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100 Thieves: Wie CoD-Superstar NadeShot Justin Biebers Manager & Drake überzeugte

23.01.2020 | 13:31 Uhr |

Heute ist Matthew „NadeShot“ Haag eine lebende Legende: Er hat mit Scooter Braun, Manager von Justin Bieber und Ariana Grande sowie Drake mit 100 Thieves ein 160 Millionen US-Dollar schweres eSports-Team gebaut. Doch der Anfang als Profi war hart und von Schicksalsschlägen geprägt, wie er im Gespräch mit PC Welt erzählt.

Meine Hände zitterten, als ich die Nummer eingab. Meine Mama nahm ab, ich wollte eigentlich sagen „Hey Mum, wollte mich nur mal melden, alles fein hier.“ Aber ich konnte es nicht, es brach einfach so aus mir raus. „Mum, Dad - ich habe gerade 100.000 US-Dollar gewonnen.“ Am anderen Ende der Leitung begann die Party, sein Dad schnappt sich das Telefon, fragte, ob er nur scherze oder das wirklich wahr sei. „100.000, echtes Geld. Vor ein paar Minuten gewonnen bei den Grand Finals der Call of Duty XP.“ Das war 2011.

So erzählt es NadeShot. Ein sympathischer Kollege, ein irrer Typ, ein superber Geschäftsmann. Als Teenager brät er Burger, um sich sein Taschengeld aufzubessern. Kurz darauf wird er Profi in Halo 2, wechselt zu Call of Duty: Modern Warfare 3 und OpTic Gaming. Mit 20 hat er die erste Million verdient. Mit 27 gehört ihm eines der größten eSports-Teams der USA mit 100 Thieves und seine Partner sind Scooter Braun, Manager von Justin Bieber sowie Arianna Grande. Und Superstar Drake. Viel mehr Star-Power im Management geht eigentlich nicht. Drake spielt für sein Leben gerne Fortnite – bekannt wurde das, als ihn Ninja via Instagram fragte, ob er Lust auf eine Partie hätte, er spontan zusagte und 635.000 Menschen zuschauten. Wie passend, dass NadeShots Team 100 Thieves so stark ist in Fortnite - auf dem Fortnite World Cup 2019 in New York konnten die Spieler Ceice und Elevate 1.8 Millionen US-Dollar gewinnen. 

eSports: Wie man bei 14 Milionen Euro Preisgeld cool bleibt

Vom Burgerbrater bei McDonalds zum eSports-Helden der Call-of-Duty-Generation

Seine Karriere beginnt mit Halo 2, dann lernt er Hector Rodriguez kennen und unterschreibt einen Vertrag mit OpTic Gaming, wo er zahlreiche World Championship-Titel gewinnt.
Vergrößern Seine Karriere beginnt mit Halo 2, dann lernt er Hector Rodriguez kennen und unterschreibt einen Vertrag mit OpTic Gaming, wo er zahlreiche World Championship-Titel gewinnt.
© Red Bull

Wenn NadeShot, der eigentlich Matthew Haag heißt, seine Karriere reflektiert, bleibt er immer wieder bei diesen Grand Finals der Call of Duty XP hängen. Ein abgefahrenes Event, an dessen Rande die Teilnehmer in einem Humvee durch einen Hollywood-Parcours cruisten. Links und rechts gingen Explosionen hoch, Special-Forces sicherten uns als VIP. Und für NadeShot bedeutete dieser Tag im August 2011, dass sich sein Leben ändern würde:

Ich hatte nie Geld, stockte mein Taschengeld mit einem Job bei McDonalds auf. Den schmiss ich nach der CoD XP, hatte ja jetzt 100.000 auf dem Bankkonto und widmete mich ganz der Pro-Karriere. Ich war auch unglaublich glücklich, weil ich meine Eltern nicht enttäuscht hatte: Es ist nicht einfach, für Mama und Papa zu akzeptieren, dass der Sohnemann Pro-Gamer werden möchte. Damals noch viel weniger als heute, weil eSports eher ein Nischenthema war. In einer sehr großen Nische, aber es wurde nicht im TV ausgestrahlt und es waren eher Gaming-Marken involviert, nicht Mercedes, Audi, Gilette, Louis-Vuitton, all diese Mode-Marken wie ja auch StockX, die uns bei 100 Thieves jetzt sponsern.“ 

Perks, wenn man mit Musik-Managern zusammenarbeitet: NadeShot fliegt mit Scooter Brauns Jet zu Events. Und nein - sein eigener ist das nicht, das war nur ein Joke auf Twitter.
Vergrößern Perks, wenn man mit Musik-Managern zusammenarbeitet: NadeShot fliegt mit Scooter Brauns Jet zu Events. Und nein - sein eigener ist das nicht, das war nur ein Joke auf Twitter.
© NadeShot Youtube

„Ich bin sehr dankbar dafür, was mir diese Karriere ermöglicht hat. Ich habe ein Haus für meine Eltern gekauft, und ihnen geht es heute sehr viel besser. Als Kinder sollten wir immer zurückgeben, weil Mama und Papa oft viel für ihre Kids opfern müssen. Meine Mama arbeite in der Notfallambulanz, ein Knochenjob. Sie kam um 6 Uhr morgens nach Hause nach ihrer Schicht, brachte meine Schwester zur Schule. Als sie zurück war, schauten wir Scooby-Doo – sie war immer müde, aber sie wollte Zeit mit mir verbringen. Wir unterhielten uns, bis sie auf dem Sofa einschlief.“ Seine Mama war es auch, die ihn dazu ermutigte, seine Träume zu verfolgen: „Sie hatte einen tragischen Unfall, der sie lange ans Bett fesselte. Mein Papa war kein Freund von der Idee Pro-Gamer zu werden, schließlich ist das ein bisschen als ob man sagt „Ich werde der nächste Tom Brady.“ Doch Mum sagte: „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum. Und wenn es das ist, was du liebst, dann mach’ es.“

Matts Mama stirbt 2012 nach langer Krankheit. „Ich hätte am liebsten alles weggeworfen und mich zu Hause verkrochen. Aber Mum hätte das nicht gewollt. Sie hätte gewollt, dass ich kämpfe. Gewinne. Meinen Traum lebe.“ Im gleichen Jahr unterzeichnet er den weltweit ersten Vertrag eines eSports-Athleten mit Red Bull.


Ein Gentleman-Move, um OpTic Gaming zu retten

Als Scump seinen Rücktritt fordert, willigt NadeShot ein, weil er ihn für den besseren Spieler hält. OpTic Gamings CEO jedoch hält zu ihm. Mittlerweile sind sie gute Freunde.
Vergrößern Als Scump seinen Rücktritt fordert, willigt NadeShot ein, weil er ihn für den besseren Spieler hält. OpTic Gamings CEO jedoch hält zu ihm. Mittlerweile sind sie gute Freunde.
© OpTic Gaming

Einige Jahre später befand sich sein Team OpTic Gaming in einer Krise: Scump machte NadeShot verantwortlich für zahlreiche verlorene Turniere und setzte CEO Hector Rodriguez ein Ultimatum: Entweder NadeShot geht oder er wechselt zu Team EnVyUs. Matt entscheidet sich für den Gentleman-Move dieses Jahres und bietet an, freiwillig das Team zu verlassen. Via Twitter sagte er „Scump ist der bessere Spieler, er verdient den Spot im Team. Ich biete an, freiwillig zurückzutreten.“ Doch Hector entscheidet überraschend: Auch weil Scump NadeShot nicht nur verbal, sondern auf einem Turnier auch physisch angreift, schmeißt er ihn aus dem Roster und hält zu NadeShot, was er nicht bereuen sollte. Aus der Feindschaft sollte später Freundschaft reifen, denn Scump fragte, ob er zurückkommen dürfe und die beiden wurden zum Power-Duo von OpTic Gaming. Ihr größtes Problem war nie das Geld, OpTic hatte immer ein starkes Sponsoren-Line-Up. Sondern die großen, die Prestige-trächtigen Siege. Mehrmals hintereinander wurde man Zweiter bei den Call of Duty World Championships. Man war so ein bisschen das Borussia Dortmund des eSports.

Auf den MLG XGames platzt dann der Knoten: „Wir wuchsen endlich als Team zusammen. Ich weiß bis heute nicht, warum das so lange dauert, aber wir schlugen Evil Genius und dann ging’s richtig rund. Wir flogen mit einer Goldmedaille nach Hause. Es ist eines dieser skurrilen Turniere, wo es kein Preisgeld, sondern nur Ruhm zu gewinnen gibt. Aber ich schätze, genau das brauchten wir zu diesem Zeitpunkt.“ Das Schwierige am CoD-eSports: Anders als Counter-Strike ändert sich das Spiel jedes Jahr – Call of Duty: Ghosts war ein komplett anderes Spiel als vorher Modern Warfare 3 und Advanced Warfare spielte sich wieder komplett anders. „Das macht CoD aber auch so verdammt spannend, weil jede Season die Karten neu gemischt werden. Du kannst die Championships holen und Weltmeister werden, in der nächsten Saison komplett untergehen, weil dir das ganze Run-&-Jump-Gameplay von Advanced Warfare nicht liegt. Das Spiel wurde dadurch auch immer schneller und wuchs stark in der Vertikalen, was komplett neue Taktiken erfordert.“ So geht es NadeShot – er beendet seine Karriere und fokussiert sich ganz auf Youtube und den Aufbau seiner Marke. Auch weil er größere Ziele hat - er will sein eigenes Team. 

Eefje “Sjokz“ Depoortere: Die First Lady des eSports im Portrait

Vom Call-of-Duty-Pro zum Youtube-Star und CEO von 100 Thieves 

Smarter Geschäftsmann: NadeShot hat von den sogenannten Drops der Luxusmarke Supreme gelernt: Als 100 Thieves für kurze Zeit begrenzte Menge an Merchandise verkauft, verdienen sie 500.000 US-Dollar in 5 Minuten.
Vergrößern Smarter Geschäftsmann: NadeShot hat von den sogenannten Drops der Luxusmarke Supreme gelernt: Als 100 Thieves für kurze Zeit begrenzte Menge an Merchandise verkauft, verdienen sie 500.000 US-Dollar in 5 Minuten.
© 100 Thieves

Die Gamesindustrie ist eine große Familie. Jeder fängt irgendwann an, steigt auf, wird zu einem gewissen Zeitpunkt zu einer Figur der Branche, die viel Einfluss hat. Ryan Wyatt ist so einer. Er war Spielejournalist und eSports-Experte, bei einer Website names GameBattles, ehe er zu einer der wichtigsten Männer der Medienwelt wurde – zum Head of Gaming bei Youtube. „Es ist alles ziemlich verrückt. Als ich ihn das erste Mal traf, war er ein Volunteer. Er arbeitete umsonst für eine eSports-Website, weil diese nicht genug Einnahmen generierte, um Gehälter zu zahlen. Ich gab ihm Interviews, Insights, versuchte, ihn und sein Team zu unterstützen. Später bekam er so etwas wie mein Mentor, er wusste alles über YouTubes Algorithmus, er verstand das System und half mir, meine Marke auf diesem Kanal zu bauen.“ Durch Youtube arbeitet er mit Justine Ezarik kennen, einen der größten US-Youtube-Stars, die mit dem Channel iJustine 6,27 Millionen Abonnenten vereint. Er kannte sie bereits als Moderatorin der Call of Duty Championships, jetzt wächst daraus Freundschaft. Er verliebt sich in ihre Schwester Jenna, die beiden heiraten 2016. Kurz darauf lernt er Dan Gilbert kennen, den Besitzer der Cleveland Cavaliers, eines der größten NBA-Teams. Er investiert in NadeShots eSports-Organisation 100 Thieves. Und er lernt Scooter Braun kennen, der Mann, der Justin Bieber und Ariana Grande zu Mega-Stars machte. Der stellt ihm wiederum Drake vor, der selbst ein großer Gamer ist: 

Du erwartest ihn in einem Büro mit zig Managern und Anwälten zu treffen. Aber er lud uns in sein Haus in Los Angeles, in den Hidden Hills, ein, wir zockten Fortnite, er stellte viele Fragen, wir hatten ein echt gutes Gespräch, und so wurde er zum Investor.“

Ein smartes Investment. 100 Thieves wurde 2016 gegründet. 2020 ist es laut Forbes 160 Millionen US-Dollar wert.

Drake steht auf Fortnite, spielte auch schon mit Ninja. Und war Teil der 35 Millionen US-Dollar schweren letzen Finanzierungsrunde von 100 Thieves.
Vergrößern Drake steht auf Fortnite, spielte auch schon mit Ninja. Und war Teil der 35 Millionen US-Dollar schweren letzen Finanzierungsrunde von 100 Thieves.
© NadeShot Twitter

Tech-up Weekly ist zurück aus der Winterpause und wir haben die Zeit genutzt und das Format etwas überarbeitet - keine Quicknews mehr, dafür mehr kompaktere Themen. Alle ausführlichen Infos findet Ihr wie immer in den hier verlinkten Artikeln.

Die Themen in Tech-up Weekly #172:

► Playstation 5: Sony enthüllt Logo der neuen Konsole:
www.pcwelt.de/news/Playstation-5-Sony-enthuellt-Logo-der-neuen-Konsole-10732133.html

► Sony stellt Elektro-Auto-Konzept Vision S vor:
www.pcwelt.de/news/Tesla-Konkurrent-Sony-stellt-Elektro-Auto-Konzept-Vision-S-vor-10732175.html

► AMDs 64-Kern-CPU für 3.950 US-Dollar ab 7.2. erhältlich:
www.pcwelt.de/news/AMDs-64-Kern-CPU-fuer-3.950-US-Dollar-ab-7.2.-erhaeltlich-10732091.html

► WhatsApp: Verbot für praktische Funktion in Deutschland:
www.pcwelt.de/news/WhatsApp-Verbot-fuer-praktische-Funktion-in-Deutschland-10730819.html

► Unpacked: Samsung stellt Galaxy S11 im Februar vor:
www.pcwelt.de/news/Unpacked-Samsung-stellt-Galaxy-S11-im-Februar-vor-10731912.html

► Windows 11: Fan verpasst Windows eine Schönheitskur:
www.pcwelt.de/news/Windows-11-Fan-verpasst-Windows-eine-Schoenheitskur-10732746.html

► TOI 700 d: NASA entdeckt potentiellen Erde-Zwilling:
www.pcwelt.de/news/TOI-700-d-NASA-entdeckt-potentiellen-Erde-Zwilling-10732303.html

► NRW Justiz versteigert Bitcoin-Vermögen von Kriminellen:
www.pcwelt.de/news/NRW-Justiz-versteigert-Bitcoin-Vermoegen-von-Kriminellen-10733183.html

► Galaxy S10 geschenkt mit 14-GB-Tarif im Telekom-Netz:
www.pcwelt.de/news/Galaxy-S10-geschenkt-mit-14-GB-Tarif-im-Telekom-Netz-10732778.html

Kommentar der Woche

Fail der Woche:

► Elon Musk teilt Tanzeinlage auf Twitter:
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