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Wasteland 3 angespielt: Das Action-RPG des Jahres?

21.04.2020 | 11:22 Uhr |

Wasteland 3 gibt Gas: Sieht richtig gut aus, spielt sich flott, hat viele Ideen: Der Kodiak lässt sich mit Frost-Gun, Sägeblätter-Shootern im Gears-of-War-Style oder Plasma-Geschütz ausrüsten und zerstört Deckung; der Basenbau sorgt für smart designte moralische Zwickmühlen, wie wir sie zuletzt beim Anspielen von Dying Light 2 erlebt haben. Wasteland 3 im Hands-On-Test.

Wasteland 3 ist ein brutales RPG, auf die gute Art. Ein Rollenspiel, welches uns belohnt für smarte Spielzüge, kreatives Denken und die Mentalität eines Schachspielers – immer drei Züge vorausplanen. Wenn wir unseren Verstand benutzen und das Taktik-Hirn einschalten, Gegnern in die Flanke fallen oder einen Spießrouten-Lauf meistern, in dem eine Robo-Spinne mit aufgeschnallter Minigun auf uns lauert, indem wir per Hack einen Kurzschluss verursachen, das Biest so in die Kill-Zone einer Selbstschuss-Automatik locken, die durch unseren Hack kurzen Prozess aus dem Stahl-Kamerad macht, dann fühlt sich das gut an. Nur ist das Leben eben nicht immer nur eitel Sonnenschein, sondern ziehen oft Wolken auf, die eine gute Tat in die Katastrophe führen, was Wasteland 3 sehr viel emotionale Tiefe gibt, die uns an The Witcher 3 erinnert. Ein absolutes Meisterwerk, weil es so schwierig ist, das Richtige zu tun. Weil es eigentlich kein richtig oder falsch gibt, sondern wir oft entscheiden, ob ein Dorf überleben soll, dafür aber ein anderes brennen wird.

In Wasteland 3 passiert uns das auch und zwar ziemlich häufig. Wir müssen schon kurz schlucken, als wir einem Kriminellen erlauben zu fliehen, weil seine Motive so halbwegs nachvollziehbar sind, im Kontext dieser brutalen, egozentrischen Welt. In erster Linie aber wollten wir die Geisel retten, eine Lady, die wir durchaus ins Herz geschlossen haben. Nur, dass der Gauner nicht das Weite in der Prärie sucht, sondern den Rest seiner Bande warnt, die fünf Geiseln hinrichtet. Respektive uns in eine Falle lockt: Wir bekommen eine Botschaft, werden von Ms. Sheriff gebeten, nachzusehen, die Geiseln wandern in unser Blickfeld – wir scouten nicht genug, postieren unsere Scharfschützen zu nah am Angriffsteam, rücken zu nah in ihre Kill-Zone vor und verlieren die halbe Ranger-Einheit. Und die Geiseln wurden direkt vor unseren Augen mit Kopfschüssen ermordet, noch bevor der rundenbasierte Kampf richtig los geht. Holy Smokes, hier ist was los. 

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Wenn Helden erstmal durch die Hölle müssen…

Wasteland ist kein Run’n’Gun-Shooter: Sie müssen Sichtlinien tracken und auf Distanzen achten, weil Sie nur eine bestimmte Anzahl von Aktionspunkten pro Charakter haben.
Vergrößern Wasteland ist kein Run’n’Gun-Shooter: Sie müssen Sichtlinien tracken und auf Distanzen achten, weil Sie nur eine bestimmte Anzahl von Aktionspunkten pro Charakter haben.

…um Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Wasteland 3 fühlt sich an wie so manche TV-Show, wie die exzellente Serie Shooter auf Amazon Prime, wo der Good Guy, der moralisch alles richtig macht, einem Freund hilft und sogar ein Attentat auf den US-Präsidenten verhindert und dafür in den nächsten zwei Stunden durch die Hölle muss. Oder wie Jack Bauer, der gefühlt ständig die Welt rettet und trotzdem von seinem eigenen Land gejagt wird. So ähnlich ist Wasteland 3, motiviert uns aber auch ständig und hält uns immer eine neue Karotte vor die Nase. Insbesondere, weil wir jetzt relativ früh im Spiel eine Militärbasis übernehmen, die wir stark ausbauen können. Das ist eine brillante Mechanik, weil wir beim Erkunden von Colorado richtig Lust haben den Zivilisten zu helfen. Zum Dank schließen die sich uns als Spezialisten an: Der Doktor etabliert einen Krankenflügel in der Basis und schaltet spezielle Boni für unser Team frei. 

Wer sich großen Herausforderungen stellt, wird auch immer belohnt: Retten wir eine Person vor diesem wildgewordenen Sägeroboter, baut er unseren Krankenflügel für medizinische Boni.
Vergrößern Wer sich großen Herausforderungen stellt, wird auch immer belohnt: Retten wir eine Person vor diesem wildgewordenen Sägeroboter, baut er unseren Krankenflügel für medizinische Boni.

Die Gefängniswärterin öffnet den Gefängnistrakt, in dem wir Feinde verhören können, um an Informationen zu gelangen. Der elektrisch geladene Stuhl am Ende des Ganges zeigt, dass diese Lady nicht zwingend zimperlich mit ihren Insassen umgeht. Generell ist Colorado kein Hort der Freundlichkeit, der Umgang unter der Ägide des Patriarchen – einer Art Gouverneur, der hier alles kontrolliert und dem wir helfen sollen mit, … sagen wir mal Familienproblemen – ist mehr als nur brutal. Diebe etwa werden nackt ausgezogen, an ein Wagenrad gebunden und dem Tod durch Erfrierung in der eisigen Kälte ausgesetzt. Auch hier ist diese moralische Zwickmühle spannend, in die uns Wasteland 3 immer wieder wirft. Eine Mama fleht uns an, ihrem Sohn zu helfen, was wir versuchen – aber der Richter bleibt knallhart. Wir hätten jetzt die Möglichkeit, diesen zu liquidieren, doch würde uns das viele andere Questgeber zum Feind machen, etwa die Sherrif-Lady, die uns mit exzellentem Equipment und viel Geld versorgt, wenn wir mit skalpierenden Wilden, Mutanten, größenwahnsinnigen Kasino-Bossen und anderen Problemen helfen. 

Der Gameplay-Kern: Der Kodiak zerstört Deckung, der Rest bleibt klassisch

Der Kodiak lässt sich stark upgraden und auf unsere eigenen Waffen-Bedürfnisse anpassen.
Vergrößern Der Kodiak lässt sich stark upgraden und auf unsere eigenen Waffen-Bedürfnisse anpassen.

Spielmechanisch gesehen ist der Kodiak die größte Neuerung: Eine rollende Festung, ein gepanzerter Monstertruck, der sich nicht nur im Mad-Max-Look Design-technisch verändern lässt, sondern auch viele Möglichkeiten für Waffen-Upgrades bietet: Der Clearcutter baut eine Abschussvorrichtung für Kettensägenblätter an, mit dem sich im Gears-of-War-Style Mutanten köpfen lassen. Es lässt sich auch ein klassisches Panzerrohr montieren, eine riesige Freeze-Gun, die Feinde einfriert, wodurch diese ihre Bewegungspunkte nicht mehr ausspielen dürfen oder eine Plasma-Gun, wenn es gegen stark gepanzerte Roboterspinnen und andere Mechs geht.

„Der Kodiak lässt sich nicht immer einsetzen, aber wenn er ran darf, dann richtig. Damit zerstören Sie spielend leicht Deckung, was dem Kampf viel mehr Dynamik gibt“, erklärt Lead-Level-Designer Jeremy Kopman. „Dafür mussten wir die Schlachtfelder sehr viel größer und weitläufiger machen, schließlich soll auch die KI Möglichkeiten zum Kontern erhalten. Du kannst das nutzen, um eine Schusslinie auf Gegner freizuräumen, und ich glaube, dass das eines der Highlights wird - einfach weil du in diesen Momenten deine gewohnten Taktiken komplett über den Haufen werfen musst.“ Dabei müssen wir übrigens vorsichtig agieren, denn wir können natürlich auch unsere eigene Deckung zerstören, was uns in einen Nachteil werfen würde. 

Es gibt hunderte unterschiedliche Rüstungen, um unser Team auszustatten. Das Interface ist jetzt auch deutlich aufgeräumter und leichter zu bedienen als in Wasteland 2.
Vergrößern Es gibt hunderte unterschiedliche Rüstungen, um unser Team auszustatten. Das Interface ist jetzt auch deutlich aufgeräumter und leichter zu bedienen als in Wasteland 2.

Am eigentlichen Gameplay-Gerüst rüttelt InXile nur gelegentlich, was die richtige Entscheidung ist: Fallout etwa hat seine Systeme mit Fallout 4 und noch stärker dem Casual-MMO Fallout 76 so extrem durcheinander gewirbelt, dass davon viele Fans enttäuscht wurden. Noch immer hat jeder Charakter basierend auf seinen Attributen eine Reihe von Aktionspunkten, die fürs Huschen in Deckung, Nachladen, Schießen oder Verwenden von Items verwendet werden können. Die Reihenfolge ist jetzt aber nicht mehr starr, wir können beliebig zwischen unseren Soldaten wechseln. Zudem arbeitet das Spiel stärker in der Vertikalen – haben wir genug in den Skill „Wahrnehmung“ investiert, entdecken wir etwa versteckte Pfade, die unsere Scharfschützen auf Klippen führen, von denen sie aus erhöhter Position in die feindliche Basis feuern können. Auch gibt es deutlich mehr Variation bei den Gegnertypen, etwa Banden, die nur mit Messern angreifen, aber in großen Schwärmen. Soldaten, die mit Explosivpfeilen arbeiten, Flammenwerfer-Truppen oder Spezialisten, die besonders gerne Mine legen. Jede Waffe hat jetzt einen Ultimate, die an Overwatch erinnern – etwa aktivieren wir eine besonders kraftvolle Rakete, die im größeren Radius explodiert, aber erst nach einer festgelegten Anzahl von Standardangriffen mit dem Raketenwerfer. Das Interface ist weniger überladen und stellt einen deutlichen Bruch mit dem von Fallout inspirierten Design aus Wasteland 2 dar, lässt sich dadurch aber flutschiger benutzen. 

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Die Ranger Base: Moralisch brutale Zwickmühlen, wie sie sonst nur Dying Light 2 liefert

Die Ranger Base lässt sich von einem verlassenen, leicht modrigen Außenposten in eine Festung verwandeln, die durch Krankenstation, Gefängnis & Co. viele Boni bringt.
Vergrößern Die Ranger Base lässt sich von einem verlassenen, leicht modrigen Außenposten in eine Festung verwandeln, die durch Krankenstation, Gefängnis & Co. viele Boni bringt.

Dying Light 2 hat uns zuletzt begeistert, weil wir aktiv in die Evolution der Spielwelt eingreifen können. Wir entscheiden, ob die Zivilisation zurückkehrt, die Menschen Gärten auf ihren Dächern errichten und ein halbwegs gutes Leben führen oder wir eher den Egotrip fahren und unsere eigene Machtbasis stärken wollen. Dieser Prämisse folgt von unserem Gefühl her auch Wasteland 3 mit seiner Ranger-Basis, die uns immer wieder in moralische Zwickmühlen wirft. In einer Mission müssen wir entscheiden, ob wir mit den Servants of the Mushroom Cloud oder der Fraktion der Gippers arbeiten wollen, die sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was man mit einer stillgelegten Ölraffinerie machen könnte. 

Wasteland 3 erinnert nicht selten an The Witcher 3, weil wir ständig schwierige Entscheidungen treffen müssen, in denen wir häufig zwischen Moral und Eigennutz entscheiden müssen.
Vergrößern Wasteland 3 erinnert nicht selten an The Witcher 3, weil wir ständig schwierige Entscheidungen treffen müssen, in denen wir häufig zwischen Moral und Eigennutz entscheiden müssen.

Die Servants wollen das Areal nutzen, um Sprengstoff zu entwickeln, nur dummerweise will die fanatische Gruppe Ungläubige in ihrem Territorium töten. Die Gippers hingegen sind daran interessiert, die Anlage zu übernehmen, um ihre Ölreserven zu verfeinern. Sie sind überzeugt, dass dies ihnen helfen wird, die Menschen in der Region mit Strom und Kraftstoff zu versorgen. Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir bereit sind, mit einer derart radikalen Gruppe zu arbeiten, die aber auch für signifikant besseren Schutz von Basis und Städten sorgen könnte. Oder die Gippers, die unsere Ölreserven steigern würden, aber eher schwach in der Verteidigung sind. Und natürlich ist diese Welt ein brodelndes Pulverfass: Gelingt uns ein Durchbruch im Ressourcen-Abbau, wird sich schon schnell ein Krieg darum entspinnen. Entscheide jetzt, Ranger.

Fazit

Skills, Perks, Waffen-Upgrades und unzählige Möglichkeiten, Missionen zu meistern: Mit Hacks lassen sich Security-Anlagen lahmlegen, Roboter fernsteuern oder Geschütze manipulieren, die dann stählerne Spinnen zerstören. Wasteland 3 wird ein richtig gutes Rollenspiel, was sich mehr nach Fallout anfühlt, als das enttäuschende Fallout 76. Zugegeben, den derben, zynischen und morbiden Humor muss man mögen, inXile rund um Brian Fargo liefert aber auch viele emotionale Momente. Wer gerade nach einem Rollenspiel-Shooter mit viel strategischer Tiefe und einer smart gedachten Basenbau-Komponente im edlen Grafikgewand sucht, der dürfte hier am 28. August 2020 fündig werden. 

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