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DSL zum Kampfpreis: Flatrate für zehn Euro

24.07.2018 | 10:21 Uhr |

Internetzugänge werden zwar immer schneller, am Preisgefüge gewöhnlicher DSL-oder Kabel-Verträge hat sich aber wenig geändert. Doch mit den richtigen Kniffen sparen Sie richtig viel Geld und bekommen die Doppel-Flatrate schon ab zehn Euro pro Monat.

Wie passt das zusammen? Ruft man die gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblätter der Internetprovider auf, nennt beispielsweise die Deutsche Telekom für ihren DSL-16.000er-Anschluss als „monatliches Entgelt für das Komplettprodukt“ 34,94 Euro. Das Preisniveau um 30 Euro für einen solchen Internetanschluss ist branchenüblich. Auf der anderen Seite listen die Internet-und DSL-Preisvergleiche die gleiche Doppel-Flatrate mit unbegrenzter Internetnutzung und Telefonie in das deutsche Festnetz schon zu Preisen ab etwa zehn Euro auf, im Einzelfall sogar unter der zweistelligen Grenze.

Wie also passt das zusammen? Handelt es bei diesen Billig-Offerten um seriöse Angebote oder nimmt man dabei gravierende Nachteile in Kauf? Im Kern geht es also um die Frage wirklich preiswerter Internetzugänge, wobei sich der Blick keineswegs nur auf die Kosten beschränkt. Denn darüber hinaus müssen Bandbreite, Technik, Hardware, Service, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit stimmen. Außerdem darf der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter nicht unnötig kompliziert sein. All diesen Aspekten rund um billige Internettarife geht unser Ratgeber nach. Gleichzeitig erfahren Sie nützliche Tipps, darunter beispielsweise, wie Sie trotz eines Providerwechsels auch ohne die lästige Rufnummernportierung immer unter der gleichen Festnetznummer erreichbar sind.

Tipp: LTE statt DSL-Router: Das bietet die neue Technik

Durch den Providerwechsel lassen sich alle zwei Jahre 500 € sparen

Boni, Prämien und Cashback-Aktionen machen die Flatrate für zehn Euro pro Monat möglich.
Vergrößern Boni, Prämien und Cashback-Aktionen machen die Flatrate für zehn Euro pro Monat möglich.

Dabei ist die Marktsituation paradox. Natürlich stehen sowohl die Zugangsprovider als auch damit die unterschiedlichen Internetzugänge im Wettbewerb, also DSL mit VDSL und Vectoring, der Kabelanschluss, LTE-Mobilfunk und zunehmend Glasfaser. In vielen Städten können die Kunden mittlerweile zwischen allen Zugangsarten und damit diversen Providern wählen. Dass dies die Preise am Markt drückt, versteht sich von selbst.

Paradox ist das Preisgefüge aber trotzdem. Denn statt die vorhandenen, treuen Kunden zu halten, verscheuchen die Provider sie gerade zu. Natürlich nicht im aktiven Sinn, doch wer für den bestehenden Zugang monatlich über 30 Euro zahlt und dies mit den Wechselangeboten vergleicht, hinterfragt zu Recht seine hohen Gebühren.

Da praktisch alle Zugangsanbieter neuen Kunden Wechselboni, Prämien, Cashback-Aktionen oder andere finanzielle Vorteile gewähren, ist das Ergebnis letztlich eindeutig: Wer wechselt, profitiert. Wer dagegen bei seinem Provider bleibt, zahlt drauf. Gefördert wird dieses System weiter durch die Online-Tarifrechner und -Preisvergleiche, die bei Vertragsabschlüssen Provisionen von den Providern erhalten. Deshalb offerieren sie Neu-und Wechselkunden weitere Rabatte.

Die Online-Tarifvergleiche, so auch der Tarifrechner von PC-WELT , verrechnen sämtliche Vergünstigungen und Gebührenabzüge in den ersten Monaten mit etwaigen Kosten für die Anschlusseinrichtung, den Router-Versand und ähnliches. Als Ergebnis erscheint der Durchschnittspreis für 24 Monate. Da dieser in der Praxis häufig rund 20 Euro unter der regulären, dauerhaften Monatsgebühr liegt, summiert sich die Ersparnis über zwei Jahre eben auf etwa 500 Euro. Manchmal ist die gesparte Summe sogar noch höher, wie die 719 Euro in der Abbildung oben rechts. Ausschöpfen lässt sich das volle Sparpotenzial also nur durch Providerwechsel im Zwei-Jahres-Rhythmus. Denn spätestens ab dem 25. Monat berechnen die Anbieter stets die höhere Anschlussgebühr. Nun gestaltet sich der Providerwechsel in aller Regel weder problematisch noch aufwendig – allerdings müssen Wechselkunden ans rechtzeitige Kündigen meist drei Monate vor Vertragsende sowie ans Ausfüllen des Portierungsauftrags für die Mitnahme der angestammten Festnetznummer denken.

Bandbreite messen: Der große DSL-Test

Sparen durch Spezialtarife statt den Wechsel zum anderen Provider

Durchschnittliches Datenvolumen an deutschen Breitbandanschlüssen pro Monat (in Gigabyte)
Vergrößern Durchschnittliches Datenvolumen an deutschen Breitbandanschlüssen pro Monat (in Gigabyte)

Da stellt sich natürlich die Frage, ob und wie man auch ohne diese ständigen Providerwechsel sparen kann. Die knappe Antwort lautet: Ja, wenngleich nicht im gleichen Maß. Möglich machen das zwei Arten günstiger Spezialtarife: Zum einen gibt es Verträge für „junge Leute“; diese sind meist altersgebunden. Zum zweiten bieten vereinzelte Festnetzprovider Verträge mit monatlich begrenztem Datenvolumen. Auf diese gehen wir nun ausführlich ein, die Young-Tarife erläutert der Kasten rechts.

Als die Deutsche Telekom vor fünf Jahren Pläne veröffentlichte, die Bandbreite ihrer DSL-Kunden beim Überschreiten von monatlich 75 GByte Datenvolumen drastisch zu verringern, gab es reichlich Kritik und Spott („Drosselkom“). Die Pläne aus Bonn verschwanden schnell wieder in der Schublade, doch wenn man heute die URL „www.telekom.de/drosseldsl“ in die Browserzeile eintippt, erinnert immerhin noch die Anzeige „Entschuldigung! Liebe Besucherin, lieber Besucher, die von Ihnen gesuchte Seite gibt es leider nicht mehr...“ daran. Dabei ist die Idee von nach Datenverbrauch abgestuften Tarifen im Ansatz nicht falsch und beim Mobilfunk ohnehin Standard: Wer viel surft oder herunterlädt, zahlt mehr als Wenig-Nutzer.

Providerangebote für junge Leute

Eine Sparvariante sind die von vielen Providern angebotenen Tarife für „junge Leute“. Die Deutsche Telekom beispielsweise hat mit „unter 27“ eine feste Altersgrenze (Beispiel: Magenta Zuhause S Young für 14,33 Euro ), andere machen den Rabatt vom Schüler-oder Studentenstatus abhängig. Allerdings sind die Preisnachlässe bei weitem nicht so hoch wie die beim Providerwechsel. Der Preisvorteil in den Telekom-Tarifen „Young Magenta Zuhause“ beträgt unabhängig von der Bandbreite jeweils fünf Euro im Monat: 16 MBit/s kosten statt 34,95 Euro dann 29,95 Euro, 50 MBit/s 34,95 Euro statt 39,95 Euro und 100 MBit/s 39,95 Euro statt 44,95 Euro. Über die drei Jahre eines Bachelor-Studiums summiert sich der Rabatt durch Umschreiben auf einen zu Hause wohnenden Studenten immerhin auf fast 200 Euro. Wirbt dagegen ein Provider mit „Nur für junge Leute: 3 x 5 € Vorteil sichern“, sind die gesparten 15 Euro den Wechselaufwand kaum wert. Eine Rabattübersicht mit Studententarifen .

Dieses Prinzip ist Grundlage der Tarife „DSL Basic“ von 1&1 sowie der DSL-Verträge von O2. Sowohl bei 1&1 als auch bei O2 in der kleinsten Variante „DSL XS“ stehen monatlich 100 GByte Highspeed-Volumen zur Verfügung. Verbraucht ein Kunde mehr, reduziert O2 die Bandbreite im Down-und im Upload auf jeweils zwei MBit/s, bei 1&1 sind es dagegen nur ein beziehungsweise 0,1 MBit/s. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die normale Geschwindigkeit: 1&1 liefert DSL-typische 16 MBit/s im Download und ein MBit/s im Upload, O2 dagegen zehn und 2,4 MBit/s. Beide Tarife kosten jenseits der Preisnachlässe in den ersten beiden Jahren mit 24,99 Euro pro Monat auf Dauer gleich viel. Wer sicher weniger als die 100 GByte Datenvolumen benötigt, ist bei 1&1 im Download schneller unterwegs. Für Videostreaming, wo es wirklich auf die Geschwindigkeit ankommt, eignet sich der Volumentarif allerdings kaum – da stünden bei voller Ausnutzung der Bandbreite täglich nicht einmal 30 Minuten zur Verfügung. Bei O2 dagegen fällt die Geschwindigkeitsdrossel deutlich sanfter aus.

Einige Provider gewähren jungen Menschen einen Rabatt auf den Internetanschluss.
Vergrößern Einige Provider gewähren jungen Menschen einen Rabatt auf den Internetanschluss.

Wichtig: Anders als bei den übrigen O2-Tarifen gibt es im XS-Tarif keine „Fair use“-Regelung. Die Drosselung greift sofort, sobald ein Kunde seine monatlichen 100 GByte überschritten hat.

Wer aber kommt mit einem Datenvolumen von monatlich 100 GByte überhaupt zurecht? Der „Durchschnittshaushalt“, denn nach Angaben des Statistikportals Statista betrug der durchschnittliche monatliche Datenverbrauch an stationären Breitbandanschlüssen in Deutschland im vergangenen Jahr 79 GByte. Dieser Wert sagt natürlich nichts über Ihren individuellen Verbrauch. Diesen ermitteln Sie für sämtliche Geräte am einfachsten über den in vielen Routern integrierten Traffic-Monitor. In der Fritzbox klicken Sie dazu in der Benutzeroberfläche auf „Internet –› Online-Monitor –› Online-Zähler“, das Gesamtvolumen des Vormonats vermittelt einen realistischen Wert.

Am PC summieren Trafficmonitor oder Netspeedmonitor den Datenverbrauch. Was jedoch per WLAN übers Smartphone, Tablet, den Smart-TV und weitere Geräte verbraucht wird, erfassen diese Windows-Tools nicht. Der Router-Wert ist deshalb genauer und somit die bessere Wahl.

Das Produktinformationsblatt

Die für die Aufsicht der Internet-und Telefonanbieter zuständige Bundesnetzagentur hat Ende 2016 die „Transparenzverordnung für den Telekommunikationsbereich“ (TK-Transparenzverordnung) erlassen, die unter anderem die Informationspflichten der Festnetz-und Mobilfunkanbieter regelt. Ziel der Verordnung ist, dem Verbraucher im Telekommunikationsmarkt eine transparente, vergleichbare, ausreichende und aktuelle Information in einer klaren, verständlichen und leicht zugänglichen Form bereitzustellen.

Auf dem Produktinformationsblatt muss der Provider Preise, Vertragslaufzeit und Bandbreite nennen.
Vergrößern Auf dem Produktinformationsblatt muss der Provider Preise, Vertragslaufzeit und Bandbreite nennen.

Deshalb müssen die Provider ihre Leistungen und Gebühren in sogenannten Produktinformationsblättern zusammenfassen. Die Infoblätter müssen Angaben über die verfügbaren Datenübertragungsraten, die Vertragslaufzeiten, die Voraussetzungen für die Verlängerung und Beendigung des Vertrages sowie die monatlichen Kosten enthalten. Informiert werden muss zudem, welche Dienste Teil des vertraglich vereinbarten Datenvolumens sind. Bei Verträgen mit monatlich begrenztem Highspeed-Volumen muss ferner die Bandbreite nach Erreichen der Drosselungsgrenze genannt sein. Damit diese Vorgaben nicht wie in der Vergangenheit in diversen Fußnoten versteckt werden, stellt die Bundesnetzagentur Musterblätter für eine einheitliche Darstellung bereit.

Fazit: Bequem und teurer oder richtig günstig mit mehr Aufwand

Unsere Marktanalyse günstiger Internetzugänge zeigt: Richtig viel sparen können Sie, indem Sie sich alle zwei Jahre einen neuen DSL-oder Kabelprovider suchen. Denn nur dann profitieren Sie von den Rabatten, welche die Internetanbieter neuen Kunden gewähren. Im Schnitt beträgt die Ersparnis über die normale Vertragslaufzeit von 24 Monaten aufsummiert zwischen 400 bis 500 Euro; der PC-WELT-Tarifrechner findet schnell die aktuell günstigsten Provider.

„Wechsel-Profis“ oder „Tarif-Hopper“ erledigen den Wechsel online souverän zwar in weniger als einer Stunde, doch wer davor zurückschreckt oder das Risiko scheut, dass beim Anschlusswechsel irgendetwas nicht klappt, kann trotzdem etwas sparen: entweder bei einem der beiden Provider mit begrenztem Datenvolumen oder über jemanden, der jung ist oder studiert und im gleichen Haushalt lebt. Denn dieser Personengruppe wird häufig ein Rabatt eingeräumt. Die datenbegrenzten Tarife haben durchaus ihren Reiz, doch bevor Sie hier einen Zweijahresvertrag abschließen, sollten Sie Ihren tatsächlichen Datenverbrauch zuvor mehrere Monate kontrollieren.

Schließlich können Sie Ihren Internetanschluss mit Nachbarn im Haus oder der Wohnung nebenan teilen und damit die Kosten für den zweiten Zugang sparen – ideal ist das für mehrere Familiengenerationen. Unser PC-WELT-Beitrag zum Thema „ Internetanschluss teilen “ erläutert das Sparpotenzial, die technische Umsetzung und den rechtlichen Rahmen im Detail.

Feste Rufnummer ohne Portierungsauftrag

Die langjährige Erfahrung zeigt, dass kombinierte Internet-und Telefonanschlusswechsel zu einem anderen Provider in aller Regel problemlos klappen. Wenn es an einer Stelle doch mal hakt, dann ist es meist die Mitnahme der bestehenden Rufnummer, die sogenannte Portierung. Zwar haben Kunden einen Rechtsanspruch auf die Beibehaltung ihrer Telefonnummer, doch damit die Portierung glatt abläuft, muss der Auftrag fristgerecht gestellt sein sowie die eigenen Kundendaten beim alten und neuen Anbieter penibel übereinstimmen.

Einige VolP-Provider bieten vom Internetzugang unabhängige, „nomadische“ Festnetzanschlüsse an.
Vergrößern Einige VolP-Provider bieten vom Internetzugang unabhängige, „nomadische“ Festnetzanschlüsse an.

Schon ein beim alten Provider nicht aktualisierter Name nach der Heirat lässt die Portierung scheitern; unter Umständen wird die eigene langjährige Festnetznummer nach drei Monaten dann neu vergeben.

Solche Probleme lassen sich mit einem nomadischen Telefonanschluss vermeiden, weil dieser – daher die Bezeichnung – auch zu einem anderen Internetprovider und -anschluss mitgenommen werden kann. Wer sich für eine solche Festnetznummer beispielsweise bei Bellsip , Callavista , Easybell , Sipgate , Sipload oder Vortel registriert oder – aber eben nur einmalig – seine bestehende Rufnummer dorthin portiert, bezahlt in den Basistarifen ohne Grundgebühr nur für die tatsächlich geführten Telefonate. Verwendet man für eigene Anrufe also die vom neuen DSL-oder Kabelprovider willkürlich zugeteilte neue Rufnummer, bleibt man für Freunde, Verwandte und Bekannte immer über die angestammte Nummer erreichbar, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen. Auf den ersten Blick muten unterschiedliche „Anschlüsse“ für ein-und abgehende Gespräche vielleicht etwas kurios an, doch einmal im Router eingerichtet, läuft das über ein-und dasselbe Festnetztelefon zu Hause automatisch.

Alle Details zu den nomadischen Anschlüssen inklusive einer Provider-und Tarifübersicht, den richtigen Routereinstellungen und vielem mehr finden Sie in unserem Online-Ratgeber .

Die Themen in Tech-up Weekly #126: +++ AMD Ryzen Threadripper 2990X - 32 Kerne mit bis zu 4,2 GHz +++ Urheberrecht: EU stimmt für die Upload-Filter im Netz +++ Nachfrage nach Grafikkarten bleibt niedrig - sinken bald die Preise? +++ Quick-News der Woche +++ Kommentar der Woche +++ Fail der Woche: Versteckte Trackingsoftware sorgt für Frust bei Spielern

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► AMD Ryzen Threadripper 2990X - 32 Kerne mit bis zu 4,2 GHz (0:18):
www.pcwelt.de/2357449

► Urheberrecht: EU stimmt für die Upload-Filter im Netz CPUs (3:47):
www.pcwelt.de/2357276

► Nachfrage nach Grafikkarten bleibt niedrig - sinken bald die Preise? (7:10):
www.pcwelt.de/2346159

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Quick-News (8:26):

► Gaming Disorder: WHO stuft Computerspielsucht als Krankheit ein:
www.pcwelt.de/2356917

► Whatsapp: Support-Aus für ältere Smartphones:
www.pcwelt.de/2356705

► Steam: So viel Geld haben Sie bisher ausgegeben:
www.pcwelt.de/2357177

► Gamestop in der Krise - Kette soll verkauft werden:
www.pcwelt.de/2357308

► Radio-Hörer können aufatmen: Keine UKW-Abschaltung:
www.pcwelt.de/2357151

► Youtube Music: Musikdienst startet in Deutschland:
www.pcwelt.de/2356929

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Kommentar der Woche (10:18)

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Fail der Woche (11:03):

► Versteckte Trackingsoftware sorgt für Frust bei Spielern:
www.pcwelt.de/2357231

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