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Stalker 2: Heart of Chernobyl: Das erste Unreal-Engine-5-Spiel ist der Hammer

10.01.2022 | 12:12 Uhr |

Stalker 2: Heart of Chernobyl hat uns umgehauen: Das erste Spiel mit Unreal Engine 5 wird das Crysis 4 unserer Zeit. Mit düsterer Atmosphäre, richtig vielen Survival-Elementen, bei denen Schlafentzug schon mal unsere Hand zuckeln oder die Sicht schwinden lassen kann. Mit einer brachialer Zerstörungsengine und gepanzerten Mutanten-Hirschen. Stalker 2: Heart of Chernobyl – die Mega-Preview.

„Da unten ist, was Du suchst. Alle, die vor Dir gingen, kamen nicht zurück. Viel Glück“, sagt der schnodderige alte Mann. Wir wagen einen Blick in das Loch: Schwarze Nacht, nicht viel mehr als Dunkelheit, in den ersten Sekunden von Stalker 2: Heart of Chernobyl .

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Unten sind die Decken niedrig, die Wände eng. Rotlicht fällt auf Kacheln, die lange keine Putzfrau mehr gesehen haben: Mörtel bröckelt, dunkle Flecken überall, durch Löcher sickert grüne Masse. Der Schein der Taschenlampe lässt die Schatten tanzen. Hinter jedem Winkel befürchten wir das Grauen in Person. Ja, auch Stalker 2: Heart of Chernobyl kostet unsere Angst aus. Immer und immer wieder, etwa wenn wir nur mit einer Flinte bewaffnet durch die Nacht streifen und von mutierten Kampfhunden angegriffen werden. Das Nachladen dauert lange, wir müssen präzise schießen – wer verfehlt, hat ein Problem. Klassische Schießereien gibt es auch, die wollen überlegt angegangen werden. Der Scherge lehnt in seinem Schaukelstuhl, er sieht den Tod nicht kommen, schneller Kopfschuss, bevor er zu seiner AK-47 greifen kann, denn wir haben keine Kevlar-Weste und ein direkter Treffer ist gerne mal tödlich.

Einmal um die Ecke gebogen, durch die Tür gelinst, Scharfschütze auf einem Geländer weiter oben erspäht. Kurz per Knopfdruck ähnlich wie in Battlefield 2042 aufs 4x-Visier wechseln, weiter geht es. Anlegen, abdrücken, er fällt übers Gelände. Das rüttelt den Rest der Bande wach, die wir im Nebenraum nicht bemerkt hatten. Drei sind zwei zu viele, was tun? Granate auf einen Stapel Holzkisten, die zersplittern in tausend Teile und hauen zwei um, den Dritten erledigt der neue Protagonist Skif im Duell. Das sieht unglaublich gut aus in der Unreal Engine 5. Messerscharfe Texturen, egal ob auf der Waffe, auf der wir die Riefen und Kratzer förmlich zählen können bis zu den Gegnern und der Halle, wo die Physikengine richtig Druck hat. Stalker 2: Heart of Chernobyl dürfte eine der detailliertesten Zerstörungsengines des nächsten Jahres bieten, zumindest auf einzelne Objekte bezogen – es ist kein Battlefield, in dem wir eine Wand mit einer Granate wegreißen, aber die Umgebung taktisch nutzen zu können, das gibt dem Ganzen eine neue Nuance. Egal, ob es nur darum geht, genügend Chaos zu stiften, damit sich der Feind nicht organisieren kann oder ihn aktiv zu treffen.

Viele Jahre sind seit der atomaren Katastrophe vergangen und die Natur hat sich die Region zurückerobert, hier sehen wir etwa ein Meer voller Mohnblumen.
Vergrößern Viele Jahre sind seit der atomaren Katastrophe vergangen und die Natur hat sich die Region zurückerobert, hier sehen wir etwa ein Meer voller Mohnblumen.
© GSC Game World, Komposition: PC WELT

Und es wird Zeit, dass Studios mal wieder richtig Vollgas geben und Physik-Engines auskosten. Wie wir aus einer sehr lesenswerten Coverstory der britischen Kollegen von PC Gamer (gibt es auf dem iPad) wissen, wird Stalker 2: Heart of Chernobyl vor allem auch sehr stark auf Survival-Elemente setzen. Und das in einer riesigen weitestgehend offenen Welt – 64 Kilometer voller Bunker, unterschiedlicher Biome, aber auch Wohnungen, in denen Überlebende eine Schallplatte auflegen und zu Tschaikowski tanzen. Dem Mozart Russlands. Es ist dieser Kontrast, der begeistert. Stalker 2 ist wie sein Vorgänger düster und zum Schaudern, aber er lässt es auch mal menscheln. Wenn wir mit Kameraden am Feuer sitzen und uns Geschichten erzählen von mutierten Hirschen mit zwei Geweihen, deren Knochen mit der Haut so verwachsen sind, dass man die Biester selbst mit einer Shotgun nur schwer zu Fall bringt. Und die, so glauben die Jungs, die Geister des Waldes rufen können – andere mutierte Tiere, Wölfe etwa, die ja im Rudel jagen und hungrig sind. Aber dann zeigt sich auch immer mal wieder ein Hoffnungsschimmer, etwa dort, wo die atomare Bestrahlung nach all der Zeit nachgelassen und sich die Natur ihr Territorium zurückerobert hat.

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Viel mehr Survival-Elemente: Hunger, Kälte, Schlaf

Stalker 2 arbeitet mit Photogrammetrie, die Waffen sind also alle 3D-Scans, die sich so authentisch anfühlen sollen wie diese krude Welt voller Mutanten-Wölfe.
Vergrößern Stalker 2 arbeitet mit Photogrammetrie, die Waffen sind also alle 3D-Scans, die sich so authentisch anfühlen sollen wie diese krude Welt voller Mutanten-Wölfe.
© GSC Game World

GSC World hat sich enorm viel Zeit gelassen mit dem Nachfolger zu einem der atmosphärischsten, düstersten Shooter aller Zeiten und geben brutal Gas mit Realismus-Features, die wir so eigentlich noch nie in Hochglanz erlebt haben: Da wäre zum Beispiel der Hunger. In Stalker 2 müssen wir essen, sonst verringern sich unsere Fähigkeiten. Mit knurrendem Magen rennt es sich nicht so gut, ergo wird unsere Ausdauer verringert, einfach weil wir keine Energie haben. Je länger wir nichts zu Beißen kriegen, desto mehr schwindet diese. Selbst einige Skurrilitäten haben die Entwickler eingebaut. Wollen wir etwa gerade durch einen Wald schleichen, macht ein knurrender Magen hungrige Mutantenwölfe aufmerksam, die dann wiederum Hunger kriegen und uns gerne als Mitternachtssnack hätten. Auch Schlafentzug wird realistische Folgen haben: Schlafen wir über lange Zeit nicht, verringert sich unsere Sehkraft, und wir erleben, je nach Länge der Schlaflosigkeit, sogar auditive Halluzinationen. Das fängt schon relativ früh an, wenn Skif mal einen Tag und eine Nacht nicht schläft, also 24 Stunden.

Anomalien können ganz unterschiedliche Formen annehmen – mal ziehen sie einfach nur Objekte in einen Strudel, mal töten sie direkt, mal sind sie Feuerstürme.
Vergrößern Anomalien können ganz unterschiedliche Formen annehmen – mal ziehen sie einfach nur Objekte in einen Strudel, mal töten sie direkt, mal sind sie Feuerstürme.
© GSC Game World

Kennt man schließlich selbst, wer mal für den Job ein paar Nachtschichten gefahren hat, der kann sich nicht mehr so gut konzentrieren. Natürlich kann man dem auch kurzfristig entgegenwirken, etwa Schläfrigkeit mit einem Energy-Drink – Gamer nicken jetzt. All diese Features gab es natürlich schon, aber eher in so Titeln wie DayZ, die hässlich sind wie die Nacht, nicht in einem Triple-A-Game. Es dürfte Stalker 2 eine interessante Note geben, denn für die Entwickler ist Schlafentzug kein Gimmick, sondern eine spielerische Idee, die Kämpfe noch ein bisschen schwieriger macht. Etwa gegen besagte Mutantenwölfe, denn wenn wir halluzinieren, sehen wir plötzlich ganze Schwärme von ihnen, auf uns zu rennen. Die Gefahr hier wertvolle Munition zu verschwenden ist groß. Blutende Wunden sollten wir möglichst direkt verbinden, denn tropft Blut auf die Erde, wittern das die Wölfe. Dann gibt es mutierte Hirsche mit glühenden Augen, diese sind noch deutlich gefährlicher – Mutationen haben über die Jahre das ganze Fleisch und die Organe rausgefressen, ihre Lederhaut ist mit dem mutierten Knochen verwachsen und hart wie Kevlar. Es gibt also nur wenige Stellen, an denen sie selbst für eine AK 47 oder ein anderes Sturmgewehr oder eine Shotgun verwundbar wären.

100 Stunden Spielzeit klingen erstmal weniger gut – je länger Spiele sind, desto schlechter sind meist die individuellen Aufgaben. 30 Quest-Designer sollen dafür sorgen, dass wir enorm viel Abwechslung bekommen.
Vergrößern 100 Stunden Spielzeit klingen erstmal weniger gut – je länger Spiele sind, desto schlechter sind meist die individuellen Aufgaben. 30 Quest-Designer sollen dafür sorgen, dass wir enorm viel Abwechslung bekommen.
© GSC Game World

Er ist schnell und tödlich, wenn er uns mit seinem Geweih aufspießt, was wir bereits in der E3-Demo selbst erlebt haben. Auch das war eine dieser Komponenten, die das erste Stalker so spannend machten: Dass wir uns oft zurückziehen müssen oder schleichen, einfach weil die Munition nicht reichen würde, für all die Feinde da draußen. Oder Fallen stellen müssen, Anomalien etwa sind absolut tödlich – rennen wir auf diese zu, stoppen aber frühzeitig und so ein mutierter Hirsch sprintet hinein, bleibt nicht viel übrig außer Hirschgulasch. Anomalien finden wir, indem wir etwas Metallisches in die Gegend werfen, wo wir diese vermuten – eine Schraube etwa. Auch haben wir, wie gehabt, unseren Geigerzähler, den hat so ein Mutantenhirsch nicht. Laut der Coverstory der Kollegen von PC Gamer, die bereits deutlich mehr gesehen haben von Stalker 2 als wir, überrascht uns das Spiel aber auch immer wieder mit blühenden Weiden, leuchtend roten Mohnblumen oder Häusern, die vom Moos quasi konserviert wurden. Mittlerweile ist so viel Zeit vergangen, dass sich die Natur von ihrem atomaren Schock langsam erholt und Territorium zurückerobert, ein bisschen wie in Crysis 3. Hach Crysis, die goldene Zeit der Singleplayer-Shooter. Lange ist sie her…

Erstes Fazit: Eine Odyssee geht zu Ende und wir freuen uns richtig drauf

2008 erschien mit Clear Sky das letzte Stalker, Team-Mitglieder gingen, andere kamen hinzu. Publisher kamen und gingen wieder. 2022 soll es endlich soweit sein.
Vergrößern 2008 erschien mit Clear Sky das letzte Stalker, Team-Mitglieder gingen, andere kamen hinzu. Publisher kamen und gingen wieder. 2022 soll es endlich soweit sein.
© GSC Game World

Bam, der hat gesessen: GSC Game World ist gefühlt über zig Jahre einfach von der Bildschirmfläche verschwunden und jetzt hauen sie so einen raus. Es war ein eher schwaches Jahr für Singleplayer-Freunde. Es gab gefühlt nicht so viele Shooter, die wirklich starke Kampagnen abgeliefert haben. Nun sieht Stalker 2: Heart of Chernobyl nicht nur wirklich fantastisch aus, es könnte das Crysis der nächsten Generation werden. Auch das fehlt uns gerade, grafisch hat sich die Messlatte länger nicht mehr deutlich nach oben verschoben. Überrascht hat uns vor allem aber auch die Tiefe im Gameplay: Naughty Dog hat zum Beispiel auch mal mit Elementen wie Schlafentzug oder Verwackeln der Waffe bei zu viel Blutverlust experimentiert, das dann aber wieder für The Last of Us 2 verworfen. Am meisten Bauchschmerzen macht uns aber die Ankündigung eines 100-Stunden-Spiels. Lieber nicht, je länger ein Spiel ist, desto schlechter, wenn wir uns die letzten Jahre anschauen. GSC Game World hat 30 Quest-Designer alleine daran sitzen, insofern kann es funktionieren – meistens enden solche endlosen Spiele aber in hartem Grind, siehe Assassin’s Creed Valhalla. In rund fünf Monaten werden wir es selbst herausfinden: Am 28. April 2022 öffnen sich die Tore für das Herz von Chernobyl.

Stalker 2: Heart of Chernobyl launcht am 22. April 2022 auf PC, Xbox Series X und S. Übrigens mit vollem Mod-Support und Multiplayer kommt dann später als kostenloses Update. Da es sich um einen Xbox-Exklusivtitel handelt, ist aktuell keine Playstation-5-Version geplant.

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