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"Gibbon: Beyond the Trees" – handgemaltes iPad-Spiel begeistert im Test

24.05.2022 | 09:16 Uhr |

Gibbon: Beyond the Trees ist ein malerischer Apple-Arcade-Plattformer, in dem wir eine Gibbon-Familie durch die Idylle des Dschungels begleiten, in dem schon bald die Flammenhölle losbricht.

Gibbon: Beyond the Trees ist ein faszinierendes Spiel. Es beginnt in der Idylle des Urwalds von Borneo – Jahrtausende alte Bäume sprießen in den Himmel, die Sonne geht auf, das ganze Bild wird in ein oranges Licht getaucht, es wirkt ein bisschen wie ein Aquarell. Was für ein malerisches Spiel für Apple Arcade auf dem iPad. Wir spielen eine Affen-Familie, ihr Baby ist noch etwas schläfrig und klammert sich an Papa. Zusammen schwingen wir lustig durch die Äste, vollführen regelrechte Monstersprünge, nutzen Lianen, um schneller zu werden und genießen das Leben. Die handgemalten Bilder sind lebendig, malerisch sowie eindrucksvoll und bieten eine Fülle von Hintergründen, darunter verschiedene Regenwaldtypen, die vom Tag in die Nacht ziehen. Wir genießen die Soundkulisse des Dschungels – wie die Gibbons singen, das Pfeifen der Vögel, das Zischen der Baumkronen. 

Das ist gleichzeitig beruhigend, fast schon meditativ und anregend, weil das Spiel an sich mitunter ziemlich schwierig ist – also schon eine echte Herausforderung. Man muss sich konzentrieren, Sprünge perfektionieren und an seiner Geschwindigkeit arbeiten, nicht selten wollen Abschnitte fünf, sechs, sieben Mal wiederholt werden. Gibbon: Beyond the Trees ist ein sogenannter Endless-Runner, es geht also immer weiter und weiter. Das fühlt sich von der Atmosphäre zunächst ein bisschen nach Urlaub an: Familie Gibbon scheint keine größeren Sorgen zu haben, schwingt vorbei an anderen Affen, die in den Bäumen sitzen und erschreckt auch gerne mal einen Vogel, der hier seiner Wege zieht. Mit nur zwei Fingern meistern wir den Plattformer: Um mehr Schwung zu bekommen, lassen wir los, wenn der putzige pinke Gibbon den einen Ast loslässt und tappen wieder, um optimal zu landen, also ohne Geschwindigkeitsverlust. Unsere größte Sorge sind fiese Wasserfälle, bei denen wir maximale Geschwindigkeit aufbauen, einen Purzelbaum in der Luft schlagen oder sogar im Tandem mit Papa-Gibbon schwingen, der uns entsprechend Schwung gibt. 

In den Grafikstil haben wir uns direkt verliebt: Der Urwald wirkt wie ein Aquarell, in dem alles zusammenfließt und es fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an, zumindest in den ersten Stunden…bevor die Bagger kommen.
Vergrößern In den Grafikstil haben wir uns direkt verliebt: Der Urwald wirkt wie ein Aquarell, in dem alles zusammenfließt und es fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an, zumindest in den ersten Stunden…bevor die Bagger kommen.

Das Idyll wird jedoch getrübt, als der Mensch in unseren Regenwald kommt – wie rote Monstren nehmen die kleinen Gibbons die riesigen Bagger und Kräne wahr, die ihr Zuhause abholzen. Zunächst fallen nur Bäume, bald jedoch brennt es – als Äffchen müssen wir jeden Sprung perfekt landen, denn unten wartet der Tod: „Wir wollten eigentlich nur ein Spiel entwickeln, welches diese faszinierende Art wiedergibt, wie sich Gibbons bewegen. Mit wie viel Kraft sie sich nach vorne drücken und wie weit sie springen können“, erzählt uns Felix Bohatsch vom Wiener Studio Broken Rules im Rahmen des World Earth Day. „Aber je mehr wir in die Recherche eingestiegen sind, desto mehr wurde uns bewusst, dass wir Menschen gerade diese wundervollen Tiere bedrohen und auch das Thema unseres Spieles sein sollte.“ Das Werk wurde von einem Mini-Team gebaut, nur 15 Leute – fünf in Wien, zehn in der Welt verstreut. Zusammen haben sie ein Spiel erschaffen, das auf der einen Seite viel Spaß macht, uns immer wieder vor echte Herausforderungen stellt, vor allem aber auch nachdenklich macht. Denn wie uns Felix erzählt, brennen jeden Tag Regenwälder, um Palmöl zu gewinnen – das zum Beispiel in unserer Schokolade steckt. 

Wunderschönes, handgemaltes Spiel mit einem traurigen Thema

Gibbon: Beyond the Trees wirkt wie ein Aquarell, wirklich wunderschön. Aber auch beängstigend, wenn die Bagger kommen und die Flammen…
Vergrößern Gibbon: Beyond the Trees wirkt wie ein Aquarell, wirklich wunderschön. Aber auch beängstigend, wenn die Bagger kommen und die Flammen…

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Osternest gerade Palmöl-haltige Produkte hatten, ist relativ hoch – erstaunlicherweise steckt das nämlich vor allem in besonders cremiger Schokolade, von Premium-Herstellern wie Milka oder Lindt. Es ist also kein Problem des Billig-Konsums. In der Tat befindet sich dieses spezielle Öl in sehr vielen Produkten, wenn man mal näher hinschaut – Butter und Margarine, Kekse, Seife und Shampoo. Es ist sicherlich eine der großen Herausforderungen für unsere Gesellschaft, uns mehr Gedanken machen zu müssen, wie wir mit unserem Lebensstil andere einschränken oder gar bedrohen, wie in diesem Fall die Gibbon-Affen. Wir haben nur eine Erde und die Regenwälder speichern jährlich bis zu 380 Millionen Tonnen CO2. Ihre grüne Lunge verhilft uns zu besserer Luftqualität und letztlich dazu, unseren Planeten zu säubern. Schützen wir also den Lebensraum der Gibbons, schützen wir auch uns selbst. Einer der Gründe, warum Apple Gibbon Beyond the Tree für ihre Kampagne zum World Earth Day ausgewählt hat. „Seit 1970 denken wir am Tag der Erde an unsere gemeinsame Verantwortung, unsere irdische Heimat zu schützen und zu erhalten. Anlässlich dieses Tages stellt das App Store Team eine Auswahl an Apps und Spiele vor, die uns motivieren, einen positiven Beitrag zu leisten“, erklärt Apple zur Initiative „Feier den Tag der Erde 2022“.  

„Wir tun nicht so, als hätten wir alle Antworten. Was wir haben, sind Ziele, die wir erreichen wollen, und eine weltweite Community von Unternehmen, die das Richtige für die Menschen und den Planeten tun wollen“, so Lisa Jackson, Vice President Environment, Policy and Social Initiatives bei Apple, die u. a. daran gearbeitet hat, 2,6 Millionen Tonnen an Rohmaterialien durch Recycling beim Bau des iPhone 13 zu sparen. Bis 2030 sollen alle Apple-Produkte komplett CO2-neutral werden. In der Tat verfolgt auch das Spiel an sich diesen Ansatz: Es erklärt uns gar nicht, was da gerade passiert, weil die Entwickler uns die Atmosphäre aus der Sicht eines Gibbon präsentieren wollen: „Die Wahrheit ist: Wir haben auch nicht die Antwort auf diese Probleme, glauben aber, dass wir Empathie schaffen können für diese Schicksale, wenn unsere Spielerinnen und Spieler viel Zeit mit diesen faszinierenden Tieren verbringen“, erzählt uns Felix. Der Wiener ist sich sicher, dass Spiele das optimale Medium sind, um solche Themen auf eine neue, eine interaktive Ebene zu heben und wir geben ihm Recht: Wir sind regelrecht geschockt, als plötzlich der Bildschirm brennt und unser Gibbon-Äffchen nicht wie vorher auf allen Vieren auf die Erde plumpst, sondern den Tod in den Flammen findet und das Level neu lädt. 

Das Schicksal der Gibbon-Affen, in ein malerisches Spiel verpackt

Das Spiel erzählt aus der Sicht eines Affen, die die großen roten Bagger, die ihre Wälder zerstören, eher als Monstren wahrnehmen, weniger als Maschinen.
Vergrößern Das Spiel erzählt aus der Sicht eines Affen, die die großen roten Bagger, die ihre Wälder zerstören, eher als Monstren wahrnehmen, weniger als Maschinen.

Die Wiener haben sich viel einfallen lassen, um unterschiedliche Problempunkte spielerisch aufzugreifen, ohne zu sehr ins Dokumentarische zu verfallen. So wird etwa während des Spiels ein Familienmitglied von Menschen entführt. „Leider ist das Alltag in Thailand etwa, weil Touristen schöne Instagram-Fotos mit Gibbon-Babys machen möchten. „Laut der Gibbon Conservation Society, mit der wir aktiv zusammenarbeiten, sind diese Fälle in den letzten Jahren wieder stark gestiegen, weil Instagram heute so eine große Rolle in unserem Leben spielt, erzählt Felix. „Wir wollen wie gesagt nicht mit dem Finger auf Menschen zeigen oder jemanden verurteilen, aber es schadet, denke ich, nicht, sich Gedanken zu machen. Etwa wo jetzt eigentlich dieses Baby herkommt, was ich gerade auf dem Arm habe. Und wo seine Mama ist oder sein Papa“. Bis zu 15 Gibbons werden mitunter erschossen, um ein einzelnes Baby zu bekommen. Die Gibbons geben dann nämlich Alarm und nicht nur die eigene Familie, sondern auch andere Gibbons in der Umgebung versuchen, das Baby zurückzuholen, worum sich auch Teile des Spiels drehen.  

Familie Gibbon sucht ihr Baby: In einer Großstadt suchen wir als Mama und Papa Gibbon unser kleines Kind, welches von Wilderern mit einem Jeep und dann Helikopter entführt wurde.
Vergrößern Familie Gibbon sucht ihr Baby: In einer Großstadt suchen wir als Mama und Papa Gibbon unser kleines Kind, welches von Wilderern mit einem Jeep und dann Helikopter entführt wurde.

„So ein Gibbon-Baby ist ein Jahr lang süß, danach ist es wertlos und wird durch ein anderes ausgetauscht“, berichtet Felix, der schon immer faszinierend war von Tierwelten. 

Das erste Spiel seines Studios namens Chasing Aurora drehte sich um die Faszination des Fliegens und was für unglaubliche Geschöpfe eigentlich Zugvögel sind, die mit dem Wind von Gipfel zu Gipfel reiten und sich in diesem Spiel durch die raue Umgebung der Alpen arbeiten. „Tiere faszinieren uns einfach, und wir mögen es, uns in Tiere hineinzuversetzen, also eine Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen und zu inszenieren, statt die menschliche Sicht auf ein Tier zu wählen, das uns vielleicht fremd ist.“ Auch im Spiel entreißen uns Wilderer unser Baby, der Familienausflug gerät zu einer Tour de Force gegen Helikopter, Jeeps, schwer bewaffnete Wilderer. Und auch im Spiel sehen wir, wie aus unserem zu Hause, dem Regenwald langsam aber sicher ein Dorf und schließlich eine Stadt wird, in der die Affen an nicht viel mehr hangeln können, als Lampions und Straßenlaternen. Denn die namensgebenden Bäume des Spiels, die sind Geschichte…

Wer Vereine unterstützen möchte, die Gibbon-Affen aus Gefangenschaft befreien und auf ihrem langen Weg zurück in den Urwald begleiten: 

https://gibbonconservationsociety.org

https://www.gibbonproject.org

Gibbon: Beyond the Tree ist jetzt auf iPad, iPhone, Mac und Apple TV im Abo von Apple Arcade (4,99 Euro pro Monat) spielbar

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