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Horizon: Forbidden West: Der erste PS5-Blockbuster 2022

26.01.2022 | 09:01 Uhr |

Neben Stalker 2: Heart of Chernobyl dürfte Horizon: Forbidden West das schönste Spiel des Jahres werden. Es ist eines dieser seltenen Werke, das uns mit offenem Mund zurücklässt und sich zum ersten Mal richtig Next-Gen anfühlt in seiner Open-World auf der Playstation 5, gerade auch seiner Unterwasserwelt. Aber auch wie dynamisch und gut sich das Gameplay anfühlt. Horizon: Forbidden West im Mega-Preview.

Regungslos starrt der Charger Aloy an in Horizon: Forbidden West . Ein gewaltiges Tier; die Beine stämmig wie Pfeiler, lange Hängeohren, ein zottiger Bart. Doch vieles ist hier anders als bei einem normalen Stier: Die Beine sind mechanisch, diese mächtigen Stampfer, die silbrig in der Sonne glänzen, sind durchzogen von blauen Kabeln. Gebannt blicken wir auf die Hörner, scharf wie Rasierklingen, doch auch diese wirken mechanisch, wie ein Element, das man draufgesetzt hat. Wie LEGO. Horizon: Forbidden West spielt in einer Welt der Cyber-Saurierer, einer Urzeit, in der eine fremde Macht aus dem All gekommen ist, um die Herrschaft der Menschen auf der Erde zu beenden und die Herrschaft der Maschinen zu beginnen. Nur eben mit Flugsauriern, die bewaffnet sind wie Kampfjets. Und Triceratopsen, die so riesige Kanonen an sich tragen wie ein M1 Abrams Panzer auf vier Beinen, mit gestacheltem Schwanz.

Zwar nutzt Aloy Hightech-Equipment wie Explosivpfeile mit C4 sowie GPS-Ortung, bastelt sich aber ihre Rüstung nach wie vor aus Pflanzen und Schrottteilen zusammen, die sie Mech-Velociraptoren abgeschossen hat.
Vergrößern Zwar nutzt Aloy Hightech-Equipment wie Explosivpfeile mit C4 sowie GPS-Ortung, bastelt sich aber ihre Rüstung nach wie vor aus Pflanzen und Schrottteilen zusammen, die sie Mech-Velociraptoren abgeschossen hat.

Dieses Biest können wir zähmen und reiten, wie es einst die alten Ägypter taten. Aloy schwingt sich wie Tarzan durch diesen Urwald, kraxelt von Baum zu Baum, springt von Ast zu Ast. Dieses Action-Adventure lebt von seiner Dynamik, seiner Geschwindigkeit und dem Druck, den der Feind aufbaut – denn auch die Dinos haben dazu gelernt, suchen sich Wege und Pfade, um Aloy auch in windige Höhen zu folgen: Velociraptoren etwa, in dieser Welt Clawstriders genannt, die hier nochmal viel größer und bedrohlicher wirken als in einem Jurassic World 3: Dominion. Weil es nicht einfach nur Saurier sind mit dem Gebiss eines Hais, das jeden menschlichen Knochen einfach so durchbeißt. Sondern technologische Wunderwerke: Ihre Augen sind blau strahlende LEDs, ihr Maul besteht aus Titan-Platten, sie sind am ganzen Körper gepanzert mit diesen Platten, die Aloys Waffen kaum durchdringen können. Sie wirken auch fast wie Server-Zentren auf zwei Beinen, mit all den dicken Kabeln und Schläuchen, die zu ihrem Rechenherz führen, dort wo sie am verwundbarsten sind. Und ja, auch die Clawstrider können wir unserem Willen unterwerfen und mit ihnen in die Schlacht reiten, was Forbidden West eine völlig neue Gameplay-Ebene gibt – der Kampf Dino gegen Dino. 

Sie sind schnell und agil, regelrechte Booster geben ihnen einen Geschwindigkeitsschub beim Rennen und ihre Systeme sind mit viel Hightech ausgestattet – Laser-Scanner an den Augen etwa. An diesen LED-Augen können wir ablesen, in welchem Status sie sich gerade befinden: Blau wirkt zwar auch schon bedrohlich, hier ist aber noch alles okay, sie trotten ihrer Wege. Gelb bedeutet, dass sie wachsamer werden, etwa, wenn sie etwas im Gebüsch rascheln hören. Clawstrider jagen im Rudel, mindestens drei sind meist zusammen und schon einer ist sehr schwer zu erledigen – denn Aloy muss mit ihrem Energiestab das Prozessor-Herz durchdringen und vorher die Titan-Panzerung an all diesen Stellen wegschießen, etwa mit Explosivpfeilen. Besonders gefährlich sind diese Velociraptoren in Forbidden West, weil sie jetzt anders als im Vorgänger nicht mehr nur alleine ihrer Wege trotten, sondern von Raiders der Tenakth geritten werden, einem Volk, das sich wie insulanische Samurais kleidet, Kriegshelme trägt und sich ganz ähnlich wie Aloys eigenes Volk ihre Rüstungen aus Schrott zusammenbastelt. Fällt von einem Dino ein Stück Stahl oder eine Titanplatte ab, klemmt man sich diese ans Knie - wer sich in dieser Welt nicht mehr schnell bewegen kann, z.B. ob einer Beinverletzung, ist quasi schon tot. 

Der erste richtige Playstation-5-Blockbuster mit einer Welt, in die man sich direkt verliebt 

Ratchet & Clank: Rift Apart war auch schon sehr beeindruckend auf der grafischen Ebene, aber Horizon: Forbidden West zeigt zum ersten Mal wirklich, welche Power in der PS5 schlummert.
Vergrößern Ratchet & Clank: Rift Apart war auch schon sehr beeindruckend auf der grafischen Ebene, aber Horizon: Forbidden West zeigt zum ersten Mal wirklich, welche Power in der PS5 schlummert.

Was schon an Horizon: Zero Dawn so faszinierte und auch in Forbidden West fantastisch umgesetzt wirkt, ist diese Liebe zu seiner Welt. Die Alienfraktion, die Maschinen entwickelt und entsandt hat, machte das nicht einfach nur, um die Menschen zu unterjochen, sondern um eine neue Erde entstehen zu lassen. Das spürt man immer wieder, etwa weil wir Familien sehen, mit Jungtieren, die ihrer Wege trotten und keinem etwas Böses wollen. Neu sind die Shellsnaper etwa, riesige Schildkröten, die Sümpfe bewachen und die meiste Zeit regungslos dasitzen, damit auf ihnen Moos wachsen und sich Tiere ansiedeln können. Stören wir sie, fahren sie auch mal hoch. Doch nicht alles in dieser Welt ist wirklich kampfeslustig: Es gibt Nutztiere, könnte man sagen. Shell-Walker etwa sind mechanische Krabben, die Ersatzteile von A nach B transportieren. Sie zählen zur Transportklasse. Es gibt Kommunikationsspezialisten, die mit ihren Antennen und Radar-Türmen auf dem Schädel nur dafür sorgen, dass sich die Robo-Saurier verständigen können. 

Schon Horizon: Zero Dawn war die Grafikreferenz auf der PS4 Pro, Horizon: Forbidden West legt vor allem in der Renderqualität zu: Die ganze Pflanzenwelt wirkt sehr echt, jeder Farn, jedes Gras ist in höchstem Detailgrad gerendert.
Vergrößern Schon Horizon: Zero Dawn war die Grafikreferenz auf der PS4 Pro, Horizon: Forbidden West legt vor allem in der Renderqualität zu: Die ganze Pflanzenwelt wirkt sehr echt, jeder Farn, jedes Gras ist in höchstem Detailgrad gerendert.

Es gibt große Affen, die Clamberjaws, die von Baum zu Baum springen, um möglich effizient Energiekanister und Batterien zu verteilen an andere Saurier. Und dann gibt es natürlich jede Menge neue Kampfeinheiten, deren Aufgabe die Verteidigung und der Schutz von Territorium ist: Die Slitherfangs etwa, mechanische Cobras, deren Körper aussehen wie aus LEGO gebaut – mit hunderten Elementen, die diese Titan- und Stahlplatten in der Anmut schlingern lassen, wie das eine richtige Cobra tun würde. Nur das diese hier gigantisch groß ist und absurd lang – mehrere Trucks lang. Das gibt ihr viel Reichweite, aber macht sie auch verwundbar. Sie spuckt Säure, um ihren Feind zu töten. All diese mechanischen Tiere sind mit einer Liebe zum Detail designt, man möchte einfach nur stehenbleiben und staunen: Jedes Kabel, jede Schraube, jede Platte ist derart scharf ausgerendert auch, diese Rinder-Qualität wäre in Old-Gen nicht möglich. Horizon Forbidden West ist vielleicht das erste Spiel, das wirklich die unglaubliche Power der Playstation 5 zeigt. Das sehen wir auch in der Pflanzenwelt, wie scharf und detailgetreu jeder einzelne Farn gerendert wird, wie echt sich das Gras anfühlt, der ganze Urwald. Horizon: Zero Dawn hat wirklich alles aus der alten PS4 und PS4 Pro nochmal rausgekitzelt, aber für diese Werk braucht man jetzt dann auch endlich die PS5 und ganz ehrlich: Es wird Zeit! 

Guerrilla Games betreibt enorm viel Aufwand, um Lippen, Haut, Augen oder auch Haare echt wirken zu lassen. Letztere werden etwa nass und müssen in der Sonne trocknen. Bei Augen hingegen spiegelt die Retina dezent die Umgebung.
Vergrößern Guerrilla Games betreibt enorm viel Aufwand, um Lippen, Haut, Augen oder auch Haare echt wirken zu lassen. Letztere werden etwa nass und müssen in der Sonne trocknen. Bei Augen hingegen spiegelt die Retina dezent die Umgebung.

Die Gamesbranche ist über viele Jahre auf sehr hohem Niveau technisch stagniert, es wird Zeit das Spielestudios anfangen Next-Gen auch wirklich auszureizen. Nicht nur in der Render-Qualität individueller Dinosaurier, sondern auch dem Scope – der Größe seiner Welt und seiner Bewohner. Die Tremortusks wurden designt als Beschützer dieser Welt, als Bastion gegen den Menschen, der sich natürlich die Erde gerne wieder Untertan machen würde. In Horizon steckt ja immer auch eine gewisse Gesellschaftskritik, denn der Mensch, also wir alle, habe unseren Planeten zerstört, die Aliens sind eigentlich nur gekommen, um ihn wieder zu der Blüte zu bringen, die herrschte bevor der Mensch begann Natur und Tiere als Ressourcen zu benutzen, die seinen Reichtum mehren, egal was dabei kaputt geht. Und diese mechanischen Tiere sind eben wirklich häufig riesig. Der Tremotursks ist groß wie die Olifanten aus Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs, mit gepanzertem Rüssel, messerscharfen Stoßzähnen und Flammenwerfern überall. Und dann zeigt sich natürlich, was Entwickler mit Open-World anstellen können, so sie die richtigen Ambitionen mitbringen: Wir tauchen in den Gameplay-Szenen ab ins versunkene San Francisco, welches nicht einfach nur angedeutet wird, sondern sich wirklich anfühlt wie die ikonische Metropole der Bay Area, nur eben verschlungen vom Meer, versunken im Ozean. 

Eine Unterwasserwelt, schön, vielseitig und atemberaubend wie wir das so noch nie in Open-World gesehen haben 

Auch Lara Croft ist ja gerne mal im Wasser unterwegs, tendenziell werden Unterwasserwelten aber häufig stiefmütterlich behandelt. In Horizon: Forbidden West sehen wir hier genauso viel Detailliebe mit versunkenen Städten und Fischschwärmen wie überall sonst.
Vergrößern Auch Lara Croft ist ja gerne mal im Wasser unterwegs, tendenziell werden Unterwasserwelten aber häufig stiefmütterlich behandelt. In Horizon: Forbidden West sehen wir hier genauso viel Detailliebe mit versunkenen Städten und Fischschwärmen wie überall sonst.

Es gab immer mal wieder Ansätze, Unterwasserwelten imposanter zu zeigen: Lara Croft taucht viel, es gibt Szenen, die sind auch in etwa Rise of the Tomb Raider wunderschön. Doch eine wirkliche Unterwasserwelt in einem Open-World-Spiel? Hmm, die letzte hatten wir in Assassin’s Creed: Origins und Odyssey. Auch hier können wir zu versunkenen Wracks abtauchen. Aber in der Regel sind diese nur dort positioniert, um Schätze zu bergen. Guerilla Games macht das anders, sie wollen uns einfach verwöhnen: Mit wundervollen Riffen, an denen wir tauchen und die wir bestaunen können. Mit Farnen, die vom Boden bis fast an die Wasseroberfläche reichen. Natürlich haben diese oft auch einen spielerischen Sinn, die Farne etwa, damit wir uns verstecken können vor den Snapmaps, die hier patrouillieren – die Wächter der See. Sie dürften inspiriert sein vom Mosasaurus, der ja auch der Star in Jurassic World war. Aber sie wollen uns eben auch einfach verzaubern, denn letztlich sollen uns Spiele die Welt da draußen vergessen machen und in ein Fantasie-Reich ziehen. 

Die Grundidee der Horizon-Trilogie ist es, dass eine fremde KI-Macht Roboterwesen auf die Erde entsendet, um die Pflanzenwelt vor dem Menschen zu bewahren. Entsprechend patrouilliert hier etwa ein Mosasaurus, wie wir ihn aus Jurassic World kennen.
Vergrößern Die Grundidee der Horizon-Trilogie ist es, dass eine fremde KI-Macht Roboterwesen auf die Erde entsendet, um die Pflanzenwelt vor dem Menschen zu bewahren. Entsprechend patrouilliert hier etwa ein Mosasaurus, wie wir ihn aus Jurassic World kennen.

Und das hat Guerrilla Games schon immer getan, schon immer entwickeln sie die visuell opulentesten Werke der Playstation-Geschichte – das erste Killzone war das schönste PS3-Spiel und Killzone: Shadow Fall stellte lange, lange die Referenz für die Playstation 4 und sieht noch heute besser aus als diverse Next-Gen-Shooter, die eigentlich noch veraltetete Engines verwenden. Eine neue Generation braucht neue Engines – GSC Game World hat uns gerade erst gezeigt, wie beeindruckend die Unreal Engine 5 ist. Wie sie neue Physikstandards setzt, die das Gameplay bereichern, wie lebendig sich Gesichter anfühlen und Menschen. Forbidden West basiert ja auf Guerillas eigener Engine Decima. Von der war Hideo Kojima so beeindruckt, dass er fragte, ob er diese in Death Strandung nutzen dürfe. Ein Grafikmotor, der eben diese unglaublichen Unterwasserwelten auch zeichnen kann. Wo wir an massiven Fischschwärmen vorbei schwimmen und sich eben eine Welt zeigt, die mit genauso viel Detailliebe designt wurde wie die Oberwelt. Weil wir hier offensichtlich viel Zeit verbringen werden. 

Die Welt wächst stark in der Vertikalen, Aloy springt von Ast zu Ast und kraxelt in der Geschwindigkeit von Tarzan auf Bäume. Auch die KI lernt dazu, Velociraptoren etwa finden Wege, uns selbst in luftige Höhen zu verfolgen.
Vergrößern Die Welt wächst stark in der Vertikalen, Aloy springt von Ast zu Ast und kraxelt in der Geschwindigkeit von Tarzan auf Bäume. Auch die KI lernt dazu, Velociraptoren etwa finden Wege, uns selbst in luftige Höhen zu verfolgen.

Generell wirkt es auch so, als würden diese beiden Welten nahtlos ineinander übergehen. Teile von San Francisco lassen sich unter Wasser erkunden, Teile wurden von den Raiders in Camps umgewandelt. Vieles ist von Pflanzen überwuchert, ikonisches zeigt sich all überall – etwa die Cablecars, für die San Francisco berühmt ist. Die abschüssigen Straßen. Und natürlich die Golden Gate Bridge, auch wenn diese aus nicht mehr viel mehr als seinen Stahlkonstrukten besteht, die eigentliche Brücke wurde größtenteils zerstört. Wie gut, dass Aloy und ihre Truppen nicht mehr wie in Zero Dawn völlig planlos durch die Pampa stolpern, sondern mittlerweile ebenfalls Technologie nutzen: Radar, Sonar, GPS-Chips, sogar Hologramme und einige Spielzeuge, die James Bond neidisch machen würden – der Shieldwing etwa, mit dem wir auch aus den größten Höhen dank Nano-Technologie sanft herabschweben können. Und eine Atemmaske, die unendlich viel Sauerstoff produziert. Wir können diese wunderschönen Unterwasserwelten von Horizon Forbidden West also so lange genießen, wie wir wollen. 

Horizon Forbidden West erscheint am 18. Februar 2022 für Playstation 5 und PS4.  

Wer muss hier auch spontan an jene epische Schlacht gegen die Ollifanten aus Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs denken? Die Bosse werden noch größer, noch vielseitiger, noch tödlicher. Benjamin Blümchen hier schießt Flammen aus seinem Rüssel.
Vergrößern Wer muss hier auch spontan an jene epische Schlacht gegen die Ollifanten aus Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs denken? Die Bosse werden noch größer, noch vielseitiger, noch tödlicher. Benjamin Blümchen hier schießt Flammen aus seinem Rüssel.

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