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Hyper Scape: Cyberpunk-Battle-Royale in der Vorschau

09.07.2020 | 14:03 Uhr |

Hossa, Ubisoft greift Fortnite, Apex Legends und Call of Duty Warzone an. Hyper Scape ist Battle-Royale mit 100 Spielern, allerdings nicht auf einer riesigen Karte, sondern voll auf Häuserkampf fokussiert. Mit Hacks im Stil von Watch Dogs Legion und Power-Sprüngen wie in Titanfall. Ubisoft ist spät dran, wird es denn richtig gut? Hyper Scape in der Weltpremiere.

Neo Arcadia ist die Welt von Ubisofts erstem Battle-Royale-Shooter Hyper Scape. Futuristische Wolkenkratzer erheben sich über der Stadt, eine Magnetschwebebahn zieht sich durch die Straßen, große Plasma-Aufbauten schießen in die Höhe. Der Neo-Noire-Style erinnert an Cyberpunk 2077, doch das hier ist nicht etwa Watch Dogs Legion, sondern ein komplett neuer, extrem schneller Shooter. Auffallend: Es ist kein Meter Grasebene zu sehen, kein Dickicht, kein Hügel, kein Wald. Ubisoft will mit Hyper Scape Call of Duty Warzone und Apex Legends angreifen, bedient sich dabei aber in erster Linie klassischen Häuserkampfs im Mix mit Elementen, die wir aus Titanfall kennen und lieben. So katapultieren wir uns via Doppelsprung von Dach zu Dach, nutzen die Vertikalität als Sniper und Jump-Pads, um ruck zuck von der Straße direkt auf die Dächer zu springen – Treppen und Leitern gibt’s zwar auch, aber warum so old-schoolig, wenn es auch modern geht.

Modern heißt vor allem: in die Vertikale wachsen. Während Call of Duty Warzone sich recht authentisch spielt, wir ergo über Leitern Dächer erklettern müssen und Hochhäuser nur erreichbar sind, wenn wir sie via Helikopter ansteuern, wird in Hyper Scape alles mit Mega-Sprüngen gelöst. 

Wem die anderen Battle-Royales da draußen zu schnarchig ist – dieses Genre ist ja nicht gerade für schnelle Action bekannt – der dürfte hier gut aufgehoben sein. Wir sliden um die Ecke, katapultieren uns via Jumppad auf ein Dach, schnappen uns die erste Waffe und ziehen aus dem Sprung nach unten schon den ersten Headshot. Das ist in der Tat ziemlich cool, gerade weil Sprünge uns förmlich in der Luft stehen lassen. Wer ein bisschen übt, der kann durchaus via Quick-Scope auch auf weite Entfernung aus dem Sprung heraus einen Treffer landen. Generell ist auffallend, wie viele Abschüsse sich aus dem Sprung einleiten lassen. Normalerweise sind solche Manöver eher Profis vorbehalten.

Jump-Sniper gegen Katana-Ninjas

Neo Arcadia ist keine reale Stadt, sondern entstammt in der Fiktion des Spiels aus VR-Gladiatorenkämpfen. Weil alles aus Code besteht, können auch Gebäude verfallen.
Vergrößern Neo Arcadia ist keine reale Stadt, sondern entstammt in der Fiktion des Spiels aus VR-Gladiatorenkämpfen. Weil alles aus Code besteht, können auch Gebäude verfallen.

Diese Titanfall-artige Spielweise zieht neue Ebenen ins Gameplay: So können sich zwar Sniper sehr viel schneller als in etwa einem Call of Duty Warzone in eine exzellente Schussposition auf einem Dach bringen, die Gegenspieler können aber genauso effizient kontern. Finden Sie etwa ein Katana, katapultieren Sie sich Richtung Scharfschütze, zünden den Doppelsprung, der fast schon eine Art Jetboost ist und säbeln den Sniper nieder. Interessant ist auch, wie Ubisoft Battle-Royale interpretiert: Es gibt wieder 100 Spieler, anders als in Call of Duty Warzone, wo ein Gas das Kampfgebiet immer weiter einschränkt, lösen sich hier die Gebäude immer weiter auf. Es kann durchaus sein, dass Sie gerade noch auf einem Dach standen, plötzlich fallen Sie durch die Decke. Das wird möglich, weil es sich bei Neo Arcadia um eine Code-Welt handelt – in der Fantasie des Spiels treten keine echten Soldaten gegeneinander an, sondern jeder Spieler hat ein VR-Headset auf, um diese futuristische Art des Gladiatorenkampfs in der Arena der Stadt zu gewinnen.

Keine Sorge, für Hyper Scape brauchen Sie keine VR-Headset, sondern spielen ganz klassisch via Maus und Tastatur in 3D-Grafik. Weil wir aber innerhalb von Code spielen, gibt das Ubisofts Teams eine Menge cooler Möglichkeiten, mit Waffen zu spielen. Finden wir etwa das gleiche Sturmgewehr noch einmal, entsteht daraus eine Upgrade-Variante, was bis zu fünf Mal möglich ist. Die Startwaffe verändert sich also stark, wobei man gleichzeitig das Organisieren von Visieren reduziert. Ob das der Community wohl gefallen wird? Es erleichtert den Einstieg, nimmt aber an Spieltiefe. Über diese Upgrades lässt sich nicht nur die Durchschlagskraft und Schaden erhöhen, sondern etwa auch der Cooldown – die Zeit, die Energiewaffen brauchen, um wieder gefechtsbereit zu sein. Bei klassischen Waffen hingegen erhöht sich das Magazin: Wenn Sie das Ripper-Sturmgewehr verwenden, erhöht jede nachfolgende Aufnahme eines anderen Rippers die Magazingröße. Beim Protocol 5, einem Scharfschützengewehr, erhöht jede neue Fusion den Schaden. In der höchsten Upgradestufe wird sie so zur One-Hit-Waffe, die mit einem Treffer direkt tötet.

Das Squad-System: Geister dienen als Scouts 

Jede Waffe lässt sich maximal fünfmal upgraden. Squads sollten sich also gut organisieren, wer sich welchen Loot greift.
Vergrößern Jede Waffe lässt sich maximal fünfmal upgraden. Squads sollten sich also gut organisieren, wer sich welchen Loot greift.

Hyper Scape ist deutlich stärker auf schnelle Action ausgerichtet als ein Call of Duty Warzone. Alles ist auf Schnelligkeit getrimmt, vor allem das smart umgesetzte Kartendesign. Es gibt zwar kein klassisches Parcour-Gameplay wie in einem Assassin’s Creed, aber die Dächer sind klar mit Routen gezeichnet: Schienen der Magnetschwebebahn ziehen sich über die komplette Map und dienen als Verbindungsteil zum nächsten Gebäude. Auch hat jedes Haus Balkone auf unterschiedlichen Etagen, was mehr taktische Variation erlaubt. Der Feind weiß nicht, wo Sie landen werden, was das Squad-Gameplay spannend macht. 

Squads können sich Befehle geben, Gegner markieren, Loot oder strategisch wichtige Punkte auf der Karte, um einen Sturmangriff über mehrere Flanken zu koordinieren.
Vergrößern Squads können sich Befehle geben, Gegner markieren, Loot oder strategisch wichtige Punkte auf der Karte, um einen Sturmangriff über mehrere Flanken zu koordinieren.

Bilden Sie ein Squad, lassen sich zahlreiche Features nutzen, die wir sonst eher in einem Battlefield 6 erwarten würden: Etwa Angriffsbefehle geben, Stellung halten, Feinde markieren, die dann auf dem Radar auftauchen oder wichtige Gebäude – was in Call of Duty Warzone ein Luftlandestützpunkt sein mag, wo es den besten Loot gibt oder ein Stadion, sind es in Hyper Scape Banken, Wolkenkratzer oder auch historische Gebäude, etwa die St. Paul’s Kathedral in London. Spannend: Werden Sie eliminiert, müssen Sie nicht unnötig warten oder wie in Call of Duty erst ins Gulag, sondern dürfen Ihrem Team als Echo-Geist helfen, den Mörder zu finden, strecken diese ihn nieder, verwandelt er sich in einen Respawn-Punkt und Sie sind wieder im Spiel. Durchaus innovativ!

Die Hacks: Als Punching-Ball durch die Luft fliegen und der Sprung des Todes

Anders als in Fortnite oder CoD Warzone springen Sie nicht aus Bus oder Flugzeug, sondern jeder lenkt seinen persönlichen Pod in das gewünschte Zielgebiet.
Vergrößern Anders als in Fortnite oder CoD Warzone springen Sie nicht aus Bus oder Flugzeug, sondern jeder lenkt seinen persönlichen Pod in das gewünschte Zielgebiet.

Hyper Scape hat viele interessante Ideen, die natürlich hier und da auch angelehnt sind an Fortnite: So lässt sich eine virtuelle Mauer errichten, um sich vor Feindbeschuss zu schützen. Gebaut wird allerdings eher wenig. Wir können unter anderem eine Art Sniper-Nest einrichten, die Spielwelt ist aber deutlich statischer als Fortnite. Neo Arcadia lässt sich also nicht verändern, wohl aber alternativ navigieren: Es gibt etwa einen Hack, der sich genauso wie Waffen einfach looten, also aufsammeln lässt, der Sie in einen Punching-Ball verwandelt. Damit können wir eingeschlossen in einem Flummi, durch die Welt bouncen. 

Eine interessante Idee, etwa für schnelle Vorstöße oder einen taktischen Rückzug, wenn Sie Ihr Squad verloren haben. Oder um sich in Sicherheit zu bringen, wenn sich der Kreis langsam schließt: Die Karte besteht aus neun Distrikten, die zufällig verfallen. Gebäude beginnen, dreieckige Flecken ihrer Texturen zu entwickeln, und allmählich wird der gesamte Bereich schwarz. Dann beginnt die Karte zusammenzubrechen; Gebäude werden unter Ihren Füßen gelöscht, wenn Sie in sicherere Zonen sprinten. Das ist wie gesagt eine sehr smarte Idee, weil der Zerfallseffekt ein guter Indikator ist, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt.

Designt für Twitch: Die Zuschauer bestimmen, wann sich die Gravität verändert

Wer Lust hat, Hyper Scape zu spielen: Einfach mal auf Twitch schauen, wer gerade Drops raushaut. Das sollte relativ flott gehen, Ubisoft hat sehr viel mehr Slots zur Verfügung als damals Valorant.
Vergrößern Wer Lust hat, Hyper Scape zu spielen: Einfach mal auf Twitch schauen, wer gerade Drops raushaut. Das sollte relativ flott gehen, Ubisoft hat sehr viel mehr Slots zur Verfügung als damals Valorant.

Genau wie Valorant ist Hyper Scape komplett auf Streaming ausgelegt: Aktuell erhalten Sie nur Zugriff auf die Technical Alpha, indem Sie Ubisofts Partner-Streamern beim Spielen zusehen – haben Sie vorher Ihren Account mit Hyper Scape verbunden, können Sie einen sogenannten Drop gewinnen, der das Spiel automatisch freischaltet. Ubisoft geht jedoch noch ein ganzes Stückchen weiter in seinem ersten Battle-Royale: So können Streamer mit ihrer Community spielen, ohne diese direkt als Freund adden zu müssen, was recht zeitintensiv ist. Zudem können Twitch-Zuschauer auf diverse In-Game-Events voten: Etwa können Sie allen Spielern unendlich Munition geben für gewisse Zeit oder die Gravitation ausschalten, damit alle sich im Schweben beschießen. Das dürfte insbesondere in der Showdown-Phase spannend werden, dem Finale jedes Matches: Alle Überlebenden können sich dann die Krone in der Mitte schnappen: Das Squad, welches diese 45 Sekunden lang halten kann, gewinnt das Hyper-Scape-Grand-Finale.

Hyper Scapes enorme Stärke ist seine Vertikalität. Was allerdings auch Probleme mich sich bringt, denn das Spiel ist ein Fest für Sniper.
Vergrößern Hyper Scapes enorme Stärke ist seine Vertikalität. Was allerdings auch Probleme mich sich bringt, denn das Spiel ist ein Fest für Sniper.

Fazit

Hyper Scaper verfolgt eine interessante Prämisse: Voller Fokus auf eine Mega-City, statt eine riesige Spielwelt aufzufahren, wie das Call of Duty Warzone macht. Auch macht dieses Titanfall-artige Gameplay Laune – in die Luft katapultieren, Boost zünden, mit dem Katana Camper angreifen, und es ist schön, dass sehr viele Gebäude über aufwändig designte Interieure verfügen und quasi jedes eine kleine Karte für sich darstellt. Riskant hingegen ist, in einem Battle-Royale so wenige Waffen anzubieten, keine Visiere, keine Kevlar-Panzerung, keine Helme – diese ganzen Elemente, die sonst den Unterschied machen. Da Hyper Scape aber ohnehin Free2Play wird, kann jeder einfach selbst reinspielen.

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