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Star Wars Squadrons im Test: Chewie, wir kommen nach Hause

19.10.2020 | 09:22 Uhr |

Star Wars ist zurück: Nach zwei kontroversen Filmen liefert Star Wars Squadrons genau dieses Flug-Gefühl ab, wovon wir schon als kleine Jungs träumten. Mit dem Joystick zirkeln wir im X-Wing durch Asteroiden-Felder und liefern uns taktisch anspruchsvolle Dogfights gegen TIE-Fighter vor den größten Kulissen des Star-Wars-Universums. Star Wars Squadrons im Test.

Mit Star Wars: Die letzten Jedi erlebte das größte Film-Universum der Welt eine Erschütterung der Macht. Rian Johnson ließ Luke Skywalker plötzlich sein Lichtschwert wegwerfen, als wäre es eine verfaulte Banane. Und nicht das größte Heiligtum für einen Jedi. Und Mark Hamill wurde gezwungen, sein alter Ego so grumelig zu spielen, dass man sich fragte, ob Johnson überhaupt die Original-Trilogie von George Lucas gesehen hat. Aber egal, es ist wieder Star-Wars-Zeit. Wenn schon die Großen aus Hollywood es nicht mehr können, dann muss es eben Gaming richten: Star Wars Squadrons fühlt sich so an, wie wie wir Star Wars lieben. Ein Hagel grünen Laserfeuers zischt an unserem X-Wing vorbei, der TIE-Fighter bleibt dran, eine zweite Salve erwischt den Flügel, aufgeregt piept und schimpft unsere R2-Einheit, als sie losfährt, um den Schaden zu begutachten. Schnell abdrehen, einen Looping fliegen, den Vogel quer stellen und durch einen Schlitz im feindlichen Sternenzerstörer entweichen, während der Feind an seinem eigenen Kriegsgerät zerschellt. Und wir erwischen uns dabei, Han Solos „Erzähl mir nie, wie meine Chancen stehen“ zu zitieren. 

Was aber viel mehr fasziniert, ist, wie viel Flugsimulator eigentlich in diesem Star Wars Squadrons steckt, welches mit 40 Euro sehr fair bepreist ist. Bei der Weltpremiere befürchteten viele noch ein leicht durchgetuntes Battlefront 2, also mehr Arcade-Weltraum-Action, denn das Gefühl, wirklich einen X-Wing zu steuern. Oder einen Y-Wing. Oder einen A-Wing. Aber genau das vermittelt dieses Spiel: Ja, es steuert sich präzise mit einem Controller, aber eigentlich muss man für dieses Baby den HOTAS ranlassen oder einen anderen, wirklich guten Joystick. Denn die Raumschiffe steuern sich sehr feinfühlig, häufig navigieren wir durch enge Bereiche, müssen abschätzen, ob wir mit unserem Vogel überhaupt durch passen. 

Star Wars Squadrons steuert sich fantastisch, wir empfehlen aber dringend einen Joystick. Controller fühlen sich etwas überbelegt an, weil Sie viele unterschiedliche Mechaniken, wie Schubkontrolle und Energie-Management, handeln müssen.
Vergrößern Star Wars Squadrons steuert sich fantastisch, wir empfehlen aber dringend einen Joystick. Controller fühlen sich etwas überbelegt an, weil Sie viele unterschiedliche Mechaniken, wie Schubkontrolle und Energie-Management, handeln müssen.

Oder den Jet kurz mal schräg stellen – mit einem Joystick zwischen den Beinen und Schubkontrolle fühlt sich das an, als wären wir Luke Skywalker höchstpersönlich. Wenn Sie die Booster zünden, bestimmen Timing und Winkel die Drehgeschwindigkeit beim Drift. Mit etwas Übung können wir sogar Revers-Boosts ziehen – wir nehmen in der Mitte die Energie komplett weg, schalten so die Motoren aus und können dadurch mit der richtigen Lenkbewegung einen 180 einleiten, um auf Verfolger zu schießen. Das ist einfach stark gemacht und fühlt sich noch besser in VR mit einer Oculus Rift auf der Nase an. In VR wirkt alles viel größer, epischer, wir schauen uns im Cockpit um, blicken nach unten, erkennen die Gefahr früher und fühlen uns förmlich in “Die Rückkehr der Jedi Ritter“ reingebeamt. 

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Wie Microsofts Flight Simulator 2020, nur für Star-Wars-Fans? 

Star Wars Squadrons ist erstaunlich komplex, weil es nur eine Energiequelle gibt, die Waffensysteme, Antrieb und Schilde speist und Ihr Job ist es, die richtige Balance zu finden.
Vergrößern Star Wars Squadrons ist erstaunlich komplex, weil es nur eine Energiequelle gibt, die Waffensysteme, Antrieb und Schilde speist und Ihr Job ist es, die richtige Balance zu finden.

Auch wie viel Liebe in die Cockpits fließt, die wir nicht von außen betrachten, sondern immer aus der Ego-Perspektive: Es sind die exakt gleichen Sensoren wie in den Klassikern von George Lucas, die Geschwindigkeitsanzeige in Blau, das Energie-Management in Rot. Und das Management dieser Cryo-Energie ist enorm wichtig, wir müssen entscheiden, ob die Power in einem X-Wing aus einem Novaldex 04-Z Cryogenic Power Generator in Antrieb, Waffen oder Schild fließen soll und das jeweils situativ blitzschnell prozentual umshiften. In Dogfights empfiehlt es sich, seine Heckschilde zu verstärken, um Verfolgern das Leben etwas schwerer zu machen. Beim Angriff auf ein Großkampfschiff, wie einem Sternenzerstörer hingegen, auf die Front, um vor Abwehrfeuer geschützt zu sein. Stark auch, wie hier kleinere Raumschiffe ihre Stärke ausspielen: Während so ein X-Wing eher ein 5er BMW ist, also schon mit ordentlich PS unter der Haube, aber auch einer gewissen Schwere, zischt so ein A-Wing wie ein McLaren P1 davon. Das ist alles sehr viel einfacher zu steuern als in einem Flight Simulator 2020 oder auch einem Elite Dangerous, die ja doch extrem simulastisch sind. 

Star Wars Squadrons ist ein technisch beeindruckendes Spiel. EA Motive spielt wundervoll mit der Magie des Universums, hier mit einem glühenden Mond etwa.
Vergrößern Star Wars Squadrons ist ein technisch beeindruckendes Spiel. EA Motive spielt wundervoll mit der Magie des Universums, hier mit einem glühenden Mond etwa.

Star Wars Squadrons hat zwar diese Feinfühligkeit und Nuancierung in der Steuerung, legt seinen Schwerpunkt aber stärker auf die taktische Ebene und was wir mit den Raumschiffen machen können. Fliegen wir mit dem kleinen A-Wing nur eine Haaresbreite über der Oberfläche eines Sternenzerstörers, kann uns deren Laser-Flak nicht mehr erwischen, weil sie sich nicht so tief nach unten bewegen lassen. Der A-Wing ist im Multiplayer der perfekte Partner für Y-Wing-Bomber, weil er sich teuflisch genauso positionieren lässt, dass TIE-Fighter-Piloten gerne mal an uns vorbei steuern und wir sie dann von Hinten abknallen. Natürlich werden Sie fragen, wie lange das Spaß machen kann? Die Antwort lautet Wochen und Monate, weil Star Wars Squadrons sich anfühlt wie ein Battlefield im Weltraum. Wir müssen ständig schauen, wie sich bestimmte neue Schildgenerationen knacken lassen und es gibt sehr viele Upgrades, die alle ihre Vor-, aber auch Nachteile haben. So eine Ionen-Jet-Engine haut stärker rein im Turbo-Boost und macht uns deutlich schneller, zieht aber auch mehr Energie, wodurch wir unsere Schilde und Waffensysteme nicht mehr voll auslasten können. Quad-Cannons sorgen für Streu-Feuer, Cluster und Lock-Missiles hingegen müssen erst auf dem Bildschirm locken – wie in den Filmen muss das Fadenkreuz rot aufblinken und diesen ikonischen Sound machen, dafür reicht dann auch ein Treffer.

Die Singleplayer-Kampagne: Stark inszeniert, aber zu wenig ambitioniert 

Star Wars Squadrons hat seine starken Momente und einige gut geschriebene Charaktere, EA Motive macht allerdings einige Anfängerfehler – unser Protagonist spricht nicht, es gibt also keine echte Interaktion, keine Dialoge.
Vergrößern Star Wars Squadrons hat seine starken Momente und einige gut geschriebene Charaktere, EA Motive macht allerdings einige Anfängerfehler – unser Protagonist spricht nicht, es gibt also keine echte Interaktion, keine Dialoge.

Star Wars: Squadrons spielt nach der Rückkehr der Jedi. Der zweite Todesstern ist im Kosmos verstreut und das Imperium zieht sich zurück, während es nach Wegen sucht, die Rebellen zurückzuschlagen, die unter dessen Starhawk vorantreiben – aus geborgenen Sternenzerstörern will man seine eigene Superwaffe bauen. Die Missionsstruktur erlaubt erstaunlich viel Abwechslung, weil wir etwa versuchen, die Verteidigung eines imperialen Schiffs zu knacken, ein Kommandotrupp sich an die Brücke ranschleicht und wir jetzt all die TIE-Fighter ausschalten müssen, die dem Mutterschiff zu Hilfe kommen wollen. Ein anderes Mal begleiten wir schwächere Schiffe, die als Köder für das Imperium dienen oder schützen unsere eigenen Raumschiff-Werften. 

Die Geschichte versucht zwar immer wieder Anläufe zu nehmen und hat ihre Momente, aber es fehlt an der letzlichen Konsequenz und wohl auch Budget, um daraus ein Uncharted des Star Wars zu machen. Nehmen wir Gunny, die Truppführerin von Vanguard, die so lange Pilotin war, wie sie in den Klonkriegen gekämpft hat. Sie erzählt die Geschichte, wie sie abgeschossen wurde und ihren eigenen Arm mit einem Laser abtrennen musste, um den Trümmern zu entkommen. Da könnte man so viel draus machen, so viele große Geschichten erzählen und diese Figuren sollten uns ans Herz wachsen, aber das tun sie zu selten, weil wir uns nicht mit ihnen unterhalten – unser Protagonist bleibt stets stumm, so als wären wir eine GoPro, die eine Unterhaltung aufzeichnet, nicht an ihr teilnimmt. 

Das Alien-Design ist gelungen und lässt uns schon mal dezent an Mass Effect 5 denken, welches sich gerade für Next-Gen in Entwicklung befindet für 2022.
Vergrößern Das Alien-Design ist gelungen und lässt uns schon mal dezent an Mass Effect 5 denken, welches sich gerade für Next-Gen in Entwicklung befindet für 2022.

Ansonsten ist das alles sehr Star Wars, wie wir es kennen: Es gibt Gut und Böse, im Graubereich findet wenig statt, in den ja zumindest die Filme immer mal wieder versuchen zu stechen, etwa als sie uns zeigen, wie aus Anakin Skywalker Darth Vader wurde. Leider sind beide Parteien, egal ob beim Vanguard Squad der Rebellen oder dem Titan Squadron des Imperiums treudoofe Soldaten, bei denen die Gehirnwäsche wundervoll funktionierte – selbst denken und einstufen, ist Fehlanzeige. Man muss dem Spiel natürlich zu Gute halten, dass ein Action-Flug-Simulator nicht ganz die Dramaturgie eines Star Wars: Jedi Fallen Order aufspielen kann. Manchmal blitzt das durch, etwa weil der TIE-Fighter-Pilot Shen bei einer Schlacht so verwundet wurde, dass er sich schämt, den Helm abzunehmen oder Terisa Kerrill sich von ihrem ehemaligen Mentor betrogen fühlt und ihn leiden lassen möchte. 

Zudem ist die Inszenierung der Missionen sehr stark und abwechslungsreich, weil wir viele Planeten des Star-Wars-Universums bereisen. Eine große Schlacht entbrennt um die Nadiri-Werften, wo der legendäre MC75 Star Cruiser der Rebellen gebaut wird. Und Yavin Prime bietet als rötlich fauchender Gasriese im Outer Rim eine atemberaubende Kulisse für Dogfights. Auch Galitan sorgt für spannende Herausforderungen, weil die Kräfte des instabilen Ringali-Nebels den Mond auseindergerissen haben und wir durch ein Asteroiden-Feld zirkeln müssen, was wirklich filmreif ist.

Der Multiplayer: Bisschen schlank, aber taktisch und richtig gut 

Der Flottenkämpfe sind Schlachten, die in unterschiedlichen Stufen abzulaufen: Zunächst müssen die Begleitschiffe dran glauben, danach wird die Offensive gegen den Sternenzerstörer gelenkt.
Vergrößern Der Flottenkämpfe sind Schlachten, die in unterschiedlichen Stufen abzulaufen: Zunächst müssen die Begleitschiffe dran glauben, danach wird die Offensive gegen den Sternenzerstörer gelenkt.

Star Wars Squadrons hält den Mehrspielermodus mit nur zwei Modi schlank, was etwas schade ist, denn hier wäre deutlich mehr drin gewesen, gerade mit einer Koop-Möglichkeit für die Kampagne oder diversen Team-Deathmatch-Optionen. Auf der anderen Seite kostet der Titel auch nur 40 Euro, und es ist viel mehr Liebe reingeflossen als in FIFA 21. Es gibt klassische Dogfights im 5 gegen 5 und Fleet Battles - Flottenkämpfe, die stark an die Operations aus Battlefield 1 erinnern und sich in unterschiedlichen Stufen abspielen: Haben wir genug Einheiten des Feindes vernichtet, treiben wir so die Offensive voran und müssen zwei mittelgroße Schlachtschiffe vernichten, bevor der Sturm auf einen Imperial Star Destroyer respektive Republic MC75 Sternenkreuzer einsetzt. Und natürlich fallen diese Giganten nicht nach ein paar Treffern, es wollen Geschütztürme ausgeschaltet werden, die den Weg zu Schildgeneratoren und Triebwerken frei werden lassen, während Bomber die Oberfläche diese Flugzeugträger im Weltall beharken. Das spielt sich deutlich komplexer, als einfach nur das schnellste Schiff zu wählen: Wir können in einen Y-Wing-Bomber springen und fügen damit Großkampf-Raumschiffen schweren Schaden zu, brauchen aber dringend X-Wings und AW-Wings, die uns als Eskort-Staffel zum Ziel führen und feindliche TIE-Fighter aus dem Weg räumen. 

EA Motive investiert viel Energie in die Inszenierung seines Multiplayers, etwa, wie wir aus dem Hangar rausfliegen.
Vergrößern EA Motive investiert viel Energie in die Inszenierung seines Multiplayers, etwa, wie wir aus dem Hangar rausfliegen.

Beeindruckend ist auch, wie nuanciert sich jedes einzelne Schiff ausstatten lässt: Der X-Wing etwa verfügt über unterschiede Schildklassen, wobei das Incom Deflector Shield eine gute Balance liefert zwischen Schutz und Energie-Regeneration, während Lonar Ray Shields eher spezialisiert sind – sie absorbieren mehr Laser-Feuer, halten aber wenige Raketen aus. TIE-Fighter verfügen zwar über kein Schild, dafür lässt sich die Beschleunigung um 100 Prozent erhöhen, wenn wir uns für die Propulsion Engine entscheiden. Bomber können unterschiedliche Bomben-Typen laden, die Arakyd PW-16 Protonenbombe etwa ist enorm effizient, muss aber aus niedriger Distanz zum Ziel abgeworfen werden. Bomber lassen sich zudem mit Jammern von Melihat versehen, um Lock-Ons zu verhindern. Das frisst aber sehr viel Energie. Y-Wings können zudem Conversion Shields mit an Bord nehmen – sinkt das eigentliche Schild auf Null, wird die gesamte Energie der Waffensysteme auf den Schild umgeleitet, was so einen Y-Bomber nahezu unzerstörbar machen kann für einen sehr kurzen Zeitraum. Ein Ass, was man spielen kann, um gegen Ende den feindlichen Sternenzerstörer in hunderttausend Einzelteile zu schießen. Möge die Macht mit uns sein. 

Star Wars Squadrons führt viele interessante neue Charaktere ein und liefert insgesamt ein starkes Gesamtpaket. Chapeau, EA Motive.
Vergrößern Star Wars Squadrons führt viele interessante neue Charaktere ein und liefert insgesamt ein starkes Gesamtpaket. Chapeau, EA Motive.

Fazit: 

Für 40 Euro ist Star Wars Squadrons eigentlich schon ein Must-Have für jeden Star-Wars-Fan. Die Weltraumschlachten sind unglaublich intensiv, steuern sich nuanciert und haben genau die richtige Mischung zwischen Simulation, taktischer Tiefe und Action-Spaß. Insbesondere das Energiemanagement ist mitunter erstaunlich anspruchsvoll, insbesondere wenn wir gerade auf einen neuen Schild-Typ geupgradet haben, der plötzlich deutlich mehr Cryo-Energie frisst und wir bei unseren Waffensystemen nicht mehr einfach drauflos ballern können, sondern viel genauer zielen müssen. Die Missionen der Kampagne bieten genug Abwechslung, die Story hat ihre Momente und ist mitunter bärenstark inszeniert – umso merkwürdiger die Entscheidung, dass unser eigener Charakter keine Stimme hat und grundsätzlich nur zuhört. Das passt zum wortkargen Imperium, aber weniger zu den Rebellen. Den Multiplayer darf EA Motive gerne noch mit mehr Modi aufbohren, aber die epischen, mit 30 Minuten wirklich langen und sehr taktischen Flottenkämpfe sind wirklich exzellent gelungen. Insgesamt ein schönes Star-Wars-Paket. 

Pro:

  • 8 Schiffe, die sich komplett unterschiedlich anfassen

  • Sehr viele Upgrades für Schilde, Waffensysteme, Panzerung etc.

  • Stark inszenierte Kampagne

  • 16 recht abwechslungsreiche Missionen

  • Enorm immersiv in VR

  • Taktisch anspruchsvoller Multiplayer

Contra:

  • Unser Charakter hat keine Stimme und reagiert nicht auf Unterhaltungen, wir fühlen uns mehr wie eine menschliche GoPro, die filmt, nicht interagiert und sich in Hangar und Kommandobrücken auch nicht frei bewegen kann

  • Nur zwei Multiplayer-Modi ist etwas dünn

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