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Sonic The Hedgehog 2 in der Film-Kritik: Schnell, wuselig, witzig und richtig gut

06.04.2022 | 18:15 Uhr |

Sonic The Hedgehog 2 ist die beste Videospiel-Verfilmung seit vielen Jahren. Ein Film, der seine Hauptfigur liebt, Original-Level aus den Games mit unserer realen Welt verheiratet und in die Popkultur von Meisterwerken wie The Dark Knight oder Indiana Jones einbettet. Super liebevoll geschrieben, toll inszeniert, mit vielen Gags und Feel-Good-Momenten. Sonic: The Hedgehog 2 in der Filmkritik.

Hach, Sonic. Liebling der Kindheit, der blaue Igel durfte schon als kleiner Bub in Kuscheltierform bei keinem Urlaub fehlen und Regisseur Jeff Fowler gelingt es ganz famos, diese Faszination des Videospiels auf so eine ganz eigene, oft unvorhersehbare Art einzufangen. Da wird ein Schneelevel, das wir vielleicht früher nach dem Fußballtraining auf dem Sega Mega Drive oder später N64 gespielt haben, zu einer Verfolgungsjagd, die fast schon so ein bisschen James-Bond-Flair hat. Wo uns Dr. Robotniks Robo-Armeen jagen, Lawinen losgetreten werden und uns unser neuer bester Freund Tails mit seinem Rotorschwanz über all diese Hindernisse fliegt. Genau wie in den Spielen. 

1988 kam mit der Sega Mega Drive die erste 16-Bit-Konsole auf den Markt und lehrte der Konkurrenz das Fürchten. Vor allem dank des bekanntesten Spiels der Konsole: Sonic: The Hedgehoc. Das Jump'n'run hat dank zahlreicher Ableger auch heute noch eine riesen Fangemeinde. Aber was hatte das Sega Mega Drive drauf - und wie spielt es sich heute? Anlässlich des Kinostarts des zweiten Sonic-Kinofilms "SONIC THE HEDGEHOG 2" reisen wir in die Vergangenheit und werfen einen Blick auf die "Höllenmaschine" der 90er. Viel Spaß!

► Zur Kino-Kritik von SONIC THE HEDGEHOG 2:
www.pcwelt.de/2651646

Man merkt Sonic: The Hedgehog 2 in jeder Faser an, dass hier Menschen vor und hinter der Kamera gestanden haben, die den kleinen knuffigen Igel wirklich lieben und das ist etwas, womit sich Hollywood normalerweise unglaublich schwertut. Gerade erst hatten wir das Thema mit Uncharted, der eigentlich viel mehr ein Tom-Holland-Film ist, als Fans abzuholen, obwohl Sony einfach nur Uncharted 4 verfilmt hat mit einigen Copy&Paste-Sequenzen von Uncharted 3. Genau das macht Paramounts neuer Sonic-Blockbuster eben nicht. Es gibt unglaublich viele Referenzen, Easter Eggs und einzelne Elemente aus Missionen der 30 Jahre alten Spielreihe, die aber immer sehr harmonisch mit der eigentlichen Geschichte und dem Abenteuer verheiratet werden. 

Sonic ist so liebevoll animiert und so ein knuffiger Held, dem kann keiner böse sein – auch wenn er gerade seine halbe Stadt in die Luft gejagt hat, weil er gerne Batman sein wollte.
Vergrößern Sonic ist so liebevoll animiert und so ein knuffiger Held, dem kann keiner böse sein – auch wenn er gerade seine halbe Stadt in die Luft gejagt hat, weil er gerne Batman sein wollte.
© Paramount

Paramount hat verstanden, dass wir Gamer gar keine 1:1-Verfilmung eines Spiels möchten, sondern das Gefühl, dass sich das Team dahinter Gedanken gemacht hat, wie man dem Ganzen eine neue Ebene geben kann. Man verbindet diese Welten und holt ganz viele Elemente aus den Spielen in Szenen, die dann auch wirklich passen und sich gut anfühlen. Zudem ergibt sich viel Energie und kreativer Spirit aus den Referenzen zu großen Hollywood-Blockbustern: Sonic wird als großer Film-Fan inszeniert und spielt zum Beispiel im Intro Batman in einer Filmszene nach, die vom Color Grading und der Qualität der Kameraarbeit an Gotham City angelehnt ist. Natürlich kindgerecht gemacht, denn die sollen vor allem auch ihren Spaß mit "Sonic: The Hedgehog 2" haben. Wo ein "The Dark Knight" sich immer düster gibt, nimmt Sonic nichts ernst und legt dabei halb Seattle in Schutt und Asche. 

Richtig stark spielt übrigens Julien Bam auf, der Sonic spricht. Er bringt gerade diese Flippigkeit in einem Moment, aber auch Gelassenheit der Figur in viel brenzligeren Situationen wundervoll rüber. Die wilde und sehr explosive Verfolgungsjagd ist der Auftakt für ein Abenteuer, dem es gelingt, alle Lager glücklich zu machen und das ist wirklich sehr, sehr selten: Die Gamer, Menschen, die Sonic als Videospiel lieben – egal ob auf dem Sega Mega Drive für die Retro-Fans unter uns, auf der Xbox 360 oder einer anderen Konsole. Aber auch Non-Gamer, die einfach nur einen rasanten, sehr liebevoll gemachten Familienfilm erleben wollen. 

"Sonic Frontiers" soll ja die erste Sonic-Open-World bieten und im Grunde ist "Sonic: The Hedgehog 2" genau diese offene Welt in Filmform: Regisseur Jeff Fowler wechselt sehr häufig die Szenarien und hat wirklich eine Menge Überraschungen in petto. Wie gesagt, auch immer auf so eine schmunzelnde Art. Da gibt’s die Fallen eines Indiana Jones und Sonic kann sich natürlich seinen Harrison-Ford-Spruch nicht verkneifen. Und er treibt seinen wortkargen Kontrahenten Knuckles in den Wahnsinn, weil er ihre kleine Fehde ständig mit irgendwelchen Hollywood-Stars vergleicht – etwa Dwayne "The Rock" Johnson und Vin Diesel. 

Überhaupt ist Sonic als Plappermaul bekannt, der am laufenden Band Gags abfeuert. Wir haben Sonic gerade erst interviewt, freuen Sie sich auf das Youtube-Video in Kürze im PC-WELT Youtube-Kanal.

Dieser Einfluss von Popkultur ist ein schöner Kniff, weil er dafür sorgt, dass tatsächlich jeder mit diesem Film Spaß haben kann. Selbst wer mit der Spielreihe nie etwas zu tun hatte, wird ständig Referenzen an andere große Filme wiederfinden. Und Gamer wiederum sehen darin Level aus den Spielen, etwa wenn Sonic und Tails die wirklich kniffligen Fallen umspringen müssen, die zu einem wertvollen Artefakt führen. Ganz wie in Sonic Adventure! 

Weil Sonic ein riesiger Filmfan ist, benutzt er nicht nur ständig Zitate der Popkultur, er versucht sich auch selbst als Batman. Und weil Paramount verdammt gut darin ist, solche Szenen einzufangen, fühlt sich das wie Sonic meets The Dark Knight an.
Vergrößern Weil Sonic ein riesiger Filmfan ist, benutzt er nicht nur ständig Zitate der Popkultur, er versucht sich auch selbst als Batman. Und weil Paramount verdammt gut darin ist, solche Szenen einzufangen, fühlt sich das wie Sonic meets The Dark Knight an.
© Paramount

Oder wie schwierig einige Wasser-Level waren, weshalb Sonic davor auch immer ein bisschen Bammel hat im Film. Oder jene Szene, in der wir in einem, sagen wir, einfach sich stark bewegenden Level unterwegs sind – die einen werden an ein gewisses Sonic-Spiel denken und in Erinnerungen schwelgen. Andere eher an Marvel, Transformers oder andere Roboriesen aus der Popkultur. Und dann hat der Film natürlich auch noch Jim Carrey, der in jeder Szene Laune macht. Seit "Die Maske" hatte der Mann wahrscheinlich nicht mehr so viel Spaß an einem Film, Dr. Robotnik ist ihm wie auf den Leib geschnitten. 

Auch hier gibt es übrigens wahnsinnig viele Locations, die das Produktionsteam aus den Spielen adaptiert, aber das wirkt nie aufgesetzt. Denn das ist letztlich die große Kunst einer Spiele-Verfilmung: Der Film muss für sich selbst funktionieren und darf nicht einfach nur ein verfilmtes Spiel sein. Auch hier Respekt an Paramount: Wer die Sonic-Spiele nicht im Detail kennt, dem wird das alles überhaupt nicht auffallen und trotzdem einen Haufen Spaß haben. Letztlich ist das hier einfach ein spaßiger Familienfilm mit tollen Special Effects. 

Dr. Robotnik ist die perfekte Rolle für Jim Carrey und ein Feel-Good-Film für die ganze Familie 

Jim Carrey ist eine Comedy-Legende und auch als Dr. Robotnik nutzt er seine extremen Grimassen und dieses sehr körperbetonte Spiel, das immer albern aussieht und genau zu ihm passt.
Vergrößern Jim Carrey ist eine Comedy-Legende und auch als Dr. Robotnik nutzt er seine extremen Grimassen und dieses sehr körperbetonte Spiel, das immer albern aussieht und genau zu ihm passt.
© Paramount

Jim Carrey startete seine Karriere als die Ulknudel Hollywoods – er war der richtige Mann für Gag-Granaten wie "Ace Ventura" oder "Dumm und Dümmer". Und er ist einer, der sich gerne verwandelt – in "Der Grinch" oder "Die Maske", vielleicht seine ikonischste Rolle. Lange, lange war er abgetaucht und raus aus dem Filmgeschäft, jetzt mit 60 Jahren dreht er abermals richtig auf als Dr. Robotnik: „Er ist total durchgeknallt, aber auch unglaublich smart. Quasi ein Psychopath mit 300er IQ“, sagt Jim Carrey selbst über seine Rolle.

Und genauso spielt er seine Figur auch. Er ist der sympathische Bösewicht mit dem Riesen-Schnauzbart, könnte man sagen, der ein eierförmiges Raumschiff als Kommandozentrale hat. Und eine ganze Armee von schneeweißen Drohnen, die aussehen wie aus dem Apple-Labor. Aber er ist eben nicht die ganze Zeit nur böse, sondern mag auch Milchkaffee mit frischer Ziegenmilch, die ihm sein Lakai liebevoll zubereitet – übrigens auch wunderschön gespielt von Lee Majdoub. Carrey spielt den trotteligen James-Bond-Schurken auf eine derart skurrile Art, mit all den Grimassen, für die man ihn liebt. Er bringt auch Knuckles mit auf den Planeten Erde, einen anthropomorphen Echidna-Krieger, aber viel mehr wollen wir auch gar nicht zu ihm verraten.  

Wer Sonic gespielt hat, dem wird auffallen, dass Paramount und Sega wirklich das Raumschiffdesign von Dr. Robotnik 1:1 in den Film übernommen haben, nur eben mit High-Res-Texturen.
Vergrößern Wer Sonic gespielt hat, dem wird auffallen, dass Paramount und Sega wirklich das Raumschiffdesign von Dr. Robotnik 1:1 in den Film übernommen haben, nur eben mit High-Res-Texturen.
© Paramount

Also ja, Sonic 2 baut das ganze Mysterium, die Geschichte sehr viel stärker aus. Der erste Teil nahm sich ja viel Zeit Sonic als Figur zu etablieren und diese süße Familie, bei denen er einzieht. Und der zweite Teil geht jetzt deutlich tiefer und dreht sich um diese ganze Mythologie rund um die Master Emeralds, diese super mächtigen Kristalle, bei denen man nur an etwas denken muss und dann passiert es wirklich. Und auch Tails ist ja so ein knuffiger Sidekick, der immer eine brillante Idee hat, eine abgefahrene Technologie ausprobieren muss und Sonic auch gerne mal aus dem Schlamassel rettet, denn der schnellste Igel unseres Planeten übernimmt sich gerne mal.

Generell ist der Cast ziemlich gut gewählt: James Marsden (X-Men, Superman Returns) ist super geeignet für diese sanfte Paparolle, denn eigentlich ist Sonic ja noch ein Kind, der auch ziemlich viele Dummheiten macht. Und auch seine Freundin Tika Sumpter hat ein paar coole Szenen, sie kennt man aus "Ride Along" mit Ice Cube und Kevin Hart. 

Tails ist so ein knuffiger Charakter, den man direkt ins Herz schließt und der immer irgendein abgefahrenes Technikspielzeug aus seinem Rucksack zaubert. Außerdem fliegen wir mit ihm natürlich im ikonischen roten Dreidecker aus den Sonic-Spielen.
Vergrößern Tails ist so ein knuffiger Charakter, den man direkt ins Herz schließt und der immer irgendein abgefahrenes Technikspielzeug aus seinem Rucksack zaubert. Außerdem fliegen wir mit ihm natürlich im ikonischen roten Dreidecker aus den Sonic-Spielen.
© Paramount

Und dann gibt es noch einen recht großen weiteren Cast, die in den skurrilsten Szenen zu sehen sind, die mit den Games zwar nichts zu tun haben, aber diese Familienabenteuer-Komponente ganz schön hereinbringen und letztlich für viele Comedy-Momente sorgen. Da gibt es dann etwa noch eine Hochzeit, wo allerlei Schlamassel passiert, aber viel mehr wollen wir auch gar nicht verraten. Das ist im Grunde auch der einzige wirkliche Kritikpunkt: Es passiert unglaublich viel, wodurch einige spannende „Level“ im Film etwas zu schnell abgespielt werden, weil für 120 Minuten fast schon zu viel Content drinsteckt. "Sonic: The Hedgehog 2" soll ja letztlich vor allem auch ein Feel-Good-Movie sein für die ganze Familie und das gelingt Regisseur Jeff Fowler letztlich dann doch sehr gut. 

Am meisten hat uns aber überrascht, wie viele direkte Plots und Szenen aus den Sonic-Spielen in den Film gehievt werden. Den ersten Film haben 2020 1,2 Millionen Menschen in Deutschland gesehen, ob die alle Sonic-Fans sind? Sega würde sich wohl sehr freuen. Fans, die danach Ausschau halten, werden ohne Ende Easter-Eggs, Anspielungen oder eben wirklich ganze Sequenzen finden, die mitunter aus neueren Sonic-Teilen stammen, aber auch jenen unserer Kindheit. Filmsequenzen, die sich anfühlen wie ein Bosskampf auf der Konsole. Nur eben im Kino, mit Popcorn in der Hand und einem breiten Grinsen im Gesicht.

Fazit: Großartiges CGI-Feuerwerk für Sonic-Fans und alle, die es werden wollen 

Sonic: The Hedgehog 2 macht von Minute eins an Spaß und als großer Sega-Fan sitzt man über 120 Minuten im Kino und kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus, denn in jeder Minute findet sich eine Hommage oder irgendeine Idee aus 30 Jahren Sonic-Geschichte.
Vergrößern Sonic: The Hedgehog 2 macht von Minute eins an Spaß und als großer Sega-Fan sitzt man über 120 Minuten im Kino und kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus, denn in jeder Minute findet sich eine Hommage oder irgendeine Idee aus 30 Jahren Sonic-Geschichte.
© Paramount

Es ist schon faszinierend, wie gut CGI sich mittlerweile mit einem realen Set verheiraten lässt, denn Sonic und Tails wirken mitunter wie reale Figuren. Nicht immer, gerade wenn Sonic rennt wie eine Flitzekugel, muss natürlich viel gerendert werden, aber gerade in ruhigeren Szenen, etwa einem sehr witzigen Tanz-Battle in einer Hütte irgendwo im Nirgendwo harmoniert die animierte Figur wirklich großartig mit menschlichen Charakteren. Das ist sehr schön gemacht, auch wie Sonic mit seinem Papa interagiert, denn eigentlich ist er ja noch ein Kind, möchte aber gerne Superheld sein, weil er Batman, Spider-Man & Co. liebt. 

Und dann verheiratet Paramount gewissermaßen ständig Level aus den Games mit großen Filmen der Popkultur und nutzt dann auch gerne das Color Grading, was gerade zu diesem Film passt – ob das jetzt "The Dark Knight" ist oder "The Fast & Furious", "Mission Impossible" oder "Indiana Jones". Das ist eine spannende Dynamik drin, die man von so einem Animationsfilm nicht erwarten würde, der überraschend nah an den Spielen ist. 

Gerade wenn wir diesen Film mit z. B. Uncharted vergleichen, der sich zwar einzelne Szenen aus Naughty Dogs Meisterwerken ausborgt, aber dem es zu selten gelingt, den Charme der Spiele einzufangen, bemühen sich Paramount und Jeff Fowler hier, Fans der Sonic-Spiele abzuholen, vergessen dabei aber auch nicht eine Feel-Good-Action-Komödie mit viel Slapstick-Comedy abzuliefern, die der ganzen Familie Spaß machen wird. Den Gamern, weil sie sehr viele Szenen aus den Spielen wiedererkennen werden. Und allen anderen, weil Sonic eben ein knuffiger kleiner Kerl zum Liebhaben ist und mit Jim Carrey sicherlich den skurrilsten Bösewicht der Filmwelt vorgesetzt bekommt, der gefühlt seit Ace Ventura und Die Maske nicht mehr so aufgedreht hat. 

Wertung: 9.0 

Pro: 

  • Sicherlich einer der hochwertigsten Animationsfilme der letzten Jahre 

  • Ein Film, der Sonic als Figur liebt und feiert 

  • Sehr viele Schauplätze, die alle aus den Spielen stammen 

  • Smarte Vermischung aus moderner Hollywood-Popkultur und Sonic-Historie 

  • Liebenswerte, gut geschriebene Figuren 

  • Insgesamt hochwertiger Cast, der für einige Überraschungen sorgt 

Contra: 

  • Etwas zu viel Inhalt für 120 Minuten, wodurch die Action mitunter etwas zu schnell abgespielt wird 

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