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Weltpremiere Valorant: Kann Riot Games Counter-Strike entthronen?

05.03.2020 | 09:09 Uhr |

Riot Games, das größte Spielestudio der Welt, wagt den Großangriff auf Counter-Strike und Overwatch: Mit Kräften aus League of Legends, Bombardements Marke Call of Duty, weiteren taktischen Ebenen, smartem Map-Design und eSports-Profis, die direkt in die Teams integriert sind. Ein 5vs5-Taktik-Shooter, der sechs Jahre unter höchster Geheimhaltung entstanden ist – die Weltpremiere für Valorant.

Riot Games geheimnisvoller Free-to-Play-Shooter, Codename Project A, hat einen Namen: Valorant . Und es braucht einen König, um einen König zu entthronen. Seit 20 Jahren dominiert Counter-Strike den Shooter-Olymp, kein anderer Titel in diesem Genre konnte ihm je ernsthaft gefährlich werden – nicht einmal Call of Duty. Jetzt wollen die Könige des MOBA-Genres den Großangriff wagen. 

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League of Legends machte Riot Games unermesslich reich, Geld ist also kein Thema, wie sieht die Formel aus, um die Großen des Shooter-Genres zu stürzen? Nicht so disruptiv, kreativ und anders, als viele gedacht hätten. Wo ein Overwatch mit komplett neuen Ideen, brutal aggressivem und schnellem Gameplay sowie transformierbaren Helden das neue Heroe-Shooter-Genre lostrat, fühlt sich Valorant erstaunlich stark nach Counter-Strike an: Wir starten die Preview mit dem Kampfmesser in der Hand: Damit rennen wir schneller als mit einem Sturmgewehr – wie in CS:GO.

Wir schießen mit MP5s, Assault Rifles, Desert Eagles, Magnums, Maschinenpistolen, Shotguns, Scharfschützengewehren – deren Hologram-Visiere stammen aus der Zukunft und erinnern an Call of Duty: Advanced Warfare, aber das ist vom Look & Feel schon sehr stark dran an Counter-Strike: Die Geschwindigkeit ist nicht so rasant wie ein Overwatch, sondern taktisch langsam wie Counter-Strike. Das Trefferfeedback ist direkt, beim Sprinten wechseln wir schnell zwischen AR auf Messer und wieder zurück – genauso smooth wie in CS. Skurril: Ziehen wir mit der OPRA7R durch, Valorants AWP, ist sogar der Waffensound zu 100 Prozent identisch mit CS:GO. Was also ist die geheime Zutat, die Magie Valorants? 

Was macht Valorant besser als Counter-Strike? 

Valorant setzt sehr viel stärker auf Hightech, wie Sensor-Darts, mit denen sich Gegner orten lassen. Es ist quasi CS:GO meets Call of Duty.
Vergrößern Valorant setzt sehr viel stärker auf Hightech, wie Sensor-Darts, mit denen sich Gegner orten lassen. Es ist quasi CS:GO meets Call of Duty.
© Riot Games

Es kombiniert Magie mit Hightech und transportiert viele Ideen aus League of Legends ins Shooter-Genre. Es lässt uns stärker aus der Vertikale kämpfen, weil wir über eine Art Power-Sprung höhere Punkte erreichen können. Sensor-Darts orten den Feind, Drohnen lassen sich zur Überwachung sensibler Bereiche nutzen, etwa der drei Bombenplätze. Über eine toxische, elektromagnetische oder Flammenwand lassen sich Bereiche blockieren. Spannend dabei: Das Elektroschild zeigt Gegner als Skelette an, als Verteidiger können wir sie trotzdem anvisieren. Hierfür ist dann der EMP-Bogen gemacht, der nicht nur um die Ecke schießt – anvisieren, hinter eine Mauer zurückziehen, abdrücken. Sondern auch über solche unnatürlichen Wände. Ein Agent namens Brimstone feuert Rauchgranaten ab – generell gibt es viele Waffen, die dazu dienen, dem Feind die Sicht zu nehmen. Oder langsamer zu machen, Sage etwa nutzt einen magischen Orb, der eine Zone schafft, innerhalb derer Gegner langsamer werden – praktisch, wenn wir das vor einem Bombspot auslegen. Über den Barrier Orb kann sie sogar eine Wand schaffen, die sich überhaupt nicht penetrieren lässt und den Feind zwingt, seine Angriffsstrategie zu ändern, was uns Zeit gibt.

Valorant spielt sich viel dynamischer und experimenteller als CS:GO

Hoffen wir mal, dass es keine rechtlichen Probleme gibt: Riot kopiert eine Menge von Counter-Strike, auch wenn sich das Gameplay anders anfühlt.
Vergrößern Hoffen wir mal, dass es keine rechtlichen Probleme gibt: Riot kopiert eine Menge von Counter-Strike, auch wenn sich das Gameplay anders anfühlt.
© Riot Games

Valorant hat viele interessante Mechaniken, die Riot Games mit völlig klassischem Counter-Strike-Gameplay vermixt: 5 gegen 5, 12 Runden, drei Bombspots statt zwei bei CS. 

Experimentell und interessant ist vor allem, wie Riot Games seine Heldenfähigkeiten einsetzt, um neue taktische Ebenen einzuziehen: Jett etwa entfacht den Bladestorm: Dabei werfen Sie jede Menge Wurfdolche, die bei Kopftreffern direkt töten, ansonsten eher moderaten Schaden anrichten. Perfekt, um Chaos unter den feindlichen Reihen zu stiften oder den Gegner in langgezogene, enge Gänge zu zwingen, wo dann Phoenix seine Feuermagier-Fähigkeiten auspackt: Er legt einen Flammenteppich via Feuerball, die Angreifer schwächen, ihn jedoch heilen – was eine sehr interessante Überlegung fürs Gameplay ist. Generell bringt Valorant viele Helden mit, die Wege blockieren können: Mit giftigem Gas, mit Flammen, mit elektrischen Schilden. Anders als ein Counter-Strike gibt es uns sehr viel mehr Möglichkeiten, mit der Karte zu spielen und den Feind in Fallen zu locken, was richtig cool gemacht ist. Viper ist darauf spezialisiert: Sie kann Gaskanister aktivieren, die die Sicht vernebeln und es dem gegnerischen Team erschweren, in Formation vorzugehen. Andere Helden verfügen über ähnliche Fähigkeiten, in denen es aber mehr darum geht, eigene Einheiten zu verbergen und Hinterhalte zu legen, als direkt aktiv mit Gas den Lebensbalken der Tangos sinken zu lassen. 

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Ein Helden-Shooter, der sich spezialisierter anfühlt als Overwatch

Das Charakter-Design liegt irgendwo zwischen Overwatch und Cyberpunk 2077.
Vergrößern Das Charakter-Design liegt irgendwo zwischen Overwatch und Cyberpunk 2077.
© Riot Games

Overwatch hat brutal viele Helden, von denen sehr viele recht ähnliche Dinge können. Klar finden sich hier Spezialisten, etwa Einheiten, die sich zu Geschützen transformieren können, um Sperrfeuer zu legen. Riot Games geht mit Valorant aber einen ganzen Schritt weiter: Viper etwa hat ein Ultimate namens Viper’s Pit, womit sie eine regelrechte Decke an toxischem Gas über einen kleinen Abschnitt der Karte legt, in dem nur sie sich aufhalten kann, ohne Lebenspunkte zu verlieren. Damit können Verteidiger etwa sehr effizient den Bombenplatz absichern, schließlich müssen die Angreifer irgendwie an den Spot gelangen. Im Optimalfall sind sie gezwungen, durch diese Gift-Wolke zu pushen, in der Viper ihren Job erledigt und am Ende wartet unser Squad und gibt den Jungs den Rest. Weil diese Ultimates extrem stark sind, lassen sie sich nicht in jeder Runde ausspielen, sondern wollen verdient werden – vergleichbar mit den Killstreaks von Call of Duty: Modern Warfare. Je mehr Objectives sie abarbeiten (Bombe legen respektive entschärfen, Team-Kamerad heilen oder vor dem Tod bewahren etc.), steigt das Meter für den Ultimate – es kann also gut drei oder mehr Runden dauern, um den tödlichen Giftteppich von Viper zu aktivieren.

Die Ultimates können Spiele drehen und müssen über mehrere Runden aufgeladen werden

Ultimates sind anders als in Overwatch nicht einfach starke Fähigkeiten, sondern Zauber, die komplette Matches drehen können: Der Hunter’s Fury von Bogenschützin Sova etwa, entfesselt drei Energie-Blasts, die durch die komplette Karte wüten und auch vor Mauern nicht haltmachen – Gegner, die getroffen werden, verlieren über 80 Prozent Energie und ihr Aufenthaltsort wird für das Team enthüllt. Riot hat dieses Ultimate klar entwickelt, damit unterlegene Teams noch einen Joker zücken können. Ähnlich ausgelegt, nur für den Nahkampf ist Jetts Bladestorm – damit entfesseln Sie eine Barrage an Dolchen, die entweder hintereinander oder gleichzeitig geworfen werden – Kopftreffer führen zum direkten Ableben, Körpertreffer machen satt Schaden.

Cypher nutzt Tracking-Darts, um Feindlocations zu scannen – über sein Ultimate Neural Theft lässt sich der Aufenthaltsort des gesamten feindlichen Teams aufdecken. Manche Ultimates klingen harmlos, dürften aber richtig spannend werden, in 1-gegen-3-Situationen, wie wir sie zu Hauf aus jeder ESL One kennen oder gerade erst in Katowice in CS bestaunen durften. Kann sich ein Sage dann zu 100 Prozent selbst heilen, gibt ihm das bessere Chancen, die Runde noch für sein Team zu holen. Eine Mammutaufgabe steht Riot jedoch bevor, wenn wir über das Balancing reden: Viele Fähigkeiten sind interessant, könnten aber nervig werden – etwa Omens Paranoia-Angriff, bei dem er einen Schattenklon von sich erzeugt und jeden, den dieser berührt, wird für gewisse Zeit blind – sieht also nichts mehr, was ihn direkt zum Abschuss freigibt. Auch das dürfte der Grund sein, warum Riot sich satte sechs Jahre Zeit gelassen hat bis zur Weltpremiere: Omens Ultimate ist From the Shadows, wobei er sich an eine beliebige Stelle der Karte teleportieren kann – dieses Teleport-Fenster kann jedoch vom anderen Team zerstört werden, um das Ultimate zu unterbinden. So sieht gute Balance aus, die muss Riot Games für jeden Charakter abliefern, um nach League of Legends den nächsten Mega-eSports-Hit zu landen. 

Fan-Service: Riot Games will sich vor allem mit seinen 128-Tick-Servern von Valve & Co. abheben, die nicht die gleich hohe Server-Performance bieten.
Vergrößern Fan-Service: Riot Games will sich vor allem mit seinen 128-Tick-Servern von Valve & Co. abheben, die nicht die gleich hohe Server-Performance bieten.
© Riot Games

Fazit

Counter-Strike ist gelebtes Geschäft: Jeder weiß, wie man diesen Titel spielt, es kommt sehr viel mehr auf Aim, also Präzision und Geschwindigkeit an, als neue taktische Winkelzüge zu suchen. Genau von diesen Experimenten lebt Valorant: Magische Wand hochfahren, der Gegner kann nicht durch – Sensorpfeile durchschießen, wir sehen den Feind, er uns aber nicht – anvisieren, Headshot, läuft. Die acht der insgesamt zehn bislang enthüllten Helden respektive Agents füllen sich komplett unterschiedlich an, spielen andere Rollen und das ganze Spiel erinnert zwar sehr stark an Counter-Strike, legt aber locker drei, vier weitere taktische Ebenen obendrauf, weil es viele Möglichkeiten gibt, Bereiche zu blockieren, Hinterhalte zu legen, sich zu teleportieren oder mit den Ultimates komplette Runden zu drehen. Yep, mit Valorant dürfte den Machern von League of Legends der nächste Mega-eSports-Hit gelingen. Valorant soll im Sommer erscheinen und Free-to-Play sein.

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► Alle Infos zum nachlesen:
www.pcwelt.de/2487999

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