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Update 5.7.: Google Maps Navigation in der „Pampa“ mit Edge-Tempo

07.06.2019 | 17:23 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Wenn Navigationssysteme, die ihr Kartenmaterial fortlaufend aus dem Web nachladen (wie Google Maps Navigation und Skobbler) mit (kostenpflichtigen) Navigationssystemen verglichen werden, die ihr Kartenmaterial fest auf der Speicherkarte installiert haben, dann wird – neben den Roaming-Gebühren im Ausland – meist ein Argument gegen Erstere angeführt: Für die Navigationssysteme ohne fest installiertes Kartenmaterial brauche man durchgehend eine gute Datenanbindung, sprich: UMTS/HSDPA. In abgelegenen Regionen, d.h. auf dem flachen Land, sei man mit Google Maps Navigation und Konsorten also aufgeschmissen – so argumentieren die Anbieter von kostenpflichtigen Navi-Apps und insbesondere die Produzenten klassischer Navigationsgeräte wie Garmin oder Tomtom. Doch stimmt das wirklich, kann man Google Maps Navigation fernab der Ballungsgebiete nicht effektiv nutzen? PC-WELT machte die Probe aufs Exempel und ließ sich von Google Maps Navigation durch den hintersten Winkel des Freistaats Bayern lotsen.

Navigation auf Android-Smartphones

In der neuen Folge von Doppelklick erklärt PC-WELT-Experte Hans-Christian Dirscherl, wie sich Smartphones als Navigationsgeräte einsetzen lassen und wo die Unterschiede zu herkömmlichen Navis liegen.

Wir machten uns auf in die Region rund um den Nationalpark Bayerischer Wald , der den Freistaat Bayern Richtung Tschechien begrenzt. Dort fuhren wir fernab jeglicher Ballungszentren über Landstraßen und auch ein paar Mal über Feldwege. Die Internetverbindung lief dabei großenteils über das langsame Edge, nur ganz selten erreichten wir für Sekunden UMTS-Abdeckung. Unser Test wurde noch dadurch verschärft, dass wir nicht die am besten ausgebauten Netze von T-Mobile und Vodafone nutzten, sondern mit Alice unterwegs waren, also das Mobilfunknetz von O2 verwendeten.

So erkennt Google Maps die Verkehrslage

Routenbeschreibung bei Google Maps
Vergrößern Routenbeschreibung bei Google Maps

Google Maps konnte uns dank GPS-Signal jederzeit korrekt lokalisieren. Lediglich bei den Routenvorschlägen geriet Google Maps Navigation mehrmals gehörig ins Schwitzen. Einmal wollte uns Google eine offensichtlich falsche Abkürzung nehmen lassen, ein anderes Mal konnte Google von unserem aktuellen Standort aus überhaupt keine Route mehr berechnen. Dabei handelte es sich allerdings um einen geteerten Feldweg, der nur für Anwohner frei gegeben war. Google handelte also korrekt, als er hier die Routenplanung verweigerte! Zudem wurde unser Standort auch auf diesem Feldweg durchgehend richtig auf der Karte angezeigt, es erfolgte nur halt keine darauf basierende Routenberechnung. Als wir uns auf dem Feldweg bis auf ca. zehn Meter wieder einer öffentlichen Bundesstraße genähert hatten, berechnete Google Maps Navigation sofort wieder eine korrekte Route – vorbildlich. Ganz generell muss man lobend das Tempo erwähnen, mit dem Google Maps Navigation mehrmals unsere Route neu berechnete, als wir von dem vorgegebenen Routenvorschlag abwichen! Jede Neuberechnung erfolgte binnen weniger Sekunden. Auch die Abbiegehinweise erfolgte immer rechtzeitig und korrekt.

So funktionieren die Stau-Warnungen von TomTom

Der Praxis-Test beweist zweierlei: Erstens reicht eine Edge-Verbindung durchaus aus, um mit Google Maps Navigation zumindest in der Kartenansicht reibungslos zu navigieren. Und zweitens muss man keineswegs die hochpreisigeren Netze von T-Mobile oder Vodafone nutzen, sondern kommt auch auf dem flachen Land mit dem nicht ganz so gut ausgebauten Netz von O2 zurecht, das sich deutlich preiswerter nutzen lässt: In unserem konkreten Fall kostet die Datenflatrate 6,90 Euro pro Monat (mit 300 MB UMTS-Volumen, danach wird die Datenanbindung bis zum Monatsende generell auf Edge-Tempo gedrosselt) – Voraussetzung ist allerdings ein vorhandener DSL-Tarif von Alice.

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