreinstellungen. Legen Sie sodann den Datenträger mit dem zu installierenden Betriebssystem in das DVD-Laufwerk oder klicken Sie mithilfe der rechten Maustaste auf die zuvor gespeicherte ISO-Datei mit dem gewünschten System und wählen im Kontextmenü „Bereitstellen“. Windows 10 erzeugt so ein virtuelles optisches Laufwerk.

Zurück in Virtualbox klicken Sie bitte doppelt auf den noch ausgeschalteten virtuellen PC, legen als Startmedium das (virtuelle) Laufwerk mit dem Installationsmedium fest und installieren das zusätzliche Betriebssystem. Nach einigen Minuten ist die virtuelle Maschine betriebsbereit, sie verhält sich im Prinzip wie ein echter PC.

Ob Windows XP, 7, 8.1, ein zusätzliches Windows 10, Linux, Mac-OS oder Android: Virtuelle PCs aller Art lassen sich schnell ohne zusätzliche Hardware und Kosten einrichten.
Vergrößern Ob Windows XP, 7, 8.1, ein zusätzliches Windows 10, Linux, Mac-OS oder Android: Virtuelle PCs aller Art lassen sich schnell ohne zusätzliche Hardware und Kosten einrichten.

Windows to go: Den eigenen PC immer auf dem Stick dabei

Eine Ergänzung stellt „Windows to go“ dar, bei dem Windows nicht wie üblich von der eingebauten Festplatte startet, sondern von einem speziell konfigurierten USB-Datenträger, also einem Stick oder einer Festplatte. Voraussetzung ist ein Datenträger mit mindestens 32 GB Speicherkapazität.

Installieren Sie Win To USB , starten Sie das Tool und wählen Sie links auf der Oberfläche die obere oder mittlere Schaltfläche – abhängig davon, ob Windows als ISO-Datei oder als Installations-DVD vorliegt. Die ISO-Datei erhalten Sie gegebenenfalls zuvor mit Windows ISO Downloader .

Als nächste Schritte markieren Sie im Folgenden die Home-Variante, definieren als Ziellaufwerk den eingestickten USB-Datenträger und aktivieren in aller Regel „GPT für UEFI“. Warten Sie die Neuformatierung ab, aktivieren Sie die „Legacy“-Option und klicken Sie bitte auf „Weiter“. Danach ist Geduld angesagt, denn der Vorgang dauert etwa eineinhalb Stunden. Im Anschluss daran können Sie (beinahe) jeden Rechner von diesem Stick booten und haben somit immer einen Rechner dabei. 

Tipp: Über das Festplattensymbol links unten lässt sich mit Win To USB auch Ihr individuelles Windows mit Programmen und Einstellungen auf den Stick klonen.

Win To USB überträgt Windows auf einen USB-Datenträger, von dem sich anschließend jeder Rechner booten lässt. So können Sie Ihren PC immer mitnehmen: Windows to go.
Vergrößern Win To USB überträgt Windows auf einen USB-Datenträger, von dem sich anschließend jeder Rechner booten lässt. So können Sie Ihren PC immer mitnehmen: Windows to go.

Virtuelle Datenträger: Festplatte und optisches DVD-Laufwerk

Ein virtuelles Laufwerk emuliert ein normales Laufwerk inklusive Laufwerksbuchstaben, ohne dass es tatsächlich physisch vorhanden wäre. Windows und die installierte Software greifen wie gewohnt darauf zu, jenseits dieser typischen Laufwerkseigenschaften aber besteht ein solches Laufwerk aus einer einzelnen Datei auf der Festplatte. Dies hat den Vorteil, dass sich der „Datenträger“ ganz einfach transportieren und verschicken lässt.

So geht’s: Zum Einrichten einer virtuellen Festplatte drücken Sie die Tastenkombination Win-X und wählen den Eintrag „Datenträgerverwaltung“. Über „Aktion –› Virtuelle Festplatte erstellen“ legen Sie sodann den Speicherort der VHD-Datei (Virtual Hard Disk) sowie Art und Größe fest. Bestätigen Sie mit „OK“. Die virtuelle Festplatte zeigt Windows 10 unten daraufhin als neuen unbekannten Datenträger, auf den Sie ganz vorne mithilfe der rechten Maustaste klicken, mit „Datenträgerinitialisierung“ und Bestätigung des Partitionsstils fortfahren. In der Folge klicken Sie wieder mit der rechten Maustaste auf „Nicht zugeordnet“, wählen „Neues einfaches Volume –› Weiter –› Weiter“, definieren einen freien Laufwerksbuchstaben sowie eine Partitionsbezeichnung und schließen mit „Weiter –› Fertigstellen“ ab. Nun steht Ihnen das neue Laufwerk im Windows-Explorer zur Verfügung

Eine virtuelle Festplatte lässt sich in Windows in weniger als einer Minute erstellen, der neue Datenträger erscheint danach inklusive Laufwerkbuchstaben im Windows-Explorer.
Vergrößern Eine virtuelle Festplatte lässt sich in Windows in weniger als einer Minute erstellen, der neue Datenträger erscheint danach inklusive Laufwerkbuchstaben im Windows-Explorer.

Ein virtuelles optisches Laufwerk lässt sich unter Windows noch einfacher einrichten, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die meist als ISO-Datei vorliegende virtuelle CD/DVD klicken und diese im Kontextmenü über „Bereitstellen“ als Laufwerk einbinden. Für die häufige Benutzung empfehlen wir Ihnen Virtual Clone Drive , weil das Programm mehrere virtuelle Laufwerke erstellt und ihnen einen festen Laufwerksbuchstaben zuweist.

Des Weiteren können Sie im Heimnetzwerk auf das CD-/DVD-Laufwerk Ihres Desktop-PCs auch auf einem Notebook ohne optisches Laufwerk zugreifen. Dazu klicken Sie auf dem PC mit dem optischen Laufwerk im Explorer mithilfe der rechten Maustaste auf „DVD“ und aktivieren mit „Zugriff gewähren auf –› Erweiterte Freigabe –› Erweiterte Freigabe –› Diesen Ordner freigeben“, einem aussagekräftigen „Freigabenamen“ und „OK“ den Zugriff.

Tipp: Fertige VMs tauschen, umwandeln & klonen

Datenspeicherung und -verwaltung ohne Netzwerkfestplatte

Ihre Daten im Heimnetzwerk zentral speichern und verwalten können Sie auch ohne echte Netzwerkfestplatte. Zahlreiche Router, darunter die Fritzbox-Modelle, bieten die Möglichkeit, einen USB-Datenträger als Netzwerkspeicher freizugeben. Die Einrichtung ist einfach und vom Hersteller dokumentiert , nach Möglichkeit verwenden Sie den USB-3.0-Anschluss am Router.

Ein USB-Datenträger, das kann ein Stick oder eine Festplatte sein, lässt sich angeschlossen am Router auch als zentraler Datenspeicher im Heimnetzwerk nutzen.
Vergrößern Ein USB-Datenträger, das kann ein Stick oder eine Festplatte sein, lässt sich angeschlossen am Router auch als zentraler Datenspeicher im Heimnetzwerk nutzen.

Alternativ können Sie außerdem, wie beim optischen Laufwerk beschrieben, Festplattenpartitionen, Ordner oder Dateien für den externen Zugriff freigeben. Dies beschreiben wir hier im Detail, dafür muss für den Datenzugriff der „zentrale“ Rechner laufen.

Eine weitere Option stellen Cloudspeicher dar. Nun bieten Dropbox, Google Drive, Microsoft Onedrive & Co. in aller Regel wenige GB kostenlosen Speicherplatz. Cloudevo  kombiniert die Gratis-Varianten jedoch und fasst sie am Rechner zu einem Laufwerk zusammen. So lassen sich selbst große Datenmengen einfach und sicher verschlüsselt in der Cloud speichern. Man verwendet einfach das eine Laufwerk, alles andere wie die Verteilung auf die unterschiedlichen Cloudspeicher und -konten erledigt Cloudevo im Hintergrund.

Netzwerk-, WLAN- und sogar fehlenden Drucker simulieren

Eine Vielzahl von Routern, darunter auch wieder die Fritzboxen, sowie die meisten Netzwerkfestplatten verfügen über einen Printserver, der einen USB- zum Netzwerkdrucker erweitert. Die Konfiguration ist herstellerspezifisch und hängt von der Netzwerkhardware ab, wir nennen Ihnen daher für die drei wichtigsten Hersteller die Links zum Einrichten: für die Fritzbox von AVM , für Netzwerkfestplatten von Synology  sowie für NAS-Systeme von Qnap .

Darüber hinaus lässt sich ein gewöhnlicher Netzwerkdrucker ohne integriertes WLAN-Modul auch ohne Kabelverbindung am Router im Funknetz zum Drucken mittels WLAN nutzen. Das erreichen Sie alternativ mit zwei Powerline-Adaptern, einem WLAN-Repeater mit zusätzlicher LAN-Buchse oder einem zusätzlichen Router. Den Drucker mit WLAN nachzurüsten, ist immer dann sinnvoll, wenn der Printer an einer Stelle stehen soll, wo das Netzwerk per Ethernet-Kabel nicht zur Verfügung steht.

Mit einem ausgedienten Router oder einem WLAN-Repeater wie diesem für weniger als 30 Euro lässt sich ein Netzwerkdrucker in ein WLAN-fähiges Gerät verwandeln.
Vergrößern Mit einem ausgedienten Router oder einem WLAN-Repeater wie diesem für weniger als 30 Euro lässt sich ein Netzwerkdrucker in ein WLAN-fähiges Gerät verwandeln.

Drucken können Sie schließlich sogar ganz ohne eigenen Drucker. Eine Option ist, die auszudruckenden Inhalte als PDF zu speichern und in einem Copyshop vor Ort abzugeben. Dieser Weg eignet sich auch für Farbausdrucke, sofern Sie nur ein Schwarz-Weiß-Gerät besitzen. Das Gleiche bieten viele Services im Internet, nur dauert es hier länger, bis man die hochgeladenen Druckdaten per Post erhält. Alternativ kann man – das notwendige Vertrauen vorausgesetzt – einen Nachbarn oder Freund um gelegentliches Ausdrucken bitten. Automatisieren lässt sich das Ferndrucken mittels Thinprint Cloud Printer . Dieser Dienst stellt eine Alternative zu Google Cloud Print dar, das Ende 2020 eingestellt wird.

Wenn Sie einen Brief ohne Druckmöglichkeit verschicken möchten, dann bietet sich dafür der E-Post-Brief der Deutschen Post an. Einmal mittels Postident-Verfahren registriert, laden Sie den Briefinhalt in die Cloud. Drei Blätter im Standardbrief bis 20 Gramm kosten knapp einen Euro Gebühr. Ausgedruckt und kuvertiert erreicht der Brief den Empfänger über die normale Post.

Wer keinen eigenen Drucker besitzt, kann seine Briefe recht günstig per E-Post verschicken lassen. Abhilfe beim Drucken gibt es auch für private Ausdrucke.
Vergrößern Wer keinen eigenen Drucker besitzt, kann seine Briefe recht günstig per E-Post verschicken lassen. Abhilfe beim Drucken gibt es auch für private Ausdrucke.

Mehr Komfort und Funktionen ohne zusätzliche Hardware

Wenn Sie ständig mit zwei PCs und zwei Monitoren arbeiten, benötigt eine zweite Tastatur und Maus nicht nur mehr Platz auf dem Schreibtisch. Diese zusätzliche Hardware erfordert auch ständiges Umgreifen. Das ersparen Sie sich mit Mouse without Borders . Das Microsoft-Tool steuert bis zu vier Rechner im gleichen Netzwerk. Einmal eingerichtet, ziehen Sie zum Rechnerwechsel einfach die Maus auf den Bildschirm des anderen PCs.

Microsofts Festplattenverschlüsselung Bitlocker nutzen, obwohl im PC kein TPM-Chip steckt? Auch das ist möglich. Lassen Sie sich deshalb beim Versuch, Bitlocker unter Windows 10 Pro einzurichten, nicht von der Fehlermeldung „Auf diesem Gerät kann kein TPM (Trusted Platform Module) verwendet werden …“ abhalten. In diesem Fall starten Sie den Gruppenrichtlinieneditor durch Eintippen von 

gpedit.msc

in die Windows-Ausführenzeile. Darin klappen Sie die Ordner „Administrative Vorlagen –› Windows-Komponenten –› BitLocker-Laufwerkverschlüsselung“ auf, markieren links „Betriebssystemlaufwerke“ und klicken rechts doppelt auf den Eintrag „Zusätzliche Authentifizierung beim Start anfordern“. Markieren Sie bitte die Optionen „Aktiviert“ und „BitLocker ohne kompatibles TPM zulassen hierfür ist ein Kennwort oder …“. Mit „Übernehmen –› OK“ schließen Sie alle Fenster und tippen „Bitlocker“ in das Ausführenfeld ein, um dadurch den Verschlüsselungsassistenten zu starten. 

Benötigt die Bitlocker-Festplattenverschlüsselung zwingend das hier im Gerätemanager gezeigte TPMModul? Nein, mit den richtigen Einstellungen funktioniert Bitlocker auch ohne.
Vergrößern Benötigt die Bitlocker-Festplattenverschlüsselung zwingend das hier im Gerätemanager gezeigte TPMModul? Nein, mit den richtigen Einstellungen funktioniert Bitlocker auch ohne.

Hello nennt Microsoft die Möglichkeit, sich ohne Passwort am PC mittels Fingerabdruck oder per Gesichtserkennung schnell und sicher einzuloggen. Doch einen Fingersensor haben längst nicht alle PCs, noch seltener sind Hello-fähige 3D-Kameras mit Tiefensensor. USB Logon  bietet eine Alternative, indem es aus jedem normalen USB-Stick einen Sicherheitsschlüssel für die automatische Windows-Anmeldung macht.

Hierzu installieren und starten Sie USB Logon, stecken einen USB-Stick in das Laufwerk, wählen auf der Programmoberfläche Stick und Laufwerk aus und fahren mit „Gerät konfigurieren –› Ja“, der Eingabe Ihres Windows-Kennwortes und „OK“ fort. Der Zugangscode wird verschlüsselt auf dem Stick gespeichert. Nun klicken Sie noch auf das Zahnradsymbol rechts oben auf der USB Logon-Oberfläche und aktivieren dort alle Optionen. Das Anstecken des Sticks entsperrt Ihren Rechner sofort, das Abziehen sperrt ihn wieder.

Bequeme Anmeldung bei Windows 10 ohne Hello-fähige Kamera und Fingerabdrucksensor: USBLogon macht aus einem USB-Stick einen Schlüssel zum sicheren Einloggen.
Vergrößern Bequeme Anmeldung bei Windows 10 ohne Hello-fähige Kamera und Fingerabdrucksensor: USBLogon macht aus einem USB-Stick einen Schlüssel zum sicheren Einloggen.

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