2596849

Rainbow Six Extraction: Härter, taktischer, smarter als Siege

09.07.2021 | 13:02 Uhr |

Rainbow Six Quarantine heißt jetzt Extraction und hat uns umgehauen mit seiner taktischen Ebene: Wenn der Tormentor sich durch den schwarzen schleimigen Boden gräbt und unsere Soldaten mit einem Alien-Schaum kampfunfähig macht, müssen die Operator alle Gadgets einsetzen, die sie haben. Rainbow Six Extraction – die Weltpremiere.

Es sind die ersten Minuten der Weltpremiere zu Rainbow Six Extractions : Kampfjets zischen über die Golden Gate Bridge, dutzende Helikopter fliegen bei Sonnenaufgang auf San Francisco zu. Schüsse gellen, Raketen zischen, Soldaten fallen. Team Rainbow seilt sich von einem Black Hawk ab, erschießt zwei, drei Aliens. Grunts, das Fußvolk. Die Spiker sind härter, ihre riesigen Nadeln spießen unser Team auf, ziehen uns Energie ab. Ein Breacher durchbricht die Mauer der Fabrikanlage, droht sich vor unserem Sanitäter in die Luft zu jagen – gezielter Schuss in den Kopf und der Kerl geht zu Boden. Leitern runter, ein paar Treppen, durchatmen, Waffen entsichern, Schleuse öffnen. Specialist Ela wurde vom Feind gefangen genommen, eine klebrige, eklige Masse umschließt ihren Körper, versucht, in ihren Kopf und ihr Gehirn einzudringen, um Informationen über die Stärke und Taktiken unserer Spezialeinheit rauszufiltern. Der Arch Tree ist so eine Art Lebensbaum einer extraterrestrischen Spezies namens Archeans und unser Job ist es, Ela zu befreien und diesen Arch Tree zur Hölle zu jagen.

Die Metropole in der Bay Area wurde von einer Alien-Invasion heimgesucht, doch es gelingt der Regierung, die Außerirdischen in einen Sektor der Stadt zurückzudrängen, wo sich diese im Untergrund formieren. In einer Art Bunker-Anlage, deren Schleusen sich erst öffnen, wenn Team Rainbow in ihren leuchtend gelben Hazard-Suits anrückt: Klassische Kevlarwesten und dunkle Outfits von Anti-Terror-Einheiten weichen Materialien, die Chemikalien abweisen und mehr wie ABC-Anzüge funktionieren. Rainbow Six Extraction spielt etliche Jahre nach Siege in einer Zukunft, in der Aliens die Terroristen als Feind Nummer eins für Team Rainbow abgelöst haben. Eine parasitäre außerirdische Kraft, hat sich über den Planeten ausgebreitet, und es liegt an unserem Team von Elite-Operators, Informationen über den Feind zu sammeln, strategisch zugewiesene Ziele zu eliminieren und Soldaten zu retten, die von ihr gefangengenommen und gefoltert werden.

Das Spiel teilt sich in drei Phasen auf, die wir durch Öffnen der Schleuse aktivieren. Auffällig ist, wie effizient sich die Aliens koordinieren und gegenseitig mächtiger machen – etwa durch Unsichtbarkeit oder eine Art Mantel, der sie kugelsicher macht.
Vergrößern Das Spiel teilt sich in drei Phasen auf, die wir durch Öffnen der Schleuse aktivieren. Auffällig ist, wie effizient sich die Aliens koordinieren und gegenseitig mächtiger machen – etwa durch Unsichtbarkeit oder eine Art Mantel, der sie kugelsicher macht.
© Ubisoft

Dazu müssen wir ihre Nester infiltrieren, bis zu drei zufällig zugewiesene Ziele mit steigendem Schwierigkeitsgrad erfüllen, die von der Gefangennahme eines Elite-Anführers zu Forschungszwecken bis zur Zerstörung ihrer bioorganischen Infrastruktur mit gut platziertem C4 reichen können. Oder spezielle Schauminjektor-Kapseln in einen Alien-Knoten tragen, um ihn aufzuschäumen und so zu zerstören. Mit einem X-Ray-Scanner an der Waffe lassen sich Parasites, denn so nennt Ubisoft seine Aliens, durch Wände hindurch sichtbar machen, was die taktische Planung etwas vereinfacht. Der Feind hat Tricks auf Lager, die Alienbrut explodiert etwa kurz vor ihrem Ableben in einem Tornado von Stacheln, die uns aufspießen können. Left-4-Dead-Fans werden direkt den Breacher-Parasite erkennen, der auf uns zu rennt, Blockaden und Wände aufschlägt und sich vor uns in die Luft sprengt. Es gibt den Spiker, der der Nadeln verschießt und als Sniper dient. Oder den Trapper, der uns blendet. Und ein Rooter, der verlangsamende Flächenangriffe aus großer Entfernung aussendet.

Eine Welt, in der selbst der Boden tödlich ist

Extraction hat sehr viel mehr Dynamik als Siege, weil die Archean-Aliens in die Luft springen und von dort aus Stacheln abschießen, die unsere Panzerung durchschlagen und uns an die Wand nageln können, was uns zu leichten Opfern macht.
Vergrößern Extraction hat sehr viel mehr Dynamik als Siege, weil die Archean-Aliens in die Luft springen und von dort aus Stacheln abschießen, die unsere Panzerung durchschlagen und uns an die Wand nageln können, was uns zu leichten Opfern macht.
© Ubisoft

Das Design gefällt uns direkt von der ersten Sekunde: Wir kämpfen hier in Hightech-Bunkern gegen eine Alienbrut, die komplett andere Strategien erfordert als wir das aus Rainbow Six Siege kennen. Sie verätzen etwa den Boden, berühren wir diesen, schädigt das unseren Schutzanzug, wir müssen ergo mit einer speziellen Pistole auf den Boden schießen, um hier im Koop den Weg freizumachen, für unser Team. Denn Rainbow Six Extraction ist ein Story-getriebener Drei-Spieler-Koop-Shooter, der mit vielen hochwertigen Zwischensequenzen arbeitet. Wir lernen die Operator also besser kennen, reisen in ihr Headquarter, sprechen mit ihren Alien-Spezialisten – wichtig, denn nur wenn wir einen Charakter kennenlernen, interessieren wir uns auch für seine Rettung. Das hat zum Beispiel Gears of War immer sehr gut gemacht und genau in diese Richtung will Rainbow Six Extraction gehen. Es wird spannend sein, inwiefern Ubisoft hier auch die Geschichten erzählt, wie sich die einzelnen Operator weiterentwickelt haben. Sledge zum Beispiel ist nicht mehr beim britischen SAS, sondern Teil dieser US-Spezialeinheit, die in San Francisco operiert oder in einer anderen Mission im Orpheus Research Center in Alaska.

Rainbow Six Extraction lässt sich sehr taktisch spielen: Via X-Ray-Sensor scannen wir hier, wo der Feind steht. Minen an die Wand, alle in Position und Boom.
Vergrößern Rainbow Six Extraction lässt sich sehr taktisch spielen: Via X-Ray-Sensor scannen wir hier, wo der Feind steht. Minen an die Wand, alle in Position und Boom.
© Ubisoft

Generell ist Stealth die beste Taktik hier: Grunts patrouillieren überall in diesem Forschungszentrum, mit einem gezielten Schuss in den Kopf lassen sich diese aber schnell ausschalten. Das ist wichtig, denn die Aliens fungieren als Kollektiv und haben viele Spezialfähigkeiten, die anderen einen Buff geben können, sprich sie stärker machen.

Das gilt vor allem für diese schwarze Flüssigkeit am Boden, die sich Sprawl nennt: Ein Schleim, Böden, Wände und Decken der Umgebungen in Echtzeit überzieht und unser Squad langsamer macht, den Feind aber schneller, was eine interessante Dynamik hervorruft. Vor allem auch deshalb, weil er darauf reagiert, wenn wir darauf schießen – er ist dann sozusagen alarmiert, weshalb es nicht verkehrt ist, alternative Wege zu suchen.

Wer Sam Fisher mag, der dürfte besonders häufig das React-Light benutzen – eine Art X-Ray-System, welches uns auch durch Wände zeigt, wo die Blutbahnen der Aliens verlaufen, deren Anatomie im Spiel erstaunlich ähnlich zu Menschen ist. Sie haben zum Beispiel auch eine Art Herz, zu dem alle Gefäße hinführen. Mit der richtigen Waffe, schießen wir dabei auch durch dünnere Wände, etwa in einem Labor und können so den Feind leise beseitigen. Bei Stahlwänden eines Bunkers könnte das hingegen einen Sound verursachen, der die Archeans aufschreckt, was ihnen Zeit gibt sich zu gruppieren.

Rainbow Six Siege: Erstes Spiel unterstützt DLSS 2.2

Wenn der Smasher kugelsicher ist, muss das gute, alte Messer ran

Anders als in einem Back 4 Blood überrennen uns hier keine Horden von Zombies, sondern jedes Alien hat seine Spezialfähigkeiten. Die einen machen sich unsichtbar, die anderen kriechen durch den Boden, dieses hier sondert eine giftige Substanz ab.
Vergrößern Anders als in einem Back 4 Blood überrennen uns hier keine Horden von Zombies, sondern jedes Alien hat seine Spezialfähigkeiten. Die einen machen sich unsichtbar, die anderen kriechen durch den Boden, dieses hier sondert eine giftige Substanz ab.
© Ubisoft

Auf der einen Seite ist es schade, dass Ubisoft hier nicht etwas mehr Risiko geht und zumindest in der Weltpremiere vor allem Gadgets zeigt, die wir im Grunde schon kennen – Stun-Mines etwa oder Sledges Hammer. Aber es ist auch interessant, wie wir diese anwenden: Das Prisma-Hologram etwa nutzen wir gegen Spiker, deren Stacheln leicht unsere Panzerung durchschlagen würden. Das Ziel ist also, dass sie sich auf das Hologram konzentrieren, während wir sie entweder umschleichen, weil sie in diesem Fall in der Überzahl sind. Oder ablenken bis wir in Position sind, um sie mit Scharfschützen auszuschalten. Wir können dabei auch Stealth-Technologie nutzen, uns so unerkannt an sie ranschleichen und mit dem guten, alten Kampfmesser zustechen. Spannend auch, wie wir etwa Stahlgatter einsetzen. Die Aliens sind nicht in der Lage, diese zu zerstören, nur der Breacher kann das. So können wir sie in eine Ecke kanalisieren, die wir mit Minen ausgestattet haben und effizient dezimieren. Auf der anderen Seite sind die Archeans aber deutlich agiler als Menschen, sprengen etwa behände wie Affen über Boxen oder Stahlkonstruktionen, können uns also auch leicht flankieren.

Die Aliens nutzen viele Strategien, die einen von uns isolieren und uns zum Gegenangriff zwingen, was die KI geschickt nutzt, um uns in Fallen zu manövrieren.
Vergrößern Die Aliens nutzen viele Strategien, die einen von uns isolieren und uns zum Gegenangriff zwingen, was die KI geschickt nutzt, um uns in Fallen zu manövrieren.
© Ubisoft

Neu sind einige Hightech-Gadgets wie der Threat-Sensor, der uns ungefähr angezeigt, wo sich Alienherde bilden. Besonders gefährlich für uns ist der Smasher, der Wände mit Leichtigkeit durchbricht. Insofern birgt so eine Strategie, wie die mit den Stahl-Barrieren auch immer ein Risiko, weil wir uns als Team in einen eng gesteckten Bereich zurückziehen – brechen hier mehrere Smasher durch, können uns die Aliens in die Zange nehmen. Smasher halten sehr viele Kugeln aus, das Ziel muss es also sein die Biester aus der Distanz zu beschäftigen, damit ein Kollege sich von hinten anschleichen und ihm sein Kampfmesser ins Herz rammen kann. Rainbow Six Extraction spielt sich entsprechend deutlich taktischer als etwa ein Back 4 Blood, was ja mehr mit der Masse an Zombies arbeitet, weniger mit der Klasse. Die Archeans formieren sich nicht nur, sie nutzen auch Technologie, die sich von einem auf den anderen überträgt. Der Lurker etwa kann andere Aliens unsichtbar machen, unser Ziel sollte es also sein, ihn zu eliminieren, bevor wir entdeckt werden.

Der Archean Tree ist so eine Art Lebensbaum und Mutter-KI für die Aliens. Er nutzt einen Schaum, der angeschossene Kameraden einwickelt und versucht, aus ihm Informationen zu entziehen.
Vergrößern Der Archean Tree ist so eine Art Lebensbaum und Mutter-KI für die Aliens. Er nutzt einen Schaum, der angeschossene Kameraden einwickelt und versucht, aus ihm Informationen zu entziehen.
© Ubisoft

Richtig fies ist auch der Tormentor, der mit dem Boden verschmelzen und sich durch diese schwarze Masse arbeiten kann. Wir sehen also nur schemenhaft, wo er sich gerade befindet und er kann jederzeit überall aus dem Boden brechen, was den Kampf fordernd macht, schließlich haben wir gerade alle Hände zu tun mit Smashern und Spikern, die uns mit ihren Stacheln an die nächste Wand tackern wollen. Und dann gibt’s da auch noch diesen fiesen Arch Tree, der Stasis-Foam versprüht – eine Art Schaum, der angeschossene, schwache Operator einwickelt und an seinen Baum wickelt. Bis Team Rainbow zum Gegenangriff übergeht…

Erster Eindruck: Rainbow Six wird endlich wieder spannend

Rainbow Six Siege hat sich zu einem großartigen Shooter entwickelt, der quasi ständig neue Inhalte bekommt - neue Operator, neue Maps, neue Gadgets. Man hat eine starke eSports-Community etabliert, doch der Kern des Spiels blieb immer gleich. Insofern kommt Rainbow Six Extraction zum genau richtigen Zeitpunkt: Das fühlt sich frisch an, inspiriert, bringt viele neue taktische Ideen ein. Weil wir eben nicht gegen Menschen spielen, die sich letztlich immer ähnlich verhalten. Sondern diese Aliens, die in die Luft springen, um Speer-artige Projektile auf uns abzuschießen. Oder sich durch die Erde graben wie die Werwürmer aus Der Herr der Ringe. Weil sie einen Schaum einsetzen, der uns in Stasis versetzt und handlungsunfähig macht, was an den Experimantal-Shooter Prey von den Arkane Studios erinnert. Jetzt bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass Ubisoft nicht wieder den Standard-Multiplayer-Nonsense in der Kampagne runterspielt, so wie sie das bei Siege gemacht haben. Sondern eine richtige Kampagne abliefert, die mit exzellenten Zwischensequenzen uns diese Operator auch menschlich näher bringt und deutlich mehr über seine Story funktioniert, als rein über sein Gameplay. Wäre doch großartig, wenn wir endlich mal wieder eine Rainbow-Six-Kampagne im Stil eines Rainbow Six Vegas erleben würden, nur eben nicht in Hotels, sondern Bunkeranlagen und militärischen Stützpunkten während einer Alieninvasion. Oder gar ein Koop-Splinter-Cell mit Hazard-Suits statt Nachtsichtkamera? Wir wären dabei.

Rainbow Six Siege: Alle Neuerungen für Year 6

PC-WELT Marktplatz

2596849