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6 unbekannte Clouddienste, die man kennen sollte

01.04.2019 | 14:03 Uhr | Roland Freist

Cloudspeicher wie Dropbox, Onedrive oder Google Drive kennt jeder. Daneben gibt es jedoch zahlreiche attraktive Dienste, die kaum jemand kennt, sowie interessante Webtools für die Verwaltung und Erweiterung des Speichervolumens.

Nahezu jeder PC-und Smartphone-Besitzer nutzt mindestens einen Clouddienst. Sei es Dropbox für den einfachen Austausch von großen Dateien sowie als Festplatten-Erweiterung oder den Google-Speicher für das Backup der Smartphone-Konfiguration. Apple bietet seinen Kunden die iCloud für die Synchronisation ihrer Daten an, Microsoft hat Onedrive tief in Windows und Office integriert, und Telekom-Kunden bekommen satte 25 GB Speicherplatz schon in der kostenlosen Variante .

Doch neben diesen großen Diensten existieren zahlreiche Alternativen. Viele von ihnen bieten ebenfalls attraktive Angebote für das Auslagern und Synchronisieren von Daten an. Manche von ihnen haben sich auf bestimmte Dateitypen wie beispielsweise Bildformate spezialisiert, andere sind typische Allrounder.

Und es sind durchaus nicht nur kleinere Anbieter, die sich auf diesem Markt tummeln, sondern auch große Namen wie Amazon oder die Deutsche Post.

Auch bei der Verwaltung Ihres Cloudspeichers sind Sie nicht auf die bekannten Tools von Dropbox & Co. angewiesen. Bei der Suche im Web stößt man bald auf eine ganze Reihe von Diensten, mit denen man beispielsweise die Clouddienste mehrerer Anbieter miteinander verknüpfen oder synchronisieren kann.

Im folgenden stellen wir eine Reihe von Clouddiensten abseits des Mainstreams vor und zeigen Ihnen einige Tricks, wie Sie jeweils zu zusätzlichem Speicherplatz kommen.

Tipp: Die besten kostenlosen Cloud-Speicher aus Deutschland

Amazon Drive/Photos: Bilder und Videos synchronisieren

Amazon Drive bietet sich als Clouddienst zum Speichern von Fotos und Videos an.
Vergrößern Amazon Drive bietet sich als Clouddienst zum Speichern von Fotos und Videos an.

Amazon ist einer der Pioniere unter den Cloudanbietern: Um die eigenen Server außerhalb des Weihnachtsgeschäfts besser auszulasten, stellte sie der Onlineshop gegen eine Gebühr Unternehmen zur Verfügung. Heute sind die Amazon Web Services , kurz AWS, einer der weltweit größten Clouddienste für die Industrie überhaupt und einer der wichtigsten Umsatzbringer des Konzerns.

Dass Amazon daneben auch einen Clouddienst für Privatkunden anbietet, wird dabei häufig übersehen. Was vielleicht auch ein wenig am Namen liegt: Ursprünglich hieß das Angebot Amazon Cloud Drive , dann wurde der Dienst als Amazon Drive vermarktet. So heißt auch die Android-App für Cloudzugriff, während die Windows-Software seit einigen Monaten unter dem Namen Amazon Photos läuft, allerdings auf den gleichen Speicher zugreift. Auf dem Windows-Desktop meldet sie sich nach der Installation unter der Bezeichnung „Amazon Backup“.

Amazon bietet jedem seiner registrierten Kunden 5 GByte kostenlosen Speicherplatz für Dateien aller Art. Genutzt wird der Dienst aber in erster Linie für die Ablage beziehungsweise das Backup von Bildern und Videos. Die Desktop-Software bringt Funktionen für die automatische Synchronisation von lokalen Ordnern mit dem Cloudspeicher mit, die Android-App erlaubt lediglich ein manuelles Hochladen von Dateien. Aber auch das Desktop-Programm ist für Backups nur bedingt tauglich. So fehlt die Möglichkeit, einen Zeitplan für die Sicherungen aufzustellen.

Übersicht: Tools und Apps für CloudDienste

Name

Beschreibung

Amazon Drive/Photos

Die Clients für Amazons Cloudspeicher

Amazon Photos

Android-App für Amazons Cloudspeicher

E-Post Cloud 1.5.8-7700

Android-Client für den Clouddienst der Post

Pcloud

Windows-Client

Pcloud (Android)

Android-Client

MediaFire

Android-Client

Mega Client

Windows-Client

Mega Client (Android)

Android-Client

Mega Erweiterung

Browser-Erweiterung

E-Post Cloud: Mit Versandmöglichkeit für Faxe und Briefe

Der Clouddienst der Deutschen Post ist mit einer Funktion zum Schreiben und Versenden von Briefen und Faxen verknüpft.
Vergrößern Der Clouddienst der Deutschen Post ist mit einer Funktion zum Schreiben und Versenden von Briefen und Faxen verknüpft.

Die Deutsche Post gibt Ihnen über ihre E-Post Cloud nach einer kurzen Registrierung kostenlosen Zugriff auf 5 GByte Speicherplatz. Die Dateien lassen sich über den Browser hoch-und herunterladen, außerdem finden Sie in den Stores von Google und Apple entsprechende Clients. Wer zusätzlich seine Postadresse verifizieren lässt, hat die Möglichkeit, direkt aus dem Browser heraus Faxnachrichten zu verschicken und zu empfangen, außerdem bietet die Post in diesem Fall auch einen Briefservice an: Sie verfassen Ihr Schreiben über einen Editor im Browser, und die Post druckt es aus, steckt es in einen Umschlag, frankiert den Brief und stellt ihn dem Empfänger zu. Der Faxversand ist kostenlos, für den Briefversand müssen Sie zahlen.

My Tuxedo: Nur für Kunden der Hardware

Mytuxedo steht nur Kunden von Tuxedo Computers offen.
Vergrößern Mytuxedo steht nur Kunden von Tuxedo Computers offen.

Die Firma Tuxedo Computers aus Königsbrunn bei Augsburg verkauft PCs und Notebooks mit vorinstalliertem Linux sowie diverses Zubehör. Jedem Rechner liegt eine Registrierungs-ID bei, mit der Sie sich bei dem kostenlosen Clouddienst My Tuxedo anmelden und 10 GByte Speicherplatz nutzen können. Die Online-Daten der Clients lassen sich mit Windows-, Apple-und Linux-Rechnern synchronisieren, außerdem sind für Android und iOS reine Zugriffsclients verfügbar. Wer will, kann aber auch einfach über den Browser auf seinen Speicher zugreifen.

Tipp: Daten in der Cloud sicher verschlüsseln

CloudSpeicher erweitern

Die im Artikel beschriebenen Clouddienste bieten allesamt die Möglichkeit, den kostenlosen Speicherplatz zu erweitern.

Amazon Drive: Wer für 69 Euro im Jahr Amazon Prime bestellt, bekommt für Fotos unbegrenzt Speicherplatz bei dem privaten Clouddienst des Unternehmens.

E-Post Cloud : Nach einer Registrierung per Post-oder Videoident-Verfahren wird der Speicherplatz von 5 auf 30 GByte erweitert.

MediaFire : Der Dienst erweitert Ihren Account mit 10 GByte um 1 GByte für jede direkte Empfehlung an andere Personen (maximal 32 GByte). 200 MByte gibt es für die Installation der Mobil-App, weitere 200 MByte für eine Empfehlung auf Facebook, 200 MByte für eine Verknüpfung mit Ihrem Twitter-Account, 200 MByte für eine Verknüpfung mit Ihrem Facebook-Konto und schließlich noch einmal 200 MByte für eine Empfehlung auf Twitter.

Mega: Der neuseeländische Anbieter erweitert Ihren Account gleich zu Anfang um 35 auf 50 GByte, allerdings nur für 30 Tage. Die 15 GByte behalten Sie jedoch. Für die Installation des Synchronisationstools erhalten Sie 20 GByte Speicherplatz und 40 GByte Transfervolumen extra, für die Mobil-App 15 beziehungsweise 30 GByte. Beides allerdings nur für 180 Tage. Für jeden neu gewonnenen Kunden gibt es 10/20 GByte, die dann nach 365 Tagen auslaufen.

My Tuxedo: Für jedes bei Tuxedo gekaufte Gerät erhalten Sie eine weitere Registrierungs-ID, mit der Sie das mit dem Erstkauf erworbene Speichervolumen von 10 GByte um weitere 10 GByte vergrößern können.

Pcloud: Für die Verifizierung Ihrer E-Mail-Adresse gewährt Ihnen der Dienst 1 Gigabyte zusätzlich zu den ab Registrierung eingeräumten 10 GByte hinzu. Einladungen an weitere Personen bringen jeweils 500 MByte.

Pcloud: Gegen Aufpreis mit Verschlüsselung

Bei Pcloud bekommen Sie nach der Registrierung 10 GByte Speicher zur freien Verfügung. Der Zugriff ist direkt über den Browser möglich, der Anbieter, die amerikanische Firma Pcloud, empfiehlt jedoch den funktionsreicheren Windows-Client. Der ist allerdings nur auf Englisch, Spanisch oder Französisch erhältlich. Weitere Clients gibt es für Mac-OS X, Android, iOS und Windows Mobile.

Die Funktionalität von Pcloud orientiert sich an Dropbox. So können Sie beispielsweise unter Windows einen Sync-Ordner einrichten oder Dateien und Ordner in der Pcloud für andere Personen freigeben. Der Dienst bietet eine sichere Datenverschlüsselung nach dem 256-Bit-AES-Standard an: Die Dateien werden in diesem Fall auf dem Computer des Anwenders verschlüsselt und anschließend hochgeladen, so dass auch Pcloud selbst die Inhalte nicht einsehen kann. Das Fachbegriff dafür lautet Zero-Knowledge, da der Cloudbetreiber weder Zugriff auf das Passwort noch auf die unverschlüsselten Daten hat. Der Verschlüsselungsservice von Pcloud ist nach einer 14-tägigen Testphase kostenpflichtig und kommt dann auf 3,99 US-Dollar im Monat.

Übersicht: Die Sechs Cloud-Dienste im Detail

Bezeichnung

Gratis-GB

Verschlüsselung

Besonderheiten

Amazon Drive

5

Nein

Unbegrenzter Foto-Speicherplatz für Prime-Kunden

E-Post Cloud

5

Ja

Fax-und Briefversand

MediaFire

10

Nein

Sharing-Funktion

Mega

15

Ja

Zusätzlicher Speicherplatz mit Verfallsdatum

Mytuxedo

10

Ja

Nur für Tuxedo-Kunden

Pcloud

10

Ja

Verschlüsselung nach 14 Tagen kostenpflichtig

MediaFire: Vom Sharing-Service zum Hoster

MediaFire begann als ein Filesharer, der seinen Kunden sogar damit drohte, die Dateien von Accounts ohne Download-Aktivitäten wieder zu löschen. Inzwischen konzentriert sich der texanische Anbieter allerdings auf das Filehosting. Windows-, Mac-und Linux-User erledigen den Upload und Download ihrer Dateien über den Browser, für Android und iOS stehen eigene Client-Programme bereit. Auf diesem Weg können Sie bis zu 10 GByte Speicherplatz kostenlos nutzen. Eine Verschlüsselung sieht MediaFire nicht vor. Es besteht die Möglichkeit, für einzelne Dateien oder auch Ordner einen Share-Link zu generieren, um die Daten mit anderen zu teilen. Die englische Bedienoberfläche wurde teilweise mit Hilfe des Google Übersetzers ins Deutsche übertragen, was an einigen Stellen unfreiwillig komische Effekte ergibt („Klicken Sie um Hilfe“).

Mega: Storage mit Verfallsdatum und Verschlüsselung

Mega wurde von Kim Dotcom als Nachfolger von Mega-Upload in Neuseeland gegründet. Heute hat er mit dem Dienst allerdings nichts mehr zu tun, laut seinen eigenen Angaben infolge einer „feindlichen Übernahme“. Wem der Dienst heute gehört, ist etwas unklar. Angeblich soll er von einem chinesischen, in Neuseeland lebenden Investor gekauft worden sein, der wiederum, ebenso angeblich, in China wegen Betrugs gesucht wird. Eine echte Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

Dotcom hatte Mega von Anfang an auf Sicherheit getrimmt. Der Dienst verschlüsselt die hochgeladenen Dateien generell mit 128 Bit AES. Da die Verschlüsselung auf dem Computer des Anwenders erfolgt, hat auch der Dienst selbst keinen Zugriff auf die Daten (Zero-Knowledge). Als weiteres Sicherheitsmerkmal haben die Entwickler eine Zwei-Faktor-Authentifizierung eingebaut. Und: Mega besitzt ein eigenes Chatprogramm mit einer Kontaktdatenbank und Echtzeit-Verschlüsselung. So ist es möglich, dass sich zwei Nutzer abhörsicher miteinander austauschen können.

Bei Mega erhalten Sie 15 GByte Speicherplatz plus 35 GByte zum Dank für die Registrierung. Doch Vorsicht: Dieser zusätzliche Speicherplatz wird nach 30 Tagen wieder eingezogen. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie verschiedene Aktionen ausführen und etwa den mobilen Client des Dienstes herunterladen. Doch auch der damit gewonnene Speicherplatz ist nicht für die Ewigkeit, sondern wird nach 180 Tagen wieder gestrichen.

Mega bietet mehrere Zubehörprogramme. Neben den Desktop-Clients für Windows, Mac-OS X und Linux können Sie Browser-Erweiterungen für Firefox, Chrome und den Open-Source-Browser Pale Moon sowie Apps für Android, iOS und Windows Mobile herunterladen. Sogar ein Zugriff über die Kommandozeile ist möglich. Hinzu kommt ein Add-on für das E-Mail-Programm Thunderbird , mit dem Sie große Dateien direkt auf die Server des Dienstes schicken.

Cloud-Speicher verwalten

Weil der Speicherplatz bei einem Clouddienst oftmals nicht ausreicht, registrieren sich viele Anwender gleich bei mehreren Anbietern. Das macht es jedoch immer schwieriger, den Überblick über die eigenen Daten zu behalten. Man findet jedoch eine Reihe von Webtools, mit denen sich die diversen Cloudspeicher unter einer gemeinsamen Oberfläche verwalten lassen.

Cloudevo : Das Tool fasst den gesamten freien Speicher der gebuchten Clouddienste in einem Windows-Laufwerk zusammen. Alle dort gespeicherten Dateien werden von der Software verschlüsselt, komprimiert, in Fragmente aufgeteilt und auf die Cloudspeicher verteilt. Die Originale bleiben wie bei Dropbox oder Onedrive auf dem lokalen PC erhalten. Cloudevo ist daher in erster Linie eine Verwaltungs-und Backup-Lösung und für die Entlastung der Festplatte nicht geeignet.

Multcloud : Mit diesem Webdienst können Sie Dateien direkt von einem Clouddienst zum anderen kopieren oder verschieben, ohne sie erst langwierig herunter-und anschließend wieder hochladen zu müssen. Nach Eingabe der Zugangsdaten erlaubt Multcloud den Aufbau von direkten Verbindungen zwischen den Diensten und kann den Datenbestand auf Wunsch auch synchronisieren.

Odrive : Auch Odrive ist ein reiner Webservice und hat sich auf die Synchronisation zwischen mehreren Clouds sowie zwischen dem lokalen Computer und der Cloud spezialisiert. Über ein Add-on können Sie Ihre Daten vor dem Hochladen sogar noch verschlüsseln.

Otixo : Mit diesem Dienst fassen Sie die Clouds von mehr als 30 Anbietern zu einer Super-Cloud zusammen, die bis zu 250 GByte umfassen darf. Eine integrierte, alle Clouddienste umfassende Suche hilft bei der Verwaltung der Dateien. Für die Zusammenarbeit im Team gibt es die Spaces, zu denen Sie andere Personen einladen und wo Sie gemeinsam mit ihnen an Dokumenten arbeiten können. Zudem unterstützt Otixo auch eine Verschlüsselung mit 256 Bit nach dem AES-Standard. Es gibt eine Free-Version von Otixo, bei der jedoch 0,49 US-Cent Transfergebühren pro Gigabyte anfallen.

Dieser Artikel stammt aus der PC-WELT-Ausgabe 4 / 2019.

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