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Achtung, Falle: Die fiesen Tricks der Vergleichsportale

15.10.2019 | 08:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Internetanschlüsse, Strom und Gas, Versicherungen, Hotels, Flüge und Mietwagen, Produktpreise und vieles mehr: Fast alles lässt sich im Internet vergleichen. Doch was sind die Vergleichsportale wirklich wert? Wir kennen und nennen alle ihre Tricks.

Im Idealfall sähe ein Preisvergleich so aus: Portal aufrufen, Produkt oder gewünschte Dienstleistung eingeben und dann das günstigste Vergleichsangebot wählen. Doch die Wahl des Wortes Idealfall und des Konjunktivs deuten bereits an, dass die Realität häufig „anders“ aussieht. Ein gekaufter erster Platz, Ranking der Ergebnisse nach Provisionshöhe, fehlende Transparenz hinsichtlich des eigenen Geschäftsmodells, das Weglassen günstiger Angebote und eine lückenhafte Marktabdeckung sind nur einige Aspekte, die die scheinbar so objektiven Ergebnisse oft genug zur Makulatur machen.

Deshalb erklären wir, wie die Onlinevergleiche arbeiten, wie die Unternehmen ihr Geld verdienen und wie Sie die Portale trotz aller Tricksereien sinnvoll nutzen.

Lesetipp: So nutzen Sie die Tricks der Vergleichsportale

Preisvergleiche präsentieren sich gern als verbraucherfreundlich 

Ohne unsere rote Markierung fällt in dieser Listendarstellung kaum auf, dass das eigentliche Ranking nicht schon ganz oben, sondern erst an der dritten Position beginnt.
Vergrößern Ohne unsere rote Markierung fällt in dieser Listendarstellung kaum auf, dass das eigentliche Ranking nicht schon ganz oben, sondern erst an der dritten Position beginnt.

Die Botschaft der Check24-Werbung „ Hier check ich alles “ ist klar: Dort bekommt man den Durch- und Überblick. Passend zum Claim positioniert sich das nach eigenen Angaben größte Vergleichsportal Deutschlands mit den Begriffen transparent, kostenlos und vertrauenswürdig. Unabhängige und umfassende Vergleiche versprechen auch die übrigen Vergleichsportale. Doch den bieten sie gerade nicht, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband als Zusammenschluss der Landesverbraucherzentralen schon vor zwei Jahren nach einer Untersuchung der fünf größten Vergleichsdienste für Finanzen feststellte. Darin gingen die Verbraucherschützer insbesondere Fragen bezüglich der Transparenz nach: Unter anderem also, ob die Kunden sehen, wieweit der Vergleich die Angebote am Markt abdeckt und ob erkennbar ist, ob und in welchen Fällen die Portale für Vermittlung und Vertragsabschluss Provision erhalten. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Zum einen ließ sich bei keinem Portal die Marktabdeckung überprüfen, zum zweiten zeigten drei der fünf untersuchten Dienste ausschließlich Produkte von solchen Anbietern, die Provisionen zahlten. Dienstleister ohne Geschäftsbeziehungen blieben grundsätzlich außen vor, auch wenn sie besser oder günstiger waren.

Das gilt es bei Onlinevergleichen zu beachten

  • Vergleichsportale listen meist nur die Anbieter auf, die ihnen bei Kauf oder Vertragsabschluss eine Provision zahlen. Vergleichen Sie deshalb Preise und Dienstleistungen auch bei den Anbietern selbst, also Hotels, Fluggesellschaften, Banken, Versicherungen und so weiter.

  • Ändern Sie gegebenenfalls das voreingestellte Ranking, indem Sie die Filter anpassen. Beachten Sie, dass ganz oben in der Liste häufig gesponsorte Angebote stehen („Position 0“).

  • Portale und Anbieter versuchen immer wieder, Kunden zum Kauf von Zusatzleistungen zu veranlassen. Wählen Sie wirklich nur das, was Sie benötigen oder wünschen.

  • Einige Portale geben Angebote erst nach dem Einrichten eines Kundenkontos oder der Angabe von Mailadresse und/oder Telefonnummer heraus. Wägen Sie ab, ob Ihnen das die Sache wert ist.

  • Beurteilen Sie Bewertungen, sei es durch die Portalnutzer oder durch das Portal selbst, immer mit der nötigen Skepsis.

  • Die Nutzung mehrerer Portale erhöht nicht immer die Objektivität der Resultate, denn oft greifen sie auf die gleiche Datenbasis zurück. 

„Portale bieten keinen objektiven und umfassenden Vergleich“ 

Von den mehr als 1250 existierenden Energieanbietern ließen sich Mitte des Jahres über das Vergleichsportal Check24 nur bei gut 160 Anbietern Verträge abschließen.
Vergrößern Von den mehr als 1250 existierenden Energieanbietern ließen sich Mitte des Jahres über das Vergleichsportal Check24 nur bei gut 160 Anbietern Verträge abschließen.

Weitere Studien sowie grundsätzliche Kritik an der Arbeitsweise der Vergleichsportale riefen das Bundeskartellamt auf den Plan, das im Herbst 2017 eine sogenannte Sektoruntersuchung veranlasste, die die gesamte Branche unter die Lupe nahm – nicht also wie sonst üblich einzelne Unternehmen. Die Behörde konzentrierte sich dabei auf die Bereiche Energie, Telekom„ munikation, Versicherungen, Finanzen und Reisen sowie dabei auf die 36 wichtigsten Vergleichsdienste.

In seinem jetzt vorliegenden Abschlussbericht moniert das Kartellamt ebenfalls erhebliche Transparenzdefizite, die zu „Fehleinschätzungen der Verbraucher“ führen könnten. Denn die Vergleichsportale machen das Ranking der Ergebnisse unter anderem davon abhängig, welche Entgelte und Provisionen ihnen die Anbieter zahlen. Als Verbraucher erfährt man davon in aller Regel ebenso wenig wie darüber, dass die Vergleichsdienste den Anbietermarkt teilweise zu weniger als 50 Prozent abdecken. Wenn nämlich ein Anbieter dem Vergleichsportal keine Provision zahlt, taucht er meist auch nicht im Ranking auf. Schließlich muss sich das Onlineportal ja irgendwie finanzieren.

Verbraucherschützer kritisieren nicht nur fehlende Informationen, sondern in vielen Fällen auch die Darstellung: Die blassgrauen Texte in kleiner Schrift sind hier beispielsweise nur mit erheblicher Mühe zu erkennen.
Vergrößern Verbraucherschützer kritisieren nicht nur fehlende Informationen, sondern in vielen Fällen auch die Darstellung: Die blassgrauen Texte in kleiner Schrift sind hier beispielsweise nur mit erheblicher Mühe zu erkennen.

Dass diese Provisionen branchenübergreifend – ausgenommen ist nur der Flugbereich – mit rund 90 Prozent die Haupteinnahmequelle der Vergleichsportale darstellen, ist nur wenig bekannt. Darüber würden die Nutzer häufig nicht angemessen informiert, rügt Kartellamtspräsident Andreas Mundt: „ Es fehlt oft an einer Aufklärung der Verbraucher darüber, wie die Reihenfolge der Suchergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zu Stande kommen “. So waren häufig insbesondere die einzelnen und vor dem eigentlichen Ranking dargestellten Angebote („Position 0“) nicht als Werbung oder Anzeige gekennzeichnet. Unklar ist und bleibt zudem meist, welche Filter hinter Sortierreihenfolgen wie „beste“, „beliebteste“ oder „Empfehlung“ genau stehen.

Dynamische und individualisierte Preise

Um zwei Fragen zu Produktpreisen ranken sich viele Gerüchte: Wann ist ein Artikel im Onlinehandel am günstigsten? Und: Verlangen Händler für Waren und Dienstleistungen höhere Preise, wenn man ihre Webseiten von einem teureren Gerät wie iPhone/iPad oder aus einer besseren Wohngegend aufruft? Beiden Fragen sind die Verbraucherzentralen nachgegangen.

Dynamische Preise, also das Auf und Ab, sind im Onlinehandel verbreitet. Dies geht  aus einer Analyse  des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale Brandenburg aus dem Vorjahr hervor. Zum Teil stiegen die Preise dabei auf mehr als das Doppelte. Während manche Shops mal teurer und mal günstiger anboten, durchliefen die Preise für dieselben Waren anderswo täglich ein Auf und Ab. Bei teurer Ware ist es deshalb sinnvoll, die Preise eine Zeit lang zu beobachten.

Nicht bestätigen ließen sich dagegen individualisierte Preise, wie  eine weitere Untersuchung  zeigt: Danach verlangten nur zwei Shops andere Preise, wenn man seinen Standort änderte. Auch auf unterschiedliche Endgeräte zurückzuführende Differenzen gab es nur vereinzelt, die überwiegende Händlermehrheit verlangte einheitliche Preise. 

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Nutzer werden zum Kauf oder Vertragsabschluss veranlasst 

Noch können die Vergleichsportale nach unklaren Begriffen wie in diesem Fall? Top-Wahl? sortieren. Ab 2021 müssen sie innerhalb der EU die genauen Kriterien für das von ihnen dargestellte Ranking offenlegen.
Vergrößern Noch können die Vergleichsportale nach unklaren Begriffen wie in diesem Fall? Top-Wahl? sortieren. Ab 2021 müssen sie innerhalb der EU die genauen Kriterien für das von ihnen dargestellte Ranking offenlegen.

Kritik übt die Bonner Behörde zudem daran, dass vermeintlich eigenständige Portale auf die Daten und Rechner von anderen zurückgreifen, ohne dass dies nach außen erkennbar sei. Zeigten aber mehrere Vergleiche die gleichen Resultate, steige bei den Nutzern der Eindruck, dass die Ergebnisse objektiv richtig seien.

Daneben setzen die Vergleiche auf weitere Druckmittel, um die Verbraucher zum schnellen Abschluss zu veranlassen. Dazu zählen im Reisebereich Hinweise zu begrenzter Verfügbarkeit, großer Nachfrage oder steigenden Preisen. Allerdings sei jedoch oft nicht erkennbar, inwieweit sich die Hinweise tatsächlich auf die konkrete Suche bezögen und welche Bedeutung sie folglich hätten. Ähnlich würde Druck mit in Kürze ablaufenden Cashback-Aktionen, Boni und ähnlichen finanziellen Anreizen aufgebaut. Die vollständige, mehr als 150 Seiten umfassende Studie finden Sie  hier .

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch  eine Untersuchung des Instituts für Finanzdienstleistungen  in Hamburg, das im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes die fünf meistgenutzten Vergleichsportale für Finanzdienstleistungsprodukte überprüfte. Zwar versuchten alle Portale den Eindruck zu vermitteln, Verbraucherinteressen zu vertreten, de facto fehle es aber vielfach an Transparenz. So erführen die Nutzer zu wenig über die Rankingkriterien, die Vollständigkeit des im Vergleich abgebildeten Marktes, das Geschäftsmodell der Portale und mögliche Geschäftsbeziehungen zu den Anbietern. Im Dunklen bleibe auch, dass nicht alle verschiedenen Vergleichsdienste eigenständig sind.

Wer ist der eigentliche Vertragspartner, und wer ist nur Vermittler?

Gleiches Hotel, gleiche Zeit, gleiches Zimmer und gleiche Stornobedingungen: Die Buchung per Reiseportal (114 Euro) ist in diesem Fall sogar teurer...
Vergrößern Gleiches Hotel, gleiche Zeit, gleiches Zimmer und gleiche Stornobedingungen: Die Buchung per Reiseportal (114 Euro) ist in diesem Fall sogar teurer...
...als die Direktbuchung (108 Euro).
Vergrößern ...als die Direktbuchung (108 Euro).

Beim Kauf oder Vertragsabschluss über ein Vergleichsportal stellt sich zudem immer die Frage nach dem Vertragspartner. Dazu ein Beispiel: Wüssten Sie, welche Rechte Sie bei einer Flugbuchung über Expedia, Flugladen.de, Opodo oder Swodoo gegenüber dem Portal und welche gegenüber der Fluggesellschaft haben? Der Flug selbst ist zwar stets in wenigen Minuten gebucht und bezahlt, doch wer genau Vertragspartner, Veranstalter und Vermittler ist, muss man sich mühsam aus den AGB zusammensuchen. Im Falle von Mängeln und sich daraus ableitenden Ansprüchen ist genau das aber wichtig, warnen Verbraucherschützer. 

Auch deshalb ist es sinnvoll, vor Kauf oder Vertragsabschluss über ein Vergleichsportal die gleiche Leistung nochmals auf der Webseite des eigentlichen Anbieters aufzurufen, also den Flug bei der Fluggesellschaft, die Übernachtung direkt beim Hotel und die Versicherung bei der jeweiligen Assekuranz. Finanziell wirkt sich der direkte Weg meist kaum aus, die Vertragslage aber ist eindeutig. Außerdem offerieren die Anbieter häufig eine größere Auswahl und Vielfalt.

Besserung ist in Zukunft in Sicht, allerdings nur ein bisschen

In den vergangenen Jahren haben Verbände und Verbraucherschützer immer wieder gegen einzelne Vergleichsdienste geklagt, häufig mit Erfolg. So hat das Oberlandesgericht München Check24 bereits 2017 dazu verpflichtet, die Webseitenbesucher schon beim ersten Aufrufen von Versicherungsvergleichen unübersehbar darauf hinzuweisen, dass das Portal nicht nur Preise vergleicht, sondern als Versicherungsmakler auch Provisionen kassiert. Dem kommt Check24 inzwischen mit der sogenannten Erstinformation nach.

Unterlegen ist der Vergleichsdienst vor Gericht in diesem Frühjahr auch gegen die Versicherungsgruppe HUK-Coburg, die Check24 – obwohl die Assekuranz keine Provisionen an das Portal zahlte – am Schluss des Anbieterrankings ohne Abschlussmöglichkeit auflistete. Gelöscht hat das Portal die Einträge auch nach dem Urteil nicht, es zeigt sie nun vielmehr als „reinen Leistungs-Vergleich“, nicht mehr als Preisvergleich.

Immerhin bietet der größte Vergleichsdienst sowohl Positiv- als auch Negativlisten der Anbieter, die an den Preisvergleichen teilnehmen beziehungsweise dies unterlassen. Andere Onlinevergleiche tun dies nicht, obwohl das Kartellamt solche Negativlisten befürwortet. Denn die erleichtern es, jenseits der Portale im Internet gezielt nach passenden Angeboten und Tarifen zu suchen. Ab dem Jahr 2021 soll übrigens ein neues EU-Gesetz für mehr Transparenz sorgen. Dann müssen die Plattformen die Kriterien offen legen, die sich hinter schwammigen Begriffen wie „beste Treffer zuerst“, „empfohlen“ oder Ähnlichem verbergen. 

Kommentar des Autors: "Bleiben Sie kritisch"

Auch ich nutze die Vergleichsportale, denn die Preisvergleiche von Biallo bis Verivox vermitteln meist einen schnellen Überblick über das Markt- und Preisgefüge: Was kostet ein bestimmtes Produkt, was leisten die Internetanschlüsse verschiedener Provider, welcher Versicherer bietet faire Tarife? Gleichzeitig aber verfolge ich die kritischen Stimmen der Verbraucherschützer sowie die Prozesse der vergangenen Jahre, in denen die Portale immer wieder zu mehr Transparenz verdonnert wurden.

Deren Geschäftsmodell auf Provisionszahlungen erklärt auch das Verhalten der Marktteilnehmer: Ein gut geführtes Hotel muss nicht 30 Prozent an einen Vermittler abführen, wenn die Gäste auch ohne ihn buchen. Beim direkten Abschluss beim Anbieter weiß man zudem, wer der eigentlich Vertragspartner ist – und das ist zugleich derjenige, gegenüber dem man bei Problemen seine Verbraucherrechte wahrnehmen kann.

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