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The Callisto Protocol: Das bessere Dead Space 2022?

16.07.2022 | 17:30 Uhr |

The Callisto Protocol fühlt sich 2022 an wie Dead Space 4, aber es spielt sich anders: Es hat richtig brutalen, aber sehr taktischen Nahkampf. Wo man den Biophage-Monstern die Arme abtrennt, damit diese uns nicht gegen die nächste Wand drücken und den Kopf abbeißen können. The Callisto Protocol in der Mega-Preview.

The Callisto Protocol ist extrem brutal, gruselig, furchteinflößend und kommt vom selben Team, das einst mit Dead Space das Genre des Sci-Fi-Horrors neu erfand. Und auch dieses Werk blutet einfach Atmosphäre, an jeder Ecke fühlen wir uns alleine, überall lauert die Gefahr, die uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Flackernde Lichter, die von Notstromaggregaten betrieben werden, geben sofort den Ton an diesem finsteren Black Iron Prison. Ein Gefängnis, das mehr zu sein scheint – Wachroboter erschießen Gefangene, Experimente werden durchgeführt, überall finden sich diese Operationstische, die in einem normalen Strafvollzugslager nichts verloren haben. Es sind keine Krankenstationen, irgendetwas passiert hier. „Weißt du eigentlich, dass Callisto der tote Mond genannt wird“, erzählt eine Stimme aus dem Off. Kontrolliert er die Biester? Was ist hier los? „Ich will dir einfach nur eine Chance geben“, sagt er. „Willkommen in deinem neuen Zuhause.“ 

Im Black Iron Prison wurden anscheinend nicht nur Straftäter verwahrt, sondern auch grausame Gen-Experimente durchgeführt, die diesen Mond namens Callisto in die ultimative Todesfalle verwandeln.
Vergrößern Im Black Iron Prison wurden anscheinend nicht nur Straftäter verwahrt, sondern auch grausame Gen-Experimente durchgeführt, die diesen Mond namens Callisto in die ultimative Todesfalle verwandeln.
© Striking Distance Studios

Plötzlich gibt es Alarm, viele Wachen tauchen auf, werden in Schächte gezogen, und wir finden nur noch Teile ihres Körper. Als unser Protagonist Jacob einen blutigen Raum mit einer leeren Bahre betritt, flackert ein Hologramm auf. Das Signal ist zwar leicht verzerrt, aber die Ereignisse, die es abbildet, sind klar: Ein Biophage zerreißt gerade drei schwer gepanzerte Securities der Black Iron Prison Guards und verschleppt ihre Leichen. Da noch ein Hologramm - ein Gefangener wird auf eine Bahre geschnallt, Chirurgen und medizinische Mitarbeiter um ihn herum.  Er erwacht und zerfleischt sie. Was zur Hölle? Es dauert nicht lange, bis jene furchterregende Kreatur, die für das Blutbad verantwortlich ist, auftaucht, und Jacob muss einen Weg finden, sich zu verteidigen. 

Es wird Zeit, dass Next-Gen-Spiele auch wirklich Next-Gen aussehen: Von der Texturschärfe über die super intensive Beleuchtung und wie The Callisto Protocol Schatten einsetzt, zeigt hier die Unreal Engine 5, was in Zukunft der Standard wird.
Vergrößern Es wird Zeit, dass Next-Gen-Spiele auch wirklich Next-Gen aussehen: Von der Texturschärfe über die super intensive Beleuchtung und wie The Callisto Protocol Schatten einsetzt, zeigt hier die Unreal Engine 5, was in Zukunft der Standard wird.
© Striking Distance Studios

Er ist ein Frachtschiffpilot, er ist großartig in der Luft, aber kein Soldat auf dem Boden. Was also tun? Denken, überlegen, was im Raum sich als Waffe anbietet, improvisieren, zuschlagen. In diesem Moment macht es uns das Spiel noch einfach – einer der Securities hat seine Hightech-Glock mit Laser-Visier fallen lassen, damit schießt Jacob dem Biest die Gliedmaßen weg. Das erinnert übrigens sehr an den Plasma Cutter, den Isaac Clarke in Dead Space benutzt. Und ja, The Callisto Protocol ist extrem brutal, sicherlich das brutalste Spiel des Jahres, aber was uns gefällt, ist, dass das nicht nur der Show dient, sondern taktische Vorteile bringt. 

Das erste Gameplay zu The Callisto Protocol: 

Feuern wir auf den Arm, platzt der ab und der Biophage kann Jacob nicht mehr packen und durch die Gegend werfen oder gegen die Wand drücken. Schießen wir ihm die Beine ab, muss er kriechen, womit wir ihm die Gelegenheit nehmen seine Größe auszuspielen – einige der Biester sind wirklich groß, sie können auf uns treten, wenn sie noch alle Beine haben. Dann ist die Munition alle, der Kampf wird härter, die Fäuste werden ausgepackt in Kombination mit einem Energie-Baton, den Jacob sich von einem der toten Wärter gemopst hat. Die Nahkampfangriffe sind dynamisch und hängen unter anderem von Jacobs Positionierung und seiner Nähe zu Objekten in der Umgebung ab. In einer wirklich brutalen Szene schlägt der Protagonist einem Biophage den Schädel ein, bevor er die Kreatur gegen die nahe gelegene Wand schleudert, um ihr den Todesstoß zu versetzen. 

Gruselig wie Dead Space, aber mit Gravity Gun und richtig brutalem Nahkampf 

Die Mutanten sind wirklich eklig, wie ihnen der Sabber aus dem Mund geifert, die verfaulte Haut über den Körper zieht und wie die Eingeweide aus den aufgeplatzten Brustkörben ragt.
Vergrößern Die Mutanten sind wirklich eklig, wie ihnen der Sabber aus dem Mund geifert, die verfaulte Haut über den Körper zieht und wie die Eingeweide aus den aufgeplatzten Brustkörben ragt.
© Striking Distance Studios

Spannend und so ganz anders als Dead Space ist The Callisto Protocol sehr körperbetont: Wir kombinieren aktiv Nah- und Fernkampf, können hier regelrechte Kombis landen. Springen etwa auf eines der Biester, mit dem richtigen Timing, erscheint dann ein kleines Fadenkreuz. Drücken wir in genau diesem Moment das Visier der Shotgun nach unten, zersplattert es den Kopf des Mutanten. Oder wir rutschen unter eine der ekligen Kreaturen und schießen ihm gezielt die Arme ab, denn die Dinger wollen uns gegen die nächste Wand drücken und uns den Kopf abbeißen. Das ist eine unglaublich spannende Mischung aus wirklich smarter KI und gut gesetzten Skripts, etwa wenn der blutrünstige Feind wie einst in FEAR durch ein Glasfenster direkt vor uns springt und es immer wieder Situationen gibt, die uns den kalten Schweiß den Nacken runterlaufen lassen. Horror-Atmosphäre trifft hier auf KI-Innovation und kernige, sehr taktische, extrem brutal inszenierte Action. 

The Callisto Protocol hat uns tatsächlich überrascht in seinen ersten Gameplay-Szenen. Weil  alles sehr atmosphärisch, sehr gruselig ist und von der Stimmung her durchaus an Dead Space in einigen Szenen erinnert. In anderen ist es aber auch brutalster Nahkampf, der uns etwa an The Last of Us 2 denken lässt. Striking Distance hat etliche spannende Ideen im Köcher, die sie klar vom neuen Dead Space 4 abheben sollen, welches im Januar 2023 erscheinen soll. Das ist aktuell bei EA Motive in Entwicklung, die vorher die Kampagne von Star Wars: Battlefront 2 verantwortet haben. Da wäre eine Art Gravity Gun, das GRP-Tool. Ursprünglich konzipiert für die Wachmannschaften, um die Gefangenen bei Aufständen fern oder in einer Art Stasis gefangen zu halten. Damit lässt sich laut der Kollegen des Game Informer, die bereits deutlich mehr Gameplay gesehen haben, eine mutierte Kreatur packen, hochheben und direkt in einen sich drehenden Ventilator schmeißen. Ein bisschen wie in Hollywood, wo es meist drehende Ventilatoren sind, die den Antagonisten enthaupten. 

Der Blutwurm lauert im Abluftschach… 

Alter Falter, sieht das gruselig und verdammt gut aus. Achten Sie mal auf die vielen kleinen Feinheiten auf dem Körper dieses Dämons, aber auch wie echt der Bart und die Haut unseres Protagonisten wirken.
Vergrößern Alter Falter, sieht das gruselig und verdammt gut aus. Achten Sie mal auf die vielen kleinen Feinheiten auf dem Körper dieses Dämons, aber auch wie echt der Bart und die Haut unseres Protagonisten wirken.
© Striking Distance Studios

Aber auch die Mutanten werden schlauer und tödlicher – es gibt eine ekelhafte, langhalsige Kreatur namens Blood Worm, also Blutwurm. Er schießt aus einer Gondel heraus und klammert sich an Jacobs Hals. Diese Biophage-Kreaturen fungieren fast wie Landminen für die Unvorsichtigen. Wachen, die von der Decke baumeln und mit Stacheln durchsetzt sind, zeigen uns, worauf wir uns vorbereiten müssen, was in etwa der Art und Weise entspricht, wie Striking Distance eine neue Kreatur einführt. Ihre Aufgabe ist es nicht unbedingt zu töten, sie richtet nur ein wenig Schaden an, sondern uns zu erschrecken und uns dazu zu bringen, den Raum zu verlassen. “Horror Engineering“ ist ein Begriff, den Glen Schofield sehr mag. Er ist der Leiter des Studios, das Gehirn hinter The Callisto Protocol. Der Mann hat bereits in vielen Genres abgeliefert: Horror, er war Creative Director bei Dead Space 1. Und Action, er war der CEO von Sledgehammer Games, die mit Call of Duty: Advanced Warfare eine exzellente, extrem explosive Kampagne mit Kevin Spacey in der Hauptrolle inszeniert haben. 

The Callisto Protocol hat viele dieser Dead-Space-Momente, in denen wir uns alleine und verlassen fühlen und uns regelrecht das Blut in den Adern gefriert.
Vergrößern The Callisto Protocol hat viele dieser Dead-Space-Momente, in denen wir uns alleine und verlassen fühlen und uns regelrecht das Blut in den Adern gefriert.
© Striking Distance Studios

Es gibt einen Haufen dieser Biester, die vor allem Angst in uns erzeugen sollen und die richtig, richtig eklig aussehen. Denen der Glibber aus der verfaulten Haut ihres Gesichtes fällt, schließlich sind das hier keine Aliens, sondern ehemalige Menschen, die in unterschiedlich langen Stufen mutiert sind. Eines davon nennt das Team liebevoll „Big Mouth“: Diese humanoide Kreatur mit zwei klaffenden Mäulern, die mit gezackten Zähnen gefüllt sind, umschließt Jacobs Kopf, wirbelt ihn umher, spielt mit ihm wie ein Hund, bevor sie ihm den größten Teil seines Schädels abreißt. Alles, was übrig bleibt, ist eine blutige, klaffende Höhle, in der seine Zunge noch intakt ist, er also noch reden kann, was für einen beunruhigenden Touch sorgt. „Game Over“ – scheint als würde sich hier das Elden Ring des Sci-Fi-Horror-Genres anbahnen…

Mit der Zeit reifen wir zur regelechten Kampfmaschine im Hightech-Suit, der es uns erlaubt, sehr viel mehr Waffen und Gadgets mitzunehmen.
Vergrößern Mit der Zeit reifen wir zur regelechten Kampfmaschine im Hightech-Suit, der es uns erlaubt, sehr viel mehr Waffen und Gadgets mitzunehmen.
© Striking Distance Studios

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