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Outriders Weltpremiere: Gears of War trifft auf The Division mit Mass-Effect-Magie

18.02.2020 | 10:55 Uhr |

Outriders soll endlich mal wieder ein Story-getriebener Koop-Shooter für PS5, Xbox Series X und PC im Stil eines Gears of War 4 werden. Schließlich sind People Can Fly Veteranen von Gears of War: Judgement und haben einen Autor an Bord geholt, der Assassin’s Creed 2 geschrieben hat. Und auch Over-the-Top-Shooter können sie – Bulletstorm war der Hammer.

Stellen Sie sich vor, die Erde stirbt. Die Menschheit hat derart brutalen Raubbau an diesem Ökosystem betrieben, dass die Weltmeere verseucht sind, Kriege brechen aus um die letzten Ressourcen und kurz, bevor der blaue Planet durch die Klimaerwärmung nicht mehr bewohnbar ist, werden in diesem neuen Werk namens Outriders Archen ausgesendet. Zwei Raumschiffe, 500.000 Menschen an Bord, 80 Jahre sind sie unterwegs, um einen neuen Planeten zu suchen, auf dem wir leben können. An Bord sind wohl so Typen wie Elon Musk, die Spaß hätten an Enoch – einem Planeten, so schön wie jener aus James Cameron’s Avatar: Mit blauen Wasserfällen, Jahrtausende alten Bäumen, geheimnisvoll funkelnden Pilzen. Und die Outrider, militärische Einheiten, die als Vorhut eine Kolonie sichern sollen, auf die alle Menschen aus dem Raumschiff umsiedeln können. Man könnte uns als Protagonist wohl als eine Art Tony Stark bezeichnen: Soldat, Held und Ingenieur in einem.

Die Outrider nutzen riesige blaue, gepanzerte Truppentransporter, die sich durch die Wälder arbeiten. Ein Magnetsturm jedoch zieht auf – die Anomalie. Sie tötet viele, die Überlebenden retten sich in die Cryo-Kammer ihrer Rettungskapsel und schlafen 30 Jahre. Faszinierend, wie groß das alles ist. Diese Rettungskapsel könnte einen kompletten Häuserblock einnehmen und hat Platz für eine kleine Armee. Als sie aufwachen, hat sich das Paradies in die Hölle des Krieges verwandelt. Ach, und wir dürfen Entwarnung geben: Outriders soll kein Live-as-a-Service-Game werden, also kein „Sucht-Euch-Spaß-und-Story-selbst“-Spiel, welches irgendwann mal fertig ist. Sondern eher ein Koop-Story-Shooter für drei Spieler im Stil von Gears of War, was wir ja schon länger nicht mehr hatten. Und es platzen eine Menge Köpfe und Bäuche, wie in Gears of War: Judgment, dem erfolgreichsten Titel dieses Studios namens People Can Fly, die zuletzt an Fortnite gearbeitet haben. 

Einen Touch Marvel: Was, wenn du plötzlich ein Gott bist?

People Can Fly verspricht eine abgeschlossene, gut erzählte Geschichte ohne Game-as-A-Service-Nonsense abzuliefern.
Vergrößern People Can Fly verspricht eine abgeschlossene, gut erzählte Geschichte ohne Game-as-A-Service-Nonsense abzuliefern.
© People Can Fly

Die Geschichte von Outriders hat einen guten Marvel-Touch: Was, wenn ein Ereignis Dich zum Superheld macht und Du damit nicht umgehen kannst. Schließlich erleben wir das ständig, gerade in Iron Man 2. Tony Stark wandelt sich vom Egomanen zum Altruisten, der seinen Iron-Man-Anzug für das Gute einsetzen will. Justin Hammer hingegen will aus seinen Robotern vor allem so viel Profit wie möglich schlagen, gerne auch Macht anhäufen. Mit diesem Dilemma spielt Chefautor Joshua Rubins. Eine interessante Personalie: Er hat sowohl Assassin’s Creed 2 geschrieben, was brillant ist. Aber auch Destiny verbrochen, den wohl ambitionslosesten Shooter der letzten Zeit, gerade wenn wir über Story reden. Spannend klingt diese Prämisse aus Outriders aber auf jeden Fall: Die Menschen machen denselben Fehler wie auf der Erde, sie vernichten dieses Paradies mit ihren Kriegen. 

Erinnert Sie dieser Screenshot auch spontan an Mass Effect: Andromeda?
Vergrößern Erinnert Sie dieser Screenshot auch spontan an Mass Effect: Andromeda?
© People Can Fly

Um sich Machtpositionen zu sichern, nutzen einige Outriders ihre Mass-Effect-ähnlichen Fähigkeiten – Stasis-Mächte etwa, um andere zu unterdrücken. Lobenswert: Die Figuren sind bislang gut geschrieben, haben eine schöne Tiefe und wirken humoristisch menschlich. Captain Tanner etwa: „Soldat, Du kannst ein Häuschen bauen, Dich dort verkriechen und fett werden. Oder Du könntest helfen, den letzten Strohhalm zu ergreifen, den die Menschheit noch hat.“ Das erfreut uns sehr, denn gerade Loot-Shooter wie ein The Division 2 leiden unter ihren austauschbaren Charakteren und quasi nicht vorhandener Story. Das Gefühl hat man hier nicht: Da gibt’s den euphorischen Wissenschaftler, den Nörgler, den Miesepeter, der zu allem etwas Negatives im Stil von „Wir werden eh alle sterben“ zu sagen hat.

Und eine Ingenieurin, die davon überzeugt ist, dass wir das ganze technische Know-how der Menschen in Nullkommanix auf diesen neuen Planeten übertragen können. So macht das Spaß, es gibt nichts Schlimmeres als diese leblosen Hub-Welten mit ihren merkwürdigen NPCs, die uns in Destiny 2 regelmäßig anstarren. Auch an der richtigen Portion Coolness mangelt es nicht, der ein oder andere mag 2011 Bulletstorm gespielt haben, welches gerade durch seine Over-the-top-Inszenierung punkten konnte. Wer darauf nochmal Lust hat – Bulletstorm wurde 2017 in 4K remastered und macht nach wie vor mächtig Laune.

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Drei Klassen und eine Welt ohne Hightech

Das junge Studio hat noch sehr viel Arbeit vor sich – so gut wie auf diesen Bildern, sieht das Gameplay bei Weitem nicht aus.
Vergrößern Das junge Studio hat noch sehr viel Arbeit vor sich – so gut wie auf diesen Bildern, sieht das Gameplay bei Weitem nicht aus.
© People Can Fly

Im Rahmen der Kampagne müssen wir Teile des anderen Schiffes finden – Rettungskapseln, die SciFi-Version von Servern, Satelliten. Outriders spielt mit ähnlichen Magnetstürmen, wie Bioware es eigentlich mit Anthem machen wollte. Diese wurden im Gameplay-Material immer wieder gezeigt, haben es aber noch immer nicht ins Spiel geschafft. Diese Stürme lassen alles durchdrehen, machen etwa die Tierwelt super aggressiv, die wilde Mixtur aus Kuh und Hyäne attackiert unseren Trupp. Schwarze Tropfen fallen auf sie herab, was Säureregen sein könnte und zahlreiche Soldaten tötet. Weil dieser Planet die letzte Chance für die Menschheit ist, lässt Commander Maxwell alle Outrider erschießen, die sich zurückziehen wollen. Wir kämpfen also ähnlich wie in einem Spec Ops: The Line auch gegen unsere eigenen Einheiten.

Diese Anomalie-Stürme haben zudem jegliches technische Equipment zerstört. Als wären sie EMPs, haben sie alle Technologie unbrauchbar gemacht, weshalb die Truppen vor Ort nicht mehr auf Hightech-Laser-Panzer zurückgreifen können, sondern eher auf Equipment, was heute genutzt wird – etwa Abrams-Panzer des US-Militärs. Aber auch krude Vehikel, die aus Schrott zusammengeschraubt wurden und an RAGE 2 erinnern mit Diesel-Motor, fettem Auspuff-Rohr und gerne mal mit blutigen Leichen, die darauf gefoltert wurden. Die Trucks aus dem Intro sind aber noch funktionsfähig und dienen als mobile Basis. 

Coole Karre: Wir können unseren Transporter beliebig upgraden und designen, was für Langzeitspielspaß sorgen dürfte.
Vergrößern Coole Karre: Wir können unseren Transporter beliebig upgraden und designen, was für Langzeitspielspaß sorgen dürfte.
© People Can Fly

Das ist fast ein bisschen wie Horizon: Zero Dawn, nur dass wir nicht so brutal weit zurückgeworfen werden, sondern Armeen nach wie vor als militärische Einheiten fungieren, nur eben ohne ihr Hightech-Equipment. Geschossen wird also mit recht klassischen Argumentationsverstärkern: Shotgun, Sturmgewehr, Desert Eagle. Knackige Shooter abliefern kann das Team, das ist aber der eher austauschbare Part. Viel interessanter ist, wie die drei Klassen sehr viel stärker ins Gameplay einfließen, als wir das sonst gewohnt sind:

Pyromancer
Spannende Heilfähigkeit, weil er sich regeneriert, indem er tötet – ähnlich wie der Doom Marine in Doom Eternal. Sie fokussieren einen Gegner, killen ihn, seine Lebensenergie geht auf Sie über.
Der Pyromane wirft Thermalbomben, die regelrechte Feuerstürme hervorrufen, legt Feuerteppiche und schießt mit Flammen um sich.

Trickster
Der Trickster ist spezialisiert auf Teleportation und arbeitet ähnlich wie Kurt Wagner aus X-Men: Sie können einen Gegner auswählen, direkt hinter ihn warpen und angreifen. Oder erst einen Fluchtpunkt auswählen, dann angreifen und sobald es eng wird, aktivieren Sie den Warp zurück an diesen Punkt. Cool ist auch Slow Trap, der Sie förmlich in Neo aus Matrix verwandeln: Damit verlangsamen Sie die Zeit, können so etwa Kugeln ausweichen oder diese zurückschicken.

Devastator
Die ultimative Tank-Klasse: Schwer gepanzert, in seiner Golem-Form kann er gar eine kugelsichere Schicht um sich bilden und Stacheln aus dem Boden schießen lassen, die Gegner aufspießen. Via Gravity Jump springt er wie der Hulk in die Mitte von Soldaten und schleudert sie zurück. 

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Irre Öko-Waffen und die Ultimates von Overwatch als Standard-Skill 

Outriders hat jede Menge abgefahrene Ideen: Waffen verschmelzen mit Pflanzen, ein bisschen wie in Borderlands. Oder auch mal mit einem Fleischkeul. Was Outriders aber wirklich besonders macht, ist, dass People Can Fly seine brutalen und sehr effizienten Spezialfähigkeiten nicht als Ultimates nutzt, die man, wie in einem Overwatch oder Destiny, lange aufspart, sondern permanent damit arbeitet. Der Trickster verschließt den Feind in einer Zeitblase, der Devastator haut ordentlich drauf. Oder man nutzt als Devastator den Gravity-Sprung, um hinter die feindlichen Linien zu preschen, aktiviert dort die kugelsichere Haut und beschäftigt die Truppen so intensiv, dass der Trickster sich an sie ranwarpen und ihnen seinen Energie-Dolch in die Rippen rammen kann. 

Der Pyromancer heizt ordentlich ein, legt Flammenteppiche und nutzt Thermalbomben mit Zeitzünder.
Vergrößern Der Pyromancer heizt ordentlich ein, legt Flammenteppiche und nutzt Thermalbomben mit Zeitzünder.
© People Can Fly

Das ist alles super blutig, aber auch erstaunlich taktisch: Mal, weil wahre Massen an Gegnern anströmen. Mal, weil wir im Sniper-Feuer stehen – als Trickster müssen wir uns hinter sie teleportieren und ausschalten, um unsere Buddies zu retten. Es ist im Grunde ein rasend schneller Puzzle-Shooter, indem Sie permanent überlegen müssen: Welcher Magie-Skill ist jetzt am effektivsten? Vieles ist auch klassisch Bulletstorm – extrem brutal und super spaßig. Etwa wenn wir eine Salve Kugeln in der Luft stoppen, an den Absender zurückschicken und die Explosivgeschosse den Rest erledigen. 

Outriders ist schon recht nah an Destiny vom Design her. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht die gleichen Fehler wie Bungie machen.
Vergrößern Outriders ist schon recht nah an Destiny vom Design her. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht die gleichen Fehler wie Bungie machen.
© People Can Fly


Fazit

Outriders wird richtig spannend, weil es viel anders macht. Es hat diese brutale Wucht in der Inszenierung eines Gears of War. Ist vom Gameplay her aber The Division meets Destiny, wobei die Ultimates eines Destiny viel öfter zum Einsatz kommen. Wir reden über eine Sekunde Cooldown-Time, Sie müssen nie lange warten. Und es erzählt eine Sci-Fi-Story, die sich halbwegs frisch anfühlt. Gerade diese Frage „Was tun, wenn du plötzlich Superhelden-Fähigkeiten hast“, hat so einen gewissen Marvel-Touch, mit dem der Chefautor hoffentlich viel spielt. Rubin hat die nötige Erfahrung: Er hat an Game of Thrones gearbeitet und Assassin’s Creed 2 geschrieben. Persönlich hoffe ich, dass People Can Fly voll auf Story und Atmosphäre geht, weil genau das Anthem, The Division 2 und Destiny 2 fehlt.

Die Themen in Tech-up Weekly #177:

► Samsung Galaxy S20-Serie im Hands-on:
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► Samsung Galaxy Z Flip im Hands-on:
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► Leak: Erste Details zur Xe-GPU von Intel:
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► MWC: Größte Mobilfunkmesse abgesagt:
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► Schnäppchen? 4000-Euro-CPU AMD Ryzen Threadripper 3990X ab sofort im Handel:
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► Windows 12 Lite gesichtet in limitierter Auflage - nicht von Microsoft:^
www.pcwelt.de/news/Windows-12-Lite-gesichtet-in-limitierter-Auflage-nicht-von-Microsoft-10752453.html

► Mit Windows 10X zum Ausprobieren:
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► Fritzbox: Für diese Router-Modelle endet der Support:
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