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Toyota Prius Plug-in Solar im Test: Aus Freude am Sparen

07.11.2019 | 10:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der Toyota Prius Plug-in Solar ist ein Exot auf deutschen Straßen. Denn welches Auto besitzt sonst noch Solarzellen auf dem Dach? Wir haben dieses ungewöhnliche Fahrzeug getestet.

Elektrischer Dreiklang: Hybrid, Plug-in und Solarzellen

Der Toyota Prius Plug-in Solar (40.200 Euro Listenpreis abzüglich derzeit 3000 Euro Umweltprämie und künftig vermutlich 4000 Euro Umweltprämie, 4,65 Meter lang, 1,6 Tonnen schwer, vier Sitze) ist ein Fahrzeug für die Elektro-Überzeugungstäter unter den Fans des japanischen Automobil-Herstellers. Denn mehr Stromantrieb bietet Toyota derzeit in keinem anderen seiner Serien-Fahrzeuge: Neben dem gewohnten und bewährten Hybridsystem aus Benzinmotor und Dual-Elektromotor (beide Antriebe befinden sich unter der Motorhaube) verbauen die Japaner in diesem Modell zusätzlich eine Ladebuchse zum Aufladen der vergrößerten Traktionsbatterie an der 230-Volt-Steckdose zu Hause oder an einer Ladesäule unterwegs.

Fazit: Aus Freude am Sparen und Dahingleiten

Aus Freude am Sparen, nicht sportlich, aber definitiv sparsam und mit sehr guter Straßenlage – so lässt sich der Prius Plug-in Solar knapp beschreiben.

Falls Sie oft und schnell über weite Strecken auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, dann ist der Toyota Prius Plug-in Solar das falsche Auto für Sie. Für diesen Zweck eignet sich ein kraftvoller Diesel besser. Allenfalls ein gewöhnlicher Prius ohne Plug-in (und damit ohne so viel Batteriegewicht) könnte für Sie ebenfalls geeignet sein.

Wenn Sie dagegen auf der Autobahn gemütlich cruisen oder nur kurze Strecken fahren, dann können Sie den Toyota Prius Plug-in Solar ins Auge fassen. Immer vorausgesetzt, Sie können ihn regelmäßig bei sich zu Hause aufladen und er steht oft unter freier Sonneneinstrahlung. Denn nur dann machen ein Plug-in und das Solardach Sinn.

Für den typischen Großstadtbewohner bietet dagegen ein Hybrid ohne Plug-in mehr Vorteile. Damit kommen Sie in den Genuss des Hybrid-Spareffekts, ohne die schwere Batterie spazierenfahren zu müssen und können obendrein einen größeren Kofferraum nutzen (der allerdings auch im Prius ohne Plug-in kein Raumwunder ist).

Vor allem aber kostet der normale Prius ohne Hybrid deutlich weniger: Während für den Prius Plug-in die Preise bei 37.200 Euro beginnen und er mit Solardach knapp über 40.000 Euro kostet, gibt es den Prius bereits ab 28.450 Euro.

Obendrein installiert Toyota auf dem Dach des Fahrzeugs sogar noch Solarzellen, die ihren Strom in einer weiteren, rechts hinten im Fahrzeug verbauten Solarbatterie speichern. Deren gesammelte Ladung wird dann in einem Rutsch an die Traktionsbatterie weitergegeben.

Plug-in kostet Kofferraumvolumen

So viel Batterietechnik hat aber nicht nur positive Folgen: Der Toyota Prius Plug-in Solar wiegt mit seinen knapp über 1,6 Tonnen mehr als ein konventioneller Prius ohne Plug-in-System; letzterer wiegt nur um die 1,5 Tonnen.

Die Lithium-Ionen-Traktionsbatterie unter dem Kofferraum hat 8,8 kWh Kapazität. Sie wiegt 120 Kilogramm und ist deutlich größer als die Traktionsbatterie des Prius ohne Plug-in. Dadurch verliert der Kofferraum gegenüber dem konventionellen Prius 16 cm an Tiefe und besitzt nur noch 360 Liter Kofferraumvolumen (Batterievolumen: 145 Liter).

Hier sind die Batterien und Motoren verbaut
Vergrößern Hier sind die Batterien und Motoren verbaut

Der Toyota Prius Plug-in Solar bietet für ein knapp über 4,6 Meter langes und über 1,6 Tonnen schweres Auto also einen vergleichsweise kleinen Kofferraum, in dem außerdem noch die Ladekabel transportiert werden müssen. Der Kofferraum ist zwar durchaus tief und auch breit, Sie können also problemlos längeres Gepäck darin verstauen. Doch es mangelt dem Kofferraum an Höhe. Für eine Familie mit Kindern, die auch mal ein Puppenhaus oder mehrere Getränkekästen transportieren muss, ist der Kofferraum für den Alltagseinsatz zu klein.

Das Cockpit befindet sich schräg rechts vor dem Fahrer
Vergrößern Das Cockpit befindet sich schräg rechts vor dem Fahrer

Zudem fährt man auf der Langstrecke eine ziemlich schwere Batterie mehr oder weniger als sinnloses Zusatzgewicht durch die Gegend. Mit Folgen für Kraftstoffverbrauch und Fahrleistungen.

Leistung: Kein Sportwagen, aber solide Beschleunigung

Die beiden gekoppelten Elektromotoren leisten 92 PS/68 kW, der 4-Zylinder-Benzinmitor mit 1,8 Liter Hubraum leistet wiederum 98 PS/72 kW. Die tatsächliche Systemleistung für den Prius beträgt 122 PS/90 kW. Das ist für ein 1,6 Tonnen schweres Auto nicht viel. Dank der E-Motor-Unterstützung beschleunigt der Prius Plug-in aber einigermaßen solide.

Der Prius Plug-in Solar schafft mit viel Anlauf eine von Toyota angegebene Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h (die Tachoanzeige in unserem Testwagen war zirka 172 km/h). Von 0 auf 100 km/h geht es in 11,1 Sekunden.

Energieschema
Vergrößern Energieschema

Wenn Sie nur elektrisch fahren, beträgt die maximale Reichweite laut Toyota 50 Kilometer – vorausgesetzt, die Traktionsbatterie ist maximal aufgeladen (Sie laden die Traktionsbatterie mit maximal 3,3 kW Ladeleistung auf).

Dank des Hybridsystems sind Prius-Fahrer ohne die beiden typischen Probleme der Elektro-Autofahrer unterwegs: Hybrid-Fahrer hadern weder mit einer geringen Reichweite noch müssen sie lange Ladezeiten in Kauf nehmen. Andererseits haben Hybrid-Fahrer aber auch viele der typischen Wartungs- und Reparaturkosten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor: Ölwechsel, Auspuffreparaturen, undichte Benzinleitungen, undichtes Kühlwassersystem etc.

Sparsam im Verbrauch

Wir haben den Toyota Prius Plug-in Solar bewusst über weite Strecken sehr schnell über die Autobahn gescheucht, um seine Spritspartechnik an die Grenzen zu treiben. Zudem verzichteten wir meist auf das Aufladen der Traktionsbatterie an der Steckdose und verließen uns auf das gewöhnliche Hybridsystem mit Energiegewinnung dank Rekuperation und auf die Solareinspeisung.

Verbrauchsanzeige
Vergrößern Verbrauchsanzeige

Das Ergebnis beeindruckt: Trotz längerer Vollgasfahrten – der Toyota Prius Plug-in Solar regelt bei Tachoanzeige 172 km/h ab – und durchwegs zügigem Beschleunigen zeigte uns der Bordcomputer im Schnitt nur 7,2 Liter bis 7,8 Liter als Höchstverbrauch an (für wenige Minuten waren auch mal Verbrauchswerte von um die 10 Liter möglich). Für einen knapp über 1,6 Tonnen schweren Benziner ein sehr guter Wert. Vorteilhaft für den günstigen Kraftstoff- und Stromverbrauch ist der niedrige CW-Wert von 0,25.

Verbrauch
Vergrößern Verbrauch

Es reichten zudem schon einige Strecken mit dichtem Verkehr, Stop-and-Go oder Stau, um den angezeigten Durchschnittsverbrauch deutlich unter 6 Liter fallen zu lassen. Grob zusammengefasst lässt sich der Benzinverbrauch so beschreiben: Bei Tempo nicht über 130 km/h und über längere Strecken deutlich langsamer waren wir mit rund 5,0 Liter Super-E10-Benzin auf der Autobahn unterwegs.

Typische Verbrauchswerte bei moderater Autobahn-Geschwindigkeit.
Vergrößern Typische Verbrauchswerte bei moderater Autobahn-Geschwindigkeit.

Ließ die Verkehrslage Fahrten zeitweise bis 172 km/h zu, dann schoss der Durchschnittsverbrauch auf bis zu 7,2 Liter hoch. Doch in dem anschließenden Stau sank der Durchschnittsverbrauch schnell wieder auf um die 5,5 Liter. Alles in allem verbraucht der Toyota Prius Plug-in Solar für einen 1,6 Tonnen schweren Benziner wirklich sehr wenig Kraftstoff auf der Autobahn. Und im Stadtverkehr ist man ja über weite Strecken ohnehin rein elektrisch unterwegs.

Verbrauch über mehrere Tage
Vergrößern Verbrauch über mehrere Tage

Zum Benzinverbrauch kommt aber eben noch der Stromverbrauch, der beispielsweise bei einer längeren Fahrt bei 15,3 kW auf 100 Kilometer lag.

Anzeige des Stromverbrauchs
Vergrößern Anzeige des Stromverbrauchs

Die Traktionsbatterie hat 68 Prozent Ladung nach zwei Stunden Laden an unserer 230-Volt-Steckdose. An einer 230-Volt-Steckdose soll die Batterie in drei Stunden und zehn Minuten voll aufgeladen sein.

Toyota verbaut einen relativ kleinen Benzintank im Fahrzeug: 45 Liter Super E10 passen rein. Langstreckenfahrer müssen also häufig auftanken, insbesondere wenn sie nicht jeden Tag ihre Batterie aufladen. Womit wir beim nächsten Thema sind: Das elektrische Fahren.

Fahrmodi und Solar-Aufladung

Der Prius Plug-in Solar kann per Knopfdruck explizit in den Stromfahrmodus gezwungen werden. Das klappt aber nur so lange, wie die Batterie ausreichend geladen ist. Zudem ist der rein elektrische Fahrbetrieb nur bis 132 km/h Geschwindigkeit möglich. Meistens ist man mit dem Fahrzeug aber im HV-Hybridbetrieb unterwegs, bei dem Verbrennungsmotor und Elektromotoren zusammenarbeiten. Das ist auch der typische Hybrideinsatz für die Langstrecke und bei höheren Geschwindigkeiten. In jeder der insgesamt vier Betriebsarten gibt es außerdem drei Fahrmodi, wie man sie auch von anderen Autos kennt: Normal, Eco und Power. Diese sind selbsterklärend.

Das Solardach ist ein Hingucker, bringt aber im Alltag wenig
Vergrößern Das Solardach ist ein Hingucker, bringt aber im Alltag wenig
© Toyota

Das Solardach soll theoretisch maximal 1000 Kilometer pro Jahr je nach Einsatzgebiet zusätzlich liefern, pro Tag bei vollem Sonnenschein maximal Strom für fünf Kilometer Reichweite. Nach acht Tagen sind maximal 40 Kilometer Reichweite damit möglich – das sind 80 Prozent der maximal rein elektrisch fahrbaren Reichweite von 50 Kilometer. Der Strom aus den Solarpanels speist eine eigene Batterie. Ist diese voll geladen, liefert sie ihre „Pumpspannung“ an die eigentliche Traktionsbatterie. Während der Fahrt speisen die Solarzellen die 12-Volt-Batterie und entlasten damit das Bordspannungsnetz und senken so den Strom- beziehungsweise Spritverbrauch, wie Toyota erklärt.

Während unseres Tests bemerkten wir die Wirkung der Solarzellen so gut wie nicht. Die Solarzellen liefern also nur relativ wenig Strom für die Traktionsbatterie und spielen nur eine untergeordnete Rolle. Toyota will die Leistung der Solarzellen in der Zukunft aber steigern. Die neue Solaranlage soll eine Nennleistung von rund 860 Watt erzeugen, was im Vergleich zum aktuellen Prius Plug-in Hybrid Solar laut Toyota etwa das 4,8-fache sein soll.

Fahrverhalten: Prius liegt wie ein Brett

Der Prius Plug-in Solar fährt sich wie jedes Elektro- oder Hybridfahrzeug bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr leise und angenehm. Beim kraftvollen Beschleunigen tritt das für Toyotas Hybridsysteme mit Planetengetriebe bekannte Lärmproblem auf: Der Verbrennungsmotor dreht sehr schnell hoch, um in den für den Verbrauch günstigsten Bereich zu kommen. Das klingt ziemlich laut, für einige wenige Sekunden dröhnt der Motor. Allerdings normalisiert sich dieses unangenehme Geräusch bald wieder, sobald der Motor die erforderliche ideale Drehzahl erreicht hat.

Fahrt im E-Betrieb
Vergrößern Fahrt im E-Betrieb

Die Beschleunigung ist für ein 122-PS-Auto (Systemleistung auf Benzinmotor und Elektromotor) mit 1,6 Tonnen Leergewicht okay. Mit dieser PS-Gewicht-Relation gilt der Toyota Prius Plug-in Solar heute fast schon als untermotorisiert und auf der Autobahn tut er sich bei höheren Geschwindigkeiten mit dem Beschleunigen etwas schwer. Wobei der Dual-Elektromotor mit seinem Drehmoment beim Beschleunigen spürbar hilft - der Prius fühlt sich flotter an als man 122 PS zutrauen möchte.

Trotzdem ist das Fahrzeug ganz offensichtlich nicht für Vollgasfahrten auf deutschen Autobahnen gebaut. Seine Stärken liegen woanders: gemütliches Dahingleiten bei niedrigem Kraftstoffverbrauch. Doch an Fahrwerk und Straßenlage gibt es selbst bei hohen Geschwindigkeiten nichts auszusetzen. Der Prius Plug-in Solar liegt auch bei 172 km/h sehr sicher auf der Straße und fährt sich  problemlos schnell durch enge Kurven. Hier machen sich der eher tiefe Schwerpunkt und die niedrige Fahrzeugsilhouette vorteilhaft bemerkbar. Der Prius Plug-in Solar ist eben kein hochbeiniges, durch die Kurven wankendes SUV.

Hinweis: Die Feststellbremse wird mit einem Fußpedal links vom Bremspedal bedient.

Mit acht Zoll ist der Touchscreen nicht gerade groß
Vergrößern Mit acht Zoll ist der Touchscreen nicht gerade groß

Infotainmentsystem und Navigation

Toyotas Infotainmentsystem mit Telefonie/Freisprechanlage, Audiostreaming, Navigation und DAB+-Radio sowie Rückfahrkamera gehört immer schon zum soliden Durchschnitt auf dem Fahrzeugmarkt. Das System setzt keine Glanzpunkte, versagt aber auch nicht. Musik vom Smartphone zu streamen ist ebenso unproblematisch wie während der Fahrt zu telefonieren. Der Touchscreen reagiert ausreichend schnell, bietet aber keine peppige Optik, sondern wirkt eher altbacken. Auf Glanzlichter wie eine Google-Earth-Ansicht auf dem Navigationsbildschirm muss man ohnehin verzichten. Das Infotainmentsystem bietet in unserem Testwagen weder Carplay noch Android Auto.

Lese-Tipp: Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

Oben die Qi-Ladefläche (wo der Lightning-Anschluss auf dem Foto zu sehen ist)
Vergrößern Oben die Qi-Ladefläche (wo der Lightning-Anschluss auf dem Foto zu sehen ist)

Das Navigationssystem zeigte im Test aber Schwächen: Staus werden zwar unter dem Menü-Punkt „Verkehr“ angezeigt, aber lange Zeit nicht bei der Routenberechnung berücksichtigt. Die Ankunftszeiten sind bei starken Staus völlig unzutreffend. Immerhin kostet das Infotainmentsystem keinen Aufpreis.

Die Navigationskarte ist solide, aber kein optischer Leckerbissen
Vergrößern Die Navigationskarte ist solide, aber kein optischer Leckerbissen

Mit 8 Zoll fällt der Infotainment-Touchscreen für heutige Verhältnisse schon etwas knapp aus. Zusätzlich verbaut Toyota noch das Multi-Informationsdisplay oben in der Mitte des Armaturenbretts, das aus zwei 4,2-Zoll-Cockpit-Anzeigen besteht. Darauf lesen Sie alle Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Reichweite/Tankinhalt oder das Ladeverhalten des Hybridsystems ab. Diese Cockpit-Anzeigen befinden sich also anders als bei deutschen Autos nicht direkt vor dem Fahrer.

Lenkradtasten
Vergrößern Lenkradtasten

In der Mittelkonsole befindet sich eine Qi-Ladeschale. Ein Head-up-Display (HUD) fehlt bei der Solar-Ausstattung. Das HUD gibt es nur bei den Ausstattungen Comfort und Executive.

Medien; ein CD-Player fehlt
Vergrößern Medien; ein CD-Player fehlt

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