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Tesoro Alphaeon S1: Die Ferrari-Edition im Test

16.05.2020 | 08:07 Uhr |

Lufteinlass wie bei einem Supersportler, ergonomisches Design, eine Prise Ferrari-Feeling: Kann der Alphaeon S1 für gerade mal 250 Euro mit den Luxus-Boliden aus dem Hause Secretlab und gar der 1000-Euro-Konkurrenz von Recaro mithalten? Und was braucht eigentlich ein guter Gaming- und eSports-Chair? Der Tesoro Alphaeon S1 im Test.

Leise surrt die Kaffeemaschine, wohliges Aroma steigt uns in die Nase. Punkt 9 Uhr ist es Zeit, in den Alltag eines Spieleredakteurs zu starten. Der beginnt mit gut 100 E-Mails am Morgen, Redaktionspläne wollen bearbeitetet, Publisher-Anfragen beantwortet und neue Geschichten geplant werden. Assassin’s Creed Valhalla wurde gerade für Xbox Series X, Playstation 5 und PC enthüllt, ein paar Microsoft-Weltpremieren sollen in einem Presse-Livestream gezeigt werden, ehe sie auf Inside Xbox für die ganze Welt auf Youtube rauschen. McLaren lädt zur virtuellen Rundfahrt in ihrem neuen Supersportler, ein neues Der-Herr-der-Ringe-Spiel (oh, das dürfen wir noch nicht verraten) steht auf dem Plan und das Smartphone bimmelt im Dauertakt: Riot Games ruft an wegen Valorant, Epic für den Fortnite World Cup und Red Bull, weil wir endlich mal das Skype-Interview mit Ninja eintüten müssen.

Es wird viel telefoniert, getippt und geplant, gut 10 Stunden pro Tag nimmt unser Hintern hier Platz, ein ergonomisch gut geformter und vor allem bequemer Gaming-Chair ist da ein Muss. Diese zu finden ist ja oft gar nicht so einfach, weil, was luxuriös und nach Sportauto klingt, muss nicht zwingend auch bequem sein – wir hatten durchaus schon Gaming-Stühle unter dem Allerwertesten, in denen sitzt man hart wie in einem Lamborghini. Darauf mag der ein oder andere stehen, sonderlich gesund ist es nicht und kann bei langen Büro- und/oder Gaming-Sessions leicht zu Muskelverspannungen führen. Eventuell sitzen Sie ja auch gerade im Home-Office und überlegen, einmal in einen besseren Stuhl zu investieren, möchten aber nicht gleich in die Hochpreiskategorie von Secretlab & Recaro einsteigen. Der Recaro Exo Platinum etwa stellt mit 999 Euro den Bugatti Veyron unter den Gaming-Chairs dar. Ganz schön geil, aber auch ganz schön teuer. Geht es auch ein bisschen günstiger und trotzdem edel?

Der Tesoro S1: Sieht aus wie ein Ferrari-Stuhl, ist super fix zusammengebaut

Der Tesoro S1 ist natürlich kein offizieller Ferrari-Stuhl, dann wäre er nicht so günstig. Die dezente Supersportler-DNA gefällt uns aber sehr.
Vergrößern Der Tesoro S1 ist natürlich kein offizieller Ferrari-Stuhl, dann wäre er nicht so günstig. Die dezente Supersportler-DNA gefällt uns aber sehr.

Also mal schauen, was Tesoro hier im 2020er-Line-Up anzubieten hat: Der Stuhl erscheint in einer großen Box, die gut sortiert ist und lässt sich erstaunlich einfach mit einem Vier-Schritt-System aufbauen, wodurch der Tesoro S1 Alphaeon direkt mal Bonuspunkte sammelt. Denn viele Stühle liefern die Gasdruckfeder als einzelnes Element, was den Zusammenbau erheblich erschwert. Beim Alphaeon S1 hingegen ist die Gasdruckfeder der Kategorie 4 bereits fest im Metallrahmen integriert. Wir schnappen uns ergo das Aluminium-Fußkreuz, schrauben die fünf hochwertig gearbeiteten Racing-Rollen an, die ob des Klavierlack-Finish ein bisschen Luxus auf den Boden bringen und fertig ist Schritt Nummer Uno. 

Anders als etwa Secretlab bei seinem Titan setzt Tesoro auf ein mattes Finish auf der Oberseite seines Fußkreuzes – dadurch glänzt dieses nicht wie bei Secretlab, was etwas weniger edel aussieht, allerdings den Vorteil hat, dass sich hier auch kein Schmutz ansammelt oder dieser zerkratzen kann. Anschließend setzen wir das Sitzteil auf, verschrauben alles - auch sehr flott gemacht. Wer weiß, wie man mit einer Ratsche umgeht und schon mal eine Schraube festgezogen hat, sollte hier vor keine allzu großen Herausforderungen gestellt werden. Schließlich setzen wir das Rückenteil ein, was notfalls auch alleine geht – dieses wird nämlich in zwei Ankerpunkte auf dem Stuhl eingeklemmt. Die zusätzlichen Schrauben dienen lediglich der Stabilität. Links und rechts noch zwei kleine Scharniere anbringen, die in erster Linie als Design-Elemente dienen. Fertig. Der Aufbau ist in gut 20 bis 30 Minuten leicht zu bewerkstelligen. 

Der Secretlab Titan setzt auf Hochglanz-Lackierung beim Fußkreuz, Tesoros Stühle sind hier etwas weniger edel. Die Racing-Rollen sind aber auf Glanz lackiert.
Vergrößern Der Secretlab Titan setzt auf Hochglanz-Lackierung beim Fußkreuz, Tesoros Stühle sind hier etwas weniger edel. Die Racing-Rollen sind aber auf Glanz lackiert.

Und wie schön dieser Stuhl doch ist: Die Außen werden von einer langen, dicken Linie in Ferrari-Rot umspielt, der Rest ist schwarzes PU-Leder, lediglich die Nähte sind im gleichen Rot-Ton gehalten. Sieht edel aus und hat einen richtigen schönen Sportlook. Weil das ganze Design so leicht aerodynamisch gehalten ist und sich der Schriftzug von Tesoro über den Stuhl zieht, wie wir das häufig bei Sponsoren im Motorsport haben, würde sich das gute Stück wohl gut machen im Gaming-Room von Ferraris F1-Profi Charles LeClerc. Denn 1.) hat Ferrari noch keinen eigenen Gaming-Chair, man ist zu beschäftigt mit Lewis Hamilton und Mercedes-Petronas mithalten zu können und b) dürfte LeClerc als der große Gewinner der aktuellen Corona-Zwangspause in die Geschichte eingehen, denn während Sebastian Vettel von seinen großen Zeiten bei Red Bull träumt und sich dem Offiziellen Grand Prix verschließt, der gerade virtuell in Codemasters Rennsimulation F1 2020 gefahren wird, avanciert der monegassische Senkrechtstarter gerade zum Star auf dem PC und Twitch.

Design & Komfort: Bringt Rennsport-Feeling ins B üro

Nein, es handelt sich bei dem S1 nicht um eine offizielle Ferrari-Edition – das hätte den Preis sicherlich eher in die 1000 Euro-Liga getrieben. Aber es ist offensichtlich, dass die Designer sich stark aus dem Rennsport haben inspirieren lassen: Treten Sie von Hinten auf den Gaming-Chair zu, fällt direkt die markante Aussparung am Kopfteil auf, die mit Hochglanz-Lack veredelt wurde. Diese erinnern an den Luftaustritt bei einem Supersportler, was Fans von Ferrari, McLaren, Lamborghini oder Bugatti sicherlich gefallen dürfte. Von hinten ist das Design insgesamt recht schlank und ergonomisch gehalten: Damit auch breitete Schultern bequem auflegen und Platz haben, öffnet sich das Design oben nach Außen und verläuft darunter leicht nach innen. Eine schöne Idee, so kann man seine Ellenbogen beim Schauen eines Premieren-Trailers etwa von Assassin’s Creed Valhalla, bequem dort auflegen. Generell gefällt uns, dass Tesoro sich viel Mühe gibt, dieses Rennsport-Feeling mit Komfort zu verknüpfen. Der Autor dieser Zeilen hat gut einen Monat auf dem S1 gesessen, jeweils so um die 10 Stunden pro Tag, und er fühlt sich nach wie vor gut und bequem an. Es drückt nichts, auch nach langen Sessions fühlt sich der Rücken gut an, weil wir hier durchgestreckt sitzen und mit 80 Zentimeter sollte die Rückenlehne für jeden lang genug sein, unser Tester ist 1.86m groß. Je nach Tischhöhe lässt sich der Stuhl von 37 auf 45 Zentimeter einstellen. 

Auch ein schöner Rücken weiß zu entzücken: Die Rückseite ist eher klassisch gehalten, auffallend sind die an Lufteinlassventile erinnernden Aussparungen.
Vergrößern Auch ein schöner Rücken weiß zu entzücken: Die Rückseite ist eher klassisch gehalten, auffallend sind die an Lufteinlassventile erinnernden Aussparungen.

Die Rückenlehne lässt sich um 150 Grad neigen, also theoretisch kann man hier drauf auch auf ein Nickerchen machen, sollten Sie zu den Powernappern unserer Nation gehören. Mal probe-sitzen sollten eventuell vorher Menschen mit breiterem Gesäßteil, denn wo einige Hersteller wie Secretlab mit dem Titan mittlerweile auf flache Seitenwangen setzen, sind diese beim S1 durchaus markant. Allerdings hat man auch hier eine smarte Lösung gefunden: Das Sitzpolster steht für sich alleine, die Seitenwangen schwingen darunter hervor. Dadurch bleibt trotz der Racing-Optik ziemlich viel Platz für Beinfreiheit, wobei das natürlich auch immer ein subjektives Gefühl ist. Der Autor ist 1,86 groß und 70 Kilo schwer – eine Person mit etwa gleicher Größe, aber 20 Kilo mehr Gewicht empfand den S1 aber ebenfalls als komfortabel. Das liegt vor allem an der Kaltschaum-Polsterung: Diese ist widerstandsfähig, also schon deutlich härter als ein klassischer Bürostuhl, wodurch unsere Wirbelsäule durchgedrückt wird. Das ist wichtig, im berühmt berüchtigten Chefsessel neigen viele Menschen dazu im Laufe des Tages immer weiter runterzurutschen, was nicht gut für den Rücken ist. 

Unterstützend wirkt dabei auch eine Lumbalstütze, die wir eher als Sitzkissen zum Stützen der Beckenmuskulatur benutzen. Und einem Kopfkissen: Dieses nutzen wir nur beim Anlehnen, wenn wir etwa einen Trailer schauen oder telefonieren. Wer mag, kann dieses aber auch abnehmen, dann sticht der Racing-Look mit den angedeuteten Lufteinlass-Ventilen aus dem Supersportler-Segment noch etwas stärker hervor.

Wichtig: Der S1 Alphaeon hat eine Gasdruckfeder der Klasse 4 bis 120 Kilogramm. Sollten Sie schwerer sein, sollten Sie das beim Kauf ber ü cksichtigen.

Die 3D-Armlehnen: Vollmetal und wichtiger als man denkt

Die dreidimensionalen Armlehnen sorgen für mehr Komfort. Theoretisch könnten Sie dort sogar bei Office-Arbeiten die Maus führen oder ein Mauspad zum Gaming auflegen.
Vergrößern Die dreidimensionalen Armlehnen sorgen für mehr Komfort. Theoretisch könnten Sie dort sogar bei Office-Arbeiten die Maus führen oder ein Mauspad zum Gaming auflegen.

Auch bei den Armlehnen überrascht uns Tesoro, denn man verwendet hier Aluminium, wie beim 150 Euro teureren Secretlab Titan. Dort sind diese allerdings wertiger gearbeitet und mit PU-Leder überzogen, bei Tesoro handelt es sich um einen Gummi-Überzug, den man öfter mal abwischen sollte – von unserem Eindruck her bilden sich dort schnell mal kleine weiße Streifen. Smart gedacht ist die dreidimensionale Armlehne, weil sie uns erlaubt, auch etwas schräger am Schreibtisch zu sitzen. Bei der Arbeit an einem Dual-Monitor-Setup etwa drehen wir uns leicht nach rechts, um einen besseren Blick auf den linken LCD-Bildschirm zu haben. Dabei knicken wir die Armlehne nach innen. Alternativ können wir die Armlehnen auch nach außen ausfahren, etwa wenn Maus und Tastatur bei Ihrem Setup weiter auseinander liegen.

Lesetipp: Die Königin von CS:GO - zAAz im Portrait

Und da wir für unsere Portraits ohnehin im konstanten Austausch mit vielen eSports-Pros wie CS:GO-Pro zAAz oder CoD-Streamer NadeShot, Besitzer von 100 Thieves sind, fragen wir die Kollegen auch gleich, was für sie eine gute Armlehne ausmacht. Ihre Meinung: Wichtig ist ihnen vor allem der 90-Grad-Winkel, damit sie aufrecht sitzen können und sich nicht nach unten beugen müssen, um zu spielen – das würde automatisch zu Rückenproblemen führen, in einem Job der lange Trainings- und Streaming-Sessions erfordert. In der Counter-Strike-Szene sind zudem 3D-Armlehnen beliebt, weil viele Spieler ihre Tastatur schräg stellen und optimalen Zugriff für ihre Finger auf die relevanten Tasten zu haben – also WASD, Granate, Sprung, Crouch sowie Zahlen, um Waffen auszuwählen – und sie mit dem linken Daumen komfortabel und präzise die Leertaste zum Springen nutzen wollen. Dafür ist es hilfreich die Armlehne einklappen zu können, damit man nicht zwingend gerade vor dem Tisch sitzen muss, sondern auch einen seitlichen Winkel nutzen kann. 

Der australische League-of-Legends-Profi Robert „Katsurii“ Gouv nutzt den Tesoro Alphaon ebenfalls seit einigen Monaten und ist besonders glücklich über die 3D-Armlehnen: „Ich spiele rund 10 bis 12 Stunden jeden Tag, zwischen den Matches machen wir vielleicht 5 Minuten Pause, um die Session zu reviewen. Daraus resultierten bei einigen Gaming-Stühlen starke Armschmerzen, was das ganze Training zunichte machen kann. Wenn die Muskeln schmerzen, hat das einen großen Effekt auf meinen Skill. Bislang hatte ich das Problem hier nicht, weil ich die Armlehne beliebig hochstellen und auch nach außen ausfahren kann.“ 

Fazit

Okay wow, der Tesoro Alphaeon S1 klingt wie die Mischung aus einer griechischen Gottheit und einem Supersportler und bietet tatsächlich sehr viel für wenig Geld: Für gerade mal 250 Euro erhalten wir einen stabilen Metallrahmen, sich wohl anschmiegendes, nicht zu aufdringliches PU-Leder mit Perforationsmuster, was edel und schick aussieht. Eine gute Prise Rennsport-Look, aber auch nicht zu viel Gaming-DNA. Den S1 können Sie auch problemlos ins Büro stellen, wenn Sie das Kopfkissen mit dickem Tesoro-Schriftzug weglassen. 

Es gibt natürlich Konkurrenten wie den Secretlab Titan , die noch etwas feiner gearbeitet sind. Da ist dann das Logo an mehreren Komponenten per Laser eingraviert, die Armlehne mit echtem Leder überzogen und das PU-Leder des Sitzkissens mit Karbon-Prints versehen. Aber wer nicht direkt in die Oberliga von 400 bis 1000 Euro greifen möchte, der bekommt hier einen sehr guten Gaming-Chair, der gerade ob seines Designs richtig Spaß macht. 

Pro:

Contra:  

Sehr gelungenes Design mit dezenten Ferrari-Anleihen  

Qualität des Gummis der Armlehnen nicht optimal, hier bilden sich gerne mal kleine weiße Streifen

Hochwertig verarbeitetes PU-Leder in Schwarz und Rot

Gasdruckfeder der Kategorie 4 nur für 120 Kilo geeignet – wer schwerer ist, sollte einen anderen Stuhl wählen  

Edel wirkende Racing-Rollen mit Klarlack-Überzug

3D-Armlehne für mehr Flexibilität beim Gaming

150 Grad kippbar für den Power-Nap im Home-Office

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