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Doom Eternal (Preview): 3 Stunden gespielt, 3 Stunden gejagt

23.01.2020 | 10:05 Uhr |

Eternal wird krass und überraschend. Es gibt Raumschiffe, nordische Geister-Gottheiten, viel zu lachen, viel zu grübeln, viel zu springen und noch viel, viel mehr zum Ballern, was sich wie Shooter-Schach anfühlt.

Doom Eternal ist in jeder Pixelfaser einfach nur extrem. Extrem brutal, extrem fordernd, extrem anstrengend. Selten gab es einen Shooter, der uns in der letzten Dekade, berauscht von hartem Metall-Soundtrack, derart hardcore vor sich hergetrieben hat, als dieses Doom Eternal . Drei Stunden haben wir es gespielt, hatten unfassbar viel Spaß, mussten aber auch ganz schön leiden. Aber leiden ist okay, denn leiden heißt lernen in diesem Spiel. Es wächst stark in die Vertikale, erinnert mitunter regelrecht an Mirror’s Edge, weil es immer weiter geht, immer alles im Fluss ist. Nur ist es nicht so smooth wie DICE’ Jump & Run-Titel, weil es uns verdammt schwer macht, diesen Fluss zu genießen. Timing und Perfektion sind alles, id Software verzeiht nicht viele Fehler. 

Und ja, natürlich ist Doom Eternal so richtig schön Doom, im Sinne der 2016er-Reinkarnation. Es ist mitunter wie ein Rausch, eine Action-Party, in der wir gar nicht so schnell denken können, wie wir schießen müssen. Wo mehr Reflex gefragt ist und eintrainiertes Muskelspiel. Doom Eternal ist nochmal eine ganze Ecke härter als sein Vorgänger, weil es uns nicht mehr nur in der Horizontalen durch Gänge und Blut verschmierte Weltraumbasen hetzt - wie sein Vorgänger. Sondern in der Vertikalen jagt, wie eine wildgewordene Bestie, der Flügel wachsen. 

Ein anspruchsvolleres Doom mit viel mehr Facetten und Variation

Doom Eternal führt sehr viele Gameplay-Features ein, die dem Spiel erstaunlich viel taktische Tiefe geben. Trotzdem bleibt das Spiel so rasant wie sein Vorgänger.
Vergrößern Doom Eternal führt sehr viele Gameplay-Features ein, die dem Spiel erstaunlich viel taktische Tiefe geben. Trotzdem bleibt das Spiel so rasant wie sein Vorgänger.
© Bethesda

Repetitives Leveldesign und Gameplay waren der größte Kritikpunkt am 2016er-Doom. Es war ein guter bis sehr guter Shooter, aber alles wiederholte sich zu häufig. Deshalb drückt Doom Eternal deutlich mehr auf die Feature-Tube: Noch immer verwandeln wir mit der Kettensäge Feinde in Blut sprudelnde Geysire, die uns mit frischer Munition für die Hölle belohnen. Und noch immer reißen wir mit Gory-Kills Mutanten Power-Ups aus der Brust, als würden diese ganz natürlich in ihrem Körper wachsen. Doom Eternal wirft uns jetzt aber sehr viel mehr vor die Füße, stößt uns ins kalte Wasser und schreit „Lern schwimmen, aber schnell“. Denn der Feind kommt jetzt in Wellen, Scharen, ja kompletten Armeen. Mitunter wird unsere Position einfach so überrannt, und wir müssen taktisch klug überlegen „Friere ich jetzt diese fünf Schergen vor mir ein, weil sie schnell sind? Oder doch lieber die da oben, die auf mich schießen? Oder die wild um sich spritzenden Zombie-Augen des Todes, die uns so oft das Leben gekostet haben?“ Mitunter ist das fast ein bisschen überwältigend, es ist fast so, als wolle uns id Software Superkräfte geben und uns zwingen, sie sehr, sehr schnell zu lernen. Ein bisschen wie Spider-Man, nur auf die blutige Tour. 

Die vielleicht größte Überraschung: Doom Eternal fokussiert sich recht stark auf seine Geschichte, die Alien-Mythologie einführt und zahlreiche Fraktionen, wie diese Knight Sentinels.
Vergrößern Die vielleicht größte Überraschung: Doom Eternal fokussiert sich recht stark auf seine Geschichte, die Alien-Mythologie einführt und zahlreiche Fraktionen, wie diese Knight Sentinels.
© Bethesda

Doch warum sind all diese Features eigentlich so fordernd? Einfache Antwort: Weil sie alle unterschiedliche Abkühlzeiten haben, bis sie wieder einsatzfähig sind, obwohl wir sie eigentlich ständig brauchen würden, um den Horden Herr zu werden. Da ist zum Beispiel der Double-Dash, mit dem wir zur Seite sliden – extrem wichtig gegen diese fiesen, lästigen und garstig flinken Imps. Die Biester springen gefühlt schneller um uns herum und umzingeln uns, als wir mit der Maus nachkommen. Viele Waffen-Features werden kombiniert. Es ist ein bisschen, als wären wir drei, vier Koop-Charaktere in einem. Etwa lodern wir mit dem Flammenwerfer und müssen jetzt auf das brennende Subjekt aka das qualmende Fleisch eines Dämons vor uns feuern, um unsere Rüstung mit Pick-Ups zu stärken. Diese Rüstung ist essentiell wichtig, Der Flammenwerfer sitzt am linken Arm des Doom Marine, mit der rechten Hand halten wir hingegen Klassiker wie die Super Shotgun, mit der wir wortwörtlich Rüstungsteile aus dem Feind rausprügeln. 

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Ein Ballett auf die Tarantino-Art

id Software hat Doom mal als Shooter-Schach bezeichnet, was treffend ist: Es ist extrem schnell, trotzdem müssen wir sehr viel mehr nachdenken, als etwa einem Call of Duty.
Vergrößern id Software hat Doom mal als Shooter-Schach bezeichnet, was treffend ist: Es ist extrem schnell, trotzdem müssen wir sehr viel mehr nachdenken, als etwa einem Call of Duty.
© Bethesda

Doom Eternal mag aussehen wie ein spielbares Blutbad, aber es ist eigentlich eher Schach, wo wir genau überlegen müssen, wie wir jetzt dieses Spiel des permanenten Auffüllens aus Gesundheit, Munition und Rüstung mit einem sehr viel nahrhafterem Upgrade-Baum kombinieren. Das Sturmgewehr etwa lässt sich mit einem ACOG-Zielsystem ausstatten, um den Revenants ihre Schulterraketenwerfer runterzuschießen. Dann können die Skelett-Krieger nur noch im Nahkampf austeilen, was uns den Job erleichtert. Die Cacademons schlucken nach wie vor Kugeln, als wäre es Pudding, aber ein gut platzierter Schuss aus dem Granatwerfer in den Mund und Boom – zerreißt es das komische Wurbel-Vieh mit den riesigen Augen, was gefühlt immer zum falschen Zeitpunkt, also dann, wenn wir eh schon genug zu tun haben, lacht und schießt. 

Alternativ können wir es auch erstmal einfrieren, dann beschießen. Oder einfach nur einfrieren, damit eine Sekunde bleibt, um seine Freunde zu beschäftigen. Die Shield Guys kehren außerdem zurück und, aha, wenn wir unser Plasma-Rifle smart upgraden und den richtigen Bereich des Energieschilds treffen, können wir es überladen lassen. Eternal hat kein Problem damit, uns all diese neuen Systeme einfach so vor die Füße zu werfen, nach dem Motto „Mach was draus oder stirb.“ Es gibt Runen namens Sentinal Chrystals und ein Upgrade-System dafür. Es gibt satte 20 Upgrade-Slots für den Anzug, zig Mods für jede Waffe. 

Waffensysteme lassen sich oft abschießen, was den Feind in den Nahkampf zwingt.
Vergrößern Waffensysteme lassen sich oft abschießen, was den Feind in den Nahkampf zwingt.
© Bethesda

Jedes andere Triple-A-Spiel würde sich wohl je ein Level nehmen, um uns zu beizubringen, wie das denn alles funktioniert. Nicht so Doom Eternal: Manchmal wünschen wir uns, dass id Software einen Gang runterschalten und Systeme besser erklären würde, aber man muss sich auch vor der Chuzpe der Texaner verbeugen, die ihren Spielern offensichtlich viel zutrauen. Und wie ein guter Quentin-Tarantino-Streifen hat id Software hier auch jede Menge Ideen und Überraschungen untergebracht: Wir verbinden uns mit dem neuronalen Netzwerk eines Revenant und lassen dessen eigene Bodyguards über die Raketen-Klinge springen. Es gibt erstaunlich viele, erstaunlich anspruchsvolle Jump-&-Run-Passagen, die mitunter gar den Rätsel-Faktor eines Shadow of the Tomb Raiders erreichten, womit wir nicht gerechnet hätten. Es gibt ein Fortress of Doom, eine riesige Weltraumstation, die uns als Basis dient, in der unser Doom Guy lustigerweise einen Gaming-Room hat, wo er Wolfenstein Youngblood spielt. Doom Eternal scheint seine Geschichte deutlich mehr zu fokussieren als Doom – wir treffen etwa auf den Ghost King Novik, dem wir huldigen und der unser Boss zu sein scheint. Später treffen wir mit dem Crucible-Schwert auch in die heiligen Hallen des Orden der Sentinal Knights, der … ach, darüber reden wir mal in einem Making-of-Special.

Das Leveldesign ist der Hammer, hoffentlich dürfen wir diesen gigantischen Doom-Roboter, der uns spontan an Pacific Rim erinnert, auch mal selbst steuern. Wäre eine tolle Überraschung.
Vergrößern Das Leveldesign ist der Hammer, hoffentlich dürfen wir diesen gigantischen Doom-Roboter, der uns spontan an Pacific Rim erinnert, auch mal selbst steuern. Wäre eine tolle Überraschung.
© Bethesda

Fazit

Holy moly, dieses Doom Eternal macht echt viel anders. Es kombiniert den nahezu perfekten Shooter Doom aus 2016, der sich ohnehin gut anfühlt, mit signifikant mehr Spieltiefe, Ideen und strategischen Optionen, die sich gerade auch im erstaunlich umfangreichen Upgrade-System wiederfindet. Spannend auch, dass Doom Eternal scheinbar eine richtige Geschichte erzählen will, die eher so Richtung Stargate geht – nordische Mythologie trifft Aliens trifft die Hölle. Generell gibt es unglaublich viel zu entdecken, innerhalb von Levels, die mitunter auf riesigen Doom-Slayer-Statuen stattfinden, was viel sagt über den Status des Doom Slayer in dieser Welt. Und dann gibt es jede Menge Überraschungen auf der Weltraumstation Fortress of Doom, die sich anfühlt wie eine Comedy-Version des Universums. Der Doom Slayer mag 50 Shades of “Slay“, isst Pizza und spielt Videogames. Natürlich. Etwas Bauchschmerzen macht uns allerdings eine Neuerung: Die Jump-&-Run-Passagen sind mitunter absurd kompliziert, weil die Sprünge so präzise gelandet werden müssen. Das kann in einer Trial-&-Errror-Hölle ausarten, was frustrierend sein kann. Von der Eiswelt der Demo haben wir noch immer Albträume.

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