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Microsoft präsentiert Hololens 2 und warum wir enttäuscht sind

25.02.2019 | 11:29 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Microsoft hat auf dem MWC in Barcelona die Holelens 2 vorgestellt. Das kann die zweite Generation der AR-Brille von Microsoft.

Zum Start des Mobile World Congress 2019 in Barcelona hat Microsoft die neue Hololens 2 enthüllt. Mit der zweiten Generation der Hololens entschärft Microsoft viele Kritikpunkte, die auch wir nach dem Ausprobieren der Hololens geäußert hatten. Gleich vorweg aber die schlechte Nachricht, für alle, die darauf gehofft haben, schon bald mit einer Hololens 2 daheim herumspielen zu können: Auch Hololens 2 richtet sich vor allem an Unternehmenskunden und mit 3.500 US-Dollar ist die AR-Brille auch nicht gerade günstig.

Die Hololens 2 besitzt ein doppelt so großes Sichtfeld wie die Hololens 1. Das Sichtfeld der ersten Hololens war noch mit 50 Grad sehr klein und eingeschränkt, was sich nun also ändert. 100 Grad bieten ein deutlich größeres Sichtfeld und damit auch einen größeren Bereich, in dem Hologramme und andere AR-Inhalte angezeigt werden können. Das dürfte die Immersion nochmal deutlich steigern.

Hololens 2: 2.000 Pixel pro Auge und verbesserte Steuerung

Pro Auge werden 2.000 Pixel angezeigt. Die Pixel-Dichte selbst bleibt im Vergleich zum Vorgänger aber unverändert. Iris-Sensoren erkennen genau, wo der Nutzer hinschaut. Eine Technik, die schon bei den Lumia-Smartphones zum Einsatz kam.

Hololens 2 ist deutlich schlanker als der Vorgänger
Vergrößern Hololens 2 ist deutlich schlanker als der Vorgänger
© Microsoft

Für die Steuerung unterstützt Hololens 2 die Erkennung von bis zu 10 Fingern. Der Nutzer kann damit also quasi Hologramme "anfassen" und manipulieren. Auf einem Hologramm-Piano ein Musikstück zu spielen ist also kein Problem, wie auch Microsoft auf der Bühne bei der Hololens-2-Präsentation zeigte.

Die AR-Brille erkennt auch die Drehung der Hände. Hinzu kommt eine neue Oberfläche für die Steuerung von Hololens-Apps. In der AR-Umgebung können etwa eingeblendete Buttons gedrückt werden und/oder ein Hologramm folgt dem Nutzer. Alternativ gibt es auch noch eine Sprachsteuerung.

Hololens 2 ist voll und ganz für die Verwendung der Azure-Cloud-Architektur von Microsoft ausgelegt, wobei auch die neue Remote Rendering Technologie unterstützt wird. Bei dieser übernehmen die Microsoft-Server alle Aufgaben zur Grafikberechnung und senden dann quasi nur das Bild der in der Cloud berechneten Grafik an die Hololens 2. Letztendlich handelt es sich also bei Remote Rendering um einen externen Grafikchip.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Anzahl der Berechnungen von Polygonen steigt laut Microsoft auf bis zu 100 Millionen im Vergleich zu nur 100.000 Polygonen bisher. Wie genau die Daten aber aus der Cloud in der Hololens 2 landen, verrät Microsoft noch nicht genau. Wahrscheinlich wird dafür eine besonders schnelle Funkverbindung benutzt. In den Specs zur Hololens 2 ist dagegen nur von 2x2 802.11ac die Rede.

Unreal Engine für Hololens 2

Bei der Vorstellung der Hololens 2 betrat auch Epic-Chef Tim Sweeney die Bühne und kündigte an, dass die Unreal-Spieleengine ab Mai 2019 auch Hololens unterstützen wird. Einen Ausblick auf Spiele gab Sweeney aber nicht. Den Austausch von AR-Inhalten mit Apples ARkit und Googles ArCore will Microsoft ebenfalls vereinfachen und stellt hierzu "Spatial Anchors" vor.

Hololens 2: Alle Specs im Überblick

Die wichtigsten technischen Infos zur Hololens 2:

  • Auflösung: 2.000 Pixel pro Auge - jeweils im 3:2-Format

  • Holographische Dichte: Mehr als 2.500 Lichtpunkte pro Bogenmaß

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 850

  • Funk: 802.11ac (2x2), Blueooth

  • Anschlüsse: USB-C

  • Kamera: 8 MP für Fotos und 1080p für Videos

  • Mikrofon: 5-Kanal

  • Audio: Lautsprecher eingebaut (Spatial Audio)

  • Extras: Augen- und Kopf-Tracking

Angaben zu Größe und Gewicht machte Microsoft noch nicht. Auf Bildern wirkt das neue Modell aber deutlich abgespeckter als noch die erste Hololens. Entsprechend dürfte also auch das Gewicht gesunken sein.

Hololens 2 bietet völlig neue Möglichkeiten, um mit Rechnern zu interagieren
Vergrößern Hololens 2 bietet völlig neue Möglichkeiten, um mit Rechnern zu interagieren
© Microsoft

Kommentar zur Hololens 2: Schade - schon wieder nicht für uns Konsumenten

Bereits die Hololens 1 bot faszinierende Möglichkeiten und mit der Hololens 2 legt Microsoft noch mal eine deutliche Schippe drauf. Allerdings: Auch die zweite Generation der Hololens richtet sich nicht an uns Endanwender. Klar kann man dafür 3.500 US-Dollar ausgeben, darf aber kein für "normale" Anwender ausgelegtes Ökosystem an Apps oder gar Spielen erwarten. 

Schade eigentlich, vor allem weil Hololens 2 einen Schritt weiter geht, als die aktuell erhältlichen VR-Brillen und die von anderen Anbietern erhältlichen AR-Lösungen.

Viel schlimmer ist aber, dass Microsoft erneut nicht mal Andeutungen darüber macht, ob das Unternehmen mit Hololens auch Pläne für den Endanwender-Markt verfolgt. Zumindest ein kleiner Ausblick darauf, was in drei, vier oder gar fünf Jahren sein könnte, hätte da schon gereicht. Stattdessen konzentriert man sich lieber auf die Aspekte, die beim Business-Einsatz einer Hololens 2 möglich sind.

Dies ist sicherlich viel lukrativer für Microsoft und aus der Industrie und aus dem Bildungssektor ist auch laut hören, wie enorm hoch der Bedarf an AR-Lösungen ist und wie wenig da das dafür ausgegebene Geld eine Rolle spielt. Bei all dem sollte Microsoft aber dennoch die Endanwender nicht vergessen.

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