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Joby Gorilla Vlogging Kit: Grundausstattung für Smartphonefilmer im Test

29.04.2020 | 15:18 Uhr | Peter Müller

Draußen oder drinnen filmen, mit besserem Licht und Ton – Das Gorilla Vlogging Kit von Joby verspricht viel.

Seltsame Zeiten: Die Hersteller von Mikrofonen erleben einen nie gekannten Boom , Webcams sind auf Wochen hinaus ausverkauft. Wer in Zeiten der physischen Distanz die sozialen Kontakte zu Kollegen, Freunden und Verwandten nicht vollständig verlieren will, ist auf Videokonferenzen angewiesen. Immerhin: Macbook (Air, Pro) und iMac (Pro) haben alles an Bord, was es braucht. Eine iSight-Kamera (die nicht immer von hoher Qualität ist, aber meist ausreicht) und so ordentliche Mikrofone und Lautsprecher, dass man auch ohne Headset frei sprechen kann.

Muss man auf das iPad umsteigen, wird es etwas komplizierter, eine Hülle, mit der man das Tablet in eine aufrechte Position bringen kann, ist unerlässlich, will man nicht auf die Dauer schwere Arme riskieren. Ähnliches gilt für das iPhone: Eine Hülle oder noch besser ein Stativ wäre eine Erleichterung.

Und genau hier hilft das Gorilla-Vlogging-Kit von Joby weiter – obwohl dessen Intention eigentlich eine andere ist. Denn das Paket aus Gorilla-Tripod, der LED-Leuchte Beamo und des Mikrofons Wavo ist an sich für andere Zwecke gedacht: Für Video-Blogger (oder kurz: Vlogger) bietet das Kit einen Einstieg der weit über "Einfach das iPhone in die Hand nehmen" weit hinausgeht und sogar den Weg in Richtung Professionalisierung des Equipments weist.

Tripod verhilft selbst in der Hand zu einem ruhigen Bild

Die Bildstabilisatoren des iPhone machen einen hervorragenden Job, indem sie Verwackler herausrechnen. So sind "aus der Hand" mit der 11er-Generation auch Nachtaufnahmen mit zwei oder drei Sekunden Belichtung möglich. Dennoch hilft ein Stativ weiter, selbst bei derart "kurzen" Belichtungen: Bis zu 28 Sekunden kann man je nach App den Nachtmodus den Bildsensor des iPhone mit Licht fluten lassen, solange das Telefon ruhig bleibt. Doch selbst in der Hand gehalten, hilft ein Stativ enorm dabei, Verwacklungen zu reduzieren, was man vor allem im bewegten Bild gut erkennt.

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So ist der Gorilla-Tripod, die Basis des Vlogging-Kits, schon für sich allein recht hilfreich. Die drei Beine ( Warum eigentlich drei und nicht vier oder fünf? Klar, weil drei Punkte IMMER in einer Ebene liegen. Anm. des Geometriebeauftragten ) mit ihren je zehn Kugelgelenken lassen sich in jede mögliche und unmögliche Position verbiegen. Um Stangen und Äste herumwickeln. Oder eben auch zusammen in die Hand nehmen.

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Mit 350 Gramm ohne Mikrofon und Licht – zu denen wir später kommen – wiegt der Tripod 350 Gramm. Das ist nicht zu leicht für ein stabiles Bild in allen Lagen und auch nicht zu schwer, um das Tisch- und Handstativ nicht in die Tasche oder den Rucksack stecken zu können. Den Tripod gibt es auch als Einzelstück für knapp 50 Euro , aber ohne Halterung für das Smartphone. Dieses ist für alle denkbaren Größen justierbar, das iPhone lässt sich im Quer- oder Hochformat (oder irgendetwas dazwischen, wenn es unbedingt sein muss) montieren und auch vor und zurück kippen, gut fest geschraubt.

Der zweite Arm bleibt hier frei, für mehr Licht
Vergrößern Der zweite Arm bleibt hier frei, für mehr Licht

Mikrofon mit leichter Halterung und Windschutz

Wie weiter oben schon erwähnt: Das iPhone hat wie alle Apple-Geräte ein exzellentes Mikrofon. In der Vloggingsituation und anderen will man aber nicht ein möglichst genaues akustisches Abbild der Umgebung aufnehmen, sondern sich beispielsweise auf einen Sprecher konzentrieren. Das dem Kit beiliegende Mikrofon Wavo Mobile ist daher nach vorne gerichtet, man "zielt" mit dem Mikro gewissermaßen auf die Schallquelle. Der Windschutz hilft dabei, störende Nebengeräusche wie eben Wind oder Straßenlärm herauszufiltern. In unserem Test haben wir das simuliert und den Homepod Lärm abspielen lassen. Einmal mit Mikro einmal ohne einen Text eingesprochen, hört man klare Unterschiede – und den Sprecher eben im Zentrum der Szene, ist das Wavo Mobile angesteckt. Dieses verbindet sich mit Apples Foto-App der von Joby und allen anderen automatisch: Es ist eine Systemfunktion des iPhone und anderer Smartphones, bevorzugt den Sound aus der Kopfhörerbuchse zu behandeln. Kopfhörerbuchse, welche Kopfhörerbuchse? Auch daran hat Joby gedacht und legt neben dem Audio-Kabel mit seinen 3,5-mm-Klinken auch einen Adapter Audio-Buchse-auf-Lightning bei – etwas, das man in den iPhone-Schachteln Apples nicht mehr findet.

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Die Klemmhalterung für das Wavo, die man auf den Tripod aufschraubt, ist ein Erschütterungsdämpfer aus Kunststoff und damit extrem leicht, aber dennoch so stabil und elastisch, um Schwankungen abzufedern, das Mikro bleibt stets gut in die gewünschte Richtung orientiert. Alleine kostet das Joby Wavo 80 Euro, dank des mitgelieferten Schuhs kann man es auch ohne Weiteres auf die DSLR- oder Systemkamera anmontieren. Am Gorilla Tripod findet es entweder an der iPhone-Halterung oben Platz oder auf einem der beiden Arme des Stativs, die ebenso biegsam sind wie die Beine. So ist es beim Vloggingkit an sich auch vorgesehen: Mikro auf die eine Seite, Licht auf den anderen Arm. Aber man könnte sich zum Kit ja auch gleich noch ein zweites Licht leisten – oder gleich noch mehr.

Das sehr hell sein kann und Diffusor auch massiv blendet.
Vergrößern Das sehr hell sein kann und Diffusor auch massiv blendet.

Licht, hell und auch diffus

Beamo nennt Joby sein LED-Licht, das sich zwar auch weitgehend "analog" nutzen lässt, für das aber die App deutliche Verbesserungen bringt. Per Bluetooth mit dem iPhone verbunden (geht instantan innerhalb der App, sobald das Beamo in den Pairing-Modus gestellt ist), lässt sich die Helligkeit praktisch stufenlos von 0 auf 100 Prozent stellen – am Licht selbst kann man das per Schalter nun in fünf Stufen erledigen. Ebenso möglich ist es, das Beamo nicht nur als Dauerlichtquelle einzustellen, sondern als Blitz oder gar als Stroboskop. Die beiliegende Anleitung erklärt zwar, das könne auch mit entsprechend längerem Druck auf eine der beiden Tasten des Beamo erledigen, im Test ist uns das aber nicht gelungen. Dem Vlogging Kit liegt das etwas kleinere Beamo Mini bei.

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In Augenschein nehmen konnten wir dagegen den Diffusor, jene Plastikkappe, die aus dem grellen und hellen weißen Licht der LED ein wesentlich angenehmeres macht, das man auch in Interviews oder Selfievideos einsetzen kann, ohne den Gesprächspartner oder sich selbst zu blenden. Angenehmer Nebeneffekt: Das Licht wird so weit natürlicher.

Ein Beamo kommt im Vlogging-Kit nur allein, bleibt es auf Dauer aber eher nicht. Wie bereits erwähnt, kann man bis zu drei Peripheriegeräte gleichzeitig anschließen, also neben dem Wavo auch zwei Beamos. Über die App sind diese nicht nur separat anzusteuern, diese Szenen lassen sich auch so abspeichern und bei der nächsten Benutzung wieder aufrufen. Wenn man also mit dem Licht zufrieden ist, muss man sich nicht mit Zettel und Stift behelfen, um sich die Beleuchtungseinstellungen zu notieren.

Das Beamo reicht aber weit über das Kit hinaus, das zeigt sich schon in der Form. Der kleine Würfel lässt sich mit anderen zusammen stecken, so sind Anordnungen von bis zu vier Beamos möglich. Doch auch an ferromagnetische Oberflächen lässt sich der Beamo anheften. Die App ist auch in der Lage, zehn der Lampen und die damit erstellten Lichtszenen zu steuern.

Aufladen lässt sich der Beamo über USB-C – Kabel liegt bei – oder drahtlos per Ladematte. Der Hersteller gibt an, Beamo würde bei voller Lichtstärke von 1500 Lumen 40 Minuten durchhalten und bei der geringsten der fünf Grundeinstellungen bis zu zwei Stunden. Ein Beamo kostet 80 Euro , in seiner Mini-Variante noch 70 Euro , Diffusor jeweils inklusive.

Fazit

Für den Preis von 200 Euro, zu dem Joby sein Vloggingkit exklusiv im eigenen Shop anbietet , bekommt man das wirklich benötigte Equipment vermutlich günstiger. Doch passt das Paket, im Einzelkauf müsste man sich allerlei Kabel, Halterungen und Adapter noch dazu suchen, die praktische Tripod-Variante Gorillapod Mobile Rig mit drei Beinen ist außerhalb des Joby-Shops nicht leicht zu bekommen, insofern ist der Preis für das Gesamtpaket angemessen. Eine kleine Stofftasche für das Zubehör liegt bei, mehr als das Licht passt aber nicht rein, Mikrofon und Stativ benötigen andere Transportvorrichtungen. Für den Einstieg in das Thema "Filmen mit dem iPhone" sicher ein gutes Angebot, erst bei deutlich höheren Ansprüchen wird es nicht mehr ausreichen. Dafür gibt es aber ein reichhaltiges Angebot verschiedensten Zubehörs.

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