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Tesla Model Y: Rasender Pampersbomber im Test

02.12.2021 | 10:33 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Kann man mit einem Tesla Model Y auch ohne Supercharger stressfrei weit fahren und auf der Autobahn 150 km/h halten, ohne dass man fürchten muss, mit leerem Akku liegen zu bleiben? Wie gut klappt das Aufladen an der 230-Volt-Steckdose zu Hause? Wie schnell entlädt sich im Winter der Akku? Ein Alltagstest bei Minusgraden.

Kann man mit einem Tesla Model Y Dual Motor Maximale Reichweite stressfrei bis auf das flache Land fahren, weit vom nächsten Tesla-Supercharger entfernt, und auf der Autobahn trotzdem möglichst immer mit flotten 150 km/h unterwegs sein, ohne dass man Angst haben muss, mit leerem Akku liegen zu bleiben? Wie gut klappt das Aufladen an der 230-Volt-Steckdose zu Hause? Wie schnell entlädt sich im Winter ein geparkter Tesla? Was ist das Model Y, das bald in Grünheide gebaut werden soll, überhaupt für ein Fahrzeug? Ein Alltagstest im November 2021 bei leichten Minusgraden.

Tesla Model Y Deutschland-Premiere: Alles was Sie wissen müssen

Das Tesla Model Y von hinten
Vergrößern Das Tesla Model Y von hinten

Unterschiede zwischen Model 3 und Model Y: Letzteres will hoch hinaus

Das Model Y ist vereinfacht gesagt ein höheres Model 3 mit deutlich mehr Platz, einem richtig großen Kofferraumvolumen und beeindruckender Durchlademöglichkeit sowie aufgrund der erhöhten Sitzposition mit mehr Überblick für die Insassen. Die größeren Abmessungen (Model 3: 4,69 Meter; Model Y: 4,75 Meter) und die höhere Karosserie (Model 3: 1,4 Meter; Model Y: 1,6 Meter) führen dazu, dass das Model Y deutlich schwerer als das Model 3 ist: Model 3 wiegt mit Dualmotor 1844 kg, das Model Y bringt mit gleicher E-Motor-Ausstattung dagegen 2003 kg auf die Waage. Das alles fordert seinen Tribut bei den Fahrwerten - die aber immer noch beeindruckend sind.

Das Tesla Model Y von der Seite
Vergrößern Das Tesla Model Y von der Seite

Fahrwerte: Extrem sportlich

Das Tesla Model 3 "Performance" (Listengrundpreis: 54.990 Euro)/"Maximale Reichweite" (Listengrundpreis: 49.990 Euro) sprintet in 3,3/4,4 Sekunden von 0 auf 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 261/233 km/h.

Die entsprechenden Werte für das höher gebaute Model Y: Von 0 auf 100 km/h sprinten in 3,7/5,0 Sekunden das Model Y "Performance" (Listengrundpreis: 63.990 Euro) beziehungsweise das Model Y "Maximale Reichweite" (Listengrundpreis: 56.990 Euro) und 250 km/h beziehungsweise 217 km/h sind die Angaben für die Höchstgeschwindigkeit (Performance/Maximale Reichweite).

Blick von oben
Vergrößern Blick von oben
© Tesla

Auch bei der Reichweite kann das windschnittigere Model 3 mit den etwas besseren Zahlen aufwarten: 547/614 Kilometer Reichweite sind es beim Model 3 (Performance/Maximale Reichweite), nur 480/507 Kilometer Reichweite dagegen beim Model Y (Performance/Maximale Reichweite).

Sowohl die Performance- als auch die Maximale-Reichweite-Variante des Model Y besitzen einen Dualmotor (also je ein E-Motor an Vorder- und Hinterachse) und Permanent-Allradantrieb (das Drehmoment wird laut Tesla per Digitalsteuerung auf die Vorder- und Hinterräder verteilt). Anders als beim Model 3 gibt es in Deutschland vom Model Y derzeit keine Variante nur mit einem Motor und Heckantrieb.

Das Glas-Panoramadach
Vergrößern Das Glas-Panoramadach
© Tesla

Achtung: Standard sind 19-Zoll-Räder. Wer 20-Zoll-Räder montiert, verringert die Reichweite. Beim Performance-Model-Y sind 20-Zoll-Räder Standard.

Unser Testwagen bei der Tesla-Niederlassung im Westen von München
Vergrößern Unser Testwagen bei der Tesla-Niederlassung im Westen von München

Familien-, reise- und alltagstauglich: Rasender Pampers-Bomber

Welche Karosserieform einem besser gefällt, ist Geschmackssache, doch objektiv alltagstauglicher ist ganz klar Model Y. Dieses elektrische Crossover-SUV schluckt problemlos das Gepäck einer vier- bis fünfköpfigen Familie oder auch mal einen Kühlschrank oder ein größeres Ikea-Regal, wenn ein Möbelkauf ansteht. Denn während das Model 3 sich mit einem Gepäckraumvolumen von 649 Litern zufriedengeben muss, klotzt das Model Y mit 854 Litern im hinteren Kofferraum und sogar mit einem maximalen Ladevolumen von 2158 Litern, wenn man die Rücksitzlehnen umlegt, weil es hier keinen Steg gibt, der die Lademöglichkeiten behindert. 

Der vordere Kofferraum
Vergrößern Der vordere Kofferraum

Davon kommen weitere 117 Liter im vorderen Kofferraum. Man sitzt zudem auch hinten sehr geräumig.

Viel Platz: Unter der Bodenabdeckung gibt es weiteren Stauraum.
Vergrößern Viel Platz: Unter der Bodenabdeckung gibt es weiteren Stauraum.

Nicht ohne Grund ist es das Model Y, das Elon Musk in Grünheide fertigen lassen will. Denn der Formfaktor "kompaktes SUV/Crossover" kombiniert mit dem beeindruckend sportlichen Fahrverhalten eines mehr als ausreichend motorisierten Elektro-Autos dürfte hierzulande die größten Verkaufschancen haben.

Viel Platz für die Mitfahrer auf dem Rücksitz
Vergrößern Viel Platz für die Mitfahrer auf dem Rücksitz

Der Herausforderer: Volkswagen dürfte mit dem ID.5 gegen das Tesla Model Y antreten wollen. Mehr dazu lesen Sie in " ID.5 vorbestellbar: VWs E-Top-Modell gegen Tesla Model Y - Vorteile & Nachteile ".

Unser Tesla-Testkandidat: Maximale Reichweite mit Premium-Diensten und „Volles Potenzial für autonomes Fahren"

Deshalb haben wir ein Model Y Maximale Reichweite (Preise ab 56.990 Euro; in 5 Sekunden auf 100 km/h, 217 km/h Höchstgeschwindigkeit, 507 Kilometer theoretische maximale Reichweite; offizieller Stromverbrauch: 16.9 kWh/100 km) im Langstreckeneinsatz getestet und sind damit mal eben von München aus in die Oberpfalz und anschließend in den Bayerischen Wald bis nahe an die Grenze zur Tschechischen Republik gefahren. Immer mit mindestens 140 oder besser 150 km/h, sofern der Verkehr auf der Autobahn und die Geschwindigkeitsbeschränkungen das zuließen.

Tesla Model Y
Vergrößern Tesla Model Y
© Tesla

Viele Ablagen und viel Platz, optionale Anhängerkupplung

Den Insassen stehen überall im Innenraum Verstaumöglichkeiten zur Verfügung. Allein unter der Mittelkonsole verschwinden nicht nur Kleinteile wie Geldbeutel, Schlüssel oder Handys, sondern locker auch kleine Handtaschen oder kleine Einkäufe. Tesla hat zudem vorne in der Mittelkonsole zwei induktive Ladeplätze für Smartphones untergebracht, außerdem gibt es tief innen und hinten an der Mittelkonsole zusätzlich USB-Buchsen.

Induktives Aufladen
Vergrößern Induktives Aufladen
© Tesla

Die größeren Einkäufe, also die in großen Tüten oder Körben, verstauen Sie verrutschsicher am besten in den beiden größeren Mulden unter dem hinteren Kofferraumboden oder in den beiden Vertiefungen links und rechts vom hinteren Kofferraumboden. Auch der vordere Kofferraum steht für Kleinteile noch zur Verfügung, dort befinden sich aber standardmäßig auch die Ladekabel (für 230-Volt-Standardsteckdose und für Ladesäulen). Große, sperrige Teile legen Sie dagegen auf den hinteren Kofferraumboden. Wenn Sie die Lehne der Rücksitze umlegen, dann bekommen Sie – aufgrund der niedrigen Ladekante durchaus bequem – auch größere Möbel im Model Y unter.

Tesla liefert derzeit aber noch keine Kofferraumabdeckung.

Falls das immer noch nicht reicht, können Sie in der Tesla-Niederlassung eine abnehmbare Anhängerkupplung nachrüsten lassen, aus Stahl, Klasse II für Anhängelasten bis zu 1.600 kg. Ab Werk kann diese nicht montiert werden, sie wird in jedem Fall erst bei/nach der Auslieferung angebracht. Preis: 1350 Euro.

Hinweis: Die Option, das Model Y mit einer dritten Sitzreihe auszurüsten, gibt es derzeit in Deutschland noch nicht.

Blick nach oben: Ein optisches Highlight, das tagsüber für einen hellen freundlichen Innenraum sorgt und nachts den Blick zu den Sternen ermöglicht, ist das riesige durchgehende Panoramadach aus Glas, das anders als beim Model 3 nicht durch einen Steg unterbrochen wird. Das durchgehende Glasdach ist Serie, ebenso wie kabelloses Laden und mehrere USB-Buchsen.

Audi hat das Glasdach übrigens für seinen E-Tron GT übernommen. Mehr dazu lesen Sie in Test: Audi E-Tron GT quattro und RS jagen Tesla - aber ohne AR-Drohne .

Bedienkonzept: Bekannt puristisch

Das wirklich extrem puristisch gestaltete Bedienkonzept haben wir bereits in unserem Test des Model 3 Performance vorgestellt, auch im Video zeigen wir es. Grundsätzlich ist das eine tolle Sache, nur beim Öffnen des Handschuhfachs schießt Tesla über das Ziel hinaus – dass man dafür den entsprechenden Menü-Punkt auf dem Touchscreen suchen muss, ist zu viel des Guten. Immerhin: Sie können das Handschuhfach auch per Sprachbefehl öffnen.

Tesla Model 3 im Test + Video: Irrer Sprint, rasanter 15-Zöller und always online

Für rund 64.000 Euro bekommt ihr im neuen Tesla Model 3 Performance jede Menge Technik-Schnickschnack. Und in unserem Test stellen wir schnell fest: Tesla nimmt sich selbst nicht allzu ernst und spendiert dem E-Auto jede Menge Features, über die man nur lachen kann: Blinker mit Furzgeräuschen, Videospiele oder ein Lagerfeuer für "romantische" Stunden auf der Autobahn. Was der Wagen noch so kann, erfahrt ihr in diesem Video.

► Hier geht's zum Test-Bericht:
www.pcwelt.de/produkte/Tesla-Model-3-im-Test-Irre-Beschleunigung-rasanter-15-Zoeller-und-always-online-10643706.html

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Doch davon abgesehen lässt sich der Tesla sehr einfach bedienen: Links auf der Prallplatte des Lenkrads befindet sich ein Regelrad für lauter/leiser/mute und für vorwärts/rückwärts im Menü/Playliste. Rechts auf der Prallplatte des Lenkrads ist dagegen ein Regelrad für das Einstellen des Abstands, den der Tesla-Autopilot zum vorausfahrenden Fahrzeug halten soll, sowie für den Start der Sprachsteuerung: Sie drücken also einmal auf das rechte Regelrad und sagen dann „Navigiere mich zu XXX“, oder „Erhöhe Temperatur um 2 Grad“ oder „Sitzheizung aus“ oder „Lenkradheizung aus“ oder „Handschuhfach öffnen“, um nur einige Beispiele zu nennen. Das klappte im Test zuverlässig.

Der 15-Zoll-Touchscreen - ohne ihn geht fast nichts
Vergrößern Der 15-Zoll-Touchscreen - ohne ihn geht fast nichts
© Tesla

Der Warnblinkschalter befindet sich oben vorne in der Mitte des Daches. Blinker und Fernlicht funktionieren wie gehabt mit dem linken Hebel hinter dem Lenkrad, mit dem Sie zugleich einmal den Scheibenwischer und die Scheibenwaschanlage bedienen – für die weitere Bedienung des Scheibenwischers benötigen Sie wieder das entsprechende Menü auf dem 15-Zoll-Touchscreen. Der rechte Hebel hinter dem Lenkrad dient als Automatik-Wahlhebel. Außerdem startet ein Druck nach unten das ACC/den Autopilot und wenn Sie zwei Mal nach unten drücken, wird zusätzlich der aktive Lenkassistent aktiviert.

Auch während der Fahrt können Sie das Bild der Kameras auf dem Touchscreen anzeigen lasse.n
Vergrößern Auch während der Fahrt können Sie das Bild der Kameras auf dem Touchscreen anzeigen lasse.n

Sie öffnen und starten den Tesla entweder mit der Keycard oder mit dem Smartphone, das Sie mit Hilfe der Keycard entsprechend konfigurieren müssen.

Ohne Touchscreen geht fast nichts

Das Herzstück ist wie schon bei Model S, X und 3 der große Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts, der beim Model Y genauso wie beim Model 3 horizontal angebracht ist und 15 Zoll misst. Hier nehmen Sie nicht nur alle Einstellungen vor, sondern sehen auch die Google-Maps-Karte für die Navigation inklusive Verkehrslagedarstellung, wählen Ihre Unterhaltungsquelle (DAB, Webradio, Bluetooth-Streaming vom Smartphone), bedienen Heizung/Klimaanlage oder gönnen sich eines der zahlreichen mitgelieferten Spiele, die gerade während eines Ladestopps Abwechslung versprechen. Auf dem Touchscreen verfolgen Sie auch den Ladevorgang.

Spiele vertreiben die Zeit während des Aufladens.
Vergrößern Spiele vertreiben die Zeit während des Aufladens.

Während der Fahrt sehen Sie links auf dem Touchscreen, wie Ihr Fahrzeug seine Umgebung über die vielen verbauten Kameras wahrnimmt. Falls Sie "Mit Autopilot navigieren“, dann zeigt Ihnen der Tesla auf dem Bildschirm auch an, wann Sie die Spur wechseln sollen.

Den vorderen und hinteren Kofferraum öffnen Sie ebenfalls über den Touchscreen, wobei Sie den hinteren Kofferraum glücklicherweise auch traditionell direkt an der Heckklappe öffnen können.

Zusammenfassung: „Premium-Innenraum“:

  • Vordersitze mit elektrischen Verstellfunktionen

  • Beheizte Vorder- und Rücksitze

  • Sitze der 2. Reihe, die flach umgeklappt werden können

  • Komplett veganer Innenraum (also keine Ledersitze)

  • Premium-Audiosystem: 14 Lautsprecher, 1 Subwoofer, 2 Verstärker und Klangfeldprozessor

  • LED-Nebelscheinwerfer

  • Getöntes Glasdach mit UV- und Infrarot-Schutzschicht

  • Elektrisch einklappbare beheizbare Aussenspiegel

  • Musik & Medien über Bluetooth

  • Individuelle Fahrerprofile

  • HEPA-Luftreinigungsfilter für den Innenraum

  • Mittelkonsole mit Staufächern, 4 USB-Anschlüssen und Dockingstation für 2 Mobiltelefone

Übrigens: Auf dem Touchscreen können Sie den Waschanlagen-Modus auswählen. Dieser verhindert zum Beispiel, dass die Klappe vom Ladeanschluss aufgeht, wenn die Bürsten der Waschanlage dagegen drücken.

Der Fahrersitz
Vergrößern Der Fahrersitz

Fahreindrücke

Das Fahrwerk ist straff ausgelegt, man spürt Unebenheiten durchaus. Das können andere Hersteller besser.

Der Fernlicht-Assistent funktioniert zwar grundsätzlich, blendet aber offensichtlich oft zu spät ab. Uns signalisierten entgegenkommende Autos immer wieder per Lichthupe, dass wir sie blenden.

Unser Tesla Model Y Dualmotor Maximale Reichweite wird gerade an einem Supercharger auf einem Autohof entlang der A9 aufgeladen.
Vergrößern Unser Tesla Model Y Dualmotor Maximale Reichweite wird gerade an einem Supercharger auf einem Autohof entlang der A9 aufgeladen.

Tesla-App: Auto-Schlüssel und Fernbedienung

Die App lässt sich wie gesagt auch zum Aufsperren und Starten des Fahrzeugs verwenden. Darüber hinaus sehen Sie damit jederzeit den Ladestand des Akkus beziehungsweise die Reichweite, können den Tesla aus der Ferne vorheizen/klimatisieren lassen und auch den Wächtermodus einschalten.

Per App können wir den Tesla vorheizen lassen.
Vergrößern Per App können wir den Tesla vorheizen lassen.

Außerdem zeigt Ihnen die App den GPS-Standort des Wagens an. Bis zu einem gewissen Grad können Sie den Tesla mit der App auch fernsteuern und zum Beispiel aus engen Parklücken ohne Fahrer herausfahren lassen.

So zeigt die Tesla-App das Laden an der 230-Volt-Haushaltssteckdose an.
Vergrößern So zeigt die Tesla-App das Laden an der 230-Volt-Haushaltssteckdose an.

Die App entsperrt beeindruckend schnell, erfordert hierzu aber Bluetooth. Dann sperren Sie damit den Tesla aber praktisch ohne merkbare Verzögerung auf und ohne dass Sie dafür das iPhone oder Android-Smartphone aus der Tasche nehmen müssen! Bequemer geht es nicht. BMWs Umsetzung von Apple Carley kann in Sachen Komfort derzeit nicht mithalten: Apple Carkey im Test: BMW mit iPhone öffnen und losfahren ("BMW Digital Key"). Erst mit dem hochpreisigen und derzeit auf den Straßen kaum anzutreffenden BMW iX ist es möglich, einen BMW ähnlich komfortabel wie einen Tesla aufzusperren. Die Masse der BMW-Besitzer muss dagegen erst noch ihr Handy aus der Tasche ziehen und gegen den Türgriff halten.

Smartphone als Schlüssel eingerichtet
Vergrößern Smartphone als Schlüssel eingerichtet

Im Betrieb gab es mit der Tesla-App keine Probleme, außer als die Tesla-Server einmal down beziehungsweise nicht mehr erreichbar waren. Mehr dazu lesen Sie hier: Tesla-App konnte sich nicht mit Auto verbinden - Elon Musk verrät Grund. Der Ladevorgang wurde durch den Serverausfall aber nicht unterbrochen.

Serverfehler
Vergrößern Serverfehler

In der App aktivieren Sie auch den Wächter-Modus: Dann überwacht der Tesla mit seinen Kameras kontinuierlich die Umgebung des Fahrzeugs, wenn Sie Ihren Tesla unbeaufsichtigt zurücklassen. Sobald er eine Aktivität erkennt, zeichnet er ein Video auf.

Der Wächtermodus nahm einige Videos während der Nacht auf.
Vergrößern Der Wächtermodus nahm einige Videos während der Nacht auf.

Langstrecke auf der Autobahn, aufladen zu Hause und am Supercharger

Für Elektro-Autos ist die Langstrecke die größte Herausforderung, insbesondere im Winter. Mal eben bei Minusgraden und mit Sitz- und Lenkradheizung von München 150 Kilometer in den Norden fahren und noch schnell weitere 200 Kilometer dranhängen, kann man im Tesla zwar machen. Bei der Routenberechnung weist der Tesla dann aber darauf hin, dass man unter 120 km/h fahren sollte, um das Ziel zu erreichen. Doch entspannter fährt es sich mit ausreichend Strom im Akku. Die bequemste Lösung dafür sind die Tesla-Supercharger. Tatsächlich zeigt der Tesla bereits beim Ermitteln der Route an, ob und wo man zwischendurch aufladen sollte. Darüber muss sich der Fahrer also keine Gedanken machen – top!

Aufladen am Supercharger
Vergrößern Aufladen am Supercharger

Unter optimalen Bedingungen können Sie an den neuesten Superchargern bis zu 241 Kilometer Reichweite in 15 Minuten aufladen. Allerdings wird dieses optimale Ladetempo nicht immer erreicht beziehungsweise durchgehend gehalten. Gegen Ende einer vollständigen Aufladung drosselt der Tesla die Ladegeschwindigkeit ohnehin, um seine Akkus zu schonen.

Jetzt laden wir am Supercharger mit deutlich höherer Leistung.
Vergrößern Jetzt laden wir am Supercharger mit deutlich höherer Leistung.
Die Ladeleistung am Supercharger ist bereits etwas gesunken.
Vergrößern Die Ladeleistung am Supercharger ist bereits etwas gesunken.
Am Supercharger
Vergrößern Am Supercharger
Jetzt laden wir am Supercharger mit deutlich höherer Leistung.
Vergrößern Jetzt laden wir am Supercharger mit deutlich höherer Leistung.

Ansonsten kann man auf Google-Maps-Anwendungen im Tesla jederzeit selbst nach Superchargern in der Nähe suchen. Doch „Nähe“ ist relativ. Wenn man tiefer in den Bayerischen Wald vordringt und den Supercharger in Hengersberg hinter sich gelassen hat, werden die von Tesla unterstützten Auflademöglichkeiten knapp.

Google Maps lotst direkt zum Supercharger. Man sieht außerdem, welchen Ladestand der Akku beim Erreichen des Ziels haben wird.
Vergrößern Google Maps lotst direkt zum Supercharger. Man sieht außerdem, welchen Ladestand der Akku beim Erreichen des Ziels haben wird.

Da stellt sich natürlich die Frage: Kann ich auch bei Freunden, Bekannten, Verwandten in deren Garage ohne Wallbox an der üblichen 230-Volt-Steckdose aufladen? Antwort: Ja, das geht, doch dafür braucht man Zeit. Selbst wenn man die ganze Nacht durchlädt, ist der Akku am Morgen noch nicht voll, wenn er am Abend ziemlich leer war.

Wenn man an der 230-Volt-Steckdose auflädt, braucht man viel Zeit.
Vergrößern Wenn man an der 230-Volt-Steckdose auflädt, braucht man viel Zeit.
Laden an der 230-Volt-Steckdose: Um 10 Uhr am nächsten Morgen ist die Batterie des Model Y immer noch nicht ganz aufgeladen. Aber ordentlich Reichweite haben wir schon dazugewonnen.
Vergrößern Laden an der 230-Volt-Steckdose: Um 10 Uhr am nächsten Morgen ist die Batterie des Model Y immer noch nicht ganz aufgeladen. Aber ordentlich Reichweite haben wir schon dazugewonnen.

Als Notlösung, sofern man ausreichend Zeit mitbringt, eignet sich die 230-Volt-Steckdose also durchaus. Sie ist aber keinesfalls eine Dauerlösung, wenn man den Tesla jeden Tag für längere Fahrten nutzen möchte.

Apropos Hengersberg: Normalerweise lotst die Navigation den Tesla bis unmittelbar vor den Supercharger. In Hengersberg schwächelte das Navi aber etwas und beendete die Navigation rund 100 Meter vor dem Supercharger, der zudem von einer großen Tankstelle verdeckt wurde.

Im Hintergrund sieht man die Tankstelle. Davor endete bereits unsere Navigation zum Supercharger.
Vergrößern Im Hintergrund sieht man die Tankstelle. Davor endete bereits unsere Navigation zum Supercharger.

Akku entleert sich auch im geparkten Zustand

Im Winter ganz wichtig: Der Tesla verliert beim Stehen im Freien spürbar an Reichweite. Die Tesla-App zeigte uns an, dass unser  am Straßenrand abgesteller Tesla am 23.11.2021 zwischen 8.33 Uhr und 16.03 Uhr 12 Kilometer Reichweite verlor, ohne dass wir an dem Fahrzeug etwas gemacht hatten. Die Außentemperatur betrug morgens um die 0 Grad und gegen 16 Uhr um die 5 Grad. Auf den ganzen Tag hochgerechnet und insbesondere unter Berücksichtigung, das im Winter nachts auch Minusgrade erreicht werden, verlor unser Testwagen also an nur einem Tag weit über 20 Kilometer Reichweite.

12 Kilometer Reichweitenverlust binnen nur eines Arbeitstages.
Vergrößern 12 Kilometer Reichweitenverlust binnen nur eines Arbeitstages.

Premium-Dienste

Unser Testfahrzug war mit dem Paket „Premium-Konnektivität" ausgestattet. Bei der Übergabe eines Neufahrzeugs kann der Kunde dieses Paket 30 Tage lang gratis testen und danach entweder kostenpflichtig für 9,99 Euro pro Monat buchen oder darauf verzichten.

„Premium-Konnektivität“ umfasst diese Dienste:

  • Echtzeit-Verkehrsflussanzeige (die Karte von Google Maps zur Navigation sowie die Echtzeit-Verkehrslagedaten von Google sind dagegen immer kostenlos nutzbar)

  • Satellitenbildkarten

  • Video-Streaming, Zugriff auf Inhalte von Netflix, Youtube, Twitch und anderen Anbietern (wobei Sie den entsprechenden Dienst wie zum Beispiel Netflix noch separat buchen müssen!)

  • Caraoke

  • Musik-Streaming (Spotify)

  • Internet-Browser (der im Test aber langsam funktionierte; wir empfehlen das Surfen mit dem Smartphone)

Der Browser
Vergrößern Der Browser

Alle Details zu den Premium-Diensten, die nicht mit dem erweiterten Autopilot verwechselt werden dürfen – diesen verkauft Tesla separat – finden Sie hier.

Sie können sich aber auch mit einem Streamingdienst die Zeit des Aufladens angenehmer gestalten.
Vergrößern Sie können sich aber auch mit einem Streamingdienst die Zeit des Aufladens angenehmer gestalten.

Autopilot mit automatischem Spurwechsel und Abfahren von der Autobahn

Der Autopilot von Tesla nimmt insbesondere in seiner Ausbaustufe „Enhanced Autopilot“ dem Fahrer durchaus Arbeit ab. Wir empfanden ihn als angenehm – genauso wie die ACC-Systeme von Audi, BMW, Daimler und Volkswagen. Vom autonomen Fahren ist Tesla mit seinem Autopilot aber noch genauso weit entfernt wie die deutschen Automobilhersteller. Wir kamen während unseres Tests täglich mehrmals in Situationen, in denen der Autopilot falsch oder gar nicht reagierte und wir korrigierend eingreifen mussten.

Ein Problem waren zum Beispiel " Phantombremsungen ", also Situationen, in denen das Model Y grundlos stark abbremste – für den nachfolgenden Verkehr gefährlich! In Autobahn-Baustellen beispielsweise war das der Fall, wenn wir der gelben Ersatzmarkierung folgten und dann eine weiße Sperrmarkierung, wie sie typisch ist bei Autobahnausfahrten, überfahren mussten. So eine Phantombremsung in einer Baustelle ist ja noch nachvollziehbar, doch wir haben auch mindestens zwei Mal starke Abbremsungen ohne erkennbaren Grund erlebt – einmal als wir flott auf der Überholspur auf der Autobahn unterwegs waren. Möglicherweise brachte das Fahrzeug, das wir gerade überholten, den Autopilot durcheinander.

Die Software rät zu einer langsamen Fahrweise, damit wir das Ziel auch wirklich erreichen.
Vergrößern Die Software rät zu einer langsamen Fahrweise, damit wir das Ziel auch wirklich erreichen.

Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen erkannte der Tesla übrigens fast nie, wie wären also fast immer mit falscher - also zu hoher – Geschwindigkeit unterwegs gewesen, wenn wir uns auf den Tesla verlassen hätten! Rote Ampeln erkannte der Tesla dagegen immer zuverlässig.

Ampel-Erkennung
Vergrößern Ampel-Erkennung

Sie haben vier Optionen für das Fahren im Tesla, soweit es den Autopilot angeht:

  • Sie schalten ihn aus

  • Sie nutzen den automatischen Abstandhalter nach vorne – dazu drücken Sie einmal den rechten Lenkradhebel nach unten. Diese Funktion ist immer vorhanden und heißt „Basis-Autopilot“. Notbremsautomatik, Auffahrwarnung und Totwinkel-Überwachung gehören hier ebenfalls zur Ausstattung.

  • Sie lassen den Tesla zusätzlich auch die Spur halten – dazu drücken Sie den rechten Lenkradhebel zwei Mal nach unten. Diese Funktion gehört ist ebenfalls im Basis-Autopilot enthalten

  • Sie lassen den Tesla zusätzlich automatisch abbiegen, passend zur laufenden Navigation. Dazu tippen Sie auf den blau hinterlegten Button „Mit Autopilot navigieren“ auf dem Touchscreen unterhalb der Google-Maps-Navigationshinweise. Diese Funktion gehört zu „Enhanced Autopilot“, der 3.800 Euro Aufpreis kostet (inklusive „Mit Autopilot navigieren“, aktiver Spurwechsel-Assistent, Autoparken, Herbeirufen)

Den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und auch das automatische Spurhalten erledigt der Autopilot gut, entspanntes Vorwärtskommen auf der Autobahn ist damit garantiert. „Mit Autopilot navigieren“ funktioniert aber nur bei wenig Verkehr auf der Autobahn. Dann schafft es der Tesla tatsächlich, korrekt die Abfahrt zu nehmen. Bei großem Gedränge auf der Autobahn klappt das aber nicht.

Stromverbrauch
Vergrößern Stromverbrauch

Der Tesla wechselt bei „Enhanced Autopilot“ zudem auf der Autobahn auch automatisiert die Spur und überholt langsamere Fahrzeuge sowie schert nach dem Überholvorgang selbstständig wieder ein. Das erfolgt aber sehr defensiv und nur, wenn kaum Verkehr herrscht und vor allem keine schnellen Links-Spurfahrer unterwegs sind. Diese Funktion hat Tesla ganz offensichtlich nicht für die auf deutschen Autobahnen herrschende Ellbogen-Mentalität ausgelegt, sondern sie entstammt eher der entspannten defensiven Fahrweise auf US-Highways.

Der Enhanced Autopilot bietet zusätzlich diese Funktionen.
Vergrößern Der Enhanced Autopilot bietet zusätzlich diese Funktionen.
© Tesla

Will man auch noch die Ampel- und Stoppschild-Erkennung nutzen, muss man das „Volle Potenzial für autonomes Fahren" für 7.500 Euro Aufpreis dazu buchen.

Man muss den Autopilot unbedingt als Komfort und keinesfalls als Sicherheitssystem verstehen. Dann profitiert man davon und er erleichtert das Fahren ungemein.

Tesla warnt: Im Winter wird die Batterie schneller leer.
Vergrößern Tesla warnt: Im Winter wird die Batterie schneller leer.

Baustellen-Markierungen dagegen überfordern den Autopilot, in solchen Situationen müssen Sie die Spurführung selber übernehmen. Ebenso überforderte eine neue dreispurige Autobahn den Spurhalte-Assistent, der uns hier immer wieder auf die mittlere Spur lenken wollte, von der er dachte, dass sie die rechte ist.

Auch mit Youtube können Sie sich die Ladezeit vertreiben.
Vergrößern Auch mit Youtube können Sie sich die Ladezeit vertreiben.

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