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Wasteland-3-Alpha-Test: Wasteland ist endlich ein Triple-A-Rollenspiel

30.01.2020 | 13:03 Uhr |

Cyberpunk 2077 verschiebt sich, doch nicht verzagen, PC WELT fragen – Rollenspiel-Freunde dürfen sich auf Wasteland 3 freuen. Das neue Baby von Brian Fargo hat uns im Alpha-Test hinweggefegt, wie der Kodiak-Panzer die atemberaubend schönen Schneelandschaften. Wasteland 3 im Alpha-Test.

Wasteland goes Triple-A – so viel ist klar nach den ersten Hands-On-Sessions mit der Alpha-Demo des Postapokalypse-Western. Das sieht richtig edel aus, wenn wir mit unserem neuen Kodiak-Panzer durch die Schneelandschaften Colorados brettern. Der weiße Puder wird links und rechts weggesprengt, unser Gefährt gräbt sich realistisch durch das weihnachtliche Wunderland. Alleine das Cruisen im apokalyptischen Winter macht richtig Laune, weil sich das Gefährt selbst mit der Maus gut steuert und den Indiana Jones in uns weckt. Hinten schießt es den Schnee raus, links und rechts zucken die Blitze, als wir plötzlich eine Nachricht via Funk hören: „Hier Corporal Riley Woodson, Team November aus Arizona. Sende auf allen Ranger-Frequenzen. Kann mich jemand hören?“

Er hat Probleme mit Vic Buchanan, dem Sohn des Patriarchen von Colorado, der ihn und seine Crew als Geiseln genommen hat. Klare Sache – wir unterbrechen den Winter-Trip für eine Rettungsmission. Eigentlich schade, denn gerade erreichen wir ein Hotel-Resort in Aspen, jenem Nobel-Ski-Ort für reiche Amerikaner. Und wie hübsch das alles ausschaut: Dynamisches Licht, knackscharfe Texturen, toll inszenierte Schneestürme und Blizzards, die uns die Sicht rauben.

Wasteland 3 ist ein richtiges Triple-A-Rollenspiel, wohl auch weil Brian Fargo sich keine Sorgen mehr ums Geld machen muss. Microsoft hat sein Studio IniXile gekauft und Wasteland 3 wird eines der Kronjuwelen für den Xbox Game Pass für PC und Xbox One respektive Xbox Series X. 

Uns soll das nur recht sein, schließlich erlaubt es dem talentierten Team, noch ein bisschen mehr Liebe in seinen apokalyptischen Winter zu stecken. Auch die Waffen-Effekte sehen deutlich polierter aus, haben viel mehr Wumms und Granaten enden in volumetrischem Rauch. 

Was ändert sich am Gameplay? Panzer mit Railgun und ein bisschen mehr Fallout 

Panzer zu inkludieren ist oft tricky, Wasteland 3 nutzt diese jedoch smart als mobile Deckung und eine Art Artillerie, die nicht zu sehr in die Balance eingreifen.
Vergrößern Panzer zu inkludieren ist oft tricky, Wasteland 3 nutzt diese jedoch smart als mobile Deckung und eine Art Artillerie, die nicht zu sehr in die Balance eingreifen.

Die offensichtlichste Änderung sind die Fahrzeuge: Wir cruisen in einem Jeep mit Schneeketten durch die Gegend oder dem Kodiak – einem Panzer, der mit einer magnetischen Railgun ausgestattet ist und sozusagen unsere ultimative Waffe darstellt. Er lässt Gegner einfach platzen, dient uns aber auch als mobile, schwer gepanzerte Deckung, was neue Manöver-Möglichkeiten eröffnet. 

Wer Fargo kennt, der weiß, dass er so ein Fahrzeug als eigenständigen Charakter sieht, der sich stark upgraden und individualisieren lässt. Zudem müssen wir nicht zwingend die wertvolle Munition verschießen, nahestehende Feinde lassen sich überfahren und deren Deckung mitunter zerstören, was sehr interessant ist. Auch lassen sich damit Hindernisse aus dem Weg räumen, um den taktischen Korridor größer zu machen.

Generell ist Wasteland 3 ziemlich blutig. So ein von der Railgun getroffener, platzender Charakter, spritzt seinen roten Lebenssaft überall hin. Muss man mögen, der Splatter ist technisch aber exzellent umgesetzt. Die Demo bietet uns eine Gruppe von vier voreingestellten Charakteren zum Herumspielen. Das Präzisionszielsystem wurde recht stark überarbeitet, es erinnert mehr an das V.A.T.S.-System aus Fallout. Im Grunde ist es Fallout meets XCOM. Jeder Ranger ist ein Spezialist, wie ein Scharfschütze oder ein Infanterist mit Sturmgewehr. Sie tragen jeweils zwei Waffen und ein zusätzliches Item, beispielsweise eine Granate oder einen selbstschießenden Geschützturm. Neu ist das unsere Truppen nicht fest nacheinander bewegt werden müssen, sondern wir Aktionspunkte haben, die wir beliebig auf unsere Einheiten verteilen können. Alles kostet dabei diese Punkte, egal ob wir einen Schritt nach vorne machen, einen Schuss abfeuern, Nachladen oder Gesundheitspakete benutzen. Das Inventar wird jetzt von allen Rangern geteilt, was uns das Leben enorm vereinfacht. 

Siehe auch: Cyberpunk 2077 - Das kommt auf uns zu

Sehr viel mehr Action und viel mehr los als in Wasteland 2 

In Wasteland 3 machen alle feindlichen Einheiten gleichzeitig ihre Züge, was das Spiel lebendiger und agiler macht.
Vergrößern In Wasteland 3 machen alle feindlichen Einheiten gleichzeitig ihre Züge, was das Spiel lebendiger und agiler macht.

Vom Gefühl wird das Sichtlinien-Management wieder wichtiger: Es gibt immer mehrere Zugangspunkte zu Missionsorten, schaffen wir es uns in erhöhte Sniper-Position zu bringen, bevor wir ein Gefecht starten, bringt das erhebliche Vorteile. Natürlich hilft hierbei auch das VATS-ähnliche System, was uns genau sagt, mit welcher prozentualen Wahrscheinlichkeit wir einen Volltreffer landen werden. Generell gefällt uns sehr gut, dass sich Wasteland 3 nicht so schnarchig spielt wie Wasteland 2. In Wasteland 2 führten die Gegner ihre Runden nämlich nacheinander aus – kämpften wir gegen eine größere Armee, konnte das schon mal etwas eintöniger werden. 

Zudem waren die Einheiten beim letzten Teil oft sehr lahmarschig unterwegs. Wir denken da an jene Maden, die gefühlt Minuten brauchten, um drei Zentimeter nach vorne zu rutschen. Müssen wohl Opa-Maden sein! In Wasteland 3 ist das gesamte feindliche Team gleichzeitig an der Reihe, sodass Sie das Kommando viel schneller wieder in die Hand bekommen als im vorherigen Spiel. Das ist jetzt alles spritziger und schneller, ohne aber an spielerischem und taktischem Tiefgang einzubüßen, was den Wasteland-Fans enorm wichtig ist.

Mit den Rangern gegen einen Drogenkult 

Das Inventar ist aufgeräumt und schneller zu greifen, als in Wasteland 2. Wohl auch, weil InXile mit Microsoft als Eigentümer nicht nur den PC, sondern auch die Xbox im Auge hat.
Vergrößern Das Inventar ist aufgeräumt und schneller zu greifen, als in Wasteland 2. Wohl auch, weil InXile mit Microsoft als Eigentümer nicht nur den PC, sondern auch die Xbox im Auge hat.

Imponiert haben uns auch zahlreiche Figuren und deren schauspielerische Qualitäten, Animationen und Synchronsprecher – insbesondere Vic Buchanan ist ein Highlight, wenn auch auf die eher makabere Art - er benutzt eine Leiche als Bauchsprecher-Puppe, was für sehr groteske Szenen sorgt. In der Demo-Mission müssen wir einen Ranger-Trupp aus der Basis eines gefährlichen Drogenkults befreien, der Halluzinogene zu einem religiösen Ritus gemacht hat. Hat da jemand Far Cry 5 gesagt? Das Gebiet, in dem diese Mission stattfindet, ist groß und weitläufig, mit mehreren Pfaden, auf denen ganz unterschiedliche Fallen lauern. Eine Route führt uns durch eine mit Flammentürmen nur so übersähe Todeszone, während wir auf der anderen Route unsere Mechaniker einsetzen können, um den ein oder anderen Gegner zu umgehen. 

Preview: Journey to the Savage Planet

Klar, wir können natürlich auch Rambo-Style alles kurz und klein schießen, die Option gibt’s eh immer. Nachdem Sie die Bodyguards des Bosses besiegt haben, werden wir mit Vic Buchanan bekannt gemacht, dem Sohn des mysteriösen "Patriarchen", der in dieser Region eine Art Herrscher zu sein scheint. Wir werden beschuldigt, Vic zu Fall gebracht zu haben, und es gibt mehrere Optionen, mit dieser Information umzugehen: Wenn unsere Skills im Bereich Erste Hilfe hoch genug sind, können wir uns auf gesundheitliche Bedenken berufen und ihn auf diese Weise beruhigen, indem wir ihn a) hinterrücks töten, b) verhaften oder c) in unsere Gruppe eingliedern, was besonders interessant ist, weil er Zugang zu sehr vielen geheimen Stützpunkten, Waffendepots und anderen schönen Dingen hat. Vic ist generell ziemlich verrückt und kein angenehmer, aber ein lustiger Zeitgenosse, der auf morbide Weise eine Leiche als sprechende Puppe in Bauchredner-Manier benutzt. Zumindest so lange, bis diese vom Schneesturm erfasst und in einer Lawine endet - wie passend für diesen Post-Apokalypse-Western, der so stolz ist auf seine Schnee-Engine.

Wasteland 3 zeichnet mitunter beeindruckende Szenarien. Diese Fraktion verwandelt die Felsformationen Colorados in eine Hightech-Festung.
Vergrößern Wasteland 3 zeichnet mitunter beeindruckende Szenarien. Diese Fraktion verwandelt die Felsformationen Colorados in eine Hightech-Festung.

Fazit

Holla die Wald-Fee, sieht dieses Wasteland 3 gut aus. Wasteland 2 war ja schon ein schönes Spiel, aber eher das unscheinbare Entlein, kein strahlender Schwan. Wie kommt’s? „Nun, das passiert, wenn dich Microsoft kauft“, sagte Studiochef Brian Fargo kürzlich. Noch zu Wasteland-2-Zeiten musste er sich Sorgen ums Geld machen, jetzt geht InXile in die Vollen: Wasteland 3 ist nicht nur in seiner Präsentation stark, sondern auch spielerisch - es fühlt sich agiler an, ist ein bisschen schneller als der träge Vorgänger, büßt aber nicht an Spieltiefe ein. Besonders gut gefällt uns, dass wir den Kodiak-Panzer als mobile Deckung benutzen können, wie viele Möglichkeiten es gibt Gegner auszumanövrieren, zu flankieren oder über Umwege Sniper in Position zu bringen. Auch lernen wir in der Story Antagonisten kennen, die an den wahnwitzigen Vaas aus Far Sry 3 erinnern. Wenn Fargos Team diese Qualität halten kann, steht uns hier ein Rollenspiel-Fest ins Haus. 

Wasteland 3 erscheint am 19. Mai 2020 für PC, Xbox One und Xbox One X im Game Pass.

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