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Doom Eternal im Test: Schneller, härter, sehr viel intelligenter

01.04.2020 | 15:01 Uhr |

Doom Eternal ist ein Shooter mit Hirn: Nicht nur, weil wir hier ein Gemetzel erleben, an dem Quentin Tarantino seine höllische Freude hätte. Sondern weil id Softwares 2020er-Doom uns richtig viel Timing und Skill abverlangt, da wir sehr viel mehr Waffen, Mechaniken und Ideen handhaben müssen. Sogar die Story rund um den Chuck Norris der Gaming-Welt ist erstaunlich gut. Doom Eternal im Test.

Doom Eternal ist Shooter-Schach, auf Speed getrimmt, in einen Eimer Blut getaucht. Würde Quentin Tarantino ein Spiel designen, es würde genauso aussehen. Es ist wild, schnell, chaotisch, aber mit einem Rhythmus, den sonst kein anderer Shooter auffährt. Es gibt viele verdammt gute Action-Games da draußen, aber es geht fast immer nur um Inszenierung, kaum um strategisches Denken. In Call of Duty: Modern Warfare könnten wir die Augen schließen, wir würden trotzdem treffen. Doom Eternal ist anders: Es ist schnell, aber verdammt taktisch. Wir springen zurück, während wir schießen, aber der Feind ist überall. Krude, eklige Mutanten fingern nach uns im Nahkampf, feuern Raketen ab, verwandeln den Bildschirm in einen Explosionsteppich des Todes. Es ist ein Spiel, das permanent versucht, uns in die Defensive zu drängen. Lassen wir das zu, gehen wir drauf. Angriff ist die beste Verteidigung, zerquetschen wir Mutantenköpfe, lädt sich unsere Lebensenergie auf. Nicht groß fragen, einfach machen – wir sind der Doom Marine, der Chuck Norris der Gaming-Welt. 

Bei Doom Eternal geht es darum, die Railguns, Schrotflinten, Schrotflinten mit Fleischerhaken, Miniguns, Assault & Plasma Rifles, die BFG und viele mehr effizient einzusetzen. Wir reden hier nicht davon, dass Sie das Spiel mit Waffen zuschmeißt, wie ein Borderlands 3 das macht. Aber genug Argumentationsverstärkern, um ein Portfolio aufzubauen, welches alles abdeckt von brutalem Nahkampf mit der Kettensäge, über mittlere bis weite Distanz. Und all diese Werkzeuge wollen in sinnvollen Kombinationen ausgespielt werden: Gesundheit, Rüstung und Munition sind in den vielen, vielen Kampfarenen von Doom Eternal auf ein Minimum beschränkt – Sie haben nie genug von diesem Triumvirat, nie genug Leben, nie genug Munition, sowieso nie genug Rüstung. Das ist etwas, was Ihnen Doom 2020 sehr schnell eintrichtert: Das hier ist ein Shooter, der Sie zwingt, sich alles zu verdienen und seine zahlreichen Mechaniken schnell zu verinnerlichen. 

Doom Eternal bietet sehr viel mehr Abwechslung, weil jedes Level uns in ein neues Szenario katapultiert - hier wird der Doom Slayer als Gott verehrt.
Vergrößern Doom Eternal bietet sehr viel mehr Abwechslung, weil jedes Level uns in ein neues Szenario katapultiert - hier wird der Doom Slayer als Gott verehrt.

Wenn Sie einen Feind bis auf einen bestimmten Bereich runterschießen, können Sie ihn mit einem Glory-Kill auseinanderreißen. Das füllt Ihre Gesundheit wieder auf. Flambieren Sie einen Dämon mit dem Flammenwerfer, spuckt der Rüstungs-Pickups aus – bisschen komisch, aber eine sehr smarte Mechanik, um ins immer wieder in die Offensive zu gelangen. Genauso mit Munition – Feind in zwei Scheiben schneiden via Kettensäge und die Wumme ist wieder voll. Um am Leben zu bleiben, können Sie nicht einfach irre rumballern und erwarten, dass Sie mit dem Kopf durch die Wand können. Call of Duty erlaubt das, dort ballern Sie sich einfach durch. In Doom Eternal müssen Sie sehr viel mehr rational, aber auch schnell denken, weil Sie ständig zwischen Angriff und dem Aufladen von Gesundheit, Munition und Rüstung hin- und herwechseln. Viele der härtesten Feinde haben jetzt Schwachstellen, mit denen Sie ihre tödlichsten Waffen abschießen können. 

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Viele Feindestypen, viele Tötungsarten: der Tanz auf dem Höllen-Parkett 

Da ist zum Beispiel der Arachnatron, ein wandelndes Gehirn auf vier Stahl-Stelzen, der ein mächtiges Geschütz auf dem Rücken trägt. Er kann insgesamt vier Granaten abschießen, was ihn sehr gefährlich macht plus Hauptgeschütz. Zudem kann der Arachnatron sich kopfüber an Wänden festmachen, uns also überraschend aus einem Winkel attackieren, den wir im Eifer des Gefechts nicht zwingend auf der Uhr haben. Diese 360-Grad-Absicherung ist nahezu unmöglich, weil ständig Gegner von allen Seiten angreifen, aber man sollte ungefähr wissen, wo wer steht. Dieses Geschütz lässt sich zerstören, etwa mit der Railgun auf lange Distanz, was das Gefecht auf mittlere erleichtert. Spannend hierbei ist die Freeze-Mechanik: Wir können Gegner für kurze Zeit einfrieren – jetzt schnell um sie herumgehen, Geschütz mit Sticky Grenades, also Haftgranaten sprengen – läuft. Andere Gegner, wie der Archville, können Mutanten in die Arena spawnen, was seine Priorisierung als Zielobjekt nötig macht. Von der Komplexität und seinem Schwierigkeitsgrad nimmt Doom Eternal die 2016er-Edition und legt locker vier, fünf Level obendrauf, gerade weil das Layout der Karten uns viel abverlangt: Wir stehen ständig unter Beschuss, müssen aber trotzdem Sprungpads über Lava-Ströme meistern und uns an Schwungstangen wie Indiana Jones vorbei an Äxten schwingen, die unseren Körper halbieren wollen. Wohlgemerkt während eine komplette Armee Dämonen auf uns ballert. 

Rein technisch lässt Doom nichts anbrennen, mit knackscharfen Texturen und sehr voluminösen Explosionen.
Vergrößern Rein technisch lässt Doom nichts anbrennen, mit knackscharfen Texturen und sehr voluminösen Explosionen.

Auch das ist komplett anders als in einem Call of Duty: In CoD schießen wir meist auf die Soldaten, die uns am nächsten sind. In Doom Eternal müssen wir verstehen, wer Fußvolk ist und uns daher kaum gefährlich werden kann, und wer ernsthafte Probleme verursacht – der Arachnatron macht brutal viel Schaden, der Archville spawnt starke Dämonen als Verstärkung. Der Whiplash ist der erste Dämonin; sie ist sehr schnell und kann quasi wie ein Schlange über den Screen schnellen und so permanent ihre Position verändern, was es herausfordernd macht, sie zu treffen. Mit der Eisbombe können wir sie aber schockfrosten, was den Job erleichtert. Doom Eternal hat auch extrem starke Nahkampfeinheiten, den Marauder in etwa, der die Brillanz und Perfektion in id Softwares Shooter-Design zeigt: Der Kerl lässt sich nicht mit Granaten knacken, nicht einfrieren, nicht mit einem Schwall an Raketen. Er erfordert einen sehr spezifischen Angriff, der schwierig auszuführen ist. Er ist im Grunde eine Art mutierter Doom-Guy, mit ähnlich starker Rüstung und einer riesigen Axt. Er ist der Grand Master und seine Waffe wichtig für die Story. Story? Ja, Doom Eternal erzählt eine richtig gute Geschichte rund um das Königreich Argenta, das den Doom Slayer halb tot fand, zunächst in Arenen wie ein Gladiator kämpfen ließ und dann sein Wissen rund um die Dämonen nutzte, um deren Invasion entgegenzutreten. 

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Doom Eternal erzählt eine tiefgehende Story rund um Religion, Mystik und die Ritter Argentas

Dieses Pressing und Gegenpressing. Diese Mächte, die in Balance gehalten werden müssen: Das Spiel auf der einen Seite, das Sie in die die Defensive zwingen will durch Munitionsmangel. Und der Doom-Marine auf der anderen, der voll auf Aggressivität gepolt ist. Der kein Erbarmen kennt, eine Kampfmaschine ist. Es ist die Projektion eines 80er-Jahre-Action-Helden. Kein nuancierter Held, kein sympathischer Typ – er ist ein Psychopath, für den das Töten zum Leben gehört und in diese Mystik taucht auch die Story auf interessante, sehr überraschende Art ein. Das nimmt fast schon Assassin’s-Creed-Züge an, weil wir die Night Sentinels kennenlernen, einen Schutzorden einer Zivilisation, die im Zentrum Doom Eternals steht. Es erzählt uns, wo der Doom Slayer herkommt, wie er geschaffen, trainiert, gefoltert und zur Killermaschine designt wurde. 

Die Story hat uns richtig positiv überrascht. Hier steckt echt viel drin, was stellenweise regelrechte Stargate-Züge annimmt.
Vergrößern Die Story hat uns richtig positiv überrascht. Hier steckt echt viel drin, was stellenweise regelrechte Stargate-Züge annimmt.

So reisen wir in nie dagewesene Universen und auf Planeten, die fast schon eher an Star Trek erinnern. Ein brillanter Kniff, denn er erlaubt es id Software, uns nicht nur im Schlund der Hölle und den kalten Weltraumstationen der UAC kämpfen zu lassen, sondern auch in Schlössern, Burgen, mittelalterlich wirkenden Festungen und goldenen Palästen. Das sorgt für sehr viel mehr cineastische Momente und gut geschriebene und groß inszenierte Zwischensequenzen. Wir reisen nach Argent D’Nur, wo der Doom Slayer sich in Arenen beweisen musste, ehe er in die Eliteeinheiten des Königs integriert wurde. Die Geschichte ist in einem Doom nicht kriegsentscheidend, aber wir sind doch schon ziemlich positiv überrascht, wie viel Tiefe in diesem Universum steckt. Die Ritter etwa betrachten die Makyr als ihre Gottheiten, was diese natürlich ausnutzen. Auch sind wir bei großen Schlachten der Doom-Lore, etwa Taras Nabad, dabei. So viel Tiefe hätten wir Doom nie zugetraut. 

Doom Eternal ist ein Shooter mit Hirn - nicht nur mit wandelnden Gehirnen, sondern richtig vielen Ideen in seinem Gamedesign.
Vergrößern Doom Eternal ist ein Shooter mit Hirn - nicht nur mit wandelnden Gehirnen, sondern richtig vielen Ideen in seinem Gamedesign.

Fazit

Doom Eternal ist ein Ausnahmespiel: Es ist der härteste Shooter, der je das Licht der Welt erblickte. Er ist unfassbar intensiv, extrem schnell und fordert uns wirklich alles ab. Als nach 20 Stunden das Outro über den Screen flackerte, schmerzten die Finger und schrie das Hirn nach einer Pause – ein unfassbares Spiel. Mit unglaublich smart designten Arenen nahe an der Perfektion und fast schon einer Art mentaler Mathematik, die sich in den Kopf brennt, weil wir ständig überlegen müssen: „Welcher Gegner zuerst, wo füllen wir Energie auf, wo kommt Munition her, wer wird uns ernsthaft gefährlich? Belohnt werden wir hier zudem mit einer Tiefe in der Story, die wir nie im Leben für möglich gehalten haben. Muss man erlebt haben! 

Pro: 

Contra: 

Shooter-Gunplay nah an der Perfektion

Mitunter von allem zu viel, die vielen Mechaniken können überfordern

Extrem smart gedachte Level

Viel Trial & Error in Bosskämpfen, vergleichbar mit Dark Souls 

Sehr fordernde und intelligente Kämpfe

Komplexe Geschichte ohne Vorwissen mitunter schwer verständlich 

Knackige Bossfights

Sehr viel mehr Abwechslung in der Szenerie als Doom 2016 

Eine erstaunlich gut geschriebene Geschichte, die fast schon Star-Trek-Vibes trägt 

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