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Diablo 2 Resurrected gespielt: So schön kann Nostalgie sein

29.04.2021 | 08:01 Uhr |

Viele Stunden haben wir jetzt Diablo 2 Resurrected gespielt, die technische Alpha auf Herz und Nieren getestet und können konstatieren: Blizzard will ganz offensichtlich seine alten Fans zurückgewinnen. Denn so viel Detailarbeit und Liebe ist selten in ein Remaster geflossen. Diablo 2 Resurrected im Hands-On-Test.

Diablo 2: Resurrected fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen. So als ob wir nach Hause zu Mama und Papa fahren, den kleinen Bäckerladen am Eck besuchen und eine Tüte voll Süßigkeiten bestellen. Oder unsere alte Schule besuchen. Alles noch da, nur ein bisschen hübscher. Wobei, eigentlich werden wir Blizzard damit nicht ganz gerecht, denn Diablo 2: Resurrected zeigt sich in der technischen Alpha schon durchaus visuell beeindruckend. Die neue Engine spielt gerade die Reize von Diablo wundervoll aus, diese düstere und schmutzige Kulisse. Diablo 2 war ja so richtig schön Barock, mit erdigen Tönen, mit einer Architektur irgendwo zwischen Hoffnungslosigkeit und der Aggressivität gotischer Kathedralen. Eine Welt, die sich kaum gegen die Mächte der Finsternis behaupten kann, in der die Sonne nicht lange scheint und alles nur darauf aus ist, uns zu töten.

Dieses Remake schnappt sich die dunkle Aura seines Werks aus dem Jahr 2000 und transferiert sie wirklich gekonnt in die Moderne. Es ist nicht einfach dunkler und düsterer – das ist nicht schwer zu machen, dafür müsste man ja nur die Farbtemperatur nach unten drehen. Es fühlt sich bedrohlicher an und erzählt kleine Geschichten über sein Design, weil Blizzard mehr Details raus arbeitet, stärkere Nuancen. Die Melange aus Grafik und Design des ganzen Settings, der Umgebung und des Hintergrunds sind einfach gut gemacht und in die Charaktere und Monstren ist die Liebe und Arbeit geflossen, die wir uns eigentlich auch für Warcraft 3: Reforged gewünscht hätten. Auch für seine wichtigste Strategiemarke hatte Blizzard ursprünglich große Pläne, das Budget wurde aber hart gekürzt, und man fing sich den größten Shitstorm der Firmengeschichte ein.

Diablo 2 Resurrected hat uns stellenweise umgehauen. Achten Sie mal auf die Schärfe der Texturen, die filigranen Details in der Architektur. Dieses Spiel war ursprünglich mal aus 2000.
Vergrößern Diablo 2 Resurrected hat uns stellenweise umgehauen. Achten Sie mal auf die Schärfe der Texturen, die filigranen Details in der Architektur. Dieses Spiel war ursprünglich mal aus 2000.

Ganz ähnlich wie Bioware nach ihrem Anthem-Desaster, will und muss Blizzard mit seinen neuen Spielen seine alten Fans zurückgewinnen und gibt dafür wirklich alles. Die Zauberin ist dank ihrer vielen Elementar-Fähigkeiten und mit welcher Wucht diese inszeniert werden, sicherlich am beeindruckendsten. Aber auch das Eindreschen, Aufschlitzen und Abfeuern von Pfeilen mit dem Barbaren und der Amazone ist ein Genuss. Magische Angriffe haben ähnlich wie in Diablo 4 richtig Druck, weil sie von weiter oben kommen, ein breiteres Wirkungsfeld haben und den Feind regelrecht durchzucken. Auch wirken die Feuereffekte echter, man möchte fast sagen knisternder, weil sich die Flammen organisch durch den Boden und das Level fressen.

Ein altes Spiel, transferiert in die Moderne mit all der Liebe, die Blizzard früher ausmachte

Hier kann man schön sehen, wie Blizzard etwa Sub-Surface-Scattering benutzt, um Monstern schleimige Hauttexturen zu verleihen. Auch sind die ganzen Umgebungstexturen wirklich super scharf in 4K.
Vergrößern Hier kann man schön sehen, wie Blizzard etwa Sub-Surface-Scattering benutzt, um Monstern schleimige Hauttexturen zu verleihen. Auch sind die ganzen Umgebungstexturen wirklich super scharf in 4K.

Die Gegnermodelle sehen fantastisch aus. So gut, dass wir mitunter am liebsten mit gezoomter Kamera dastehen würden, wenn diese gerade angreifen. Wir haben noch nicht alle Monster gesehen, aber die aus Akt 1 und 2 sind ein gutes Zeichen für das, was noch kommen wird. Gibt es hier noch Kleinigkeiten, an denen Blizzard arbeiten muss? Klar, die Statuseffekte etwa. Das Einfrieren von Gegnern färbte sie in eine Art helles Blau, was ein bisschen zu extrem wirkt in dieser, eher von Erdtönen geprägten Welt. Und Gift wirkte ein wenig zu neonfarben. Ist Meckern auf hohem Niveau, aber auf dem bewegt sich ein Blizzard normalerweise auch. Die Zwischensequenzen, die Set-Pieces, alle Charaktere, alle Gegenstände wurden komplett überarbeitet. Diablo 2 ist jetzt ein modernes Spiel und sicherlich eines der schönsten Action-RPGs, die dieses Jahr auf den Markt kommen. Path of Exile wird sicherlich der härteste Konkurrent und das optisch umwerfend schicke Lost Ark aus asiatischen Gefilden, bei dem wir aber noch nicht wissen, wann es nach Deutschland kommt. Aktuell gibt’s nur die russische Beta.

Blizzard hat sich auch nicht nur damit begnügt, bestehende Artworks dezent zu überarbeiten: Die meisten Kulissen wurden erweitert, die Dungeons fühlen sich jetzt lebendiger an, mit Gerümpel, das sich entlang der Wände und in den Ecken stapelt. Eine Stärke, die uns schon in Diablo 4 überrascht hat, wo sich gar Dörfer komplett verändern, nachdem wir sie befreit haben. Von Ruinen, in denen sich der Staub stapelt in Refugien für Flüchtlinge, die hier erste Zelte aufstellen und mal putzen hin zu prächtigen Wohnungen. Ganz so weit geht ein Diablo 2: Resurrected nicht, man möchte ja auch noch etwas für Diablo 4 aufheben. Aber was früher leere Ziegelwände waren, hat jetzt einen Zweck, der mit dem gesamten Setting verbunden ist. Diese Änderungen sind besonders in den Kasernen von Akt 1 und dem Schwarzen Turm auffällig – jeder neue Raum hat diese Fülle an Details und liebevollen kleinen Zusätzen, die ihre eigene Geschichte in der Architektur und dem Zustand eines Gebäudes erzählen.

Nostalgiker schalten per Knopfdruck auf Diablo-2-Old-School um

Der Stil geht schon eher Richtung Realismus, was man gerade auch an den Hauttexturen hier sieht. Das könnte Puristen eventuell weniger gefallen, die allerdings jederzeit zum Original zurück wechseln können.
Vergrößern Der Stil geht schon eher Richtung Realismus, was man gerade auch an den Hauttexturen hier sieht. Das könnte Puristen eventuell weniger gefallen, die allerdings jederzeit zum Original zurück wechseln können.

Richtig schön: Nostalgiker schalten jederzeit auf das Originalspiel um. Das geschieht super flink, wir haben es mitunter sogar im Gefecht angewandt, einfach nur um die Effekte von etwa Zaubern direkt vergleichen zu können. Für uns wurde dadurch aber auch eines klar: Zum alten Look werden wir nur aus nostalgischen Gründen zurückschalten, der neue macht schon deutlich mehr Spaß. Ja, wir wiederholen uns, aber ganz ehrlich: Wer hätte damit gerechnet, dass Blizzard so viel Liebe in ein simples Diablo-2-Remake steckt? Sie haben Warcraft 3: Reforged mit einer 0815-Nummer abgespeist, obwohl Warcraft die Marke war, die Blizzard zu den Königen der Echtzeitstrategie avancieren hat lassen. Mein Gott, Warcraft 3: The Frozen Throne dominierte über ein Jahrzehnt den eSports. Und mit WoW wurden die Kalifornier unermesslich reich. Scheint, als hätte jemand im Glaspalast von Irvine in irgendeiner längst vergessenen Schublade seine Liebe zu den Fans zurück gefunden.

Die mit Blut gefüllten und überlaufenden Kübel zeigen die Richtung von Diablo 2: Resurrected. Viele von diesen Details, die kleine Geschichten im Level erzählen, waren schlicht mit der Technologie von vor 21 Jahren nicht machbar.
Vergrößern Die mit Blut gefüllten und überlaufenden Kübel zeigen die Richtung von Diablo 2: Resurrected. Viele von diesen Details, die kleine Geschichten im Level erzählen, waren schlicht mit der Technologie von vor 21 Jahren nicht machbar.

Denn auch der Loot sieht richtig gut aus und Beute ist verdammt wichtig für ein Diablo. Einige Items könnte man regelrecht als ikonisch bezeichnen, es ist gut zu sehen, dass viel Sorgfalt in ihre Aufhübschungen und Redesigns geflossen ist. Blizzard bemüht sich, den Charakter des Designs nicht zu sehr anzurühren, wobei ein paar schon deutlich anders aussehen – die Charms etwa wirken realistischer. Der Harlequin Crest, besser bekannt als Shako, zeigt deutlich die Schärfe seiner Fasern, statt einfach nur Texturmatsch zu sein, wie im Original. Gibt’s auch was zu meckern? Ja, die abgesplitterten Edelsteine, Ringe und Amulette können nicht immer mit ihren Originalen mithalten, hier muss Blizzard eventuell nochmal ran. Klar ist aber auch, dass wir hier nur über eine technische Alpha reden und Blizzard hat noch gut Zeit bis zum Release im Herbst.

Nostalgiker müssen sich wenige Sorgen machen, Blizzard rührt das Gameplay so gut wie gar nicht an, lediglich ein paar Komfortverbesserungen treffen auf eine runderneuerte Engine, die das Spiel eigentlich schon wie Diablo 4 aussehen lassen.
Vergrößern Nostalgiker müssen sich wenige Sorgen machen, Blizzard rührt das Gameplay so gut wie gar nicht an, lediglich ein paar Komfortverbesserungen treffen auf eine runderneuerte Engine, die das Spiel eigentlich schon wie Diablo 4 aussehen lassen.

Erstes Fazit: Diablo 2 Resurrected zeigt, wie schön Nostalgie aussehen kann

Diablo 2: Resurrected bietet bislang so ziemlich alles, was ein gutes Remaster haben sollte: Ein smarteres Interface etwa, welches sich aufgeräumter anfühlt. Die Schrift ist viel besser lesbar, obwohl ich das Gefühl habe, dass einige der Texte ein bisschen mehr hervorstechen könnten. Es gibt einen erweiterten Statistikbildschirm, der die Fähigkeiten des Charakters auflistet, was bedeutet, dass wir nicht mehr ständig Dinge wie Mana-Vorrat, schnellere Treffererholung und schnellere Zauberrate im Kopf behalten müssen. Und wir können jetzt per Tastendruck Elemente hin und her wechseln zwischen Inventar-Seiten, so dass das Ausrüstung-Management viel intuitiver durchflutscht. Das Gameplay wurde so gut wie nicht verändert, schließlich gilt Diablo 2 noch heute als eines der besten Action-RPGs. Hinzugefügt wurden in erster Linie kleinere Komfortfunktionen, das Aufsammeln von Gold erfolgt jetzt automatisch, aber man muss immer noch in die Nähe des Goldes kommen, um die Funktion auszulösen. Und dass Design und Grafik mehr als gelungen sind, darum hat sich der komplette schließlich Artikel gedreht. Wir freuen uns darauf.

Diablo 2 Resurrected erscheint 2021 für den PC, Xbox Series X, PS5 sowie die Old-Gen.

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