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Praxis-Test wird zum Desaster

02.01.2020 | 13:36 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der Ladevorgang dauert lange, bis zu 15 Stunden kann es laut Hersteller dauern, bis der Akku vollgeladen und somit betriebsbereit ist. Diese Angabe bestätigte unser Test. Wir luden die ProUser CH300 mindestens vier Mal komplett auf (das Kontrolllämpchen „Full/charge“ wechselt nach Abschluss des Ladevorgangs von roter auf grüner Anzeige), jedes Mal dauerte es in der Tat bis an die 15 Stunden, bis der Akku vollgeladen war.

Zwischen Einschalten und Start des Heizvorgangs und dem Abschalten, weil der Akku leer war, vergingen bei uns im Test ziemlich exakt 30 Minuten. Sie müssen also ca. 15 Stunden den Akku aufladen für 30 Minuten Heizdauer. Doch diese erhebliche zeitliche Diskrepanz ist nicht das eigentliche Problem.

Sinn und Zweck einer Scheibenheizung sind klar definiert: Sie soll die Windschutzscheibe frei bekommen. Die Idealvorstellung sieht folgendermaßen aus: Sie laden das Gerät am Vortag auf und programmieren den Timer für den Start des Heizvorgangs am nächsten Morgen, während Sie noch bequem in der warmen Wohnung sitzen und frühstücken. Sie gehen dann zu Ihrem Auto, steigen ein, sehen eine mehr oder weniger eisfreie Windschutzscheibe (zumindest suggerieren das die Fotos aus der Produktbeschreibung von Pearl) und fahren los. Das lästige Eiskratzen bleibt Ihnen also erspart beziehungsweise Sie müssen keine nasse Abdeckfolie mit klammen Fingern von der Windschutzscheibe ziehen und in Ihr Auto legen, wo die Feuchtigkeit von der Abdeckfolie dann die Scheiben beschlagen lässt.

In unserem Test machten wir es ähnlich: Wir verzichteten zunächst auf die Timerfunktion und starten den Heizvorgang des voll aufgeladenen Gerätes von Hand. Dazu stellten wir das Heizgerät auf das Armaturenbrett unseres Fahrzeuges. Die Herausforderung hielt sich in Grenzen: Die Scheibe war nicht mit festem Eis zugefroren, sondern nur durch Pulverschnee bedeckt, der ohnehin zum Abrutschen neigte. Etwas Wärme an der Windschutzscheibe sollte völlig genügen, damit der Schnee wegtaut und abrutscht. Sobald dieser erste einfache Test geklappt hat, wollten wir uns an einer stark vereisten Windschutzscheibe versuchen.

Wir frühstückten also bequem im Warmen und gingen nach einer halben Stunde zum Fahrzeug. Und sahen…Schnee. Die Windschutzscheibe war völlig schneebedeckt. Keine Spur von freier Sicht. Oder war da vielleicht doch etwas zu erkennen? Tatsächlich, ein vielleicht zwei Zentimeter hoher und ca. 20 Zentimeter breiter Spalt direkt am unteren Ende der Windschutzscheibe war zu entdecken. Das war alles, der Akku des Heizgerätes war bereits leer, der Heizvorgang beendet.

Musste der Akku vielleicht erst mehrmals aufgeladen werden, um ihn zu voller Leistung zu beflügeln? Nun, wir luden ihn vier Mal auf und starteten dann jeweils wieder einen Heizvorgang. Nachdem der Akku völlig leer war und das Gerät deshalb sich ausschaltete, betrachteten wir immer wieder das Ergebnis. Es war mehr als deprimierend – selbst eine dünne Pulverschneedecke war nicht zu bezwingen. Wie würde die Windschutzscheibe erst bei Vereisung aussehen?

Von freier Sicht, wie es die Fotos aus der Produktbeschreibung von Pearl versprechen, war weit und breit nichts zu sehen. Der einzige Effekt des Heizgerätes war schallendes Gelächter und Kopfschütteln im Freundeskreis, also diese das Ergebnis bewunderten.

Wir haben die Heizleistung gemessen: In der Mitte des Ausgangs lag sie bei über 65 Grad Celsius, unten und oben aber war die Heizleistung bereits deutlich schwächer. Die Leistungsaufnahme beim Ladevorgang an der Steckdose beträgt ca. 14 bis 15 Watt. Die Heizleistung war übrigens auch dann nicht stärker, als wir sie am Zigarettenanzünder anschlossen. Wir versuchten während der Fahrt damit unsere Füße zu wärmen – sie wurden unangenehm kalt.

Test-Fazit: Unbrauchbar, weil wirkungslos . Kaufen Sie sich doch besser für wenige Euro eine Abdeckfolie für die Windschutzscheibe. Das funktioniert effektiv und preiswert. Oder lassen Sie sich eine Standheizung einbauen. Bei bestimmten Fahrzeug-Typen wie dem T5 kann zudem ein vorhandener Zuheizer zur Warmwasserzusatzheizung aufgerüstet werden.

Hinweis: Der Test fand mit einer ProUser CH300 im Winter 2009/2010 statt. Die ProUser CH300 wurde damals neu von Pearl verkauft.

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