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Valorant Hands-On-Test: 10 Gründe, warum Valorant Twitch dominiert

17.04.2020 | 08:54 Uhr |

Valorant ist überall: Ninja, Shroud, Dr. Disrespect, JackFrags, Hand of Blood, Lara Loft. Die größten Streamer zünden gerade einen smart kalkulierten Hype für Valorant. Wir spielen fleißig die Beta, analysieren Stärken sowie Schwächen und nennen zehn Gründe, warum Valorant gerade Twitch beherrscht. Und die eSports-Stars aus CS:GO schon mit den Füßen scharen sowie darauf warten, dass die großen Turniere starten.

Valorant thront gerade über allem: Ninja, Shroud, Dr. Disrespect, JackFrags, Hand of Blood, Lara Loft – jeder feuert Valorant auf allen Kanälen ab und vier Millionen Gamer sind dabei. Wohlgemerkt aktuell eher passiv, weil Riot Games Osterhase bislang nur wenige Beta-Keys in den Weiten des Internets versteckt hat. In erster Linie gibt es diese via Drops – Sie müssen also bei diesen Partner-Streamern zuschauen und können dann einen erhalten, garantiert ist das aber nicht. Lust hätten wohl viele, aber wo kommt der Hype her? Hier sind zehn Gründe, warum Valorant gerade die Twitch-Welt dominiert.

1) Zwei Milliarden Menschen sind zu Hause und suchen Entspannung

Ob der aktuellen Corona-Situation sind sehr große Teile der Welt zu Hause und Gaming ist für die meisten die beste Art zu entspannen. Das zeigen die massiv gestiegenen Spielerzahlen weltweit: 42 Prozent mehr Gaming in den USA, 70 Prozent mehr in Italien. Als wir diese Geschichte schreiben, sind 22 Millionen Spieler auf Steam unterwegs. Auch ist Valorant ein Entertainment-Event für viele in einer Zeit, in der so ziemlich jedes andere Mega-Event gechancelt oder verschoben ist: Wir wollten jetzt James Bond: No Time to Die sehen, der kommt erst im November. Scarlett Johansson wollte uns in Black Widow einheizen, auch die heiße Agenten-Lady von SHIELD muss in die Zwangspause. Es gibt keine Formel-1-Rennen, keine NBA, keine Fußball-Bundesliga, keine Champions League. Ergo konsumieren die Leute deutlich mehr Twitch und Youtube.

Valorant Gameplay aus der Closed Beta in 4K:

2) Exklusivität steigert Attraktivität

Valorants Closed Beta ist aktuell nur den jeweiligen Top-Streamern jedes Landes, ausgewählten Journalisten und einigen Twitch-Zuschauern vorbehalten. Riot schaltete bislang kaum Spieler einfach so frei, stattdessen muss man Glück haben bei einem der sogenannten Beta-Drops dabei zu sein. Und weil Riot Games weiß, wie Twitch funktioniert, gibt es diese nur bei Partner-Streamern. Sie müssen mindestens 2 Stunden einen der Valorant-Streamer anschauen und ihren Riot-Games-Account mit Twitch verbinden, um die Chance auf einen Zugang zu erhalten. So dominiert Valorant aktuell spielend den wichtigsten Streaming-Kanal der Welt, und die beteiligten Streamer gewinnen viele neue Fans. Es scheint so, als wolle Riot Games diesen Club möglichst exklusiv halten wollen, denn angeblich soll es nur 25.000 Beta-Zugänge geben, was sehr wenige wäre.

3) Valorant übernimmt alles, was CS so gut und einzigartig macht

Es gibt ein paar Gründe, warum Counter-Strike all diese Großangriffe auf seine eSports-Krone überstanden hat. Es ist ein einzigartiges Spiel, weil es perfekt lesbar ist. Valve verzichtet ganz bewusst auf die volumetrischen Effekte eines Call of Duty, auf den Bombast, den moderne Shooter normalerweise bieten. Weil Spieler und Zuschauer diese perfekten Sichtlinien brauchen, die nicht unterbrochen werden. Wo ein Overwatch schwer lesbar ist für den Zuschauer, weil es überladen ist mit Explosionen, mit Farbschleiern, mit Filtern und Post-Processing-Effekten, wirken CS:GO und Valorant vielleicht ein bisschen old-schoolig, aber deshalb machen sie so viel Spaß beim Zusehen. Es gibt Details, aber diese sind dezent gesetzt, nichts soll Sichtlinien behindern und auch die Farb-Akzentuierung ist eher dezent - wo Overwatch grell bunt wie Pixar ist, zeigt sich Valorant eher mit kräftigen Beige-Tönen und wenigen Signalfarben, die etwa an Türen gesetzt werden. Riot Games verzichtet sogar bei seinen Smokes auf volumetrischen Raum und arbeitet mit einer Art rauchigen Blase - damit jeder genau sehen kann, welchen Bereich diese Smoke abdeckt und wo die Sichteinschränkung aufhört. Valorant ist dennoch ein grafisch attraktives Spiel, gerade in 4K stechen das exzellente Art-Design und die sehr scharfen Texturen auf den Waffen durch. Doch wo Call of Duty: Modern Warfare und Overwatch uns CGI-Wolken um die Ohren hauen, die nicht selten den halben Bildschirm verdecken, ist Valorant ein auf minimales Spektakel runtergebrochenes Erlebnis. Weniger ist eben manchmal mehr. 

Im Vorfeld wurde die Grafik kritisiert, in 4K und mit vollen Details würden wir Valorant aber durchaus als hübsch bezeichnen, mit sehr scharfen Waffentexturen und stimmigem Art-Design.
Vergrößern Im Vorfeld wurde die Grafik kritisiert, in 4K und mit vollen Details würden wir Valorant aber durchaus als hübsch bezeichnen, mit sehr scharfen Waffentexturen und stimmigem Art-Design.

4) Valorant ist im Kern Counter-Strike plus Gadgets

Okay seien wir ehrlich: Valorant ist im Kern Counter-Strike: Die einen würden es eine Kopie nennen, die anderen eine Ehrerbietung vor dem Meister: Riot Games kopiert Counter-Strike überall, wo sie nur können: Das Kaufmenü, das Laufgefühl, viele Animationsschritte, die Karten-Layouts, zwei Bombspots (auf einigen Karten drei), ein Angriffsteam, eines verteidigt. Das erste Team, das 13 Runden holt, gewinnt. Riot Games sorgt dafür, dass wir uns beim Spielen anfühlen, als ob wir nach Hause kommen, sogar die AWP, pardon der Operator klingt sicherlich völlig zufällig genauso wie in CS 1.6. Ob Valve rechtliche Schritte erwägt, ist nicht bekannt, aber man sollte vielleicht nicht vergessen, dass Valve auch jene Firma ist, die sich Fan-Mods namens Dota und CS 1.6 unter den Nagel gerissen hat, um damit hunderte Millionen US-Dollar zu verdienen. Am Ende wird es einfach nur um Geld gehen, und man wird sich einigen. Wie das CS-Squad von 100 Thieves herausgefunden hat, gleichen sich sogar Spray Patterns, also die Art wie Kugeln fliegen, womit Riot Games auf smarte Art die gigantische CS-Community abholt. Aktuell werden die Server vor allem von ehemaligen und aktiven CS-Profis dominiert. 

5) Valorant ist in erster Linie ein sehr kompetenter Shooter

Call of Duty: Modern Warfare ist fantastisch, völlig ohne Frage. Aber CoD ist mit den Jahren auch immer mehr von der eigentlichen Grundidee eines Shooters, dieses Duells Mann gegen Mann und Team gegen Team abgewichen. Es lassen sich Helikopter anfordern, die mit Miniguns den Feind jagen. Scharfschützen, die gezielt eliminieren. Raketenschläge, Mörserangriffe. Riot Games dreht all diese Features moderner Shooter ein gutes Stück zurück: Man fokussiert sich auf direkte Duelle, aufs Auskontern und „Outsmarten“ des Gegners. Unsere ursprünglichen Bedenken, dass Riot ob seiner vielen, vielen Gadgets, Bufs und Spezialwaffen die Kernkompetenz vergessen könnte – einfach ein guter Shooter zu sein, der sich richtig anfühlt, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Valorant spielt sich unglaublich gut - Bewegungsabläufe, Animationen, Trefferfeedback – das fühlt sich alles wie CS an, nur in einem frischeren Game. Quasi CS meets Rainbow Six: Siege. 

Valorant ist sehr gut lesbar, was es für den eSports prädestiniert. Da sich die Kartenabschnitte zudem farblich unterscheiden und nicht zu verspielt sind, ist es leicht, auf Twitch zu folgen.
Vergrößern Valorant ist sehr gut lesbar, was es für den eSports prädestiniert. Da sich die Kartenabschnitte zudem farblich unterscheiden und nicht zu verspielt sind, ist es leicht, auf Twitch zu folgen.

6) Valorant ist wie CS:GO meets Rainbow Six: Siege

Ob der zahlreichen magischen Waffen, dachten zur Weltpremiere alle, Valorant wolle Overwatch mit Counter-Strike verheiraten. Aber eigentlich ist es mehr Rainbow Six: Siege. Weil Siege seine Spezialisten und deren Fähigkeiten dafür nutzt, um vereinzelte Duelle zu drehen. Oben drauf sattelt Valorant sehr viele Ultimates, die wir bereits im Guide unter diesem Absatz analysiert haben. Die Ultimates sind stark, aber nicht so spielentscheidend wie in Overwatch: Wo in Blizzards Hero-Shooter ein gut getimter Multi-Kill für den entscheidenden Push sorgen kann, um das ganze Spiel zu gewinnen, gibt es in Valorant maximal eine Runde von 25 zu holen. Das sorgt für eine gewisse Balance, auch weil es für jedes Ultimate einen Konter gibt, die unserer Erfahrung nach bislang effizient greifen. Es gibt signifikant weniger Insta-Kill-Attacken, als sie Overwatch auffährt, und das ist gut so. 

Zum Hero-Guide von Valorant: Alle Helden, alle Waffen, alle Ultimates  

7) Riot Games hat die eSports-Stars von CS:GO studiert

League of Legends ist heute vor allem so mächtig und einflussreich, weil es einer der größten und prestigeträchtigsten eSports-Games aller Zeiten geworden ist. Die Nummer 2 neben Counter-Strike, mitunter sogar mit besseren Zuschauerquoten. Valorant ist heute schon sehr beliebt bei ehemaligen CS-Profis wie Shroud, der heute als bester Shooter-Spieler der Welt gilt. Beliebte Pro-Taktiken lassen sich hier perfekt ausspielen, etwa der Pop-Flash: Dabei lässt man die Flashbang so explodieren, dass der Gegner komplett geblendet wird und keine Möglichkeit hat zu zielen, etwa um die feindliche Übermacht zu brechen oder einen schnellen Kopfschuss zu erzielen. Auch Flick-Shots funktionieren – die Kunst, nur ganz kurz um die Ecke zu „sneaken“, seinen Schuss zu setzen und direkt wieder in Deckung zu flippen - schließlich möchte man einem potentiellen Partner des Opfers keine Gelegenheit geben zu reagieren. Valorant ist in vielen Punkten eine direkte Kopie von CS, gerade deshalb wird es aktuell in der Pro-Szene gefeiert. Und weil Riot Games bekannt dafür ist, Turniere auszutragen, bei denen es um sehr, sehr viel Geld geht, während Counter-Strike-Publisher Valve für seinen Geiz berüchtigt ist. Die Preisgelder für The International muss gar die Community zahlen, was schon recht absurd ist bei einem Konzern, der 4 Milliarden US-Dollar im Jahr Umsatz fährt.

Stark: Zum Üben mit unterschiedlichen Waffen, hat Riot Games eine Shooting-Range installiert, auf der sich Rückstoß-Muster studieren lassen.
Vergrößern Stark: Zum Üben mit unterschiedlichen Waffen, hat Riot Games eine Shooting-Range installiert, auf der sich Rückstoß-Muster studieren lassen.

8) Easy to learn, hard to master

Das unterscheidet Valorant komplett von League of Legends: Um in LoL Spaß zu haben, muss man viel, viel Zeit investieren. In Valorant kann jeder loslegen und direkt Erfolge feiern. Zu unserer Überraschung funktionieren Call-Outs hier auch so gut, wie sonst nur in CS:GO. Es ist einfach, im Team zu harmonieren, weil Riot Games auf blau, orange, gelb und all diese leuchtenden Signaltöne verzichtet, die Overwatch seinen wunderschönen Pixar-Style geben. Es aber erschweren, sein Team zu koordinieren. In CS reicht es „Zwei Gegner am Tor“ zu sagen, jeder weiß auf Dust 2, was zu machen ist. Das ist einer der Hauptgründe, warum Riot Games mit Abstufungen von beige und grau arbeitet und lediglich seine taktisch wichtigen Punkte stärker einfärbt – Riot möchte, dass wir möglichst schnell als Team funktionieren.

9) Valorant ist kein Battle-Royale und wird deshalb ein eSports-Hit

Battle-Royale-Titel sind konzipiert als Gelddruckmaschinen: Man holt große Mengen an Spielern rein, verkauft ihnen einen Karten-Pass, um die nächste Season freizuschalten. Außerdem jede Menge unnützen Quatsch, den keiner braucht, aber viele gerne haben möchten: Das Captain-America-Kostüm hier, da Star-Wars-Laserschwert dort, den Waffen-Skin da drüben. 1,8 Milliarden US-Dollar hat Epic Games mit Fortnite verdient, alleine im Jahr 2019. Auch PUBG und APEX Legends sind super erfolgreich, aber sie sind sehr schwierig als eSports umzusetzen. Die ESL macht das hin und wieder im Rahmen der Intel Extreme Masters, wo man 100 Spieler in PUBG antreten hat lassen. Und Epic hatte mit den Fortnite World Cup 2019 in New York City ebenfalls ein Mega-Event, aber Sie sehen schon an diesen Aufzählungen: Diese Turniere sind selten, weil es nicht nur schwierig ist, 100 Spieler auf einer Bühne zu platzieren, sondern auch eine große Herausforderung für die Moderatoren und Zuschauer, einer derart gewaltigen Menge an Spielern zu folgen. Insbesondere in PUBG und auch Call of Duty Warzone ist zudem auch die Größe der Karte ein Problem – eSports lebt von knackigen Gefechten und davon, dass die Teams sehr schnell aufeinandertreffen. 

Riot Games macht viel für den eSports und präsentiert jedes Jahr mit den League of Legends World Championships eines der beeindruckendsten Finals überhaupt.
Vergrößern Riot Games macht viel für den eSports und präsentiert jedes Jahr mit den League of Legends World Championships eines der beeindruckendsten Finals überhaupt.
© Riot

10) Riot Games genießt einen guten Ruf in der eSports-Community

Obwohl League of Legends so extrem erfolgreich ist, hat Riot nie vergessen, wer sie groß gemacht hat. Man hat ein offenes Ohr für seine Community, ist gefühlt sehr viel mehr näher dran als die Mega-Publisher da draußen, und es ist hilft natürlich auch, dass die Gründer Brandon Beck und Marc Merrill keine Anzugträger sind, die über Bilanzen reden. Sondern Gamer, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind und in der Community eher gefeiert werden wie ein Elon Musk von Tesla Fans. Auch ist Riot sehr beliebt in der eSports-Community, weil sie Weltmeisterschaften auf ein neues Level gebracht haben: Was wir erlebt haben, mit Hologramm-Drachen, die fauchend durchs Stadion flogen oder einer kompletten Hologram-Pop-Band, die einen eigens für das Event geschriebenen Song performten, das war ganz großes Kino und hat auch dem letzten Zweifler bewiesen, dass eSports längst auf einer Linie mit den Großen des Sports spielen kann. Das Finale der Champions League wirkte regelrecht glanzlos, gegen die League of Legends World Championships in Paris letzten Jahres…

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