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Kopfhörer im Test: Nothing Ear (1)

25.01.2022 | 10:45 Uhr | Birgit Götz

Die Nothing Ear (1) sind die ersten Kopfhörer der neuen Marke von Carl Pei. Im Preissegment um die 100 Euro können sie mit Premium-Funktionen wie ANC und kabellosem Laden punkten.

Der Hype um die Nothing Ear (1) bereits vor Markteinführung kam nicht von ungefähr: Design und Audiotechnik stammen zum Teil von Teenage Engineering aus Schweden, einem Veteranen der Musiktechnologie-Branche.

Die Kopfhörer punkten mit starken Funktionen einschließlich ANC (Active Noise Cancelling) und kabellosem Aufladen, einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und einem auffälligen Design.

Nothing Ear (1). Robustes Gehäuse
Vergrößern Nothing Ear (1). Robustes Gehäuse


 
Design

  • Weißer und transparenter Kunststoff

  • Kratzt und wird leicht schmutzig

  • Sperriges Ladeetui

 
Einerseits folgt das Design der Nothing Ear (1) den Branchentrends, andererseits hat sich das Unternehmen komplett gegen diese Trends entschieden.
 
Viele kabellose Kopfhörer sehen ähnlich aus: abgerundeter Kopf, Silikon-Ohrstöpsel und ein kurzer Stiel. Wenn Sie sich die Kopfhörer in Weiß vorstellen, werden Sie sie wahrscheinlich kaum von den Airpods Pro unterscheiden können.

Nothing Ear (1): Durch den eckigen Stiel lassen sie sich besser greifen
Vergrößern Nothing Ear (1): Durch den eckigen Stiel lassen sie sich besser greifen

Der Unterschied des Ear (1) liegt im Stiel, der nicht rund, sondern leicht eckig ist - eine subtile, aber wichtige Neuerung. Die Ohrstöpsel lassen sich dadurch einfacher greifen, ohne versehentlich auf die berührungsempfindliche Oberfläche zu kommen, sei es, um sie herauszunehmen oder sie im Ohr anzupassen.


Die größte Änderungen betreffen die Optik. Nothing hat die Ohrhörer aus einer Mischung aus transparentem und undurchsichtigem Kunststoff gefertigt, so dass man einen Teil des Innenlebens sehen kann.


Leider funktioniert das Design in der Theorie besser als in der Praxis. Zum einen besteht der Hauptkörper der Kopfhörer aus undurchsichtigem Kunststoff, so dass man die Treiber oder andere bewegliche Teile überhaupt nicht sehen kann.


Der Großteil des Stiels ist transparent. Auf der Außenseite sieht man ein paar Mikrofone sowie einen roten und weißen Punkt zur Unterscheidung des linken und rechten Kopfhörers (rot für rechts). Zudem ist auf den Kopfhörern ein überraschend auffälliges Logo gedruckt. Auf der anderen Seite des Stiels erkennt man Schaltkreise und Magnete.

Nothing Ear (1): Transparenter Stiel und farbige Punkte, die "rechts" und "links" markieren
Vergrößern Nothing Ear (1): Transparenter Stiel und farbige Punkte, die "rechts" und "links" markieren

Das Gehäuse besteht aus transparentem Kunststoff und hat leider ein paar Design-Macken. Zum einen ist es sehr groß, vermutlich, um die Akkulaufzeit zu verlängern.


Zudem gibt es eine seltsame Vertiefung auf der Oberseite, wo sich der Kunststoff ins Gehäuse eindrückt. Dadurch sollen die Ohrhörer im Gehäuse nicht verrutschen, aber es sieht ziemlich seltsam aus.

Nothing Ear (1): EIne Vertiefung im Gehäuse verhindert das Verrutschen der Ohrhörer
Vergrößern Nothing Ear (1): EIne Vertiefung im Gehäuse verhindert das Verrutschen der Ohrhörer

Das magnetische Scharnier ist sehr stabil, wodurch das Gehäuse sehr robust wirkt. Der Kunststoff dagegen fühlt sich weniger stabil an. Innerhalb weniger Stunden entstanden am transparenten Material etliche mikrofeine Kratzer, so dass man damit rechnen muss, dass das Gehäuse ziemlich schnell abgenutzt aussehen wird.


Auf jeden Fall fällt dieses Design auf, egal, ob man es mag oder nicht.
 
Klangqualität
 

  • Durchschnittliche Audioqualität für diesen Preis

  • Anständiger Bass

 
Auch wenn das Design seine Tücken hat, kann man bei der Klangqualität, sagen, dass die Ear (1) für den Preis ziemlich gut klingen.

Mit dem ausgewogenen EQ ist genügend Kraft in den Bässen vorhanden. Kurz gesagt: Diese Ohrhörer klingen gut, und zwar so gut wie alle anderen Ohrhörer im Preissegment um 100 Euro.
 
ANC und intelligente Funktionen
 

  • Aktive Geräuschunterdrückung

  • Begrenzte Anpassungsmöglichkeiten der Bedienelemente und des EQ in der App

  • Ein wenig fehlerhaft

 
Die aktive Geräuschunterdrückung ist hier wahrscheinlich ein großer Pluspunkt. Es gibt andere günstige kabellose Ohrhörer, die ANC bieten, aber nur wenige mit dem Prestige des Nothing Ear (1).

Die Geräuschunterdrückung ist zwar nur von durchschnittlicher Qualität – aber auch hier gilt: Für den Preis ist sie gut. Selbst bei maximaler Einstellung (der höchsten der beiden verfügbaren Einstellungen, außer „Aus“) wird nicht alles um Sie herum ausgeblendet, aber die meisten dröhnenden oder sich wiederholenden Geräusche werden gedämpft.

Für den Fall, dass Sie Ihre Umgebung hören müssen, gibt es auch einen Transparenzmodus, den Sie mit einem langen Druck auf einen der beiden Ohrhörer in den Standardeinstellungen aktivieren können. Dieser Modus wird auch automatisch aktiviert, wenn Sie einen Ohrhörer abnehmen, den anderen aber drin lassen – ideal für schnelle Gespräche unterwegs.


In der zugehörigen App können Sie ANC und Transparenz steuern und die Einstellungen anpassen. Erwarten Sie jedoch nicht zu viele Optionen, denn der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Benutzerfreundlichkeit und nicht auf umfassenden Steuerelementen.
Zusätzlich zu den beiden ANC-Optionen gibt es vier voreingestellte EQs zur Auswahl (und keine Möglichkeit, eine eigene Klanglandschaft zu erstellen).

Bei den Steuerelementen können Sie einstellen, was ein dreifaches Antippen oder langes Drücken bewirkt (standardmäßig Überspringen des Titels oder Umschalten von ANC/Transparenz), aber ein doppeltes Antippen ist fest auf Wiedergabe/Pause eingestellt, und ein einfaches Antippen bewirkt nichts.

Die andere verfügbare Steuerung ist ein Wischen nach oben und unten auf dem Stiel der beiden Pods, um die Lautstärke zu erhöhen oder zu verringern. Dies ist die einzige Touch-Steuerung, die etwas empfindlich ist. Sie passt die Lautstärke in so kleinen Schritten an, dass es manchmal schwer zu sagen ist, ob sie funktioniert oder nicht. Hier gibt es leider einige Schwächen. Bei Regen beispielsweise wurden die Tropfen als ein Wischen nach unten erkannt, wodurch die Lautstärke ständig auf Null gestellt wurde.


Das war leider nicht die einzige Panne im Test. Unser erstes Paar hat sich selber abgeschaltet - es weigerte sich, die Bluetooth-Verbindung zu unterbrechen, wodurch sich der Akku entlud und sich nicht wieder aufladen wollte. Ein paar Tage später funktionierte es auf mysteriöse Weise wieder.
 
Kurze Bluetooth-Verbindungsabbrüche von vielleicht einer Sekunde sind ziemlich häufig vorgekommen. Bei sporadisch größeren Verbindungsproblemen beider Ohrstöpsel startete danach nur einer neu, der andere brauchte sehr viel länger dafür.


Die gute Nachricht ist, dass durch Firmware-Updates und die Umstellung auf die endgültige Retail-Hardware die meisten dieser Probleme mit Ausnahme der gelegentlichen Bluetooth-Aussetzer behoben wurden.
 
Akku und Ladezeit
 

  • Bis zu 5,7 Stunden mit den Ohrhörern (ohne ANC)

  • Bis zu 34 Stunden insgesamt (ohne ANC)

  • Kabelloses Laden

 
Nothing verspricht eine Akkulaufzeit von knapp sechs Stunden mit den Ohrhörern und insgesamt 34 Stunden mit der Hülle. Das ist allerdings ohne ANC. Wenn Sie aber die Geräuschunterdrückung anschalten, sinkt die gesamte Akkulaufzeit auf 24 Stunden.
In der Branche ist dies eine gute, aber keine großartige Akkulaufzeit – es gibt andere Ohrhörer, die länger halten, vorwiegend mit ANC. Aber bei normalem Gebrauch kommt man locker ein paar Tage mit dem Akku aus. Wenn Sie ANC verwenden, hält der Akku nur ein paar Stunden.

Laden des Gehäuses über USB-C funktioniert ziemlich schnell, kabelloses Laden wird unterstützt. Das macht es einfach, das Etui auf ein Qi-kompatibles kabelloses Ladegerät zu legen.
 
Preis und Verfügbarkeit


Die Nothing Ear (1) kosten 99 Euro und sind direkt bei Nothing oder bei Amazon sowie ausgewählten Händlern erhältlich.
Mit diesem Preis liegen sie genau am oberen Ende dessen, was wir als preisgünstige, kabellose Kopfhörer bezeichnen.


Zu den Konkurrenten im gleichen Preissegment zählen die Google Pixel Buds A oder die älteren Samsung-Kopfhörer wie die Galaxy Buds+.
 
Fazit
 
Letztlich ist der Preis ausschlaggebend für einen Kauf der Nothing Ear (1), weil sie in diesem Preissegment Premium-Funktionen wie ANC und kabelloses Laden mitbringen.
 
Der gute, aber nicht großartige Klang und die Akkulaufzeit können sich immer noch mit anderen Mittelklasse-Kopfhörern messen.

Gegen einen Kauf könnten höchstens die Bugs und das ungewöhnliche Design sprechen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unseren englischen Kollegen auf techadvisor.com

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