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Sonos Arc im Test

15.07.2020 | 14:59 Uhr | Markus Pilzweger

Die Sonos Arc hat das Zeug, die altgediente Playbar in den Ruhestand zu schicken. Inwiefern ihr das tatsächlich gelingt und ob ein Umstieg lohnt, klärt unser Test.

Sonos-Fans mit etwas größeren TV-Zimmern kamen lange Jahre nicht um die Playbar herum. Gerade bei der Wiedergabe von Film-Sound spielte sie im Vergleich zum nachfolgenden Soundbar-Portfolio von Sonos in einer eigenen Liga. Musik per Playbar war hingegen eher ein durchwachsenes Vergnügen. Allerdings besaß die Playbar ein dickes Manko: Sie konnte lediglich per optischem Kabel mit dem TV, Receiver, etc. verbunden werden. Von HDMI keine Spur. Damit verbunden waren auch Unzulänglichkeiten bei den unterstützten Formaten. Über den optischen Ausgang kam nun mal nicht jedes Format heraus, Dolby Digital war schon das höchste der Gefühle. Die Sonos Arc soll hier nun ein Zeichen setzen.

Zwar bot bereits die Sonos Beam einen HDMI-Anschluss, vom Volumen und der Leistung kam sie hingegen unserer Meinung nach nicht an die Playbar heran. Bei der Arc stehen die Vorzeichen hingegen besser: Mit ihren elf Verstärkern, davon acht Tief- und drei Hochtönern (zum Vergleich: die Beam bietet fünf Verstärker) kommen zwei Verstärker mehr zum Einsatz, als in der Playbar. Ein Ethernet-Port ist ebenfalls dabei, ansonsten wird die Arc per WLAN in das vorhandene Sonos-System eingebunden.

Schon während des Auspackens zeigt sich: die Arc meint es ernst. Sie ist 114 Zentimeter breit. Immerhin 24 Zentimeter breiter als die Playbar. Mit 8,7 Zentimetern ist sie etwa genauso hoch, dafür mit 11,5 Zentimetern Tiefe rund 3 Zentimeter schlanker, als die Playbar. Typisch ist mittlerweile die mit zigtausend Punkten durchlöcherte Front und Seitenabdeckung der Soundbar, die organische Form wirkt zudem sehr ausgewogen und verwöhnt das Auge mit Rundungen und wenig Ecken und Kanten.

Sonos Arc: Klang

Doch das schönste Design ist wenig wert, wenn der Klang nicht hält, was die Packung verspricht. Im ersten Test haben wir lediglich die Arc mit unterschiedlichen Songs gefüttert, um die Musikwiedergabe zu testen.

Die Playbar war in Sachen Musik meist eher durchwachsen. Ihre Stärken hatte sie im Filmbereich, wenn es mächtig zur Sache ging. Bei normaler Musikwiedergabe fiel das Klangerlebnis eher zurück. Ganz anders präsentiert sich hingegen die Arc. Die Höhen werden kristallklar wiedergegeben und auch im Bassbereich gibt es wenig zu meckern. Die Soundbar hat ordentlich Wumms und macht auch als Einzelgerät eine gute Figur. Soundbars haben es klassischerweise immer schwer, im Stereobereich zu punkten. In unserem Test lieferte die Arc allerdings ein gutes Ergebnis. Wenngleich die Stereobreite nicht an ein System mit zwei getrennten Lautsprechern kommt. Dennoch: Nahe dran.

Selbst mit aufgedrehter Lautstärke gibt sich die Arc keine Blöße, Musik wird weiter detailliert und klar wiedergegeben, nichts verwandelt sich in undefinierbaren Klangbrei. Sowohl die Höhen, als auch die Bässe sind sehr gut aufeinander abgestimmt, das Klangbild wirkt in Summe sehr ausgewogen und selbst kleinste Details, etwa bei Klassischer Musik, werden sauber wiedergegeben.

Doch die Arc ist nicht in erster Linie zum Musik hören da, sondern soll den TV-sound auf ein neues Level heben. Ein neues Level stellt dabei auch die Unterstützung von Dolby Atmos dar. Hierzu gibt es aber eine Einschränkung, dazu später mehr.

An den TV ist die Arc relativ einfach angeschlossen: Strom dran und das HDMI-Kabel mit ARC- oder eARC-fähigen HDMI-Ausgang am Fernseher verbinden. Sollte dieser fehlen, liegt als Notlösung noch ein HDMI-zu-SPDIF-Adapter im Paket bei. So kann ein optischer Ausgang des TV mit der ARC verbunden werden. Je nach Anschluss werden allerdings nur bestimmte Dolby-Formate unterstützt. Bei eARC sind das unter anderem Dolby Atmos, TrueHD, MAT, Dolby Digital Plus und Dolby Digital. Handelt es sich um einen ARC-Anschluss, hängt es vom TV-Modell ab, welches Sound-Format weitergeleitet wird. Grundsätzlich unterstützt werden Dolby Atmos, Dolby Digital Plus und Dolby Digital, TrueHD und MAT hingegen nicht. Optisch wird es dann dünn, in dem Fall wird nur noch Dolby Digital unterstützt. In unserem Testcase stand nur ein ARC-Anschluss zur Verfügung, Dolby Atmos konnte dem TV, der gerade mal vier Jahre alt ist, nicht entlockt werden.

Bei der Einrichtung gab es weitere Stolpersteine, die erst gelöst werden mussten, um an Dolby-Digital-Sound zu kommen. Denn zu Beginn wollte die Arc lediglich Stereo-Sound abspielen. Am Receiver musste beispielsweise eingestellt werden, dass Dolby über den HDMI-Ausgang ausgegeben wird. Bei Konsolen oder Blu-ray-Playern ist darauf zu achten, dass bei den Sound-Optionen „PCM“ immer deaktiviert und auf „Automatisch“ oder „Bitstream“ eingestellt wird. Mit PCM kommt die ARC nicht zurecht und der Sound bleibt mau. Sind diese Hürden genommen, kommt auch endlich Sound aus dem Lautsprecher, wie es sich gehört.

Interessant an der ARC ist vor allem die Ausgewogenheit. Selbst in Actionfilmen mit ordentlich Alarm sind die Dialoge immer noch extrem gut zu verstehen. In unserem Test haben wir der Arc noch einen Sub und zwei Rear-Speaker an die Seite gestellt. Die Soundeffekte (in der Regel Dolby Digital 5.1) kamen sehr gut zur Geltung und in Verbindung mit dem Sub war auch ordentlich Wumms in der Bude. In dieser Konstellation nimmt sich die Arc bei der Basswiedergabe zurück und kann sich auf die Höhen und Mitten konzentrieren.

In keiner Situation Actionfilme, Dokus, normales TV neigte die Arc zum Übersteuern. Und gerade bei etwas stärker aufgedrehter Lautstärke kommt das in sich Stimmige, die Ausgewogenheit noch besser zur Geltung. Während bei früheren 5.1-Systemen ab einer gewissen Lautstärke die Sache eher in Richtung Lärm abdriftete, ist es nun zwar laut, aber nicht unangenehm. Der Sound bleibt in jeder Situation extrem präzise, was zu einem vollkommen neuen Hörerlebnis führt. Allerdings fehlt subjektiv ein wenig die Breite, was die frontale Wiedergabe des Sounds betrifft. Eigentlich verwunderlich, da die Arc über einen Meter breit ist und in alle Richtungen abstrahlt. Aber rein gefühlsmäßig kommt der Sound einen Tick zu mittig aus dem System. Das kann natürlich auch an den baulichen Gegebenheiten des Wohnzimmers liegen, das relativ offen ist-

Es gibt noch einen Punkt, der zu beachten ist. Die Arc belegt einen HDMI-Anschluss. Wenn Ihr TV also nur mit verhältnismäßig wenigen HDMI-Anschlüssen gesegnet ist, kann das zu einem Problem werden. Denn wir bekommt man Receiver, Konsole, Blu-ray-Player und Amazon-TV an nur zwei verbleibende Anschlüsse? Die Lösung sind HDMI-Splitter, die im Test auch wunderbar funktioniert haben – auch das Soundsignal wurde jeweils sauber weitergeleitet. Allerdings – sofern nicht schon vorhanden – sind das auch wieder zusätzliche Investitionen, die zu berücksichtigen sind. Vom Komfort nicht zu sprechen, wenn auch noch manuell umgeschaltet werden muss.

Auch schade ist, dass Dolby Atmos nicht von jedem TV mit (e)ARC-Anschluss weitergeleitet wird. Nur bei aktuellen Modellen, etwa zwei bis maximal drei Jahre alt, ist das der Fall. Sollten Sie Wert auf Atmos legen, ist auf jeden Fall ein Blick in die TV-Spezifikationen empfehlenswert, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Ebenfalls nervig erwies sich im Test das Verhalten des Kabelreceivers, der ohne Grund immer wieder die Einstellung „vergaß“, Dolby-Signale über HDMI auszugeben – aber das ist nicht der Fehler der Arc.

Ebenfalls beachtet werden muss, dass die Arc (wie alle neuen Produkte von Sonos) nur mit der neuen Sonos2-App funktioniert. Wenn Sie also in Ihrem Sonos-System noch ältere Hardware haben (Connect:AMP, ZonePlayer, Play:5 der ersten Generation beispielsweise), sollten Sie genau überlegen, ob sich der Umstieg wirklich lohnt. Zwar können sie alte Modelle mit der Sonos1-App weiterverwenden, Sie haben in diesem Fall aber kein einheitliches System mehr. Sonos erklärt diesen Schritt unter anderem damit, dass ältere Modelle leistungstechnisch (CPU, Speicher) nicht mehr mit der neuen Software laufen. Für langjährige Kunden ist das durchaus ärgerlich. Zwar können parallel zwei Systeme betrieben werden, dennoch ist man dann hinsichtlich der Unterstützung durch Apps wie Amazon Music oder Spotify darauf angewiesen, dass diese Hersteller auch nach wie vor die Sonos1-App mit Updates versorgen.

Fazit

Die Arc erweist sich als würdiger Nachfolger der Playbar. Ob allein oder in Verbund mit einem Sub und zusätzlichen Surround-Speakern – sie macht in jeder Situation eine gute Figur und ordentlich Dampf. Egal ob in leisen oder lauten Situationen – das Soundbild ist immer extrem ausgewogen, deutlich und klar. Lediglich die frontale Soundbreite könnte noch ein wenig mehr ausgeprägt sein.

Besitzer einer Playbar, die auf eine Soundbar mit HDMI und Dolby Atmos gewartet haben, sollten unbedingt einen Blick riskieren – allerdings je nachdem, wie die restliche Sonos-Ausstattung aussieht. Die App-Problematik ist weiter oben beschrieben.

Wer ein Sonos-System besitzt, aber noch eine Soundbar vermisst – auch hier eine klare Empfehlung. Zwar ist die Playbar knapp 300 Euro günstiger (und bei Sonos nur noch generalüberholt zu bekommen), dafür liefert die Arc sowohl bei Musik als auch bei der Wiedergabe von Filmsound eine bessere Figur.

Das Ganze ist allerdings kein günstiges Vergnügen: Die Arc kostet 899 Euro und ist in den Farben schwarz und weiß erhältlich. Mitgeliefert werden ein HDMI-Kabel sowie ein HDMI/SPDIF-Adapter.

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