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Im Test: Die besten Anti-Virus-Tools für 2019

19.06.2019 | 08:07 Uhr | Arne Arnold

Zwölf Monate lang mussten zwölf Antivirentools immer wieder aufs Neue zeigen, wie gut sie einen verseuchten Rechner komplett reinigen können. Überraschung: Klassische Antivirentools schnitten besser ab als die meisten speziellen Reinigungsprogramme.

Wenn alles gut läuft, also Ihr Antivirenprogramm stets eingeschaltet und Windows sowie alle Anwendungen stets mit den neuesten Updates versorgt sind, dann sollte sich Ihr PC niemals mit einem Virus infizieren. Allerdings läuft eben nicht immer alles so, wie es sollte. Updates fehlen, das Antivirenprogramm ist kurz deaktiviert oder ein Benutzer klickt eine Antivirenwarnung zu schnell weg. Kurz: Vireninfektionen am PC kommen vor. Die große Frage lautet dann: Muss ich Windows komplett neu installieren oder genügt es, den Schädling mit einem Antivirenprogramm aus Windows herauszuziehen? 

Diese Frage haben die Sicherheitsforscher von AV-Test  genau untersucht. Zwölf Monate lang haben die Fachleute erst PCs mit stets aktuellen Viren verseucht und dann versucht, diese Rechner mit sieben klassischen Antivirenprogrammen und fünf Reinigungstools wieder sauber zu bekommen. Insgesamt kamen 44 Schädlinge zum Einsatz. Die Forscher führten rund 836 einzelne Tests durch und konnten zeigen, dass die meisten Programme eine sogar sehr gute Leistung beim Säubern eines PCs liefern.

Die Testergebnisse finden Sie in zwei Tabellen unten. Im ersten Testteil zeigen sieben klassische Antivirensuiten in zwei Szenarien, wie gut sie eine Vireninfektion beseitigen. Im zweiten Testteil sind fünf kostenlose Spezialreinigungstools an der Reihe. Neben dieser Tabelle finden Sie weitere Infos darüber, wie AV-Test die Sicherheitsprogramme getestet und bewertet hat.

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Ergebnisse der Antivirenprogramme: Drei Tools sind top 

Der Test der Antivirenprogramme zeigt, dass drei der Sicherheitspakete alle Schädlinge gründlich vom PC fegen können: Auf dem ersten Platz landen punktgleich drei Tools. Es sind die Programme von Avast , Avira und Bitdefender (in alphabetischer Reihenfolge). Mehr zu den drei Testsiegern finden Sie im Kasten oben.

Fast genauso gut sind die in der Testtabelle folgenden drei Tools, Kaspersky Internet Security , Symantec Norton Security und Microsoft Defender Antivirus (Bordmittel von Windows 10). Sie entdeckten ebenfalls alle Viren, ließen aber einen schädlichen Codeteil zurück. Auf dem letzten Platz landet Malwarebytes Premium , das einen Virus nicht erkannt hat und einen schädlichen Codeteil nicht entfernen konnte.

Testergebnisse: 7 Antivirenprogramme im Reinigungstest
Vergrößern Testergebnisse: 7 Antivirenprogramme im Reinigungstest

Die Testsieger

Testsieger Antivirenprogramme: Avast Free Antivirus , Avira Antivirus Pro und Bitdefender Internet Security

Die drei Programme erreichten nicht nur ein sehr gutes Ergebnis, sondern lieferten dieses auch noch punktgleich ab. Die Tools entdeckten alle getesteten Schädlinge und beseitigten anschließend alle gefährlichen Code-Teile. Sie übersahen jeweils nur drei harmlose Code-Teile, was nicht schön, aber ungefährlich ist.

Wenn Sie sich eine Entscheidungshilfe zwischen diesen drei Sicherheitstools wünschen: Avast Free ist kostenlos. Bitdefender nicht, schneidet in den regelmäßigen Antivirentests der PCWELT aber meist deutlich besser ab als Avast. Das kostenpflichtige Avira Antivirus Pro liegt in diesen regelmäßigen Tests meist zwischen Bitdefender und Avast.

Testsieger Reparaturprogramme: Kaspersky Virus Removal Tool  

Im Vergleichstest der Reparaturprogramme kommt die Software Kaspersky Virus Removal Tool auf den ersten Platz. Sie fand alle gefährlichen Bestandteile der getesteten Viren, konnte aber einen gefährlichen Code-Teil dann nicht löschen.

Perfekt ist das Ergebnis also nicht. Die Bedienung des Tools ist simpel: Kurz vor der Suche laden Sie sich eine neue Version des Tools herunter und starten es ohne Installation. Allerdings benötigen Sie Adminrechte, sodass die Benutzerkontensteuerung von Windows anspringt. Nach zwei Klicks zur Bestätigung starten Sie die Schädlingssuche über „Start scan“. Gefundene Schädlinge meldet das Tool und beseitigt Sie nach einem Klick.

Die Testergebnisse bei den Spezialreinigungstools 

Beim Test mit den fünf Spezialtools fällt die Bilanz durchwachsen aus. Das Kaspersky Removal Tool und die Bitdefender Rescue Disk erkannten in allen 44 Testfällen die Malware. Allerdings konnten beide Tools in jeweils einem Fall die gefährlichen Komponenten nicht komplett löschen. Die beste Gesamtbilanz mit 95,5 Prozent Reinigungsleistung hat das Tool von Kaspersky mit 42 komplett sauberen Systemen und 1 System mit ungefährlichen Dateiresten. Gleich danach folgt das Tool von Bitdefender mit einer Quote von 91 Prozent: 40 saubere Systeme und drei mal lästige Dateireste.

Das Heise Tool Desinfec’t 2018 erkannte ebenfalls alle Schädlinge, übersah aber mit 34 Fällen immens viele ungefährliche Dateireste und konnte so nur acht Systeme komplett reinigen. In weiteren zwei Fällen konnte das Tool die gefährlichen Dateikomponenten nicht löschen.

Der Microsoft Safety Scanner musste bei drei Angreifern komplett passen, das Vipre Virus Removal Tool sogar bei sechs von 44 Tests. Dazu kamen bei beiden Tools noch weitere gefährliche Dateireste, die sie nicht entfernten. Immerhin konnte das Tool von Microsoft in 39 Fällen helfen, das Tool von Vipre in 33 von 44 Tests.

Testergebnisse: 5 kostenlose Reinigungsprogramme
Vergrößern Testergebnisse: 5 kostenlose Reinigungsprogramme

Sonderfall Ransomware: Reinigung hilft hier nicht 

Im Langzeittest von Januar bis Dezember 2018 war unter den Testschädlingen keine Ransomware vertreten. Das liegt daran, dass eine aktive Ransomware in der Regel alle Daten sofort verschlüsselt. Eine Reinigung des Schädlings hilft nicht wirklich weiter. Es geht in diesen Fällen in erster Linie um die verschlüsselten Daten. Um diese zu retten, sind wiederum andere Spezialtools nötig. Eine erste gute Anlaufstelle für diese Tools ist www.nomoreransom.org .

Darum gilt: Zu einer regelmäßigen Datensicherung gibt es keine Alternative. Diese sollte auf einen externen, nicht permanent angeschlossenen Datenträger erfolgen. Als Sicherung genügt bereits das manuelle Kopieren Ihrer Dateien mit dem Windows-Explorer.

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Fazit: Die Reinigung eines infizierten PCs ist möglich 

Sollte bei Ihnen mal der vorhandene Virenschutz versagen, dann müssen Sie nicht zwingend das System neu installieren. Die Reinigung von Windows mit einer Antivirensuite ist eine mögliche Alternative zur Neuinstallation.

Im Langzeittest haben die Schutzsuiten von Avast, Avira und Bitdefender gezeigt, dass sie die Systeme von Schädlingen befreien und alles reparieren können. Lediglich ein paar ungefährliche Dateireste blieben bei allen im Test übrig.

Bei den Spezialtools ist das Ergebnis etwas schlechter, sie bieten aber dennoch eine große Hilfe im Notfall. Die Tools von Kaspersky und Bitdefender erreichten im Test eine hohe Reinigungsleistung. Sie konnten jeweils in einem Fall die aktiven Komponenten nicht löschen. Ein Blick in die internen Testprotokolle zeigte, dass sie bei unterschiedlicher Malware Probleme hatten.

In der Praxis bedeutet das, dass man bei Bedarf einfach beide Tools nacheinander einsetzt und so das allerbeste Ergebnis erhält. Hat das erste Tool, etwa das Kaspersky Virus Removal Tool seinen Job erledigt, starten Sie den PC anschließend direkt von der bootfähigen Bitdefender Rescue CD und lassen Sie deren Such- und Reinigungsprozedur ablaufen.

Anschließend starten Sie den Rechner mit Windows, aktualisieren das installierte Antivirenpaket und starten auch dort eine gründliche Virensuche. 

Falls Sie sich trotz des guten Abschneidens der Tools gegen eine Reinigung und für eine Neuinstallation von Windows entschieden haben, dann finden Sie auf Seite 81 dazu wichtige Hinweise. 

So installieren Sie Windows neu

Auch wenn einige Tools gute bis sehr gute Arbeit beim Entfernen von bereits aktiver Malware leisten – manchem Anwender ist eine saubere Neuinstallation von Windows nach einem Virenbefall dennoch lieber. Dafür nehmen sie auch die Nachteile einer Neuinstallation in Kauf: Es gehen alle bisher genutzten Programme auf dem Rechner verloren und müssen nach der Installation von Windows 10 ebenfalls neu installiert werden. Außerdem gehen auch alle persönlichen Dokumente, Fotos, Videos, die auf der Systempartition gespeichert sind, verloren beziehungsweise müssen zuvor gesichert werden.

Wie eine solche Neuinstallation von Windows 10 gut und sicher klappt und welche Daten Sie vorher unbedingt sichern sollten, haben wir hier ausführlich erklärt . Kurz zusammengefasst, gehen Sie am besten so vor: 

Sichern Sie alle eigenen Daten und Einstellungen, die Sie auf der Systempartition gespeichert haben. Holen Sie sich dann die ISO-Datei von Windows 10. Das geht mit dem kostenlosen Programm Media Creation Tool für Windows 10 . Verwenden Sie das Tool auf einem beliebigen Rechner mit Windows 10. Es erstellt eine DVD oder einen USB-Stick mit Windows 10, womit Sie Ihren PC booten und Windows komplett neu installieren können. Im Installationsassistenten wählen Sie Ihre aktuelle Systempartition aus und klicken auf „Löschen“. So wird eine Partition frei, die Sie anschließend als Ort für die neue Windows-Installation nutzen können.

So testen AV-Test und PC-WELT

Die Tests hat das unabhängige Antivirenlabor AV-Test in Magdeburg durchgeführt. Die Spezialisten des Testlabors haben 2018 die Sicherheitstools über einen Zeitraum von einem Jahr auf ihre Reinigungs- und Reparaturleistung bei 44 PC-Schädlingen getestet. Für den Test setzten die Spezialisten stets aktuelle und sehr gefährliche Viren aus unterschiedlichen Malwarefamilien ein. Die verwendeten Viren waren jedem der Antivirenprogramme bereits bekannt. Der Hersteller des Programms konnte den Schädling also bereits analysieren. Daher sollte es für die Tools grundsätzlich möglich sein, dass sie die getesteten aktiven Schädlinge entdecken und beseitigen können.

Test der Antivirenprogramme: Die Schutztools wurden im ersten Test auf einem PC installiert, der bereits mit einem Virus verseucht war. Diesen mussten sie nun finden und komplett beseitigen. Insgesamt 44 Schädlinge sollten die Tools auf diese Weise entdecken, allerdings immer nur einen pro Testvorgang. Im zweiten Test waren die Antivirentools bereits installiert, wurden aber deaktiviert, um den Virus auf den PC bringen zu können. Anschließend aktivierten die Tester den Schutz wieder und ließen den Schädling entfernen. Dieses Vorgehen simuliert zwei häufige Fälle der Vireninfektion. Zum einen kommt es durchaus vor, dass der Anwender selbst sein Antivirenprogramm deaktiviert, etwa um schneller eine große Anzahl an Dateien kopieren zu können, dann aber vergisst, es wieder einzuschalten. Zum anderen wird so der Fall nachgestellt, dass ein Antivirenprogramm einen Schädling nicht erkennt. Dieser kann sich also ungehindert im PC festsetzen. Nach einem Update des Schutztools findet dieses nun den Virus und kann ihn entfernen.

Wie gründlich die Antivirentools einen Schädling beseitigen, haben die Spezialisten von AV-Test in drei Schritten überprüft: 

  1. Wurde der Schädling erkannt und konnte das Antivirentool mit der Reinigung beginnen? 

  2. Wurden die aktiven und damit gefährlichen Komponenten komplett entfernt? 

  3. Blieben auch keine ungefährlichen Dateireste übrig, und wurden alle Veränderungen am System rückgängig gemacht? 

Die fünf Reinigungstools mussten grundsätzlich dieselben Aufgaben lösen wie die Antivirensuiten. Da sie aber nicht installiert werden, sondern in der Regel als bootfähiges Programm kommen, fand hier nur eine Testrunde statt. 

Die meisten dieser Schritte ließen sich nicht automatisieren, sondern mussten von den Testern händisch Schritt für Schritt ausgeführt werden. So führte das Sicherheitslabor insgesamt über 830 einzelne Tests durch.

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