2241138

Alle Infos zu AMD Ryzen: Start, Preise, CPU-Modelle, Mainboards, Technik

10.03.2017 | 20:20 Uhr |

AMD gelingt mit dem Ryzen ein glanzvollen Prozessor-Comeback. Alle Infos zur Zen-Architektur und zum Stapellauf der Ryzen-CPUs, die die Monopolstellung von Intel bei Desktop-Prozessoren in ihren Grundfesten erschüttert und mehr Wettbewerb sorgt - und alle dürfen sich auf fallende CPU-Preise freuen!

Update vom 10. März: Der Download des AMD Ryzen Master-Übertaktungs-Tool ist jetzt möglich.

Ryzen-Start: Ab dem 2. März 2017 sind laut AMD die drei Achtkerner AMD Ryzen 7 1800X, 1700X  und 1700   zu einer UVP von 499, 399 sowie 329 US-Dollar (exklusive Steuern) erhältlich. Die Vorbestellung ist ab sofort etwa bei Alternate und Caseking zu Straßenpreisen von 559, 439 sowie 359 Euro möglich. Das AMD-Trio beherrscht sowohl die Übertaktungstechnik Extended Frequency Range (XFR) als auch Simultaneous Multithreading (Bezeichnung bei Intel: Hyperthreading) - jeder CPU-Kern kann also zwei Aufgaben (Threads) gleichzeitig abarbeiten.

Mit den Ryzen-CPUs will AMD endlich wieder zu Intel aufschließen und mit dem Top-Modell Ryzen 7 1800X könnte das sogar gelingen. Zum Preis von 559 Euro bekommt man einen 8-Kerner, der besonders bei der Multi-Core-Performance neue Rekorde aufstellt. Aber wie sieht es mit der Spiele-Leistung und vor allem der Temperatur und dem Stromverbrauch aus? Kann AMD Intel hier wirklich Paroli bieten? Wir haben den neuen AMD Ryzen 7 1800X im Video getestet.

Das Spitzenmodell Ryzen 1800X (8 Kerne/16Threads/3,6 - 4,0 GHz) positioniert AMD als neuen "Achtkern-Desktop-Champion zum halben Preis" gegen Intels Core i7-6900K, der aktuell 1100 US-Dollar kostet. Wir können diese Einschätzung im Test des AMD Ryzen 7 1800X bestätigen. Nach dem Motto "Mehr Leistung zum gleichen Preis" tritt der Ryzen 1700X (8/16/3,4 - 3,8 GHz) gegen den Intel Core i7-6800K und der Ryzen 1700 (8/16/3,0 - 3,7 GHz) gegen den Core i7-7700K an.

Weitere Modelle & Straßenpreise: Die jeweiligen Spitzenmodelle der Hexa- und Quadcore-Baureihen heißen AMD Ryzen 5 1600X (6/12/3,6-4,0 GHz) sowie AMD Ryzen 5 1500X (4/8/3,5-3,7 GHz) und für circa 270 bis 300 Euro respektive 210 bis 230 Euro zu haben sein. Hinzu kommen der AMD Ryzen 5 1600 (6/12/3,2-3,6 GHz) sowie der AMD Ryzen 5 1400 (4/8/3,2-3,4 GHz) zu einer Preisspanne zwischen 240 bis 260 Euro sowie 180 bis 200 Euro.

Varianten ohne Simultaneous Multithreading (SMP) sind wahrscheinlich nur bei den Quadcores der Ryzen-3-Serie geplant. Das Topmodell soll hier der AMD Ryzen 3 1200X (4/4/bis 3,4 GHz) ab circa 150 Euro darstellen. Die vier Ryzen-5-Modelle sollen schon am 11. April in den Handel kommen, die Ryzen-3-Varianten sind für Ende des 2. Quartals 2017 angekündigt.

Das X am Ende der Ryzen-Modellnummer steht nicht, wie bei Intel, für das Vorhandensein eines freien Multiplikator - AMD hat  bereits bekannt gegeben, das alle Ryzens "unlocked" sind. Zudem beherrschen auch alle Ryzen-Modelle XFR. Mit dem X kennzeichnet AMD schlicht alle Ryzen-CPUs, die "über noch mehr Leistung" verfügen.

Prozessor-Modell

CPU-Kerne

Threads

L3-Cache

Basis-/Turbo-Takt

XFR

Preis (Euro)

AMD Ryzen 7 1800X

8

16

16 MB

3,6 / 4,0 GHz

ja

545

AMD Ryzen 7 1700X

8

16

16 MB

3,4 / 3,8 GHz

ja

400

AMD Ryzen 7 1700

8

16

16 MB

3,0 / 3,7 GHz

ja

355

AMD Ryzen 5 1600X

6

12

16 MB

3,6 / 4,0 GHz

ja

270 - 300

AMD Ryzen 5 1600

6

12

16 MB

3,2 / 3,6 GHz

ja

240 - 260

AMD Ryzen 5 1500X

4

8

16 MB

3,5 / 3,7 GHz

ja

210 - 230

AMD Ryzen 5 1400

4

8

8 MB

3,2 / 3,4 GHz

ja

180 -200

AMD Ryzen 3 1200X

4

4

8 MB

3,4 / 3,8 GHz

ja

160 - 180

AMD Ryzen 3 1100

4

4

8 MB

3,2 / 3,5 GHz

ja

140 - 150

Hier alle Produktvarianten von AMDs neuem Ryzen-Prozessor im Preisvergleich entdecken

AM4-Hauptplatinen: Insgesamt sind 32 Ryzen-Mainboards von Asrock, Asus, Biostar, Gigabyte und MSI mit den drei AM4-Chipsätzen AMD A320, B350 und X370 am Start, sodass hier eine recht große Auswahl für jeden Geldbeutel zur Verfügung steht. Je nach Chipsatz und Ausstattung decken die Ryzen-Boards eine Preisspanne von knapp 100 bis zu rund 350 Euro ab. Die AM4-Modelle sind auf dem Stand der Technik und unterstützen unter anderem DDR4-SDRAM, USB 3.1 Gen 2 und NVMe. In der folgenden Bildgalerie finden Sie hochaufgelöste Bilder fast aller AM4-Hauptplatinen :

Kosten für ein Plattform-Upgrade auf AMDs Ryzen-Prozessor: Im günstigsten Fall müssten Sie aktuell für ein Ryzen-Upgrade Ihres PCs mit acht Gigabyte DDR4-Arbeitsspeicher (ab 50 Euro), einer AM4-Hauptplatine (ab 100 Euro) und dem Ryzen 1700 (ab 359 Euro) also rund 500 Euro hinblättern.

Erste unabhängige Benchmark-Ergebnisse: Der Ryzen R7 1700X positioniert sich im Passmark bereits ohne Turbo-Modus knapp vor dem Intel Core i7-6800K. Sie wollen Ihren PC mit dem Ryzen vergleichen - dann laden Sie sich einfach die Trial-Version von Passmark herunter.

Leistungs-Check: AMD Ryzen auf Augenhöhe mit Intel Core i7

Bis zu 51 Prozent mehr Recheneffizienz: Laut AMD kann die Zen-Architektur circa 50 Prozent mehr Befehle pro Taktrate abarbeiten als die Vorgängergeneration. Diese Leistungseinschätzung sieht AMD mit Live-Benchmarks auf dem Tech Day in San Fransisco belegt:

Danach kommt der 1800X im Cinebench R15 auf 1601 Punkte im Multi-Thread-Test - neun Prozent mehr als der Cori i7-6900K. Der Ryzen 1700X sowie der 1700 erreichen hier werte von 1537 respektive 1410 und sind damit bis zu 40 Prozent besser als Intel-CPUs der gleichen Preisklasse. Natürlich sind solche einzelnen, von AMD ausgewählten Benchmarks, mit Vorsicht zu genießen. Aber trotz aller Skepsis kann man sagen: So wettbewerbsfähig war AMD schon lange nicht mehr und wird Intel zu einer Korrektur der Preisgestaltung zwingen. Vor allem im Highend-Bereich diktierte Intel mangels Konkurrenz jahrelang das Preisniveau und kassierte für seine Extreme-Edition-Modelle Mondpreise von 1000 Euro und mehr.

AMD hat nach 4 Jahren Entwicklungszeit seinen ersten Zen-basierten Desktop-Prozessor mit dem Namen "Ryzen" vorgestellt. Der soll mit 8 Kernen und 16 Threads endlich wieder Intel Paroli bieten. Und erste Benchmarks zeigen auch eine ähnliche Leistung wie ein vergleichbarer Intel-Core i7 - zumindest in den von AMD gezeigten Szenarien. Alle Infos zur neuen Intel-Konkurrenz gibt's in diesem Video.

Die Octa-Core-Spitzenmodell im direkten Vergleich: AMD Ryzen 7 1800X vs Intel Core i7-6900K

Prozessor

AMD Ryzen 7 1800X

Intel Core i7-6900K

Fertigung

16 Nanometer

16 Nanometer

CPU-Kerne

8

8

Threads

16

16

Basis-Takt

3,4 GHz

3,2 GHz

Turbo-Takt

4,0 GHz

3,7 GHz

Cache

20 MB

20 MB

RAM-Controller

DDR4

DDR4

RAM-Channels

2

4

TDP

95 Watt

140 Watt

CPU-Sockel

µOPGA-AM4

LGA-2011 V3

Preis

550 - 600 Euro

1100 Euro

AMD Zen: 14 nm, 1331 Pins, AM4-Sockel und drei spezialisierte Chipsätze

Die im 14-Nanometer gefertigte Xen-Generation schließt auch bei der Leistung/Watt zu Intel auf. War der FX-Vorgänger noch als Heizlüfter verschrien, so scheint AMD auch hier einen guten Job gemacht zu haben: So gibt der Hersteller die TDP (Thermal Design Power) des Ryzen-Spitzenmodells mit 95 Watt an. Das wäre eine rund 30 Prozent geringere Leistungsaufnahme als beim direkten Konkurrenten Intel Core i7-6900K und böte genügend Reserve, um sogar den etwas energieeffizienten Kaby-Lake-CPUs von Intel - die Anfang 2017 auf den Markt kommen - noch Paroli zu bieten.

Schematisches Blockschaltbild der Microarchitektur der Zen-CPU-Generation.
Vergrößern Schematisches Blockschaltbild der Microarchitektur der Zen-CPU-Generation.
© AMD

Neue Architektur, neuer Sockel: AMD hat bei der Zen-Architektur vieles radikal verändert. Ein neuer CPU-Steckplatz ist hier de facto unvermeidlich - zumal sich hier die Gelegenheit bietet, das Tempo, die Anzahl der Datenleitungen und den Funktionsumfang zu erhöhen. Unter anderem wandert PCI Express 3.0 direkt in die CPU. Im Vergleich zum „AM3+“-Steckplatz mit 942 Pins erhöht sich die Anzahl der Signalkontakte beim AM4 um mehr als 40 Prozent auf 1331. Zudem kehrt AMD vom Sockel-Typ Zero Insertion Force (ZIF) zum rasterförmig angeordneten Pin Grid Array (PGA) zurück.
 
Neue Architektur, neue Chipsätze: Ein neuer Prozessorsockel bedarf logischerweise auch neuer Chipsätze, damit das höhere Tempo auch bei der Controller-Peripherie ankommt. Seinen Xen-Prozessoren spendiert AMD gleich drei davon: Den Brot-und-Butter-Chipsatz stellt der B350 dar. Er erlaubt das Übertakten des Ryzen, allerdings nicht den SLI-Betrieb - immerhin unterstützen aber einige B350-Boards 2-Way-CrossFireX, stellen dann aber nur 4 PCIe-Lanes für die zweite Grafikkarte zur Verfügung. Zudem bringt der B350 USB-Controller für bis zu 2x USB 3.1 G2, 2x USB 3.1 G1 und 6x USB 2.0 sowie 2x SATA 3 und 2x M.2 mit.

An Sparfüchse richtet sich die A320-Variante, der die OC-Funktion fehlt und die Anzahl der USB-Ports auf 1x USB 3.1 G2, 2x USB 3.1 G1 und 6x USB 2.0 limitiert ist. Hinzu kommen 2x SATA 3 und 2x M.2 sowie der für alle Ryzen-Chipsätze obligatorische Raid-Controller, der die Modi 0, 1 sowie 10 beherrscht.

Für Gaming-Systeme ist der X370-Chipsatz gedacht, der den Crossfire- oder SLI-Betrieb von zwei Grafikkarten beherrscht und das Übertakten der Ryzen-CPU erlaubt. Zudem bringt der AMD X370 USB-Controller für bis zu 2x USB 3.1 G2, je 6x USB 3.1 G1 und USB 2.0 sowie 4x SATA 3 und 2x M.2 mit.

Neue Architektur, neue Mainboards: Neue Chipsätze erfordern auch neue Hauptplatinen. Hier nutzt AMD die Gelegenheit, die Xen-Plattform auf den Stand der Technik zu bringen. Dazu gehört beispielsweise der Wechsel von DDR3- auf DDR4-Speicher. Mainboard-Hersteller wie Asrock, Asus, Biostar, Gigabyte und MSI haben bereits diverse AM4-Modelle für den AMD Ryzen zur Marktreife entwickelt. PCs mit dem Ryzen-Prozessor sollen ab Februar 2017 etwa von Caseking, Mindfactory, Medion und PC Spezialist erhältlich sein.

Komplett umgekrempelte Microarchitektur

Mit dem Zen führt AMD das Simultaneous Multithreading (SMT) ein, das es jedem Kern erlaubt, zwei Aufgaben gleichzeitig abzuarbeiten. Intel hat diese flexible Nutzung der Rechenleistung von Mehrkern-CPUs schon vor Jahren mit "Hyperthreading" etabliert. Damit der Zen SMT beherrscht, dürfen jetzt wieder alle Kerne ihre eigenen Recheneinheiten exklusiv nutzen - vom L3-Caches einmal abgesehen - und müssen sie nicht wie bei der Vorgängergeneration mit anderen Kernen teilen.

Eine gewisse Verwandtschaft zu Intels Ring-Bus-Konzept kann der Data Fabric des Zen nicht verleugnen. Über diesen Datenbus kommunizieren alle Prozessorkerne direkt miteinander. Der Data Fabric geht aber noch einen Schritt weiter. AMD will den aufgebohrten Hypertransport auch nutzen, um die Zusammenarbeit der CPU- und GPU-Kerne bei Xen-Prozessoren mit integrierte Radeon-Grafik (APU) zu verbessern. Durch einen kombinierten HBM2-DDR4-Controller verspricht sich AMD auch einen deutlich schnelleren Datenaustausch zwischen Grafik- und Arbeitsspeicher.

Höhere Recheneffizienz pro Watt durch SenseMI

Unter dieser Technik fasst AMD fünf Maßnahmen zusammen, die Hand in Hand greifen.
Pure Power soll fortlaufend die Taktfrequenz, Spannungsversorgung und Temperaturentwicklung in einer Zen-CPU überwachen. Laut AMD ist es so möglich, ein konstant hohes Tempo in den gerade genutzten Recheneinheiten zu halten und dabei die Leistungsaufnahme des Zen-Prozessors zu senken.

Precision Boost erlaubt die Regulierung der Taktfrequenz in 25-Mhz-Intervallen. Laut AMD lässt sich so die zur Verfügung gestellte Leistung besser an die in Echtzeit benötigte Rechenpower anpassen.
Extented Frequency Range (XFR) erhöht - eine entsprechend gute Kühlung vorausgesetzt - den Spielraum für kurzfristig auftretende Übertaktungsspitzen. Wer also in seinem Zen-System statt einer Luft- eine Wasserkühlung einsetzt, wird mit höheren und längeren Turbo-Taktraten belohnt.

Neural Net Prediction ist laut AMD eine optimierte Sprungvorhersage, bei der nicht nur Befehlsverzweigungen, sondern auch -abhängigkeiten miteinbezogen werden, um die vermeintlich schnellsten Rechenweg vorherzusagen.
Smart Prefetch soll ein effizienteres Vorhalten von Daten im Prefetch-Puffer für wahrscheinlich stattfindende Berechnungen erlauben.

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2241138