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Akkulebenszeit von Notebooks in Linux verlängern

15.07.2019 | 08:01 Uhr | Hermann Apfelböck

Der Akku ist das Verschleißteil Nummer eins in Notebooks. Jeder Akku verliert nach zwei, drei Jahren an Ladekapazität und fordert dann zunehmend längere Ladezeiten. Aber es gibt Methoden, die den Verfall des Akkus signifikant verlangsamen.

Akkupflege einerseits und mobiler Komfort andererseits sind zwei Ansprüche, die sich mehr oder weniger widersprechen. Daher muss jeder Nutzer selbst entscheiden, was ihm wann wichtiger ist. Wer sich mit einem Teil der nachfolgenden Tipps anfreunden kann, zieht daraus mehrere Vorteile: Der Akku lebt länger, die Akkuladung hält länger, das Notebook bleibt kühler – und die Umwelt auch.

Akku entnehmen und lagern 

Unzählige Notebooks verrichten ihre Arbeit immobil wie ein stationärer PC – verkabelt mit Netzteil, Ethernet-Kabel, Soundsystem und externem Monitor. In solcher Situation ist es stromsparend und akkuschonend, den Akku aus dem Gerät zu entnehmen. Idealerweise sollte der Akku vor der Entnahme einen mittleren Ladezustand von 40 bis 60 Prozent aufweisen: Das gewährleistet eine relativ langsame Selbstentladung während der Zeit der Nichtbenutzung und eine lange Frist bis zum notwendigen Ladevorgang. Bei Zimmertemperatur sollten entnommene Lithium-Ionen-Akkus pro Monat höchstens fünf bis zehn Prozent ihrer Ladung verlieren, bei kühler Lagerung noch deutlich weniger.

Folglich sollte es reichen, den Akku alle drei bis sechs Monate wieder einzuschieben und neu zu laden. Dies ist nötig, um eine Tiefentladung zu verhindern, die den Akku dauerhaft zerstören kann.

Hinweis 1: Wer aufgrund seiner Arbeitsweise den Akku auf diese Weise schonen kann, sollte den Akkuladezustand zunächst häufiger kontrollieren (etwa jeden Monat) und dann nach eigener Beobachtung die Ladefristen passend verlängern.

Hinweis 2: Ein Notebook ohne Akku hat ein warmes bis heißes Teil weniger im engen Gehäuse. Das wirkt sich auch auf CPU, Festplatte und Lüfteraktivitäten positiv aus.

Tipp: Notebooks für Linux - Worauf Sie beim Kauf und Einsatz achten müssen

Akkuschonende Ladevorgänge 

Automatische Displayverdunkelung bereits nach kurzer Inaktivität.
Vergrößern Automatische Displayverdunkelung bereits nach kurzer Inaktivität.

Der Akkupflegetipp, Notebookakkus maximal zu entladen, bevor man sie am Netzteil wieder auflädt, gilt für aktuelle Lithium-Ionen-Akkus nicht mehr. Aus technischer Sicht ist ein Aufladen bei jedem Ladezustand in Ordnung.

Jedoch gilt auch für moderne Akkus, dass hohe und sehr hohe Ladezustände (80 bis 100 Prozent) den Akku maximal belasten und dessen Lebenszeit verringern. Wenn es die Mobilitätsansprüche erlauben, dient es der Haltbarkeit des Akkus, den Ladevorgang bei 80 oder 90 Prozent abzubrechen. Aus diesem Grund bieten daher etliche, allerdings nicht allzu viele Notebooks in der Bios/Uefi-Firmware eine Option, um die maximale Aufladung des Akkus zu begrenzen. Suchen Sie dort nach „Battery“ oder „Accu“. Typische Bezeichnungen sind etwa „Battery Life Cycle Extension“. Wenn Sie eine solche Option vorfinden und aktivieren („Enabled“), wird der Akku nur noch bis zu 80 Prozent geladen, ohne dass Sie dabei selbst eingreifen müssten.

Die Stromsparoptionen nutzen 

Wenn das Notebook weniger Strom verbraucht, hat der Akku weniger Arbeit und benötigt folglich weniger Ladezyklen. Die Stromsparoptionen des Betriebssystems sparen also nicht nur Strom, sondern verlängern auch das Akkuleben. Dabei ist es aber kein Geheimnis, dass Linux ein ganzes Stück hinter den feinabgestimmten Möglichkeiten bleibt, die Windows in Zusammenarbeit mit den Hardwareherstellern bieten kann. Die wirksamsten Funktionen gibt es aber auch unter Linux.

1. Automatische Bereitschaft: Wenn das Notebook ungenutzt ist, sollte es frühzeitig in den Bereitschaftsmodus versetzt werden. Das minimiert den Stromverbrauch auf ein Hundertstel, macht das Gerät aber auf Tastendruck oder Mausklick sofort wieder einsatzbereit. Den Bereitschaftsmodus bietet jedes Desktop-Linux in den „Energieoptionen“ und eine Wartefrist von nur fünf Minuten Inaktivität ist hier durchaus praktikabel. Ob das Notebook diese ACPI-Funktion unter Linux beherrscht, können Sie mit dem Befehl 

systemctl suspend 

vorab manuell testen.

2. Dimmen des Displays: Größter Einzelverbraucher im Notebook ist der Bildschirm. Die Leistungsaufnahme zwischen einem maximal hellen Display und einem maximal abgedunkelten unterscheidet sich um drei bis vier Watt, das sind ganze 25 Prozent bezogen auf den typischen Gesamtverbrauch.

Schummriges Knausern bei der Helligkeit halten wir allerdings für kontraproduktiv, weil die eigenen Augen wertvoller sind als der Notebookakku. Praktikabel ist es hingegen, das Display bei Inaktivität relativ schnell und relativ radikal zu verdunkeln. Die Energieverwaltung jedes Desktop-Linux bietet solche Optionen. Das Bild zeigt die XFCE-Energieverwaltung mit drastischer Verdunkelung nach wenigen Sekunden Inaktivität. Das ist vertretbar, weil jede Mausbewegung den Bildschirm wieder hell schaltet. Notebooks bieten überdies spezielle Funktionstasten, um die Bildschirmhelligkeit manuell zu regeln.

3. WLAN und Bluetooth: Die Einsparung dieser Funksender ist nicht gravierend, aber mit je 0,5 Watt doch messbar. Bei den meisten Notebooks gibt es eine Funktionstaste, um WLAN aus- und einzuschalten. WLAN wie Bluetooth lassen sich außerdem über die Leistenapplets (Netzwerkmanager und Blueman) abschalten. Selbstverständlich gibt es auch Script-gesteuerte Möglichkeiten, um WLAN und Bluetooth anzuschalten.

sudo rfkill block wifi 
sudo rfkill block bluetooth 

Die umgekehrte Richtung, die Funkgeräte wieder zu aktivieren, funktioniert mit dem Begriff „unblock“.

Der große Praxis-Test: Das beste Business-Notebook

Die Überprüfung des Akkus 

Quelle für alle Akkuinformationen sind unter Linux die Dateien unter „/sys/class/power_ supply/BAT0/“. Diese Kernel-Infos sind mühsam auszuwerten, aber es gibt ein Tool, das alle Daten zusammenfasst. Das meist vorinstallierte upower liefert auf der Kommandozeile nach 

upower –-monitor-detail 

eine Übersicht. Die Ergebnisanzeige erfolgt nicht unmittelbar, sondern erst nach einer Analysezeit, die bis zu einer Minute dauern kann. Zwei wichtige Werte, die nicht zu sehr differieren sollten, nennen sich „energy-full“ und „energy-full-design“. Der erste Wert zeigt die reale Ladekapazität des Akkus, der zweite ist der für den Akku ideale Referenzwert, der für einen neuwertigen Akku gilt. Ist die Differenz gravierend, sollten Sie sich um einen Ersatzakku kümmern.

Desktopdistributionen wie Ubuntu können diese Infos noch bequemer an der grafischen Oberfläche liefern. So zeigt etwa der Akkuindikator im Ubuntu-Hauptpanel nach Mausklick und weiterem Klick auf den obersten Menüeintrag „Akku“ das Fenster „Energiestatistiken“. Hier finden Sie die Werte für „Energie (Design)“ und „Energie wenn vollständig geladen“.

Notebook- und Netbookakkus ersetzen

Ersatzakku für Notebooks und Netbooks.
Vergrößern Ersatzakku für Notebooks und Netbooks.

Für den Akkutausch in Notebooks genügen in der Regel wenige Handgriffe. Typischerweise gibt es auf der Unterseite einen oder zwei Entriegelungshebel. Nach der Entriegelung lässt sich der Akku aus dem Gerät ziehen. Einzige Herausforderung ist es, den passenden Akku zu einem akzeptablen Preis zu finden. Hier hilft eine Internetsuche mit exakter Gerätebezeichnung oder mit der noch präziseren Produktkennung, die der alte Akku zeigt. Dort finden Sie einen Aufkleber oder Aufdruck mit dem Hinweis „Replace with…“ und der genauen Bezeichnung. Originalakkus kosten 50 Euro und mehr. Passende Noname-Akkus, die Sie nicht über die Akkubezeichnung, sondern über die Gerätebezeichnung recherchieren, sind schon ab 30 Euro erhältlich. Umweltbewusste können die teureren Akkus gemäß der EU-Richtlinie RoHS (Restriction of Hazardous Substances) wählen.

Die Themen in Tech-up Weekly #155: Gaming-Notebook mit 2 Displays +++ Faltbares Laptop-Display +++ Häuser aus dem 3D-Drucker +++ Quick-News +++ Fail der Woche +++

► HP Omen X 2S: Erstes Gaming-Laptop mit zwei Displays (00:21):
www.pcwelt.de/2428532

► Lenovo stellt Notebook mit faltbaren Display vor (02:10):
www.pcwelt.de/2428388

► Dorf aus dem 3D-Drucker: 4000 US-Dollar für ein Haus (03:44):
www.pcwelt.de/2429063

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Quick-News (05:38):

► Zombieload: So prüfen Sie, ob Ihr PC gefährdet ist:
www.pcwelt.de/2428662

► YouTuberin entwickelt eigenen GameCube Mini:
www.pcwelt.de/2428817

► Facebook beschränkt Live-Streams nach Terror-Anschlag:
www.pcwelt.de/2428802

►Gerücht: NVIDIA will 2080 aufbohren:
www.pcwelt.de/2429124

► Touchscreens schaden Kindern und Jugendlichen:
www.pcwelt.de/2428813

► DJI Osmo Action: 4K-Videos immer und überall:
www.pcwelt.de/2428732

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Kommentar der Woche:
Entfällt leider (nix lustiges gefunden...)

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