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Google Maps im Test: Gratis-Navigation mit exakten Verkehrslage-Informationen

21.07.2017 | 09:27 Uhr |

Das kostenlose Google Maps lässt kostenpflichtige Navigationslösungen alt aussehen. Besonders die Stau-Prognosen sind beeindruckend exakt. Ein ausführlicher Test dieser Navi-App für Android und iPhone.

Update 21.7.2017: Duell zwischen Google Maps und Here

Wir haben Google Maps (als App auf einem iPhone) gegen Here (auf einem Garmin-Navigationsgerät, Empfang via DAB+) am 20. Juli 2017 wieder einmal gegeneinander entreten lassen. Auf der stark befahrenen A9 von München aus Richtung Norden. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Die Echtzeitverkehrsinformationen von Google Maps sind erheblich besser als die von Here.

Here empfahl uns einen deutlichen Umweg über Land- und Bundesstraßen, damit wir angeblich einen Stau auf der Autobahn vermeiden. Dadurch hätten wir laut Here rund 20 Minuten Fahrzeit sparen sollen. Google Maps sagte dagegen: Auf der Autobahn bleiben und durch den Stau durch! Wir folgten Google Maps. Here berechnete daraufhin seine Route neu - und kam nach wenigen Minuten zu dem gleichen Ergebnis wie Google Maps: Die Route auf der Autobahn sei doch die bessere. Je länger wir fuhren, desto mehr reduzierte Here die Dauer der Verzögerung, die es anzeigte.

Als wir unser Ziel erreichten, lagen wird tatsächlich mehr als 20 Minuten unter der ursprünglichen Prognose von Here, wenn wir den Umweg über die Landstraßen genommen hätten. Google Maps dagegen hatte die tatsächlich Ankunftszeit fast exakt vorhergesagt und musste während der Fahrt seine Prognose nur um zwei Minuten korrigieren.

Update Ende

Google Maps für iPhone und iPad sowie für Android-Smartphones und Android-Tablets ist eine geniale Navigations-App für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger, aber auch für Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Die besonderen Stärken von Google Maps sind:

a) Detailreiche Karten, die sich auch als Satellitenansicht sowie als Kombination aus Karten- und Satellitenansicht darstellen lassen. 
b) Sehr genaue Echtzeit-Verkehrslage-Informationen
c) Online-Navigation: immer aktuelles Kartenmaterial
d) Vollkommen kostenlos
e) Findet fast alles: Dank Google Suche erkennt Google Maps nahezu jedes gewünschte Ziel

An der nächsten Kreuzung links abbiegen, kein Stau voraus.
Vergrößern An der nächsten Kreuzung links abbiegen, kein Stau voraus.

Hinweis: Wir beschreiben Google Maps unter iOS 10.3.2. Auf Android funktioniert Google Maps genauso und bietet die gleichen Funktionen. Nur die Optik und gegebenenfalls die Anordnung einiger Menüpunkte kann geringfügig anders sein.

So starten Sie die Navigation mit Google Maps

Starten Sie Google Maps und geben Sie in das Suchfeld oben Ihr Ziel ein. Selbstverständlich können Sie Ziele auch per Sprachbefehl aufsprechen. Gibt es zu Ihrem eingetippten oder aufgesprochenen Suchbegriff mehrere Treffer, dann zeigt Ihnen Google diese als Auswahlliste an.

Google entwickelt Google Maps immer weiter. Hier zum Beispiel das Changelog zum Update 5.07.2017 für Google Maps auf dem iPhone: Es bringt neben Fehlerkorrekturen einige kleinere Verbesserungen.
Vergrößern Google entwickelt Google Maps immer weiter. Hier zum Beispiel das Changelog zum Update 5.07.2017 für Google Maps auf dem iPhone: Es bringt neben Fehlerkorrekturen einige kleinere Verbesserungen.

Hohe Trefferquote: Dabei können Sie genauso wie bei einer Websuche einen beliebigen Unternehmens-Namen, eine konkrete Adresse, Sehenswürdigkeit (zum Beispiel "Botanischer Garten" oder "Tiergarten") oder eine beliebige Funktions-Beschreibung (VW-Werkstatt, Sattlerei etc.) eingeben. Google Maps findet dank der Google Websuche selbst ungewöhnliche Navigationsziele auf Anhieb, wohingegen Sie bei einem Navigationsgerät oft keine Websuche nutzen können und dann auf die starren Auswahlkategorien wie Tankstelle, Restaurant oder Werkstatt beschränkt sind. Selbst ein 3000-Euro-Infotainmentsystem ab Werk findet nicht mehr Treffer als Google Maps für 0 Euro.

Streckenbeschreibung einblenden und Suche entlang der Route.
Vergrößern Streckenbeschreibung einblenden und Suche entlang der Route.

Tippen Sie dann auf das Auto-Symbol rechts unten. Jetzt zeigt Ihnen Google Maps, wie lange die Route mit Auto, öffentlichem Nahverkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad dauert. Voreingestellt ist Auto – wenn Sie dieses Verkehrsmittel nutzen wollen, tippen Sie rechts unten auf „START“. Andernfalls ändern Sie das Verkehrsmittel und tippen dann auf „START“.

Sie können jetzt noch das Verkehrsmittel ändern. Voreingestellt ist "Auto".
Vergrößern Sie können jetzt noch das Verkehrsmittel ändern. Voreingestellt ist "Auto".

Seit Google Maps 5.07.2017 können iPhone-Nutzer mit 3D-Touch bestimmte Listenelemente wie die Restaurantsuche mit 3D-Touch verwenden.

Routen-Optionen

Zuvor können Sie über das Drei-Punkte-Menü rechts oben noch Bedingungen für die Route festlegen: Zum Beispiel Autobahnen vermeiden oder Mautstraßen vermeiden. Oder Zwischenstopps einfügen. All das klappte auf unsere mehrere Hundert Kilometer langen Testfahrt durch Oberbayern einwandfrei.

So lotste uns Google Maps zum Beispiel fernab von Autobahnen nur über landschaftlich reizvolle Land-, Staats- und Bundesstraßen. So können Sie bis zu einem gewissen Grad das Manko umgehen, dass Google Maps keine Option für besonders sehenswerte Routen bietet (siehe unten). Tipp: Wenn die Urlaubszeit vorbei ist und Sie wieder schnell ans Ziel kommen wollen, dann müssen Sie die Option "Autobahnen vermeiden" wieder deaktivieren. Auch das nachträgliche Einfügen von Zwischenzielen und deren Löschung funktioniert einwandfrei.

So funktioniert die Navigation

Nun beginnt die Navigation. Google Maps zeigt Ihnen den aktuellen Standort sowie die unmittelbare Route auf der Karte an. Zusätzlich gibt Ihnen Google Maps Sprachanweisungen. Die Sprachausgabe ist ausreichend, wenn auch mitunter etwas holprig formuliert. Wichtig: Drehen Sie die Lautstärke Ihres Smartphones auf volle Leistung.

Google-Maps-App: Tipps für Fortgeschrittene und Profis

Google Maps blendet während der Fahrt anders als viele Navigationsgeräte keine ablenkenden Hinweise wie „Fahrbahnverengung“ (wegen eines Unfallwagens auf dem Standstreifen) oder „gefährliches Wetter“ (wegen Starkregens) ein. Die Ankunftszeiten prognostiziert Google Maps sehr genau, es gibt keine so hektischen Zeitsprünge wie bei der Garmin Nüvicam mit den Verkehrslagedaten von Here mit ständigen Änderungen bei der Ankunftszeit: Mal eben 30 min vor und dann wieder 30 min zurück (siehe weiter unten). Google Maps gibt auch keine sinnlosen Pseudo-Umleitungsvorschläge, die nur über hektische Nebenstraßen mit vielen Abbiegevorgängen führen.

Sie können die Navigation jederzeit durch einen Tipp auf das Kreuz links unten beenden oder die Einstellungen nachträglich während einer laufenden Navigation anpassen.

Tipp: Sie können Routen auch bequem zu Hause am PC oder auf einem Tablet ermitteln und sich dann auf das Smartphone schicken. Wie Sie mit Google Maps auf dem Rechner arbeiten, lesen Sie in diesem Artikel.

Die Route vom PC an das Smartphone senden.
Vergrößern Die Route vom PC an das Smartphone senden.

Online-Navigation: Immer aktuelle Karten

Lange Zeit war Google Maps eine reine Online-Navigation. Das Kartenmaterial wurde und wird also erst während der Nutzung über die Mobilfunkverbindung von den Google-Servern auf das Smartphone heruntergeladen. Das hat zwar den großen Vorteil, dass die Karten immer aktuell sind und sich der Nutzer im Unterschied zu klassischen Navigationsgeräten oder anderen Navigations-Apps oder im Auto festeingebauten Navis nicht um Karten-Updates kümmern muss und dadurch auch keine Kosten entstehen – die Automobil-Hersteller lassen sich Karten-Updates teuer bezahlen. Doch bedeutet das auch, dass bei einer schlechten Mobilfunkverbindung das Kartenmaterial oft nur langsam eintrifft. Vor allem ist war das monatliche Datenvolumen des Mobilfunkvertrags bei intensiver Nutzung bald ausgeschöpft. Im Nicht-EU-Ausland kommen zudem noch die Roamingkosten dazu. Ausgenommen Island, Lichtenstein und Norwegen, wo die Roaminggebühren für deutsche Nutzer ebenfalls entfallen.

Kartenausschnitt herunterladen.
Vergrößern Kartenausschnitt herunterladen.

Trick: Karten vorab herunterladen

Google hat dieses Problem aber bereits vor längerer Zeit entschärft. Nach wie vor ist Google Maps zwar primär eine Online-Navigationslösung, die Karten kommen also in der Regel immer noch in Echtzeit von den Servern auf das Smartphone und sind dadurch aktuell. Aber: Sofern der Benutzer vorab weiß, wann er wo unterwegs ist, kann er sich Kartenausschnitte vor Fahrtantritt via WLAN auf das Smartphone herunterladen und dann während der Fahrt dieses Offline-Material nutzen. Das schont das monatliche Datenvolumen des Mobilfunkvertrags und gegebenenfalls auch Geld. Die mobile Internetverbindung brauchen Sie dann nur noch für den Empfang der Echtzeit-Verkehrsinformationen während der Fahrt. Das verursacht aber kaum Datentraffic.

Download des Kartenausschnitts ist gestartet.
Vergrößern Download des Kartenausschnitts ist gestartet.

So laden Sie Karten vor Fahrtantritt herunter

Geben Sie ein Ziel in Google Maps ein. Wenn Google Maps die Route anzeigt, dann tippen Sie links oben auf das Menü, auf „Offlinekarten“ und dann auf „Benutzerdefinierte Karte“. Den dann erscheinenden Kartenausschnitt können Sie noch etwas verändern. Damit können Sie die Größe des Downloads reduzieren und damit Speicherplatz sparen - die Karte von München nach Oberammergau beispielsweise ist rund 500 MB groß! Dann starten Sie den Kartendownload zu Hause im WLAN.

Datenverbrauch von Google Maps.
Vergrößern Datenverbrauch von Google Maps.

Nach wenigen Minuten ist die Karte für Ihre geplante Reise komplett auf dem Smartphone installiert, und Sie müssen unterwegs keine Kartendaten mehr herunterladen, sondern nur noch die Echtzeit-Verkehrsinformationen, die aber wie bereits erwähnt kaum Traffic verursachen.

Unsere Offline-Karten. Sie können jeder Karte einen Namen geben, damit Sie wissen, für welche Strecken Sie bereits Kartenmaterial heruntergeladen haben.
Vergrößern Unsere Offline-Karten. Sie können jeder Karte einen Namen geben, damit Sie wissen, für welche Strecken Sie bereits Kartenmaterial heruntergeladen haben.

Tipp: Die Karten laufen nach 29 Tagen ab und werden dann automatisch gelöscht. Sie können das aber verhindern, indem Sie innerhalb dieser Frist die Karten aktualisieren: Tippen Sie dazu auf eine der gespeicherten Karten und danach auf "Aktualisieren". Google Maps aktualisiert dann sämtliche gespeicherten Karten. Das müssen Sie dann so lange immer wieder innerhalb der 29-Tage-Frist wiederholen, wie Sie die Karten offline verwenden wollen.

Hinweis: Die maximale Größe einer Offline-Karte umfasst 120.000 Quadratkilometer.

Diese drei Offline-Karten laufen bald ab und stehen dann nicht mehr zur Verfügung.
Vergrößern Diese drei Offline-Karten laufen bald ab und stehen dann nicht mehr zur Verfügung.

Update der Offline-Karten funktioniert einwandfrei

Wenige Tage vor Ablauf schickte uns Google Maps eine Mitteilung, dass unsere Offline-Karten ablaufen. Wir müssen diese aktualisieren, wenn wir sie weiterhin verwenden wollen. Mit diesem Update-Zwang verhindert Google, dass der Nutzer veraltetes Kartenmaterial verwendet.

Das Update macht man sinnvollerweise via WLAN. Nach wenigen Minuten waren alle unsere Karten aktualisiert und wir können die Offline-Karten auch weiterhin nutzen. Bis zum nächsten Ablauftermin in 29 Tagen, wenn sich das Ganze wiederholt.

Stromverbrauch

Google Maps zerrt während der Navigation erheblich am Akku. Wenn wir mit einem iPhone 6 mit voll aufgeladenem Akku losfahren, dann verlieren wir nach einer Stunde und 30 Minuten Fahrt mit durchgehender Nutzung von Google Maps auf knapp 120 Kilometer Fahrtstrecke um die 40 Prozent Akku-Ladung. Der Akku unseres iPhone 6 ist also noch zu rund 60 Prozent geladen. Laden Sie also vor Fahrtantritt Ihr Smartphone voll auf oder nehmen Sie ein Auto-Ladegerät mit.

Navigation
Vergrößern Navigation

Übersichtlicher Bildschirm

Google Maps zeigt nur die allernötigsten Informationen an, um den Bildschirm nicht zu überfrachten, wodurch der Fahrer ohne langes Suchen alles Wichtige sofort sieht.

Oben steht der Name der aktuellen Straße und die Fahrtrichtung, links darunter die nächste Abzweigung, in der Mitte auf der Karte der aktuelle Standort inklusive Verkehrslage (rot: Stau, orange: zähfließend, grün/blau - je nach Darstellung: freie Fahrt). Rechts oben gibt es das Sucheingabefeld für Tankstellen, Restaurants, Supermärkte, Cafés und die allgemeine Websuche (die nahezu alles findet), den Lautstärkeregler (die Lautstärke lässt sich schnell über ein Icon einstellen) und den Nordungs-Pfeil.

Unten nennt Google Maps die voraussichtliche Ankunftszeit, die Entfernung zum Ziel und die restliche Fahrzeit. In diesem unteren Feld signalisiert Google Maps auch Stauwarnungen und Alternativrouten. Außerdem kann man hier ebenfalls eine Suche entlang der Route starten und sich die Wegbeschreibung anzeigen lassen. Hier finden Sie auch das Einstellungsmenü, in dem Sie unbedingt die Verkehrslage-Informationen aktivieren sollten.

Verschiedene Kartenansichten

Theoretisch können Sie hier auch noch von der einfachen Kartenansicht auf die Satellitenansicht umschalten. Letztere mag bei der Orientierung anhand auffälliger Wegmarken helfen, insgesamt ist die Kartenansicht aber übersichtlicher und vor allem gehen dafür deutlich weniger Daten durch die Leitung. Neben Karten- und Satellitenansicht gibt es auch noch eine Geländekarte, die vielleicht im Winter hilfreich sein kann, um höher gelegene und damit stark verschneite Gegenden im Gebirge zu vermeiden.

Die Wegbeschreibung.
Vergrößern Die Wegbeschreibung.

Routen für Autofahrer, Zugfahrer, Fußgänger und Radfahrer

Wie bereits erwähnt ermittelt Google Maps Routen für Auto, öffentlichen Nahverkehr und Fahrrad.Seit Google Maps 5.07.2017 erinnert Google Maps den Benutzer an das Umsteigen, wenn er Google Maps zur Navigation mit einem öffentlichen Verkehrsmittel nutzt.

Eine Fußgänger-Navigation steht ebenfalls zur Verfügung, allerdings zeigte diese im Test durchaus Schwächen und lotste uns nicht immer auf dem kürzesten Weg zum Ziel.

Schade: Für Motorradfahrer (besonders kurvige und schöne Landstraßen) oder Autofahrer mit Anhänger oder für Campingwagenfahrer (besonders geräumige Straßen ohne enge Kurven und enge Durchfahrten oder niedrige Unterführungen) gibt es keine speziellen Kartenoptionen. Ebenso fehlt eine LKW-Navigation. Für Autofahrer gibt es auch keine Option, um eine besonders sehenswerte Route fahren zu können (zum Beispiel Alleenstraße o.ä.).

Keine Anzeige von Tempolimits

Die übersichtliche Darstellung und das Weglassen einiger Informationen haben aber zur Folge, dass Google Maps weder Tempolimits noch das gefahrene Tempo anzeigt. Ebenso fehlen ein Spur- und ein Abbiege-Assistent. Google Maps blendet bei Abfahrten auch keine den Originalen nachempfundenen Autobahn-Abfahrtsschilder ein, die die schnelle Orientierung erleichtern. Doch das kann man verschmerzen. Eine Tag- und Nachtumschaltung ist dagegen vorhanden.

Auf der Alternativroute haben wir eine ähnliche Ankunftszeit.
Vergrößern Auf der Alternativroute haben wir eine ähnliche Ankunftszeit.

Eine Funktion, die vor Geschwindigkeitsmessungen mit Radar warnt, fehlt ebenfalls.

Echtzeit-Verkehrslage-Informationen: Genial

Neben der hohen Trefferquote bei den eingegebenen Navigationszielen sind es vor allem die beeindruckend genauen Verkehrslagedaten, die Google Maps zu einer hervorragenden Navigationslösung machen. Denn die vielen Hundert Millionen Android-Smartphones, Android-Tablets und auch einige festverbaute Android-basierte Navigationsgeräte senden ständig während ihres Betriebs anonymisierte Lagedaten an die Android-Server - sofern die Besitzer der Android-Geräte dem zustimmen, was in der Regel der Fall sein dürfte.

Fünf Minuten Stau voraus.
Vergrößern Fünf Minuten Stau voraus.

Mit dieser Datenbasis kann Here nicht mithalten. Und TMCPro sowieso nicht. Deshalb überrascht es nicht, dass unsere Garmin Nüvicam mit ihren Here-Daten im direkten Vergleich mit Google Maps viel sprunghaftere, ständig wechselnde Ankunftszeitprognosen und Alternativrouten ausgibt, während Google Maps von Anfang an die voraussichtliche Ankunftszeit angibt und nur in seltenen, dann aber sinnvollen Fällen Alternativrouten anbietet. Google Maps lotst also nicht nur genauer und der Fahrer weiß nicht nur von Anfang an, mit welcher Ankunftszeit er rechnen muss, sondern er fährt auch viel entspannter, weil ihn Google Maps nicht ständig mit immer neuen Umfahr-Ratschlägen nervt. Dadurch ist die Ablenkungsgefahr bei Google Maps viel geringer als bei der Garmin Nüvicam.

Wenn Google Maps zwischendurch keine Verkehrslage-Informationen empfangen kann, weil die Mobilfunkverbindung unterbrochen ist, dann zeigt es das per Hinweis am unteren Bildschirmrand und zugleich per Sprachhinweis an. Ebenso bekommt der Benutzer einen Hinweis, wenn Verkehrslagedaten wieder empfangen werden.

Kommt es während der Fahrt zu staubedingten Verzögerungen, dann blendet Google Maps am unteren Bildschirmrand einen Hinweis ein und prognostiziert die neue voraussichtliche Ankunftszeit. Ermittelt der Google-Server im Hintergrund eine schnellere Alternativroute, dann zeigt Google Maps diese ebenfalls im unteren Hinweisfeld und zugleich per Sprachhinweis an. Der Fahrer kann die neue Alternativroute dann annehmen oder ablehnen. Unfälle und andere wichtige Ereignisse blendet Google Maps am oberen Bildschirmrand ein. Wenn man auf eine Unfallwarnung auf dem Display klickt, dann erscheinen dazu Detailinformationen.

Die Stauwarnungen von Google Maps sind beeindruckend genau: Selbst eine kurze Verzögerung durch einen LKW, der auf der Überholspur auf der Autobahn fahrend den nachfolgenden Verkehr ausbremst, zeigt Google Maps in oranger Farbe als Verzögerung an. Obwohl der LKW höchstens drei Minuten vor uns fuhr! Zwischen dem LKW und uns befanden sich zirka fünf Pkws – darin müssen sich genügend Android-Geräte befunden haben, damit die Google-Server die Verkehrslage valide darstellen konnten. Nachdem der LKW wieder auf die rechte Spur rübergezogen hatte und die Autos beschleunigten, zeigte uns Google Maps sofort freie Bahn an.

Immer gut informiert

Google Maps warnt während der Fahrt per Sprachausgabe, dass die Verkehrslage angespannter wird, man aber immer noch auf der schnellsten Route ist. Man kann während eines Routings eine andere alternative Route auf der Karte antippen und bekommt dann angezeigt, wie lange man dort unterwegs wäre. Google blendet auch von sich aus ein, wie viel länger oder ob man genauso lang auf einer alternativen Route unterwegs ist

Tipp : Sie können sich auf dem iPhone ein Widget installieren, dass Ihnen immer die aktuelle Verkehrslage rund um Ihren aktuellen Standort anzeigt.

Konkurrenzumfeld: Apple Karten und Here We Go

Apple Karten: Google Maps konkurriert direkt mit Apple Karten. Auch Apple Karten ist eine kostenlose Online-Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen, die übrigens von Tomtom stammen. Anders als Google Maps bietet Apple Karten aber keine Möglichkeit zum Herunterladen von Karten. Ein echter Nachteil, vor allem bei Mobilfunkverträgen mit knappen monatlichen Datenvolumen oder bei Fahrten ins Nicht-EU-Ausland (Roamingkosten)!

Hinweis : Apple Karten ist derzeit die einzige Navigations-App für Apple Carplay im PKW. Google Maps können Sie mit Carplay also nicht verwenden. Google Maps steht aber natürlich für Android Auto und für Mirrorlink im Auto zur Verfügung.

Here We Go: Ein weiterer unmittelbarer Konkurrent von Google Maps ist Here We Go von Audi, BMW und Daimler. Here ist ebenfalls kostenlos und bietet ebenfalls Echtzeit-Verkehrsinformationen. Anders als Google Maps installiert Here das Kartenmaterial jedoch auf dem Smartphone. Das schont den Mobilfunkvertrag und erleichtert eine Navigation auch bei fehlender Mobilfunkverbindung. Ein klarer Punkt für Here.

Diese Verkehrslage-Dienste gibt es für Autofahrer

Doch Google Maps kontert mit seinen beeindruckend genauen Verkehrslage-Informationen, die deutlich genauer als die von Here sind. Insofern ergänzen sich Google Maps und Here hervorragend – wenn Sie genügend Speicherplatz auf Ihrem Smartphone haben, dann installieren Sie beide Navi-Apps und nutzen Here als Ersatz für Google Maps, sobald Sie keine Mobilfunkverbindung mehr haben oder ins Ausland fahren.

Tomtom und Sygic: Google Maps, Here We Go und Apple Karten reichen nach unserer Erfahrung vollkommen aus, um selbst anspruchsvolle(!) Fahrsituationen zu meistern. Eine kostenpflichtige Navigations-App wie von Tomtom oder Sygic brauchen Sie nicht mehr. Ganz im Gegenteil lässt Google Maps mit seinen sehr genauen Stauwarnungen sogar die oft mehrere Tausend Euro teuren fest eingebauten Navigationssysteme der Automobil-Hersteller alt aussehen. Zumal sich die Automobil-Hersteller die Verkehrslagedaten und spätere Karten-Updates meist noch einmal extra bezahlen lassen. Diese Zusatzkosten gibt es bei Google Maps nicht.

Navigationsgeräte und Navigationsgeräte ab Werk: Die in Google Maps integrierte Google-Suche findet deutlich mehr Navigationsziele als die oft unflexiblen Suchen der Standard-Navigationsgeräte. Bei einem Ausflug im Altmühltal zum Beispiel versagte unser teures Navigationsgerät kläglich, Google Maps dagegen fand die kleine Pension sofort. Bei der Suche nach Navigationszielen beziehungsweise Points-of-Interest schlägt Google alle Konkurrenten aus allen Preisklassen - seien es Stand-Alone-Navigationsgeräte wie die von Tomtom oder Garmin oder ab Werk fest eingebaute Navigationslösungen der Automobilhersteller.

Google Maps gegen Garmin Nüvicam: Gratis-App deklassiert Highend-Navigationsgerät

Wir nutzten einige Wochen lang Google Maps auf einem Smartphone im direkten Vergleich mit einem Stand-Alone-Navigationsgerät (PNA) vom Typ Garmin Nüvicam. Dabei zeigt sich Google Maps auf unserem Smartphone deutlich überlegen. Im Test mit unserem Referenzgerät Nüvicam – einem Highend-Navi von Garmin - erkannte die Nüvicam oft das von uns eingegebene Ziel nicht, während Google Maps es sofort erkannte und die Navigation startete. Zudem nervt Google Maps nicht mit überflüssigen und wiederholten Hinweisen, wie es bei der Garmin Nüvicam ständig der Fall ist: Zum Beispiel blendet die Nüvicam immer wieder den Hinweis ein, dass man am Zielort nicht parken kann, nur weil man zwischendurch eine neue Route gewählt hat, das Routenziel aber unverändert geblieben ist. Da reicht doch der einmalige Hinweis beim ersten Routenvorschlag!

Google Maps zeigt anders als die Nüvicam auch nicht alle paar Minuten eine neue Routenalternative an, die wir annehmen sollten, sondern ist viel sparsamer im Anzeigen von Alternativrouten. Wenn Google Maps dann doch einmal dazu aufforderte, von der bestehenden Route abzuweichen und die neu angebotene Route zu nehmen, dann haben die Google Server das zuvor sorgfältig berechnet und der Routenvorschlag war auch wirklich sinnvoll. Das ist bei der Nüvicam mit vielen sich kurz hintereinander ablösenden und widersprechenden Alternativroutenvorschlägen leider ganz anders. Durch die vielen Einblendungen von Hinweisen lenkt die Garmin Nüvicam den Fahrer ganz erheblich vom Verkehrsgeschehen ab. Google Maps dagegen lenkt fast gar nicht ab – klarer Punkt an Google.

Besonders deutlich zeigt sich Google Maps der Garmin Nüvicam bei der Hardware überlegen. Denn sofern Google Maps auf einem halbwegs modernen Smartphone läuft – in unserem Test dient sogar nur ein betagtes iPhone 6 als Testbasis, also ein schon viele Jahre altes Smartphone! - findet der verbaute GPS-Chip nach der Ausfahrt aus einer Tiefgarage viel schneller einen Kontakt zum GPS-Signal als es bei der Nüvicam der Fall ist: Während uns Google Maps sofort beim Verlassen der TG richtig lotst, sucht die Nüvicam noch einige Minuten lang die Verbindung zum GPS. So lange sind wir im Blindflug und ohne Navigation unterwegs. Ähnlich überlegen ist Google Maps beim Ein- und Auszoomen in die Karte: Während wir auf unserem Smartphone sofort die gezoomte Karte sehen, braucht die Nüvicam etliche Sekunden, bis sie die neue Kartenansicht darstellen kann.

Insgesamt kann man also sagen: Google Maps reagiert dank der überlegenen Smartphone-Hardware (eines längst nicht mehr aktuellen iPhones) deutlich schneller als das hochpreisige Nüvicam-Navigationsgerät, das in etwa genauso alt ist wie unser iPhone 6. Zudem findet Google Maps mehr Suchbegriffe und erleichtert damit den Start einer Navigation deutlich. Obendrein nervt Google Maps nicht mit sich wiederholenden immer gleichen Warn-Hinweisen.

Ist ein teures Stand-Alone-Navi damit völlig überflüssig? Nicht ganz: Über die Garmin Nüvicam als Freisprechanlage führen wir unsere Telefonate und die Nüvicam besitzt zudem eine integrierte Dashcam samt Spurverlassenswarner und Kollisionswarner.

Fazit: Google Maps ist erste Wahl

Google Maps gehört derzeit zu den besten Navigationslösungen. Soweit es die Genauigkeit der Verkehrslage-Vorhersagen angeht, dürfte Google Maps derzeit sogar die Nummer 1 sein – noch vor allen kostenpflichtigen Diensten. Wer Google Maps auf seinem Smartphone installiert, benötigt definitiv kein separates Navigationsgerät mehr und kann sich auch eine hochpreisige fest eingebaute Navigationslösung sparen.

Die wenigen Nachteile von Google Maps sind schnell aufgezählt: Kleinerer Bildschirm als bei einem Festeinbau, der Akku wird schneller leer und es fehlen natürlich die Zusatzfunktionen eines Navigationsgerätes oder eines Festeinbaus: Freisprechanlage für das Smartphone, Musikplayer oder Dashcam.

Zu Google Maps gehört auch Google Local Guide. Wir stellen Ihnen Google Local Guide hier ausführlich vor.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten weiter

Google Maps gibt es schon seit vielen Jahren. Ursprünglich unter der Bezeichnung Google Maps Navigation gestartet, hat Google seine Navigationslösung immer weiter entwickelt. Wenn Sie wissen wollen, wie Google Maps im Jahr 2011 aussah und was diese Navigation damals bereits konnte, dann lesen Sie auf der zweiten Seite dieses Tests weiter.






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