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AMD Ryzen 9 3900XT im Test: Mit mehr als 4,7 GHz zum neuen Gaming-King?

07.07.2020 | 15:03 Uhr | Sebastian Schenzinger

Der AMD Ryzen 9 3900XT erreicht im Test sowohl auf einem Kern als auch im Multi-Core höhere Taktraten als sein Vorgänger, der Ryzen 9 3900X. Gleichzeitig sinkt der Stromverbrauch. Ob AMDs "aufgebohrter 3900X" den Aufpreis von satten 120 Euro wert ist, klärt unser Test.

Der AMD Ryzen 9 3900XT ist AMDs Neu-Auflage des bekannten Ryzen 9 3900X. Der 3900XT hat einen höheren Single-Core- und Multi-Core-Takt und gleichzeitig eine geringere Leistungsaufnahme - alles super also? Nicht ganz - denn leider hat die neue CPU ein Problem...

► Zum ausführlichen Testbericht:
www.pcwelt.de/2518378

► So testen wir CPUs:
Video: youtu.be/sHeFxVUbn9U
Artikel: www.pcwelt.de/2250520


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► AMD Ryzen 9 3900XT im Preisvergleich:
www.pcwelt.de/preisvergleich?searchText=ryzen+9+3900xt

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Mit dem Ryzen 9 3900X brachte AMD vor genau einem Jahr (7.7.2019) die erste 12-Kern-CPU für Consumer auf den Markt. Der  AMD Ryzen 9 3900XT  ist die Weiterentwicklung eines Prozessors, der sich seit dem Release einer extremen Beliebtheit erfreut. Der neue 12-Kerner setzt auf eine optimierte Fertigung, die AMD in höhere Taktraten ummünzt. Auch beim Übertakten ist mehr Luft nach oben. Wie der Test zeigt, bringt der höhere Single- und Multi-Core-Takt etwas mehr Leistung bei leicht reduziertem Stromverbrauch.

TEST-FAZIT: AMD Ryzen 9 3900XT

Der bis zu 4,7 Gigahertz schnelle 12-Kerner AMD Ryzen 9 3900XT ist ein würdiger Nachfolger des beliebten Ryzen 9 3900X . Die maximalen Taktraten erhöhen sich im Vergleich zum 3900X sowohl im Single-Core als auch im Multi-Core um mehr als 100 MHz. Auch Overclocker können sich über ein etwas besseres Übertaktungspotential und höhere Taktraten freuen. Dank dem optimierten Fertigungsverfahren musste AMD die Leistungsaufnahme nicht erhöhen, um die höheren Taktraten zu erreichen. Beim Zocken liegt der Stromverbrauch im Schnitt sogar minimal unter dem Vorgänger.

Der allgemeine Leistungszuwachs gegenüber dem 3900X fällt beim 3900XT aber sehr überschaubar aus und skaliert in Anwendungen, welche alle Kerne beanspruchen können, direkt mit der Takterhöhung: Ein drei Prozent höherer Takt resultiert also in einer drei bis fünf Prozent höheren Anwendungsleistung. Gamer dürften zwischen den beiden CPUs keinen wirklichen Unterschied merken, der Performance-Gewinn ist hier allenfalls messbar, aber nicht spürbar.

Letztendlich macht AMD mit dem Ryzen 9 3900XT also ein bereits sehr gutes Produkt noch einmal ein kleines bisschen besser, ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal fehlt jedoch. Damit kommt auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf, zwei Produkte parallel anzubieten, die sich leistungsmäßig im Schnitt nur um drei Prozent unterscheiden. Der Stolperstein des Ryzen 9 3900XT dürfte vor allem der Preis sein: Ein Aufpreis von 120 Euro ist aberwitzig hoch, hier muss man die Preisentwicklung in den nächsten Wochen beobachten. Sobald die Nachfrage der Enthusiasten sinkt, die für maximale Leistung Haus und Hof verpfänden, sollte der Preis spürbar sinken. Ein Aufpreis von 20 bis 30 Euro wäre aus unserer Sicht für die erbrachte Mehrleistung fair.

Pro:
+ sehr hohe Anwendungsleistung
+ leicht verbesserte Energieeffizienz

Negativ:
- zu teuer


Das XT steht für einen höheren Boost-Takt

Das verbesserte Fertigungsverfahren der XT-Prozessoren sorgt für bis zu 200 MHz mehr Boost-Takt.
Vergrößern Das verbesserte Fertigungsverfahren der XT-Prozessoren sorgt für bis zu 200 MHz mehr Boost-Takt.
© AMD

Neben dem Ryzen 9 3900XT hat AMD noch zwei weitere XT-Modelle mit dem Ryzen 5 3600XT und dem Ryzen 7 3800XT auf den Markt gebracht. Die Prozessoren setzen auf ein optimiertes Fertigungsverfahren in sieben Nanometern, wodurch laut AMD die benötigte Kernspannung für eine bestimmte Taktrate niedriger ausfällt als noch beim Vorgänger. Daraus resultiert eine geringere Leistungsaufnahme, welche zu besseren Temperaturen führt, was sich wiederum in höhere Taktraten ummünzen lässt. Tatsächlich verändert sich aber nur die Boost-Taktrate - je nach Modell - um 100 oder 200 MHz, der Basistakt und die restlichen Spezifikationen bleiben unangetastet. Wir haben die technischen Daten der AMD Prozessoren in der folgenden Tabelle für Sie zusammengefasst:

Modell

Kerne/ Threads

Boost-Takt/ Basistakt [GHz]

Cache (gesamt) [MB]

TDP [W]

UVP AMD zum Release

Aktueller Straßenpreis (06.07.20)

Verfügbarkeit

AMD Ryzen 9 3900XT

12 / 24

Bis zu 4,7 / 3,8

70

105

499 $

529 €

Juli 7, 2020

AMD Ryzen 9 3900X

12 / 24

Bis zu 4,6 / 3,8

70

105

499  $

409 €

Juli 7, 2019

AMD Ryzen 7 3800XT

8 / 16

Bis zu 4,7 / 3,9

36

105

399 $    

419 €

Juli 7, 2020

AMD Ryzen 7 3800X

8 / 16

Bis zu 4,5 / 3,9

36

105

399 $

309 €

Juli 7, 2019

AMD Ryzen 7 3700X

8 / 16

Bis zu 4,4 / 3,6

36

65

329 $

285 €

Juli 7, 2019

AMD Ryzen 5 3600XT

6 / 12

Bis zu 4,5 / 3,8

35

95

249 $    

259 €

Juli 7, 2020

AMD Ryzen 5 3600X

6 / 12

Bis zu 4,4 / 3,8

35

95

249 $

183 €

Juli 7, 2019

AMD Ryzen 5 3600

6 /12

Bis zu 4,2 / 3,6

35

65

199 $

163 €

Juli 7, 2019

Die neuen XT-Modelle sollen gemäß dem Pressesprecher parallel zu den alten Ryzen 3000 Prozessoren erhältlich sein und diese nicht ersetzen. O-Ton: Die 3000XT Prozessoren richten sich an diejenigen, die die bestmögliche Performance haben wollen. Preisbewusste Käufer sollen stattdessen zu den X-Varianten beziehungsweise dem Ryzen 5 3600 greifen. Die unverbindliche Preisempfehlung ist dabei identisch mit den Preisen, welche AMD vor einem Jahr für die ersten Zen-2-Prozessoren ausgerufen hat. Der Ryzen 5 3600X hat zum Marktstart in Deutschland damals 259 Euro gekostet, der Ryzen 7 3800X 419 Euro und der Ryzen 9 3900X 529 Euro. Der obigen Tabelle können Sie entnehmen, wie stark diese Preise seit der Veröffentlichung vor einem Jahr gefallen sind.

CPU-Benchmark 2020: Prozessoren im Vergleich-Test


Höhere Taktraten als erwartet

Da sich der Ryzen 9 3900XT letztendlich nur durch seine Taktrate vom Vorgänger unterscheidet, haben wir eben diese zunächst ermittelt und dann mit dem Vorgänger verglichen. Dafür kam Prime95 in der Version 26.6 mit dem Preset 1344K zum Einsatz. Das Programm erzeugt auf einer einstellbaren Anzahl von Rechenkernen eine sehr hohe Last. Der Test lief auf den Prozessoren jeweils für eine halbe Stunden zunächst nur auf einem Kern und dann auf der vollen Anzahl der zur Verfügung stehenden Threads. Welche Taktraten die CPUs dabei maximal erreicht haben und wo der Durchschnitt über den gesamten Testzeitraum lag, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Ryzen 9 3900XT

Ryzen 9 3900X

Single-Core Max.

4766,4 MHz

4591,7 MHz

Single-Core Avg.

4641,6 MHz

4516,9 MHz

Multi-Core Max.

4112,4 MHz

4002,4 MHz

Multi-Core Avg.

4058,9 MHz

3942,9 MHz

Die vorgegebene Boost-Taktrate von 4,7 GHz auf einem Kern erreicht unser Test-Sample leicht und bewegt sich tatsächlich schon eher in Richtung 4,8 GHz. Das ist gerade in Anbetracht der ehemaligen Boost-Problematik der Ryzen 3000 Prozessoren eine sehr erfreuliche Nachricht. Selbst über den gesamten Testzeitraum liegen im Schnitt gute 4640 MHz an und damit über 120 MHz mehr als beim Vorgänger. Doch nicht nur der Takt auf einem Core, sondern auch bei der Vollauslastung aller Kern hat sich erhöht. Hier stehen 110 MHz mehr als noch beim Vorgänger zu Buche. 

Hinweis: In Spielen fällt die durchschnittliche Taktrate höher aus als die hier angegebenen Werte, da die anliegende Last deutlich geringer ist.


Leistungsgewinn im Rahmen der Takterhöhung

In den Anwendungstests kann sich der Ryzen 9 3900XT im Schnitt um drei Prozent von seinem Vorgänger und um 19 Prozent vom Core i9-10900K absetzen.
Vergrößern In den Anwendungstests kann sich der Ryzen 9 3900XT im Schnitt um drei Prozent von seinem Vorgänger und um 19 Prozent vom Core i9-10900K absetzen.

Die erzielte Mehrleistung des Ryzen 9 3900XT im Vergleich zum Ryzen 9 3900X geht quasi Hand in Hand mit der Takterhöhung. Aus den knapp drei Prozent höheren Taktraten resultiert im Schnitt auch eine drei Prozent höhere Performance - je nach Anwendung können es auch mal fünf Prozent sein. Das ist natürlich nicht die Welt, aber viel mehr war angesichts der technischen Spezifikationen auch nicht erwarten. Letztendlich macht AMD mit dem Ryzen 9 3900X ein bereits gutes Produkt noch einmal einen kleinen Tick besser. Durch die erhöhte Single-Core-Taktrate kann man hier etwas Boden auf den Core i9-10900K gut machen, der in Anwendungen, welche nur wenige Kerne beanspruchen, Dank seiner enormen Taktrate von bis zu 5,3 GHz die Nase vorne hat. Bei den Multithreading-Anwendungen dagegen zieht man noch ein kleines Stückchen weiter von Intel davon. Die ausführlichen Messergebnisse können Sie am Ende des Artikels finden.


Nahezu keine Veränderungen bei der Spieleleistung

Bei den Spieletests zeigt sich ein eher ernüchterndes Bild. In vielen Spielen liegen der Ryzen 9 3900XT und der Ryzen 9 3900X gleich auf. Nur in ein paar Spielen kann sich das neue Modell bei den von uns getesteten Spielen um 2-3 FPS absetzen. Das liegt in erster Linie daran, dass die CPU in den Spielen eben nicht so stark ausgelastet ist. Der Unterschied zwischen den beiden Dodeca-CPUs bei den Taktraten beläuft sich hier dementsprechend nur auf etwa 50 MHz statt den 120 MHz in den Anwendungstests. Damit landet der Ryzen 9 3900XT auf dem selben Level wie der Ryzen 9 3950X

Der erst vor kurzem veröffentliche Intel Core i9-10900K thront in der Spieleperformance nach wie vor an der Spitze mit einem Vorsprung von 10 Prozent gegenüber dem neuen Zwölf-Kerner. Da mit zunehmender Auflösung die Grafikkarte sehr stark limitiert, spielt die CPU hier eine immer geringere Rolle. Dadurch fällt der Rückstand des Ryzen 9 3900XT mit knapp fünf Prozent in QHD bereits deutlich geringer aus. Wenn Sie sich nicht nur für die durchschnittliche Gaming-Leistung interessieren, können Sie die exakten FPS-Werte zu den getesteten Spielen am Ende des Artikels finden.

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Leicht verbesserte Energieeffizienz

Bei der Messung der Leistungsaufnahme des Ryzen 9 3900XT zeigt sich, dass der höhere Takt tatsächlich auf die Verbesserungen des Fertigungsverfahren zurückzuführen ist und nicht auf eine erhöhte Leistungsaufnahme. Bei unserer 30-minütigen Gaming-Session lag der Messwert im Schnitt um drei Watt niedriger als beim Ryzen 9 3900X. Bei Vollauslastung ist die CPU nach wie vor bei 142 Watt abgeriegelt, weshalb sich dieses Messergebnis nicht vom Vorgänger unterscheidet. Letztendlich bietet der neue 12-Kern-Prozessor also eine etwas höhere Performance bei einer geringfügig niedrigeren Leistungsaufnahme.

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Im Gegensatz zum Vorgänger liefert AMD den Ryzen 9 3900XT ohne beiliegenden Boxed-Kühler aus, sondern empfiehlt die Verwendung einer mindestens 280 Millimeter großen All-in-One-Wasserkühlung. Der in unserem Test zum Einsatz kommende be quiet! Dark Rock Pro 4 erwies sich aber auch als vollkommen ausreichend. Bei Vollauslastung der CPU über eine halbe Stunden mit Prime95 bei 1344K ohne AVX kletterte die Temperatur bis auf 77 Grad Celsius, bei einer 30 minütigen Spiele-Session war bereits bei 70 Grad Celsius Schluss. Dazu sei auch noch gesagt, dass die Umgebungstemperaturen auf Grund der sommerlichen Temperaturen bereits bei hohen 26 Grad Celsius lag. Normalerweise erfolgen die Tests bei einer drei bis vier Grad kühleren Raumtemperatur. 

Idle (°C)

Shadow of the Tomb Raider (°C)

Prime 95 (°C)

Ryzen 9 3900X

32

69

77

Ryzen 9 3900XT Luft

31

70

77

Ryzen 9 3900XT AiO

30

58

66

Ryzen 9 3950X

34

68

71

Core i9-9900K

31

66

72

Core i9-10900K

30

65

81


Mehr Übertaktungspotential als beim Vorgänger

Unser letzter Test des Ryzen 9 3900XT galt den Übertaktungsmöglichkeiten und dem daraus resultierenden Leistungszuwachs. Beim Overclocking des Ryzen 9 3900X war in den meisten Fällen bei 4,3 GHz auf allen Kernen Schluss, mit sehr viel Glück in der Silicon Lottery waren bei manchen Modellen auch mal 4,35 bis 4,4 GHz möglich. Für die Übertaktung haben wir auf AMDs Empfehlung gehört und die NZXT Kraken X62 verwendet, eine 280 Millimeter große AiO-Wasserkühlung. Im direkten Vergleich zum be quiet! Dark Rock Pro4 erzielte die AiO bei Vollauslastung der CPU ohne Übertaktung um elf Grad Celsius niedrige Werte. Der Ausgangspunkt ohne Übertaktung sah also wie folgt aus: 4058,9 MHz auf allen Kernen bei Vollauslastung in Prime95 bei einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 141,5 Watt und einer Temperatur von maximal 66 Grad Celsius.

Flotter RAM: So wichtig ist der Arbeitsspeicher-Takt für den Gaming-PC

Unser Test-Sample des Ryzen 9 3900XT lief mit 4,45 GHz auf allen Kernen bei einer Core-Voltage von 1,36 Volt stabil. Die Leistungsaufnahme bei Vollauslastung stieg dadurch auf 179,3 Watt an und die Temperatur lag maximal bei 85 Grad Celsius. Das sind sehr gute Werte, welche wir mit dem Ryzen 9 3900X definitiv nicht erreichen konnten. Neben der CPU haben wir auch noch den Arbeitsspeicher übertaktet, um herauszufinden, ob sich am maximal möglichen Takt der Infinity Fabric etwas geändert hat. Das ist aber leider nicht der Fall, wie auch bei den bisherigen Modellen ist hier bei etwa 1900 MHz Schluss und damit bei 3800 MHz RAM-Takt. Unsere Einstellungen sahen dann letztendlich wie folgt aus: RAM-Takt bei 3800 MHz mit den Latenzen von 16-16-16-36, Infinity Fabric bei 1900 MHz und Speichercontroller bei 1900 MHz.

7-Zip Benchmark (MIPS)

Blender Benchmark (min)

Cinebench R15 Single Core (cb)

Cinebench R15 Multi Core (cb)

Cinebench R20 Single Core (cb)

Cinebench R20 Multi Core (cb)

Handbrake (min)

Ryzen 9 3900X

109049

11:13:55

211

3037

509

6923

22:13

Ryzen 9 3900XT

109049

10:51:84

218

3175

539

7176

21:40

Ryzen 9 3900XT OC

115810

9:49:89

210

3476

518

7951

19:49

Spieleleistung FHD

Assassin's Creed Odyssey

Borderlands 3

Civilization VI Gathering Storm

F1 2019

Far Cry 5

Forza Horizon 4

Metro Exodus

Red Dead Redemption 2

Shadow of the Tomb Raider

The Division 2

Schnitt

Ryzen 9 3900X

80,4

106,1

100,4

179,7

127,1

166,9

90,7

89,7

135,3

150,3

124

Ryzen 9 3900XT

80,2

108,8

101,5

181,5

128,6

166,7

93,3

93,9

135,8

151,4

125,4

Ryzen 9 3900XT OC

81

109

105,7

183,9

138,1

173,1

100,6

94,5

142,2

154,8

128,3

Der durch die Übertaktung erzielte Performance-Gewinn fiel je nach Anwendung ganz unterschiedlich aus. In den Single-Core-Tests lagen die Messwerte tatsächlich sogar niedriger, da die CPU nicht mehr auf einem Kern auf über 4,7 GHz hochgetaktet hat. Wenn eine Anwendung jedoch auf alle 24 Threads der CPU zugreifen kann, so liegt der Leistungsgewinn bei knappen 10 Prozent. In Spielen liegt der Performancegewinn dann wieder deutlich niedriger bei im Schnitt zwei Prozent. Das liegt in erster Linie daran, dass der Prozessor beim Zocken nicht voll ausgelastet ist und dadurch auf allen Kernen auch ohne Übertaktung bereits 4200 bis 4300 MHz erreicht. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich der Ryzen 9 3900XT auf jeden Fall besser übertakteten lässt als sein Vorgänger. Das Energieeffizienzlevel leidet darunter selbstverständlich, aber eine 20 Prozent höhere Leistungsaufnahme für zehn Prozent mehr Leistung ist beim Übertakten tatsächlich noch ein ziemlich gutes Verhältnis. Wer mit seinem PC nur zocken will, profitiert von dem höheren Takt nahezu nicht.


Preisliche Einordnung und abschließende Worte

Für den Ryzen 9 3900XT veranschlagt AMD eine unverbindliche Preisempfehlung von 529 Euro. Genauso viel hat der Ryzen 9 3900X bei seiner Veröffentlichung vor einem Jahr auch gekostet. Aus AMDs Sicht gesehen bringt man also ein Produkt mit etwas höheren Taktraten, einem leichten Performance-Anstieg und einer etwas besseren Energieeffizienz zum gleichen Preis auf den Markt. Der Haken an der Sache ist, dass der Preis für den Ryzen 9 3900X mittlerweile deutlich gefallen ist und er - Stand 06.07.2020 - bereits ab 409 Euro erhältlich ist. Was das für das Preis-Leistungs-Verhältnis des Ryzen 9 3900XT bedeutet, verdeutlicht folgende Grafik:

Sollte der AMD Ryzen 9 3900XT zum Marktstart tatsächlich 529 Euro kosten, dann ist er aus Preis-Leistungs-Sicht definitiv zu teuer
Vergrößern Sollte der AMD Ryzen 9 3900XT zum Marktstart tatsächlich 529 Euro kosten, dann ist er aus Preis-Leistungs-Sicht definitiv zu teuer

Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Ryzen 9 3900XT, welches sich aus dem Straßenpreis geteilt durch die Spieleleistung (zu 70 Prozent) + die Anwendungsleistung (zu 30 Prozent) zusammensetzt, liegt nämlich deutlich schlechter als noch beim Vorgänger. Auch Intels Core i9-10900K ist aus Preis-Leistungs-Sicht die bessere Wahl. Im Regelfall fallen die Preise von Hardware-Produkten in den ersten acht Wochen nach ihrem Release jedoch relativ stark. Hier muss sich also erst noch zeigen, bei welchem Preis sich der Ryzen 9 3900XT einpendeln wird.

AMD Ryzen: Alle CPUs von 2020, 2019, 2018 & 2017 samt Testberichten

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ryzen 9 3900XT alles kann, was der Ryzen 9 3900X auch kann, nur eben ein kleines bisschen besser. Die CPU erreicht sowohl auf einem Kern als auch im Multi-Core 100-120 MHz mehr und auch beim Übertakten ist etwas mehr Luft nach oben. Die Leistungsaufnahme ist dabei beim Zocken im Schnitt sogar minimal gesunken. An der aktuellen Situation ändert sich dadurch aber recht wenig: AMD hat nach wie vor die Performance-Krone in den Multi-Threading-Anwendungen auf und kann den Vorsprung sogar noch etwas ausbauen. Beim Zocken haben jedoch nach wie vor die Intel Prozessoren, allen voran der Core i9-10900K, die Nase vorne, daran ändern auch die höheren Taktraten des Ryzen 9 3900XT nichts.

Das größte Problem des Ryzen 9 3900XT - eines an sich sehr guten Produkts - könnte also der Preis werden und dass sich der neue 12-Kerner zu gering vom Ryzen 9 3900X abhebt. Hier muss sich wie gesagt erst noch zeigen, wie viel die Händler zum Marktstart für den Prozessor verlangen und wie sich der Preis in den nächsten Wochen entwickelt. Rein aus Preis-Leistungs-Sicht darf der Ryzen 9 3900XT nur etwa 20 bis 30 Euro mehr kosten als der Ryzen 9 3900X derzeit, um ein ähnlich attraktives Angebot darzustellen. Bei einem Aufpreis von 120 Euro zum Marktstart können wir definitiv keine Kaufempfehlung aussprechen.

So testet PC-WELT Prozessoren

Wir testen alle Prozessoren unter gleichen Bedingungen, um faire, transparente und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Welche Hardware und Software wir für unsere Tests benutzen, und wie die Gesamtwertung am Ende zustande kommt, erfahren Sie in folgendem Artikel:  Neue Test-Plattform - so prüft PC-WELT Prozessoren auf Herz und Nieren  

Unsere Messwerte auf einen Blick

Im folgenden können Sie die verwendete Test-Hardware sowie all unsere Messwerte zum AMD Ryzen 9 3900XT inklusive der Konkurrenzmodelle finden. Los geht es mit den Spielebenchmarks [Bilder/s] in FHD, dann in QHD, und zuletzt schließlich den Ergebnissen in den Anwendungstests und synthetischen Benchmarks.

Mainboard

ASUS ROG STRIX X570-E Gaming (BIOS: 2203)

CPU

Ryzen 9 3900XT (Precision Boost Override Off, Global C-States On)

CPU-Kühler

be quiet! Dark Rock Pro 4

RAM

G.Skill Trident Z Royal gold 2x 8GB 3200 MHz CL14

System-SSD

Western Digital WD Black SN750 1TB

Daten-SSD

SanDisk Ultra 1TB

Netzteil

Seasonic Focus Plus Platinum 850W ATX 2.4

Benchtable

Lian Li PC-T70X ATX Test Bench

Lüfter

4x BeQuiet! Silent Wings 3

Betriebssystem

Windows 10 Pro 1909

Buildversion

18.363.778

Treiberversion

441.20

Spieleleistung FHD

Assassin's Creed Odyssey

Borderlands 3

Civilization VI Gathering Storm

F1 2019

Far Cry 5

Forza Horizon 4

Metro Exodus

Red Dead Redemption 2

Shadow of the Tomb Raider

The Division 2

Ryzen 9 3900X

80,4

106,1

100,4

179,7

127,1

166,9

90,7

89,7

135,3

150,3

Ryzen 9 3900XT

80,2

108,8

101,5

181,5

128,6

166,7

93,3

91,9

135,8

151,4

Ryzen 9 3950X

80,7

106,3

101,3

181,4

132,3

168,6

91,7

91,3

138,4

152,1

Core i9-9900K

86,3

115,3

112,5

195,0

154,8

182,6

99,0

94,8

155,2

154,4

Core i9-10900K

86,6

113,9

123,6

207,8

161,1

190,3

102,5

97,5

155,5

148,0

Spieleleistung QHD

Assassin's Creed Odyssey

Borderlands 3

Civilization VI Gathering Storm

F1 2019

Far Cry 5

Forza Horizon 4

Metro Exodus

Red Dead Redemption 2

Shadow of the Tomb Raider

The Division 2

Ryzen 9 3900X

69,9

79,8

99,2

149,8

117,8

151,2

73,3

67,8

115,9

113,3

Ryzen 9 3900XT

67,3

82,8

101,3

154,7

120,7

152,5

76,8

70,8

118,1

112,9

Ryzen 9 3950X

70,5

80,2

102,1

150,9

117,8

153,3

74,0

69,4

116,1

112,8

Core i9-9900K

76,8

82,3

100,4

160,2

126,4

160,1

78,2

76,1

116,5

106,9

Core i9-10900K

74,9

82,0

121,3

155,2

137,6

159,7

84,0

75,0

116,8

101,0

Anwendungsleistung

7-Zip Benchmark (MIPS)

Blender Benchmark (min)

Cinebench R15 Single Core (cb)

Cinebench R15 Multi Core (cb)

Cinebench R20 Single Core (cb)

Cinebench R20 Multi Core (cb)

Handbrake (min)

Ryzen 9 3900X

109049

11:13:55

211

3037

509

6923

22:13

Ryzen 9 3900XT

109049

10:51:84

218

3175

539

7176

21:40

Ryzen 9 3950X

129756

08:23:43

210

3908

532

9117

18:21

Core i9-9900K

71864

15:20:49

215

2037

514

4898

30:19

Core i9-10900K

89382

13:46:12

227

2612

535

6068

28:04

Leistungsaufnahme

Idle (W)

Full-HD YouTube (W)

Shadow of the Tomb Raider avg (W)

Shadow of the Tomb Raider max (W)

Cinebench R15 max (W)

Ryzen 9 3900X

13,5

35,2

86,5

97,7

145,3

Ryzen 9 3900XT

16,0

33,8

83,4

100,7

141,7

Ryzen 9 3950X

16,8

36,2

83,5

112,4

143,1

Core i9-9900K

7,9

9,4

62,5

85,4

135,6

Core i9-10900K

8,8

14,3

103,0

128,2

217,2

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