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Preview: TWD: Saints & Sinners - Half-Life's Alyx trifft Jack Bauer im Zombie-Universum

03.02.2020 | 08:31 Uhr |

Keiner hat damit gerechnet, plötzlich kommt es um die Ecke geschlichen und haut uns förmlich um: The Walking Dead: Saints & Sinners spielt sich wie Half-Life Alyx im Zombie-Universum, nur das wir Walker-Köpfe mit Äxten spalten. Ziemlich brutal und blutig, aber auch mit netten Story-Ideen, die Richtung Dying Light 2 schnuppern.

Die ersten Minuten in The Walking Dead: Saints & Sinners sind Angst-einflößend. Wir stehen auf einem Boot, schippern mit dem Kahn durch die Nacht. Durch den Nebel sind einige Figuren nur schemenhaft erkennbar, wie sie mit ihren knochigen Fingern nach uns fingern. Krude Gestalten zeigen sich, in Blut überströmten Masken, wie beim Karneval in Venedig. Links und rechts passieren merkwürdige Dinge: Ein Helikopter der US Coast Guard ist abgestürzt, nirgendwo sind Überlebende zu sehen in diesem vom Hochwasser eingeschlossenen New Orleans. Spezial-einheiten des amerikanischen Militärs scheinen Zivilisten hinzurichten, die ein bestimmtes Haus erreichen wollen - hier, so sagt man, versteckt die Regierung ihre Waffendepots. 

Die erste Mission hat dann diesen klassischen Horror-Vibe: Wir ziehen über einen vom Nebel überdeckten Friedhof, überall grunzt und schlurft es. So ein Zombie greift an, mit der linken Hand greifen wir seinen Kopf, mit der rechten stechen wir ihm in den Hals - schließlich spielt sich dieses The Walking Dead: Saints & Sinners recht stark wie Valves Half-Life Alyx. Fühlt sich gut an, sehr intuitiv, auch wenn Entwickler Skydance Interactive viele, viele Objekte an unserer Ausrüstung befestigt. Greifen wir auf Höhe der Hosentasche, zücken wir ein Messer, welches wir auch in die Hand nehmen können. Oder eine Pistole, je nachdem was im Holster ist. Greifen wir über Kopf in Richtung Rücken, zücken wir die Waffen, die wir dort platziert haben - anfangs ist das eine Axt, mit der wir untote Köpfe spalten. Später eine AR15, mit der wir untote Köpfe platzen lassen. Oder eine Shotgun, mit der wir mehrere Köpfe gleichzeitig platzen lassen. 

Lust auf mehr VR? Half-Life Alyx beeindruckte uns im ersten Hands-On

Spielt sich wie Half-Life Alyx, nur mit schlurfenden Hirnfressern im Schlepptau

Zugegeben, mit der Oculus Rift S auf der Nase und den Controllern in den Händen, brauchen wir ein paar Minuten, um alles zu checken, weil wir mehr mit uns rumschleppen, als MacGyver in seinem Rucksack hat. Nun, es ist Zombie-Apokalpyse, da ist wohl mehr einfach mehr. Wir haben eine Karte in der linken Brusttasche, eine Taschenlampe in der rechten - mit der lassen sich auch Zombies verhauen, etwa wenn wir ihren Kopf greifen und den Biestern links und rechts ordentlich eine watschen. 

Spannend: Skydance legt viel Wert auf akkurate Physik - schwingen wir die Axt mit nur einer Hand, üben wir damit sehr viel weniger Druck und Schaden aus, als wenn wir sie mit beiden Händen greifen. Jetzt noch Zombie-Kopf anvisieren, Holzhacker-Skills aktivieren und wieder haben wir so einen Untoten in zwei Hälften geteilt. Das ist ein bisschen eklig, The Walking Dead: Saints & Sinners würden wir jetzt nicht gerade vor dem Mittagessen spielen, weil Blut immer Eimer-weise spritzt und wenn wir sie nicht abschütteln, zerren wir Leichen auch gerne mal mit. In einer Situation müssen wir wohl einen Hirnfresser seines Kopfes beraubt haben und hatten selbigen 5 Minuten später immer noch in der Hand - huch, Entschuldigung Herr Zombie, hier ist Ihr Kopf zurück. 

Auch schauen wir öfter als uns lieb ist in die Eingeweide und Hirnmassen von Gegnern, was nun - Geschmacksache ist. Wer The Walking Dead über über zehn Staffeln geschaut hat, den dürfte aber wohl eh nichts mehr schocken. Aber Holla, die Wald-Fee, macht das Laune. Dieses The Walking Dead: Saints & Sinners hatte gefühlt kaum einer auf dem Plan, geht aber definitiv ins Rennen um das beste VR-Spiel mit Half-Life 3. 

The Walking Dead Saints & Sinners sieht zwar aus wie ein Zombie-Slasher, das Spielgefühl und Waffen-Handling sind aber stark auf Authentizität bedacht. So zielen wir bei Waffen über Kimme und Korn.
Vergrößern The Walking Dead Saints & Sinners sieht zwar aus wie ein Zombie-Slasher, das Spielgefühl und Waffen-Handling sind aber stark auf Authentizität bedacht. So zielen wir bei Waffen über Kimme und Korn.
© Skydance Interactive

Wo wir schon beim Vergleich mit Half-Life: Alyx sind: The Walking Dead ist etwas gröber, es ist weniger auf das feinfühlige Absuchen von Schränken erpicht, hier geht’s eher zur Sache - wobei Bastelfreunde auch auf Crafting zurückgreifen dürfen, dafür gibt es einen speziellen Bus, der als Werkstatt dient. Und auch schleichen können wir, was sich ob der raren Munition nicht selten anbietet - als so eine ganze Horde Walker durch die Straßen schlurft, ducken wir uns lieber hinter ein Taxi. 

Ein bisschen auf die Kacke hauen dürfen wir dann aber auch noch, der nette Entwickler neben uns spawnt via Code einfach alle Waffen, die es so gibt - es gilt eine Schule von Zombie-Gesocks zu befreien, da ist uns jedes Mittel Recht. Cool und spaßig: Auch wenn sich das Spiel ein bisschen wie ein Zombie-Slasher präsentiert, legt es viel Wert auf authentisches Waffen-Handling. Beim Abfeuern von Pfeil und Bogen müssen wir etwa den Pfeil richtig spannen, den Bogen im richtigen Winkel halten und brauchen ein paar Anläufe, bis wir auch wirklich treffen. Ähnlich verhält es sich mit Gewehren, die hier eher in die Kategorie Home-Defence gehen - wir kämpfen mit allem, was der Amerikaner so im Wohnzimmer und Keller rumstehen hat. Also weniger militärische M4-Sturmgewehre mit ACOG-Zielsystem, mehr billige Jagdgewehre, mit denen wir recht akkurat via Kimme und Korn zielen müssen. Daraus zieht das Spiel sehr viel Reiz und Spielspaß. Wir fühlen uns regelrecht wie Jack Bauer in der großartigen US-Serie 24, wenn wir über Kreuz mit der rechten Hand die Glock-Pistole, mit der linken die Taschenlampe führen und so durch die düsteren Gänge schleichen.

Die Geschichte: Wir sind Jack Bauer im Zombie-Land, wenn wir das möchten 

Es sind jedoch nicht nur die Toten, um die man sich Sorgen machen muss. Zwei rivalisierende Fraktionen haben die Stadt unter sich aufgeteilt: Es gibt eine autoritäre Gruppe namens The Tower und eine freiheitsbesessene Bande namens The Reclaimed. Letztere sehen aus, als wären sie direkt aus Watch Dogs Legion entsprungen - Verrückte, mit Blut überströmten Hasenkostümen, die sicherlich die ein oder andere Droge konsumiert haben. Eine lustige Truppe, die das alles nicht so ernst nimmt, aber durchaus ein nachvollziehbares Motiv haben. Ihr Motto: Wenn wir nur ans Kämpfen denken und ans Überleben, dann Leben wir ja nicht. Lieber mit einer dicken Party abtreten, als mit schlechter Laune. 

The Tower hingegen scheinen Ex-Special-Forces oder Polizisten zu sein, denen Disziplin wichtig ist. Harte Hunde, nicht zwingend Menschenfreunde. Sie interessieren sich nicht für Freiheit, planen eher eine Art Diktatur und ihre Führungselite logiert in einem der wenigen intakten Wolkenkratzer von New Orleans. Helden sind sie definitiv nicht - wer die TV-Serie The Walking Dead kennt, der weiß das die Menschen die eigentliche Bedrohung sind. 

Wir selbst werden nur als „Der Tourist“ bezeichnet. Fühlen uns aber eher wie Jack Bauer, jedenfalls kommen ständig Leute auf uns zu und bitten um Hilfe. Dadurch entfaltet das Werk eine schöne emotionale Komponente, etwa als uns eine Frau Tränen-überströmt bittet ihren Mann von seinem Elend zu befreien - er wurde gebissen, zombifiziert langsam, erleidet dabei große Schmerzen und sie würde so gerne seinen Ehering als Andenken an ihn behalten. Ihren eigenen hat sie verloren, kann ihn nicht finden - sie wirkt regelrecht aufgelöst. 

Keine Sorge - das Spiel ist technisch nicht auf einem Level mit Valves Half-Life Alyx, aber auch nicht so hässlich wie diese Screenshots andeuten.
Vergrößern Keine Sorge - das Spiel ist technisch nicht auf einem Level mit Valves Half-Life Alyx, aber auch nicht so hässlich wie diese Screenshots andeuten.
© Skydance Interactive

Laut dem Vice President of Global Marketing von Skydance, Guy Costantini könnten wir jetzt das Arschloch mimen, sie erschießen und uns einen Code von ihr schnappen, der den Tresor im Haus der wohl recht wohlhabenden Familie öffnet. Machen wir natürlich nicht, entscheiden uns für die Gentleman-Methode, suchen nach einer sanften Art ihren Ehemann Schlafen zu legen - mit einem Messerwurf direkt in den Kopf. Wir bringen den Ehering zurück und wünschen ihr alles Gute. 

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Diese Jack-Bauer-Referenz ist wohl auch deshalb zutreffend, weil wir in dieser Welt kein Niemand sind - man tuschelt, wenn wir auftauchen, wir sind offensichtlich schon eine Hausnummer. Es gibt auch viele Zivilisten, auf die wir treffen, die Hilfe brauchen - mal ist es Schutz, mal nur eine Bandage oder Medikamente, die sich in einer Apotheke befinden, die von einer der anderen Gruppen kontrolliert wird. Ähnlich wie in einem Dyling Light 2 müssen wir entscheiden, ob wir es uns mit diesen Eliten verderben oder lieber von ihrer Freundschaft profitieren wollen, was sich durchaus richtig anfühlt: 

Auch wenn dieses VR-Erlebnis in New Orleans spielt und eine andere Geschichte mit neuen Charakteren erzählt als die TV-Serie The Walking Dead, ist die Prämisse die gleiche: Die Menschen müssen sich organisieren, müssen eine Art Gesellschaft aufbauen, sich mit Nahrung versorgen, Schutzzonen einrichten - sie glauben nicht mehr daran, dass über ihren Köpfen Black Hawks auftauchen, Bradley-Schützenpanzer vorfahren und die Marines sie in Sicherheit bringen. 

Starker Magen gefragt: Das VR-Spiel zu The Walking Dead inszeniert seine Gewalt so brutal, wie wir das so in Virtual Reality noch nicht erlebt haben. Hier wird gerade ein Zombiekopf halb abgeschnitten, danach lunst dann auch die Hirnmasse raus.
Vergrößern Starker Magen gefragt: Das VR-Spiel zu The Walking Dead inszeniert seine Gewalt so brutal, wie wir das so in Virtual Reality noch nicht erlebt haben. Hier wird gerade ein Zombiekopf halb abgeschnitten, danach lunst dann auch die Hirnmasse raus.
© Skydance Interactive

Fazit

Okay wow, dieses The Walking Dead: Saints & Sinners kam ja so völlig überraschend um die Ecke gekrochen, aber was für ein Erlebnis. Sicherlich das beste VR-Game, was ich persönlich in den letzten Jahren gespielt habe. Es steuert sich erstaunlich gut, nach gewisser Eingewöhnung werfe ich Messer, greife mit beiden Händen eine Axt, spalte jede Menge Zombie-Köpfe. Mitunter ist mir das persönlich zu eklig inszeniert, ich brauche keine Hirnmasse, die aus einem Schädel rausläuft, aber nun - wer die Serie geschaut hat, den wird wohl nichts mehr schocken. 

Schön hingegen, wie viel Wert man auf das Waffen-Handling legt - Schrotflinten haben einen merklichen Rückstoß, bei Gewehren muss ich via Kimme und Korn zielen, indem ich mit den Controllern in der Hand wirklich die Haltung eines Soldaten einnehme. Größte Schwäche ist sicherlich die Grafik, wir reden hier nicht über ein Triple-A-Spiel. Dafür entwickelt dieses Werk eine Story-Tiefe, die man ihm nicht direkt zutrauen würde. Ich musste schlucken, grübeln, überlegen, mit mir hadern, als ein Scherge von der Fraktion The Tower mir einen Revolver in die Hand drückt, sagt „Drück ab“ und meine Loyalität testen will, indem ich einen unschuldigen Zivilisten töten soll, der nur aus Hunger etwas Nahrung gemopst hat. 

Generell scheint 2020 das VR-Jahr zu werden, schließlich erscheint Half-Life 3 alias Alyx auch schon im März. 

2020 wird ein spannendes Jahr für alle Gamer, denn es steht jede Menge interessante Gaming-Hardware in den Startlöchern. Angefangen bei der ersten diskreten Grafikkarte von Intel, über die Big Navi Karten von AMD bis hin zur Ampere-Generation von Nvidia - also die RTX 3000 Karten. Und natürlich gibt's auch auf dem CPU-Markt einiges Neues: Intel wird wohl seine Comet-Lake-S-Plattform vorstellen und AMD könnte mit seinen Ryzen-4000-Desktop-Prozessoren Ende des Jahres kontern. Und natürlich stehen um Weihnachten noch die neuen Konsolen Xbox Series X und Playstation 5 ins Haus - 2020 kann also kommen!

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