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Die Ringe der Macht: Amazons Griff nach der Serien-Krone

27.02.2022 | 09:20 Uhr |

"Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht" will die Vorgeschichte des vielleicht epischsten Fantasy-Universums aller Zeiten erzählen.

Rund um das mächtige Königreich Númenor, den edlen Elben von Lindon und Zwergen von Khazad-dûm mit Elrond und Galadriel im Kampf gegen Orks und den Balrog. Geschrieben, gedreht und produziert von den Besten des Serien-Genres: Veteranen von The Sopranos, Doctor Who, Breaking Bad, Stranger Things, The Witcher und Mad Men. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – die Weltpremiere. 

Der erste Trailer zu "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht" ist Gänsehaut pur: dieser Score, diese Welt, diese Atmosphäre. J.R.R. Tolkien hat Weltliteratur geschrieben, selten fühlte sich ein Fantasy-Universum so greifbar, so nahbar, so episch an. Und Peter Jackson schaffte mit Die Gefährten, die Zwei Türme und die Rückkehr des Königs drei der größten Filme aller Zeiten. Obwohl Hollywood heute drei-, vier-, fünfmal höhere Budgets in die Hand nimmt, hat es nie wieder ein Regisseur geschafft, Schlachten mit dieser Wucht, Intensität und Emotionalität zu malen, wie einst Peter Jackson. Es ist schade, dass er nicht die Serie für Amazon dreht. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht ist Jeff Bezos Baby. Er sagte seinem Team: „Ihr kriegt alles Geld der Welt, völlig egal, was es kostet, wir brauchen unser eigenes Game of Thrones.“ Die Amazon Studios wollen endlich in die Königsliga neben HBO aufsteigen, und was wäre da besser geeignet als Setting als Der Herr der Ringe und das Zweite Zeitalter. Die Hohezeit und der Untergang der Númenor, den Vorfahren Gondors. Das spüren wir direkt in den ersten Szenen: die Rüstungen, die Armeen, die Festungen – das alles erinnert an das Gondor, wie wir es von Peter Jackson kennen.  Und die Hafenstädte Númenors mit ihren riesigen Statuen, wie sie einst J.R.R. Tolkien in all seiner Größe und Pracht beschrieb.

Die Ringe der Macht erzählt die Geschichte vor dem Dritten Zeitalter. Eine epische Serie mit 22 Hauptfiguren und vielen, vielen Reichen, die hier im Zentrum stehen: Khazad-dûm, die Minen Morias der Zwerge im Nebelgebirge, das edle Elfenkönigreichs Lindon bis zur mächtigen, atlantischen Insel der Menschen, Númenor. Amazon-Gründer Bezos bewilligte das größte Budget der Serien-Geschichte: Für 1 Milliarde US-Dollar ließen die Show-Runner J.D. Payne und Patrick McKay ganz Mittelerde auferstehen. Geld spielt keine Rolle, entsprechend muss man weniger auf CGI zurückgreifen, sondern kann Schlachten auf echten Feldern drehen, echte Dörfer errichten, echte Festungen, in realen Minen drehen, statt nur auf Sound-Stages. Statt CGI ist hier sehr viel handgemacht: Menschen spielen elbische Soldaten in goldenen Rüstungen, Menschen stecken in den Kostümen der Orks. Reale Pferde stürmen über die Anhöhe. Wie einst bei Peter Jackson, in der wohl epischsten Film-Trilogie aller Zeiten, der mit Die Zwei Türme und die Die Rückkehr des Königs Schlachten in einer Intensität inszeniert hat, kein anderer Hollywood-Regisseure vermochte dies zu toppen, obwohl heute Budgets um die 150 Millionen US-Dollar Standard geworden sind. Die Rückkehr des Königs kostete „nur“ 100 Millionen US-Dollar. 

Wunderschöne Sets: Die Kollegen von Vanity Fair zeigen etwa die Elben-Hochzeit zwischen Galadriel und Elrond
Vergrößern Wunderschöne Sets: Die Kollegen von Vanity Fair zeigen etwa die Elben-Hochzeit zwischen Galadriel und Elrond
© Amazon Studios, Komposition: PC WELT

Man hat aus Der Hobbit gelernt, wo ganze Armeen nur aus dem Computer gerendert wurden. Von den dunkelsten Tiefen des Nebelgebirges über die majestätische Landschaft von Lindon und dem atemberaubenden Inselreich Númenor bis hin zu den entlegensten Winkeln Mittelerdes wird unsere Reise gehen. Die Ringe der Macht sagt dann auch schon auch, worum sich die Show dreht, denn vor dem „Einen Ring“ gab es Ringe für die Elben, für die Zwerge und für die Menschen. Geschaffen, um die Übermacht Morgoths zu brechen. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht erzählt die Geschichte dieser gottgleichen Waffen und was sie mit all diesen Völkern gemacht haben. Entsprechend werden wir die Völker des Zweiten Zeitalters im Detail kennenlernen: die Königsfamilie der Númenors und die Herrscher Lindons. Wir erinnern uns – es waren die Elben, die einst den Einen Ring schufen…

Herr der Ringe: Film- und Spielerechte sollen versteigert werden

Galadriel spielt eine sehr viel aktivere Rolle als Heerführerin gegen Sauron 

Charlie Vickers spielt Halbrand, der uns an wohlig an Aragorn erinnert. Er flieht vor seiner Verantwortung als Teil der Königsfamilie Númenors und trifft auf Galadriel.
Vergrößern Charlie Vickers spielt Halbrand, der uns an wohlig an Aragorn erinnert. Er flieht vor seiner Verantwortung als Teil der Königsfamilie Númenors und trifft auf Galadriel.
© Amazon Studios, Komposition: PC WELT

Die Show beginnt mit jener Schicksalssschlacht, in der der dunkle Fürst Morgoth besiegt wurde. Szenen davon sehen wir im Trailer: Finrod schart seine letzten Truppen um sich, um gegen den Balrog und eine Übermacht der Orks anzukämpfen. Bei strömenden Regen, eine Szene, sie fühlt sich düster an wie einst bei Peter Jackson und dem Sturm auf Helms Klamm.  Laut einer sehr lesenswerten Geschichte der Kollegen von Vanity Fair ist Galadriel zu Beginn mit ihren Truppen auf der Jagd nach den letzten Überresten von Morgoths Schergen. Und Sauron, Morgoths Schüler. Zwei weitere wichtige Figuren sind Hobbits – die heißen hier allerdings Harfoots, also Harfüßler, weil Hobbits sehr behaart um die Füße herum sind. Wie Vanity Fair enthüllt, haben die Tolkien-Fans McKay und Payne eine pastorale Harfüßler-Gesellschaft geschaffen, die von der Geheimhaltung und der Flucht vor Entdeckung lebt, doch zwei davon sehnen sich nach dem Abenteuer. „Was sonst ist da draußen? Es gibt so viele Wunder in dieser Welt. Weit hinaus über das, was wir uns vorstellen können.“ Die zwei liebenswerten, neugierigen Harfoots werden von Megan Richards und Markella Kavenagh gespielt. 

Finrod vom Hause Finwes führt die Truppen der Elben gegen Morgoth’s Horden. Spannend: In Der Herr der Ringe erleben wir endlich auch mal einen Kampf gegen Balrog.
Vergrößern Finrod vom Hause Finwes führt die Truppen der Elben gegen Morgoth’s Horden. Spannend: In Der Herr der Ringe erleben wir endlich auch mal einen Kampf gegen Balrog.
© Screenshot aus Trailer

Spannend und ungewöhnlich, denn sie haben beide keine nennenswerte Erfahrung im Seriengeschäft. Ungewöhnlich deshalb, weil die Macher bei diesem Budget halb Hollywood hätten einkaufen können. Galadriel wird auch nicht mehr von Cate Blanchett gespielt, was wir schade finden. Man hätte sie durchaus casten können, denn laut Tolkien verändern sich Elben nicht mehr, nachdem sie ein gewisses Alter erreicht haben. In Peter Jacksons erster Trilogie ist sie über 8000 Jahre alt, wirkt aber eher wie 30. Bis wir die Show gesehen haben, müssen wir die kreative Freiheit von Amazons Team respektieren. Vermutlich liegt es daran, dass Blanchett mittlerweile 52 ist, es wäre also schwierig, sie auf das Alter zu schminken, das sie in die Rückkehr des Königs hatte vor 19 Jahren und es würde merkwürdig wirken, wäre Galadriel im Zweiten Zeitalter älter als im dritten. Man entschied sich für BAFTA-Preisträgerin Morfydd Clark. Sie ist 32, spielt in der Show aber vom Gefühl eine jüngere Rolle, wenn wir uns die ersten Set-Bilder anschauen. Galadriel wird in der Serie eine sehr viel zentralere und aktivere Rolle einnehmen als bei Peter Jackson. Wir sehen sie in der Rüstung der Elben, mit einem Elbenschwert auf einem weißen Ross in die Schlacht reiten. Und bei ihrer Trauung mit Elrond, in einem wundervollen goldenen Elben-Kleid, mit samtenem Umhang und einem goldenen Lorbeerkranz. 

Ohne den Weißen Ring der Elben spielt Galadriel zumindest zu Beginn der Show eine eher militärische Rolle als Heerführerin der Armeen des Nordens. Wie bei Tolkien auch, wo sie in den Büchern die Verteidigungslinien von Eregion befiehlt.
Vergrößern Ohne den Weißen Ring der Elben spielt Galadriel zumindest zu Beginn der Show eine eher militärische Rolle als Heerführerin der Armeen des Nordens. Wie bei Tolkien auch, wo sie in den Büchern die Verteidigungslinien von Eregion befiehlt.
© Vanity Fair, Amazon Studios by Ben Rothstein

Bei Peter Jackson trug sie stets nur ein leichtes weißes Gewand und erschien Frodo in eher traumartigen Sequenzen. Dank des Weißen Ringes Nenya war sie so mächtig, sie benötigte weder Waffen noch Rüstung. In Die Ringe der Macht verantwortet sie, wenn wir die Coverstory der Vanity Fair richtig deuten, wohl die Verteidigungslinien der Armeen des Nordens gegen Saurons Horden. Scheinbar wurden so viele Heerführer im Kampf gegen Morgoth getötet, dass man das militärische Kommando an eine, zumindest auf den Bildern, sehr jung wirkendes Mitglied des adligen Hauses der Noldor übergibt. Oder sie reißt das Kommando an sich, was ihre Stellung erlauben würde, denn laut Vanity Fair glaubt man ihr nicht, dass nach dem Sieg über Morgoth noch immer Gefahr droht. Wie gesagt, Elben altern kaum, insofern könnte sie in der Show leicht schon tausende Jahre und enorm erfahren sein, wir dürfen hier nicht in Menschenzeitaltern rechnen. Wir sehen auch, wie sie alleine auf einem Floß gegen die Wellen ankämpft und einen Elbendolch nutzt, um sich einen Weg durch einen eisigen Pfad zu bahnen, denen wir noch nicht final zuordnen können. Hollywoods Make-Up-Götter hätten sicherlich Blanchett auf Ende 30 schminken können, aber wenn die Showrunner lieber eine Anführerin Mitte 20 haben wollen, die im Schwertkampf hoch zu Ross geübt ist, könnte das eng werden. Morfydd Clark gilt als riesiges neues Talent und Charakter-Darstellerin – etwa in der BBC-Miniserie Dracula oder dem Mystery-Horror-Film Saint Maud. Nur weil jemand noch keine große Rolle in einem Kinofilm hatte, heißt nicht, dass eine Schauspielerin nicht richtig gut spielen kann. Nicht vergessen: Cate Blanchett, Elijah Wood, Sean Astin, Vigor Mortensen und Orlando Bloom waren vor Der Herr der Ringe auch keine Stars. 

Dringende Empfehlung: Die Coverstory der Kollegen von Vanity Fair

Eine Reise nach Khazad-dûm, als es noch von den Zwergen bewohnt wurde

Bei Peter Jackson war Khazad-dûm bereits gefallen, in Die Ringe der Macht erleben wir es in seiner Blüte. Zwei der Protagonisten sind Prinz Durin IV und Prinzessin Disa.
Vergrößern Bei Peter Jackson war Khazad-dûm bereits gefallen, in Die Ringe der Macht erleben wir es in seiner Blüte. Zwei der Protagonisten sind Prinz Durin IV und Prinzessin Disa.
© Vanity Fair, Amazon Studios by Ben Rothstein

Wir werden endlich die volle Pracht von Khazad-dûm sehen – die höhlenartige Nekropole, die in das Nebelgebirge gehauen wurde, wo Gandalf in Peter Jacksons Die Gefährten des Rings dem Balrog entgegenbrüllte: „You Shall Not Pass!“. Die Show wird dieses Königreich erkunden, als es noch voller Licht, Prunk und und Musik war. Außerdem wird der Elbenschmied Celebrimbor (Charles Edwards) zum Leben erweckt, dessen Geschicklichkeit im Umgang mit Metallen und Magie zum Schmieden der Ringe führte. Und ein kluger junger elfischer Architekt und Politiker namens Elrond (Robert Aramayo) wird in der mystischen Hauptstadt Lindon zu einer bedeutenden Persönlichkeit aufsteigen. Ein anderer Handlungsstrang folgt einem Seemann namens Isildur (Maxim Baldry), Jahre bevor er zum Krieger wird und den seelenverderbenden Ring von Saurons Hand abschneidet, um dann selbst seiner Macht zum Opfer zu fallen. Weil eine TV-Show viel mehr Zeit hat, Orte zu zelebrieren und Personen vorzustellen, möchten die Showrunner eine Welt zeichnen, so wie sie sich eigentlich Tolkien ausgemalt hat. Wir finden das toll, denn Jackson hatte in seinen Filmen häufig nicht die Zeit dafür. Zwergen-Frauen haben wir in den Filmen nie gesehen, in den Büchern aber von ihnen gelesen. Die Zwerge sind ein stolzes und sehr reiches Volk, ihre Prinzessin Disa etwa ist nur so mit Goldschmuck überhängt, schließlich sind die Zwerge Meister des Handwerks und zeigen das auch gerne. Zudem trägt sie Goldstaub auf der Hand, was wohl ein Zeichen für besonderen Wohlstand sein könnte. 

Wir stellen uns das sehr spannend vor, denn bislang haben wir in den Filmen nur Männer kennengelernt, die stets auf dem Kriegspfad waren: Gimli ist der Chefzwerg, der ständig frisches Futter für seine Axt braucht und der ganz unruhig wird, wenn er mal nicht kämpfen darf. Und auch Thorin Eichenschild von Erebor und Dáin von den Eisenbergen sehen wir nie im Rahmen ihrer Familie. Die Zwergen-Prinzessin wird von einer schwarzen Schauspielern gespielt, was viele unpassend finden, denn bei Tolkien gab es zwar schwarze Völker, aber diese lebten für sich –  wie die Haradrim. Sie mischten sich nicht mit anderen Völkern Mittelerdes. Vielleicht wird das ja in der Serie erklärt, da müssen wir einfach bis September warten. Generell mussten die Showrunner und ihr Team sich einige kreative Freiheiten nehmen, denn das sogenannte „Appendices“ ist ein Werk, in dem J.R.R. Tolkien zwischen seinen Kapiteln gerne mal 100 oder 200 Jahre springt. Zu unserem Pech glaubten seine Verleger 1955 nicht an den Erfolg, er wollte eine komplette Trilogie über den Ursprung Mittelerdes schreiben, sein Verleger bezahlte aber nur ein Beiwerk mit 150 Seiten. Niemand ahnte damals, dass Der Herr der Ringe mal eine der größten popkulturellen Phänomene unserer Zeit und Milliarden wert werden würde. Hätten die Macher von Amazons Die Ringe der Macht es 1:1 verfilmt, hätten sie völlig auf Menschen verzichten oder den Cast häufig austauschen müssen, denn diese altern und sterben bei Tolkien so wie wir auch. Nur Elben können tausende Jahre alt werden. Auch Zwerge haben laut Tolkien „nur“ eine Lebensspanne von 255 Jahren.

Amazon hat ein All-Star-Team angeheuert für die teuerste Serie aller Zeiten: Veteranen von The Sopranos, Doctor Who, Breaking Bad, Mad Men, Stranger Things und Pacific Rim. 

Ungewöhnliche Mischung: Amazon mixt einen eher unerfahrenen, sehr jungen Cast mit den Besten der Branche. Experten, die einige der besten Serien aller Zeiten geschrieben, gedreht oder produziert haben. Unterstützt werden sie vom Executive Producer von Gam
Vergrößern Ungewöhnliche Mischung: Amazon mixt einen eher unerfahrenen, sehr jungen Cast mit den Besten der Branche. Experten, die einige der besten Serien aller Zeiten geschrieben, gedreht oder produziert haben. Unterstützt werden sie vom Executive Producer von Gam
© Vanity Fair, Amazon Studios by Ben Rothstein

Peter Jackson wollte Der Hobbit ursprünglich nicht drehen und das merkt man den Filmen an: Sie sind nicht mit der Leidenschaft gemacht, wie die Der-Herr-der-Ringe-Trilogie. Damals drehte man in Neuseeland, engagierte dutzende Stuntmen und tausende Kampf-erprobte Statisten. Man nutzte hunderte reale Pferde, die Orks waren Schauspieler, die Masken und Rüstungen trugen. Das spürte man im Kino, alles wirkte so echt, trotz seines Fantasy-Settings. Die Hobbit-Trilogie musste in kürzester Zeit abgedreht werden, weil die Rechte sonst ausgelaufen wären. Man nutzte viele Soundstages, sehr viel Greenscreen, ganze Armeen entstanden nur in CGI von Weta Digital - Peter Jacksons Visual-Effects-Studio. Es ist für Regisseure die einfache Art Filme zu machen, die Hollywood so sehr lieben gelernt hat, weil man dabei alles kontrollieren kann: Die erste Trilogie entstand weitestgehend unter freiem Himmel, man nutzte den Regen – in der Schlacht um Helms Klamm. Musste aber auch öfter unterbrechen und konnte Tagesszenen nur dann drehen, wenn es auch in Neuseeland Tag war. Die Stars wie Viggo Mortensen (Aragorn) verletzten sich häufig, weil die Schwertchoreographien komplex waren und der Nahkampf hart – in der Hobbit-Trilogie sind die Orks alle am Computer entstanden, die Schauspieler ringten mit Stunt-Männern in Greenscreen-Anzügen, die Waffen wurden häufig via CGI eingesetzt. 

Die Armeen in Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere waren fast komplett CGI 

Fast die komplette Armee der Elben und Zwerge entstand in CGI für die Schlacht der fünf Heere, nur einige Hauptcharaktere wie Lee Pace als Elben-König Thranduil und die erste Reihe seiner Elitesoldaten sind echte Menschen, alle anderen aus dem Computer. Das spürt der Zuschauer, das merkt man einfach. Das wirkt alles so künstlich. Man sieht, dass da gerade keine Schauspieler als Infanterie der Elben über die Schilde der Zwerge springen und sich eine wilde Schlacht mit den Orks liefern, sondern das quasi fast nichts am eigentlichen Set entsteht, sondern 90 Prozent hinterher im Render-Verfahren. Die Amazon-Trilogie soll sich wieder handgemacht anfühlen, halb Mittelerde hat man nachgebaut mit aufwändigen, riesigen Sets, so wie es einst HBO mit Game of Thrones tat. Ganze Festungen mit riesigen Wällen, Türmen, Kasernen und Paläste der Elben für gigantische Budgets, laut Vanity Fair floßen alleine in die Rekonstruktion Mittelerde und die Miete für große Gebiete Neuseelands 460 Millionen US-Dollar. So gut auch CGI geworden ist, wir merken es, ob auf echten Mauern gekämpft wird oder mit einem Greenscreen-Hintergrund.

Die Showrunner wollen eine Serie abliefern, die Anhänger Tolkiens sowie Fans von Peter Jacksons Adaption glücklich macht und drehen dort, wo einst die drei größten Filme aller Zeiten entstanden: In Neuseeland. Auch wird vor allem mit realen Sets und Effek
Vergrößern Die Showrunner wollen eine Serie abliefern, die Anhänger Tolkiens sowie Fans von Peter Jacksons Adaption glücklich macht und drehen dort, wo einst die drei größten Filme aller Zeiten entstanden: In Neuseeland. Auch wird vor allem mit realen Sets und Effek
© Vanity Fair, Amazon Studios by Ben Rothstein

Man dreht in Neuseeland, denn dort gibt es Jahrhunderte alte Bäume, man muss diese nicht künstlich schaffen. Die Wahl der Showrunner mag überraschen, denn J.D. Payne und Patrick McKay haben bislang nur Star Trek: Beyond gemacht, doch sie sind Hardcore-Tolkien-Nerds, die im Interview mit Vanity Fair gerne Zitate aus den Filmen benutzen. Amazon weiß, wie sehr Fans Der Herr der Ringe lieben und dass es hier alles zu gewinnen gibt, aber auch viel zu verlieren. Entsprechend hat man die Besten der Besten ihres Faches engagiert: Den Showrunnern zur Seite steht Bryan Cogman, Co-Executive Producer von Game of Thrones, der 11 Episoden geschrieben hat. Gennifer Hutchinson hat mit Mad Men und Breaking Bad zwei der herausragendsten Serien der letzten Dekade geschrieben – Intrigen und Machtspiele waren immer schon Kern von Tolkiens Werken und diese sind ja ein großer Teil von Mad Men. Überraschend: Es wirkt so, als wolle man tendenziell eher auf Sex verzichten, die Macher sehen Die Ringe der Macht nicht als Game of Thrones in Mittelerde. Vielleicht auch gut so, schließlich war Tolkien katholisch erzogen und gibt sich in seinen Büchern auch eher zugeknöpft. Er beschreibt die Liebe lieber in wundervollen Worten, was nach der Liebesbekundung passiert, darf der Leser sich dann selbst ausmalen. 

Jason Cahill schrieb einst mit The Sopranos eine der besten Serien aller Zeiten, die die goldene Ära von HBO einläutete. Vermutlich will Amazon genau dasselbe…
Vergrößern Jason Cahill schrieb einst mit The Sopranos eine der besten Serien aller Zeiten, die die goldene Ära von HBO einläutete. Vermutlich will Amazon genau dasselbe…
© HBO

Weiter geht es mit dem super starken Autoren- und Producer-Team: Jason Cahill war der Chefautor von The Sopranos, sicherlich eine der bestgeschriebenen Serien HBOs. Callum Greene hat durch Pacific Rim und den sehr harten Blockbuster Vantage Point, in dem Dennis Quaid als Secret-Service-Agent den Präsidenten nach einer perfekt geplanten Entführung befreien muss, viel Erfahrung im Action-Kino gesammelt. Justin Doble hat vorher als Executive Producer mit Stranger Things eine der Top-Netflix-Shows verantwortet und Regie führen Wayne Yip (Doctor Who) sowie Charlotte Brändström (Madame Secretary, The Witcher). Die Leitung hat Juan Antonio Bayona, der mit La Reina de Espana (mit Penelope Cruz) bereits ein starkes Historiendrama verfilmt hat und dieses Jahr die Regie beim großen Jurassic-Park-Reboot Jurassic World: Das vergessene Königreich führt. Das kann man durchaus als All-Star-Team bezeichnen. Amazon Prime hat sich viel Zeit gelassen nach dem Mega-Deal, sie sollen mit so ziemlich jedem in der Branche gesprochen und unzählige Skripte gelesen haben. Es ist noch viel zu früh, ihre Arbeit zu bewerten und doch sympathisch, wenn die Showrunner im Interview sagen: 

"Wir fühlten uns wie Hobbits. Wie zwei sehr kleine Menschen in einer sehr großen Welt, denen gerade etwas anvertraut worden war, das so vielen verschiedenen Menschen so viel bedeutet.“ 

- Patrick McKay

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