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Starfield im Preview: Fallout 5 trifft No Man’s Sky

25.06.2022 | 09:00 Uhr |

Starfield fühlt sich an, als wollte Bethesda ein Fallout 5 meets No Man’s Sky meets Star Citizen mit 100-Millionen-Dollar-Budget verwirklichen: Inklusive faszinierender Tierarten, 1000 Planeten, riesiger Städte, unterschiedlicher Fraktionen, die ihre eigenen Protagonisten haben. Tiefgehenden RPG-Systemen und der taktischen Tiefe eines Elite Dangerous in den Weltraum-Kämpfen mit Raumschiffen, die wir selbst designen. Starfield im Mega-Preview.

Starfield verzaubert uns, weil es nicht einfach nur ein RPG-Shooter ist, in dem wir alles umholzen. Sondern wir genießen und staunen dürfen. Etwa über ein Geschöpf, ein Tier mit goldener Haut,  fast schon einer Art Goa’Uld-Rüstung am Hals und majestätischem Horn. Es reckt die Beine nach oben, weil es sich strecken und von einem Baum naschen will. Als Wissenschaftler der Constellation erwärmt das unser Herz, wir wollen das Tier studieren, vielleicht ein Foto machen, es ganz sicherlich nicht umbringen. Bethesda war immer gut darin, uns einfach in seiner Welt leben zu lassen. Wir können Held und Eroberer sein, wir müssen es aber nicht. Einer der schönsten Momente auf dem Xbox-Showcase im Rahmen der E3 2022 war es, als wir auf eine exotisch aussehende Alien-Krabbe treffen. Erster Instinkt: Waffe entsichern, man weiß ja nie. Die Krabbe guckt, so als wüsste sie auch nicht so ganz, wie sie reagieren soll. 

Ja, Starfield ist ein echtes RPG: Es gibt etwa vier Talentbäume für Fraktionen, Religion, Umgebung, aber auch Soziales. Wir können Eltern haben, introvertiert sein oder extrovertiert, ein brillanter Händler, Diplomat oder gerissener Kopfgeldjäger.
Vergrößern Ja, Starfield ist ein echtes RPG: Es gibt etwa vier Talentbäume für Fraktionen, Religion, Umgebung, aber auch Soziales. Wir können Eltern haben, introvertiert sein oder extrovertiert, ein brillanter Händler, Diplomat oder gerissener Kopfgeldjäger.
© Bethesda

Der Vorspieler verstaut sein Sturmgewehr wieder am Halfter, die Alien-Krabbe zieht mit ihrer Familie an uns vorbei. Vier Krabben, zwei Größere, zwei Kleinere, die vermutlich Kinder sind. Genau das wollen wir in Starfield, denn genau das kann Bethesda sehr gut. In Skyrim können wir riesige Bergtrolle angreifen oder sie von einem Fels aus beobachten und unserer Wege gehen –  Herr Troll hat uns nichts getan, warum sollten wir ihn unser Schwert spüren lassen? Genau dieses Gefühl durch eine richtige Welt zu laufen, die sich gar nicht so sehr für uns interessiert, sondern wo Kreaturen einfach ihr Ding machen, das macht richtig Laune. Das war schon in No Man’s Sky so großartig, woran sich ja Starfield ganz offensichtlich stark orientiert. Mitunter wirkt es gar wie ein Story-getriebenes, Triple-A-No-Man’s-Sky – nur eben von hunderten Entwicklern geschaffen mit sicherlich um die 100-200 Millionen US-Dollar Budget haben. Nicht von 12 Mann, wie No Man’s Sky. 

Das erste 4K-Gameplay von Starfield macht Lust auf mehr 

Es gibt hier unglaubliche viele Arten von Planeten: Der erste Planet, Creed, ist karger, vulkanischer Natur mit Dampf, der aus rissigen Spalten im Boden aufsteigt, einer struppigen, roten Flora, einer türkisfarbenen Atmosphäre und krabbelnden, krebsartigen Kreaturen. Später sehen wir eine gemäßigte, erdähnliche Welt mit blauem Himmel, hängendem Efeu und grünen Bäumen. Vielleicht ist es die Erde oder ein Planet, der terraformt wurde, um ein ähnliches Klima zu haben. Mysterien, die gelüftet werden wollen. Es gibt einen Planeten mit einer dicken, roten, marsähnlichen Atmosphäre und einer unterirdischen Höhle mit riesigen, glühenden Kristallen, die aus dem Felsen ragen. Wir sehen auch eine üppige Dschungelwelt, die von großen, gepanzerten Kreaturen mit vogelähnlichen Schnäbeln bewohnt wird. Und einen alt aussehenden Planeten mit seltsamen Symbolen, die in alte Steinstrukturen eingemeißelt sind. Oder eine Hoth-ähnliche Eiswelt mit einer Siedlung, die von einem riesigen Schneefeld umgeben ist.

Pimp my Space Ship und ein waschechtes RPG in einer faszinierenden Welt 

Ähnlich wie in Star Citizen gibt es unterschiedliche Anbieter von Schiffstypen. Wir kaufen also einen Grundtypus und designen diesen dann nach unseren Vorstellungen, was erstaunlich fluffig und schnell funktioniert.
Vergrößern Ähnlich wie in Star Citizen gibt es unterschiedliche Anbieter von Schiffstypen. Wir kaufen also einen Grundtypus und designen diesen dann nach unseren Vorstellungen, was erstaunlich fluffig und schnell funktioniert.
© Bethesda

Wenn Todd Howard sagt „Mit Starfield gehen wir zurück zu unseren Wurzeln, wir lassen euch sein, wer auch immer sein möchtet“, dann meint und zeigt er das auch: Wir können uns etwa effektvolle Dogfights mit den Piraten der Crimson Fleet leisten, dabei die Energie auf Schilde und Waffensysteme umlenken, wie in einem Elite Dangerous . Wir können aber auch einfach unserer Wege ziehen. Es gibt viele, viele Ausbaustufen, die unglaublich spannend aussehen: Wir können etwa sehr viel größere Raumschiffe in Auftrag geben, diese komplett designen und mit einer Crew ausstatten. Mit Ingenieuren und Mechanikern, Piloten, Waffensystem-Spezialisten, wenn wir Lust haben, Captain Kirk zu spielen. All diese Mechaniken gehen sehr tief: Es gibt zig Module, unterschiedliche Triebwerke, Antriebssysteme, Steuersysteme, Waffensysteme – diese müssen mit Energie versorgt werden, was von FTL inspiriert ist laut Creative Director. 

Bethesdas Open-Worlds bieten immer auch pazifistische Rollen an. Wir können etwa, als Long-Hauler, Fracht von A nach B bringen. Oder Produkte schmuggeln, die in gewissen Sternsystemen verboten sind, Han-Solo-Style.
Vergrößern Bethesdas Open-Worlds bieten immer auch pazifistische Rollen an. Wir können etwa, als Long-Hauler, Fracht von A nach B bringen. Oder Produkte schmuggeln, die in gewissen Sternsystemen verboten sind, Han-Solo-Style.
© Bethesda

Es gibt vom kleinen Erkundungs-Raumschiff über Frachtschiffe bis zur voll ausgestatteten Corvette einen Haufen Schiffsklassen. Das Basteln an Raumschiffen fühlt sich gut an, was wichtig ist. Die modularen Teile scheinen nur an bestimmten Abschnitten des Basisschiffs angebracht zu werden; genug Abschnitte, dass man das Gefühl hat, alles anpassen zu können, aber wenig genug, dass man nicht Minuten damit verbringt, ein Triebwerk in die perfekte Position zu bringen. Natürlich wirkt sich alles auf die Performance des Schiffes aus: Ein größerer Generator verstärkt die Schilde, kostet uns aber Manövrierfähigkeit und ein extragroßes Laser-Geschütz verdoppelt unsere Kampfkraft, aber reicht die Energie dann noch für Schilde und andere Systeme? Was wir bisher gesehen haben, macht jedenfalls richtig Lust unser eigenes Raumschiff zu bauen – zu Beginn nur mit Vasco, einem netten Roboter, der die Umgebung für uns scannt und repariert. Später mit einer eigenen Crew, ganz wie in Star Citizen

Wer Lust hat, Captain Picard zu spielen, der kann später sogar eine Crew anheuern, ergo Waffenoffiziere, Ingenieure und andere Experten, die uns ermöglichen große Corvetten und andere Schlachtschiffe zu steuern.
Vergrößern Wer Lust hat, Captain Picard zu spielen, der kann später sogar eine Crew anheuern, ergo Waffenoffiziere, Ingenieure und andere Experten, die uns ermöglichen große Corvetten und andere Schlachtschiffe zu steuern.
© Bethesda

Wir können Basen auf diesem Planeten bauen, die sich in Module aufteilen – zur Forschung, Weiterentwicklung oder auch Verteidigung. Und weil wir selbst ziemlich viel zu tun haben, können wir auch hier Spezialisten engagieren, die quasi unsere Außenposten managen. Es gibt zig unterschiedliche Crafting-Mechanismen, wir starten klassisch mit Boni und Mali, können unseren Charakter formen und uns für eine von vielen Professionen entscheiden: etwa Chefdiplomat, Kopfgeldjäger, Cynernetiker, Industrieller, Sanitäter. Wer eher auf das schnelle Geld aus ist und die Moral bei Seite lassen möchte, der kann auch einfach Gangster werden oder Pirat, und sich der Crimson Fleet oder anderen kriminellen Banden anschließen. Aber auch viele Berufe ergreifen, die eher alltäglich sind, mit denen sich sicherlich gute Credits verdienen lassen. Chef z. B., also Koch – ob wir damit wohl in der Luxus-Stadt Neon anheuern können? Oder in New Atlantis? 

Bei den harten Dogfights ließ sich Todd Howards Team von FTL inspirieren – wir müssen ergo die Energie auf Schilde, Waffensysteme oder Schubdüsen umleiten. Das Ganze ist auch richtig explosiv inszeniert, hier fliegt gerade ein Schiff der Crimson Fleet in die Luft.
Vergrößern Bei den harten Dogfights ließ sich Todd Howards Team von FTL inspirieren – wir müssen ergo die Energie auf Schilde, Waffensysteme oder Schubdüsen umleiten. Das Ganze ist auch richtig explosiv inszeniert, hier fliegt gerade ein Schiff der Crimson Fleet in die Luft.
© Bethesda

New Atlantis, Neom, Akila City, Paradiso: Die Städte machen Lust darauf sie zu erkunden

Ganz spannend ist, dass Städte wie New Atlantis klar von der Erde inspiriert sind. Dieser Shot hier erinnert stark an etwa Dubai. Generell möchte Bethesda sich weniger als Scif-Fi-Universum präsentieren, sondern authentischer und bodenständiger.
Vergrößern Ganz spannend ist, dass Städte wie New Atlantis klar von der Erde inspiriert sind. Dieser Shot hier erinnert stark an etwa Dubai. Generell möchte Bethesda sich weniger als Scif-Fi-Universum präsentieren, sondern authentischer und bodenständiger.
© Bethesda

Eine der großen Städte des Spiels ist New Atlantis auf dem Planeten Jemison mit glänzenden modernistischen Wolkenkratzern, friedlichen Gärten und einem geschäftigen Raumhafenterminal. Dieser Ort hat ein optimistisches, utopisches Science-Fiction-Gefühl, das an die Sternenflottenakademie von Star Trek erinnert. Alles ist sehr geordnet, man könnte sicherlich sagen eher militärisch – in den Straßen patrouillieren viele Soldaten in Zweier- und Vierer-Teams, so als spüre man die Gefahr und rechne jeder Zeit mit einem Angriff. Andere Siedlungen sind weniger idyllisch. Akila City wirkt eher wie ein ehemaliger Außenposten des Militärs – mit zig Türmen, Verteidigungsstellungen, hohen Mauern – zoomt die Kamera jedoch hinein, zeigt sich dieses Wild-West-Gefühl, was der Ort vermitteln möchte. Es dürfte wohl Starfields Äquivalent zum gesetzlosen Outer Rim von Star Wars sein. Das Paradiso wiederum ist ein Luxushotel, auf einem tropischen Planeten mit vielen Palmen. Sicherlich wird Starfield damit den Unterschied zwischen Arm und Reich herausarbeiten, denn hier werden die Reichen und Schönen logieren.  

Prinzipiell bekommt jede Fraktion ihre eigenen Protagonisten, und wir haben immer die Möglichkeit, für diese zu arbeiten. Bethesda bleibt also seiner Skyrim-Formel treu, Starfield verzichtet auf das klassische Gut-Böse-Framework eines Star Wars.
Vergrößern Prinzipiell bekommt jede Fraktion ihre eigenen Protagonisten, und wir haben immer die Möglichkeit, für diese zu arbeiten. Bethesda bleibt also seiner Skyrim-Formel treu, Starfield verzichtet auf das klassische Gut-Böse-Framework eines Star Wars.
© Bethesda

Generell wirkt es so, als wolle uns Starfield ganz unten starten lassen: Unser Anfangsraumschiff ist eine ziemliche Schrottmühle, was ziemlich überraschend ist. Denn Bethesdas neues Epos spielt 2330, warum sollte man dort noch so uralte Monitore und Displays verwenden? Alles wirkt eher billig zusammengeschustert. Entweder ist die Constellation ein eher armer Verein oder sie mögen es praktisch – im Interieur ist nichts vom Hightech-Luxus einer Enterprise zu sehen, die ja von Innen eher ausgestattet ist wie ein Luxus-Kreuzfahrtschiff im Weltall, weniger wie ein militärisches Objekt. Faszinierend finden wir nach wie vor diese ganze soziale Komponente, die selbst für Bethesda-Verhältnisse tief geht: Es gibt etwa Charaktereigenschaften wie “Kids Stuff“, die uns unsere Eltern besuchen lassen in deren Haus. Denen wir aber automatisch auch Geld jeden Monat überweisen. Religion spielt eine große Rolle, je nachdem, wen wir anbeten, erhalten wir Boni bei der Fraktion der “Enlightened“ oder “The Sanctum“. Wir können sogar entscheiden, ob wir direkt mit einer Immobilie auf einem der Planeten starten – inklusive Kredit über 50.000 Credits. Oder lieber frei wie der Wind als Han Solo durch die Planetensysteme zischen wollen…

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