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Intel Core i9-12900KS im Benchmark-Test - die schnellste Desktop-CPU um jeden Preis

13.04.2022 | 15:21 Uhr | Sebastian Schenzinger

Hersteller Intel scheint jedes Mittel recht zu sein, um sich mit dem Core i9-12900KS den Titel "schnellste Desktop-CPU" unter den Nagel zu reißen. Der Performance-Zuwachs fällt im Test trotz Taktraten, Leistungsaufnahme und Temperaturen am Limit jedoch nur sehr überschaubar aus.

Mit den hybriden Core-i-Prozessoren der 12. Generation auf Basis von Alder Lake ist Hersteller Intel ein überzeugendes Comeback gelungen, nachdem Konkurrent AMD den Platzhirsch mit den Ryzen-CPUs immer mehr unter Druck gesetzt hatte. Vom kleinen  Core I3-12100F (zum Testbericht) , über den Mittelklasse-Prozessor  Core i5-12600K (zum Testbericht)  bis hin zum Top-Modell  Core i9-12900K (zum Testbericht)  hat uns Intels aktuelle Desktop-CPU-Generation nahezu auf ganzer Linie überzeugen können. Mit dem  Core i9-12900KS  will sich der Hersteller jetzt den Titel "schnellste Desktop-CPU" unter den Nagel reißen und den Gaming-Thron gegen den, für den 20. April angekündigten,  Ryzen 7 5800X3D  verteidigen. Die letzten paar Prozentpunkte Leistungszuwachs gegenüber dem Core i9-12900K sind jedoch nicht nur in Puncto Anschaffungskosten, sondern auch mit einer enormen Leistungsaufnahme und Temperaturen am Limit teuer erkauft.

Gaming-Benchmarks in 720p- und 1080p-Auflösung

Da es sich beim Core i9-12900KS um nichts anderes als einen vorselektierten Core i9-12900K handelt, welcher mittels Thermal Velocity Boost (TVB) und der Intel Adaptive Boost Technology (ABT) bis ans Limit der technischen Möglichkeiten geprügelt worden ist, ist kein allzu großer Zuwachs der Gaming-Performance zu erwarten. In der Theorie stehen ein Boost-Takt von bis zu 5,5 GHz sowie ein All-Core-Takt von bis zu 5,2 GHz beim 12900KS den Taktraten von bis zu 5,2 GHz respektive bis zu 4,9 GHz beim Core i9-12900K gegenüber. 

CPU-Benchmark 2022: AMD Ryzen oder Intel Core i Prozessor? Der Ranglisten-Vergleich

Das entspricht jeweils einer Taktratensteigerung von rund sechs Prozent. Selbst bei den Tests in 720p-Auflösung, wodurch ein GPU-Limit so weit wie möglich ausgeschossen wird, fällt der Leistungsunterschied bei den Gaming-Tests geringer aus. Im Mittel über zwölf getestete Spiele messen wir einen Vorsprung auf den Core i9-12900K von nicht einmal ganz drei Prozent, der Unterschied beim 99th Percentile fällt marginal höher aus. Der Abstand auf den Ryzen 9 5900X beträgt knapp zehn Prozent bei den Average-FPS sowie elf Prozent beim P1 low und hier wird es spannend. So gibt AMD nämlich an, dass die Gaming-Performance des Ryzen 7 5800X3D um bis zu 15 Prozent höher ausfallen soll als die des Ryzen 9 5900X. Es dürfte dementsprechend zu einem sehr engen Kampf um die Gaming-Krone kommen.

Den größten Unterschied zwischen dem 12900KS und dem 12900K konnten wir in A Total War mit sieben Prozent messen, wobei der P1 low Wert nicht viel höher ausfällt. In Spielen wie Battlefield V, F1 2020 oder Red Dead Redemption 2 beträgt der Abstand immerhin noch vier Prozent, dafür gibt es allerdings auch Spiele wie Borderlands 3 oder Cyberpunk 2077 in denen die beiden CPUs quasi gleich schnell abschneiden. Bei einer Erhöhung der Auflösung auf Full-HD schrumpft der Abstand noch weiter und beträgt durchschnittlich genau zwei Prozent. Ein solcher Performance-Unterschied ist bestenfalls messbar aber in der Realität nicht spürbar und leider gehen damit viele negative Punkte einher, zu denen wir gleich noch kommen. Im gleichen Zug schrumpft der Vorsprung auf den Ryzen 9 5900X auf unter sieben Prozent. 

Summa summarum kann sich der Core i9-12900KS bei unserem Test-Parcours (zum Artikel)  zwar als schnellste Gaming-CPU behaupten, der Performance-Unterschied zum 12900K fällt jedoch äußerst überschaubar aus und das Duell mit dem Ryzen 7 5800X3D , welcher am 20. April auf den Markt kommt, steht erst noch aus.

Intel im Anwendungsbereich wieder ganz oben - aber denkbar knapp

Um sich den Titel schnellste "Desktop-CPU" zu verdienen, muss ein Prozessor nicht nur bei den Spieletests sondern auch bei den Anwendungs-Benchmarks ganz oben auf dem Treppchen stehen. In Puncto Single-Core-Performance konnte bereits der Core i9-12900K dank sehr hoher Taktraten die Konkurrenz von AMD auf die Plätze verweisen. Der Core i9-12900KS legt nochmal einen obendrauf und erzielt mit Taktraten von bis zu 5,5 GHz im Schnitt fünf Prozent höhere Punktzahlen als der Core i9-12900K. Damit wächst der Vorsprung auf den Ryzen 9 5950X auf stattliche 17 Prozent an. Bei den Multicore-Anwendungen fällt der Unterschied dann deutlich überschaubarer aus, so überschaubar, dass die beiden Topmodelle über zehn Anwendungen bei uns im Test gerade mal ein halber Prozentpunkt trennt. Gegenüber dem Core i9-12900K kann die Special Edition erneut ein Leistungsplus von fünf Prozent verzeichnen. 

Die letzten Prozentpunkte sind teuer erkauft

Sowohl bei den Gaming- als auch den Anwendungs-Benchmarks liegt der Core i9-12900KS ganz vorne. So weit so gut, die Messungen der Leistungsaufnahme zeigen jedoch, wie teuer Intel die letzten paar Prozentpunkte an Performance erkauft hat. Bereits beim  Test des Core i9-12900K  mussten wir feststellen, dass die Alder Lake CPU beim Gaming zwar durchaus effizient zu Werke geht, bei Volllast dann jedoch schnell über 200 Watt aus der Steckdose zieht, um die hohen Taktraten ermöglichen zu können. Beim Core i9-12900KS takten die P-Cores durch TVB und ABT noch einmal 300 MHz höher und die E-Cores immerhin mit 100 MHz mehr. Auf die Gaming-Performance haben die erhöhten Taktraten nur geringfügige Auswirkungen wie wir gerade gesehen haben, auf die Leistungsaufnahme dafür umso mehr.

Leistungsaufnahme der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.
Vergrößern Leistungsaufnahme der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

Im Schnitt über zwölf Spiele in 720p-Auflösung messen wir enorme 141 Watt, womit der Core i9-12900KS sogar den alten "Spitzenreiter" Core i9-11900K als Stromschlucker ablösen kann, dieser schafft es nämlich nur auf 129 Watt. Den höchsten Wert messen wir in Battlefield V mit 165 Watt. Zwar ist der Core i9-12900K mit einer Leistungsaufnahme von 111 Watt in diesem Spiel jetzt auch kein Energiesparwunder, aber dennoch nur vier Prozent langsamer bei 28 Prozent niedrigerer Leistungsaufnahme. Durch eine Erhöhung der Auflösung auf Full-HD sinkt die CPU-Last etwas und damit einhergehend die Leistungsaufnahme, dennoch messen wir im Schnitt immer noch sehr hohe 127 Watt für den 12900KS. Welche Folgen das für die Effizienz hat, können Sie dem folgenden Diagramm entnehmen:

Effizienz der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.
Vergrößern Effizienz der Prozessoren im Durchschnitt aus 12 Spielen.

Einzig und allein der Core i9-11900K verhindert, dass der Core i9-12900KS auf dem unrühmlichen letzten Platz landet. Während wir die bisherigen Alder Lake Prozessoren noch für ihre Effizienz beim Gaming loben konnten, bleibt uns beim Core i9-12900KS nur ein fassungsloses Kopfschütteln übrig. Dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, offenbaren dann die Anwendungstests. Zur Erinnerung, hier liegt Special Edition fünf Prozent vor dem normalen 12900K. Aktivieren wir im BIOS Intels Adaptive Boost Technology gibt es keine Limits mehr für die Leistungsaufnahme. Das Positive daran, dieses Feature ist durch die offizielle Garantie gedeckt, das Negative ist die Leistungsaufnahme.

Leistungsaufnahme Avg.

Leistungsaufnahme Max.

Temperatur Max.

Takt Avg.

Takt Max.

AMD Ryzen 5 5600

78 W

78 W

66°C

4428 MHz

4450 MHz

AMD Ryzen 5 5600X

76 W

76 W

67°C

4495 MHz

4525 MHz

AMD Ryzen 7 5700G

81 W

82 W

69°C

4439 MHz

4480 MHz

AMD Ryzen 7 5800X

120 W

131 W

83°C

4549 MHZ

4575 MHz

AMD Ryzen 9 5900X

142 W

142 W

74°C

4416 MHz

4450 MHZ

AMD Ryzen 9 5950X

128 W

134 W

71°C

4145 MHz

4400 MHz

Intel Core i3-12100F

53 W

54 W

50°C

4100 MHz

4100 MHz

Intel Core i5-12400

75 W

75 W

53°C

4000 MHz

4000 MHz

Intel Core i5-12600K

119 W

124 W

60°C

4140 MHz

4500 MHz

Intel Core i7-12700K

153 W

175 W

68°C

4333 MHz

4700 MHz

Intel Core i9-12900K

217 W

233 W

80°C

4296 MHz

4900 MHz

Intel Core i9-12900KS

261 W

289 W

102°C

5103 MHz

5200 MHz

Bis zu 290 Watt zieht der Core i9-12900KS bei unseren Anwendungstests ohne AVX aus der Steckdose und wird letztlich nur durch die verwendete AiO-Wasserkühlung eingebremst, welche nicht in der Lage ist, die Abwärme noch effektiv abzuführen. im Schnitt stehen bei den Langzeittests 260 Watt zu Buche, wobei wir eine maximale Temperatur von 102 Grad Celsius messen können. Selbst eine potente 360-mm-AiO-Wasserkühlung wie die ASUS ROG Ryujin II reicht nicht aus, um den 12900KS zu bändigen. Problem ist dabei weniger, dass die Kühlfläche der AiO nicht ausreicht und sich das Wasser zu stark erhitzt, sondern schlichtweg die Tatsache, dass die Wärme nicht schnell genug abgeführt werden kann und sich im Chip staut. Sobald wir einen Test beenden fällt die Temperatur innerhalb einer Sekunde nämlich auf rund 35 bis 40 Grad Celsius.

Preisliche Einordnung und Fazit

Wie gewohnt gibt bei Intel für seine CPU keine UVP in Euro an, sondern lediglich in US-Dollar, welche bei 739 US-Dollar liegt. Der normale 12900K kostet gegenüber der Special Edition satte 150 US-Dollar weniger. Bei den Händlern sieht die Situation aber noch einmal ganz anders aus, so ist der 12900K im Preisvergleich ab 579 Euro erhältlich, wohingegen für den 12900KS mindestens 818 Euro fällig sind. Für einen Aufpreis von satten 239 Euro erhält der potentielle Käufer gerade einmal fünf Prozent mehr Anwendungsleistung, beim Gaming fällt der Performance-Unterschied noch geringer aus. Aber die Anschaffungskosten sind bei weitem nicht der Einzige negative Aspekt des 12900KS. Auf Teufel komm raus hat Intel versucht, das Maximum aus Alder Lake herauszukitzeln, was sowohl beim Gaming als auch im Anwendungsbereich in einer enorm hohen Leistungsaufnahme resultiert, die in keiner Relation zum erbrachten Mehrwert steht. Selbst eine potente 360-mm-AiO-Wasserkühlung zwingt der Core i9-12900KS in die Knie und Temperaturen im dreistelligen Bereich bei Volllast sind vorprogrammiert.

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Wohingegen wir für alle bisher getesteten Core-i-Prozessoren der 12. Generation nahezu ausschließlich lobende Worte übrig hatten, erweckt der 12900KS eher unschöne Erinnerungen an den Core i9-11900K (zum Testbericht) . Das Motto "Leistung um jeden Preis" ist bei den Anschaffungskosten, der anliegenden Spannung, der Leistungsaufnahme und den Temperaturen allgegenwärtig. Ja, Intel kann sich jetzt mit den Auszeichnung "schnellste Desktop-CPU" und "schnellste Gaming-CPU" schmücken aber im gleichen Zug auch mit dem "unvernünftigsten Produkt" seit dem Release des 11900K. Hatten wir mit dem Release von Alder Lake die Hoffnung, dass Intel die Brechstange endgültig begraben hat und Effizienz ein wichtiges Thema spielt, hat uns der Hersteller jetzt eines besseren belehrt. Uns bleibt schlussendlich nur eines zu sagen: Finger weg!

Intel Core i9-12900KS im Detail

Beim Core i9-12900KS handelt es sich um eine "Special Edition" des  Core i9-12900K  mit jeweils acht Performance- und Efficient-Cores, 24 Threads und 30 MB Intel Smart Cache. Um höhere Taktraten und damit einhergehend mehr Leistung zu erzielen, hat Intel die Special Edition einerseits vorselektiert und bedient sich andererseits der bereits durch  Rocket Lake  bekannten Technologien TVB und ABT. Dank dem Thermal Velocity Boost (TVB) kann der Core i9-12900KS auf zwei Rechenkernen bis zu 5,5 GHz erreichen, sofern eine vorgegebene Temperaturgrenze nicht überschritten wird. Deutlich größere Auswirkungen hat aber die Intel Adaptive Boost Technology (ABT). Beide Technologien sind bereits vom 11900K bekannt, kamen bei Alder Lake jedoch bisher nicht zum Einsatz.

Intel Core i9-11900K: Boost-Technologien im Überblick
Vergrößern Intel Core i9-11900K: Boost-Technologien im Überblick
© Intel

Während der Turbo Boost 3.0 oder der TVB nur im Rahmen der gegebenen Power-Limits Processor Base Power (PBP) und Maximum Turbo Power (MTP) greifen, hebelt die ABT diese Limits vollkommen aus. Das bedeutet, dass – sobald die Funktion im BIOS aktiviert wurde – sich die CPU "unbeschränkt" viel Leistung genehmigen kann, wobei die Grenze hier im Regelfall durch die Abwärme, welche der verwendete Kühler abführen kann, bestimmt wird. Durch diese Funktion lassen sich mit dem Core i9-12900KS auf allen Kernen höhere Taktraten als mit dem Core i9-12900K erreichen, eine potente Kühlung vorausgesetzt, und zwar ohne die CPU manuell übertakten zu müssen. Großer Vorteil ist, dass diese Vorgehensweise durch die offiziellen Spezifikationen abgedeckt ist und die dreijährige Garantie dementsprechend nicht verloren geht. Großer Nachteil ist, wie unser Test gezeigt hat, dass die Leistungsaufnahme für nur ein paar Prozent mehr Performance exponentiell stark ansteigt und aus dem im Regelfall recht effizienten Core i9-12900K einen regelgerechten "Säufer" macht.

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Zudem hat Intel die PBP von 125 Watt auf 150 Watt erhöht, wohingegen die MTP nach wie vor bei 241 Watt liegt. Aber diese Power Limits haben beim Einsatz der ABT sowieso keine Bedeutung mehr. Für die bestmögliche Performance empfiehlt Intel ein Mainboard mit Z690-Chipsatz und der aktuellsten BIOS-Version.

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