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Call of Duty Black Ops Cold War im Test: Mal James Bond, mal James Ryan

17.11.2020 | 12:53 Uhr |

Eine irre Geschichte im Stil von Black Ops 1 und viele Momente, in denen wir uns fühlen wie James Bond. Mal wie Daniel Craig in Keine Zeit zu Sterben, mal wie Sean Connery in Liebesgrüße aus Moskau. Mal als rauer Hund, mal als Gentleman-Agent.

Stille. Nur ein paar Regentropfen sind zu hören, die an das Schaufenster hier in Berlin schlagen. Wir lauern in Deckung, erschrecken, als sich der grelle Schein von Taschenlampen in unsere Richtung bewegt. „Papiere“, herrscht ein Soldat der DDR-Grenztruppen im großen Kampagnen-Test zu Call of Duty: Black Ops Cold War uns an. Die Stasi sucht nach einem Team der CIA, die ihren Sektor infiltriert hat. Man könnte jetzt glauben, gleich geht die Post ab: Gleich zücken wir die M4 Carbine und legen die Jungs einfach um. Falsch gedacht. Call of Duty: Black Ops Cold War überrascht uns immer wieder mit diesen Missionen, in denen wir den Leise-Schleicher mimen. Unser Job ist es, ein Familienhaus zu infiltrieren und dabei benehmen wir uns mehr wie Sean Connery in seiner Paraderolle in James Bond: Liebesgrüße aus Moskau oder schöner gesagt im englischen Original „From Moscow with Love“. Und weniger als James Ryan, der in der Amazon-Serie halb Venezuela in Schutt und Asche legt. 

Call of Duty Black Ops Cold War ist deutlich mehr Agenten-Thriller als die letzten CoDs und erinnert von seiner komplexen Story wohlig an das großartige Black Ops 1.
Vergrößern Call of Duty Black Ops Cold War ist deutlich mehr Agenten-Thriller als die letzten CoDs und erinnert von seiner komplexen Story wohlig an das großartige Black Ops 1.

Stille ist eigentlich kein Merkmal der Call-of-Duty-Reihe, die traditionell groß aufdreht: Wo Helikopter im Sekunden-Takt abstürzen, ein paar Kugeln auf ein Auto reichen, um es in einen Feuerball zu verwandeln, als wäre jedes Fahrzeug mit einem Pfund C4 bestückt. Es ist eine Serie, in der die Welt ständig in Flammen steht. Ja, all das hat Call of Duty: Black Ops Cold War in seiner Kampagne: Diese verrückten Szenen, in denen wir ein Dach runtersliden, im letzten Moment abspringen und wie Keanu Reeves in Matrix in Slow-Mo ein paar Russen mit Kugeln spicken. 

Aber es hat auch erstaunlich viele ruhige Momente, die das Spiel mehr Richtung Agenten-Thriller ausrichten. So wie hier: Ein reicher Geschäftsmann und Spitzel des KGB hat wertvolle Informationen in seiner Aktentasche, die wir aus seiner Wohnung beschaffen sollen. Er hat ein Kind, was auf der Toilette sitzt und eine Ehefrau, die geschäftig umherläuft. Wenn nötig, können wir einen Betäubungspfeil benutzen: Unser Agent legt sie dann sanft auf die Couch, wo sie ein bisschen schlafen kann. Das ist eine überraschende Szene für Call of Duty, wo ja eigentlich ein Menschenleben nicht viel wert ist. 

Leider bricht das Spiel mit dieser Idee des Gentleman-Agenten in anderen Momenten – DDR-Grenzsoldaten etwa, die wir in den Schwitzkasten nehmen, dürfen wir nicht ausknocken, sondern töten wir mit dem Kampfmesser, was unnötig brutal wirkt.

Black Ops Cold War hat die Explosionen, den Bombast, die Michael-Bay-Momente, die wir von der Serie kennen und lieben. Aber auch deutlich mehr Stealth-Passagen.
Vergrößern Black Ops Cold War hat die Explosionen, den Bombast, die Michael-Bay-Momente, die wir von der Serie kennen und lieben. Aber auch deutlich mehr Stealth-Passagen.

Achtung: Dieser Test bezieht sich ausschließlich auf die Kampagne. Mit dem Multiplayer wollen wir mindestens eine Woche unter Live-Bedingungen verbringen, Sie können aber hier bereits unsere ersten Eindrücke lesen

Die Charakter-Auswahl: Sean Connery oder Daniel Craig?

Dieses Mal dürfen wir auch ein paar Charaktereigenschaften festlegen zu Beginn, die allerdings eher subtile Auswirkungen haben. Wir entscheiden uns hier letztlich für einen Gameplay-Bonus und ändern etwas die Art, wie wir mit unserem Team reden. Entscheiden wir uns für das Profil Profi, sind wir eher der Typ Daniel Craig – kühl und eher auf die Mission fokussiert. Dann sind wir unserem Team gegenüber eher stoffelig. Wir können unseren Agent Bell aber auch mehr als charismatischen Connery-Typus spielen. Liebeleien und Flirts mit unserer Kollegin Park gibt’s aber leider nicht, die CIA-Truppe ist schon sehr Missions-orientiert. Ein paar Szenen gibt’s aber durchaus, wo auch mal Emotionen durchblitzen dürfen – etwa, wenn die Stasi einen Agenten verhaftet und foltert, dessen Freundin uns bittet, ihn zu retten. 

Interessant ist diese Charakter-Auswahl besonders für Fans, die ohnehin mehrere Durchgänge auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden planen, weil jeder Typus uns unterschiedliche Antworten und Möglichkeiten lässt in den Dialogen. Auch waren wir überrascht, dass sich Szenen ändern, wenn wir etwa eine Zielperson vom Dach werfen, statt sie zu verschonen und das Auswirkungen auf die unterschiedlichen Enden hat. 

Zum perfekten James-Bond-Gefühl fehlt den CIA-Agenten der Charme – das sind alles eher harte Hunde, die für das Weiße Haus die Drecksarbeit machen.
Vergrößern Zum perfekten James-Bond-Gefühl fehlt den CIA-Agenten der Charme – das sind alles eher harte Hunde, die für das Weiße Haus die Drecksarbeit machen.

Müssen sich etwa CoD-Fans Sorgen machen, dass die Serie sich komplett hin zum Agenten-Abenteuer wandelt? Mitnichten, genau wie in James Bond fliegt hier auch ständig etwas in die Luft, werden wir permanent in Schusswechsel verwickelt, kämpfen wir stellenweise gegen ganze Armeen der russischen Eliteeinheit Speznas, die wir etwa in einem Bunker überraschen. In dem ein durchaus interessantes Szenario trainiert wird – welches, verraten wir lieber mal nicht. Hier ist CoD dann ganz CoD, also völlig überzogen, wir legen mit zwei Mann eine halbe Armee um. Das ist allerdings so großartig inszeniert und mit so vielen ironischen Gags unterfüttert, dass auch diese Szenen Spaß machen. 

Positiv überrascht hat uns allerdings, dass wir deutlich öfter als früher schleichen können – der Berliner Polizei etwa können wir uns im Häuserkampf stellen oder sie einfach umschleichen. Das Level ist sehr weitläufig, es gibt viele Türen via Dietrich zu knacken, wobei Black Ops Cold War stets eine spannende Drohkulisse aufbaut. Wir könnten jederzeit entdeckt werden.

Das 2020er-CoD spielt sich ganz anders mit dem DualSense der PS5 

Die PS5-Version hat fast die Schärfe der Texturen der PC-Variante, arbeitet aber mit eingeschränktem Raytracing, um stets 60 FPS zu halten. Spannend ist allerdings, wie der DualSense den Rückstoß jeder Waffe differenziert simuliert.
Vergrößern Die PS5-Version hat fast die Schärfe der Texturen der PC-Variante, arbeitet aber mit eingeschränktem Raytracing, um stets 60 FPS zu halten. Spannend ist allerdings, wie der DualSense den Rückstoß jeder Waffe differenziert simuliert.

Die größte Überraschung in der Haptik erfahren stolze Besitzer der Playstation 5: Treyarch und Raven Software haben viel Arbeit investiert, um die adaptiven Trigger und die feinfühligen Rumble-Motoren des DualSense-Controllers zu integrieren. Als wir etwa in einem Huey in Vietnam Platz nehmen, können wir an den Händen spüren, als wir abheben. Wird unser Vogel von einer Rakete getroffen, vibriert das förmlich und jede Waffe fühlt sich anders an: Eine Shotgun etwa hat sehr viel Punch, diesen Rückschlag spüren wir am PS5-Controller. Eine M4 ein ganz anderes Trefferfeedback als eine MP5. Explosionen spüren wir heftiger oder wenn ein anderes Fahrzeug in unseren Jeep crasht. Mitunter ist es aber auch nur subtil zu fühlen – etwa als wir im Auto von der Straße aufs Gras ausweichen und sich der Unterboden ändert. Es wird super spannend sein zu sehen, wie in Zukunft Rennspiele wie ein Gran Turismo 7 dieses Features nutzen werden. 

Möglichkeiten gibt’s hier viele, CoD etwa lässt uns den Widerstand fühlen, wenn wir den Kampfbogen komplett durchspannen, was wir so in dieser haptischen Form noch nie erlebt haben.

Rockt das richtig mit Raytracing? Die Grafik auf Playstation 5 und PC 

Scheinwerfer schneiden durch den Regen, die Texturen sind größtenteils hübsch scharf: Black Ops Cold War sieht gut aus, uns fehlt aber ein wenig der Wow-Effekt.
Vergrößern Scheinwerfer schneiden durch den Regen, die Texturen sind größtenteils hübsch scharf: Black Ops Cold War sieht gut aus, uns fehlt aber ein wenig der Wow-Effekt.

PC-Spieler profitieren leider nicht vom DualSense, der lässt sich ja nur an der PS5 mit allen Funktionen betreiben. Dafür aber von einem deutlich stärkeren Einsatz von Raytracing. Auf der PS5 tastet sich Treyarch eher vorsichtig an das Thema heran, Echtzeit-Spiegelungen werden relativ selten eingesetzt – zum Beispiel beim grell aufblitzenden, förmlich blendenden Schein eines Polizeiautos der DDR in der Nacht. Zu wichtig ist für die Serie das 60-FPS-Gameplay. Generell hatten wir das Gefühl, dass Call of Duty aus der PS5 deutlich mehr hätte rauskitzeln können, gerade Spider-Man: Miles Morales zeigt, wie eine bombastische Zerstörungsengine im Next-Gen-Zeitalter auszusehen hat. Während die Texturen im 2020er-CoD größtenteils scharf sind, enttäuschen insbesondere Explosionen und auflodernde Flammen. Das sieht auf dem PC schon deutlich besser aus in maximalen Einstellungen und nativem 4K: Super scharfe Texturen, sehr voluminöse Explosionen, die unter anderem Raytracing satter nutzen. 

Die CoD-Engine neigt dazu, Objekte im Fokus sehr scharf zu rendern, Explosionen und Flammen wirken dann aber ziemlich Last-Gen. Hier sollte das Studio via Patch ausbessern.
Vergrößern Die CoD-Engine neigt dazu, Objekte im Fokus sehr scharf zu rendern, Explosionen und Flammen wirken dann aber ziemlich Last-Gen. Hier sollte das Studio via Patch ausbessern.

Tipp für PS5-Spieler, die die digitale Variante kaufen wollen: Schließen Sie die Konsole an ein Netzwerkkabel an. Selbst mit einer schnellen Glasfaser-Leitung, hätte der Download von 133 Gigabytes via Wifi 6 gut vier Stunden gebraucht. Mit eingestecktem Netzwerkkabel war das in 133 Minuten machbar.

Da spiegelt sich dann so wunderschön wie in Watch Dogs Legion die Neon-Werbung in der nassen, mit Pfützen übersäten Straße. Und Scheinwerfer arbeiten sich episch durch die Partikeleffekte einer Staubwolke. Generell ist Raytracing ein spannendes, aber auch schwieriges Thema, weil Sie auf die Effekte achten müssen, sonst werden Sie diese kaum erkennen – der Laser-Pointer unserer MP5 etwa spiegelt sich in der Karosserie eines alten Lada. Sie können auf der PS5 und Xbox Series X auch in 120 Hz spielen, dann schaltet die Konsole allerdings automatisch auf 1440p um. Wir würden das also eher nicht empfehlen. 

Auf dem PC gibt’s keinen FPS-Lock, ist also sehr abhängig von Ihrer Grafikkarte. Summa summarum geht da sicherlich immer noch ein bisschen mehr, aber die Szenarien sind durch die Bank sehr stimmig gebaut. Wirklich komisch ist nur, dass Treyarch die Gesichter seiner Protagonisten wirklich lebensecht animiert, die von KI-Figuren in einer Bar hingegen völlig leblos wirken und kaum die Lippen bewegen. Auch ist nicht ganz verständlich, warum Waffen aus der Ego-Perspektive super scharf gerendert und mit aufwendigem Post-Processing überlegt werden, Explosionen aber häufig in niedriger Auflösung daherkommen. Wir wollen allerdings auch etwas gnädiger sein dieses Jahr, schließlich mussten alle Studios ob Corona auf Home-Office umschalten, was in der Spieleentwicklung nicht gerade trivial ist. Dennoch ist es ein kleiner Dämpfer, denn gerade diese Inkonsistenz der Engine sollte spätestens mit Next-Gen auf allen Plattformen verschwinden. 

Spielerisch, von seiner Geschichte und Inszenierung her, ist Call of Duty Black Ops Cold War eines der besten Spiele aktuell für die Playstation 5 und Xbox Series X.
Vergrößern Spielerisch, von seiner Geschichte und Inszenierung her, ist Call of Duty Black Ops Cold War eines der besten Spiele aktuell für die Playstation 5 und Xbox Series X.

Fazit: Ein richtig gutes, stellenweise wirklich überraschendes Call of Duty

Call of Duty Black Ops Cold War ist eines der besten Spiele für Next-Gen: Es hat viele Ideen, viele Stealth-Passagen, viele Szenarien, die sich nach James Bond anfühlen und mixt sogar hier und da mal Hitman mit rein – etwa, wenn wir uns entscheiden sollen, ob ein KGB-General…ach, das verraten wir lieber mal nicht. Sagen wir einfach, es gibt ein paar smarte Tricks, um ihn als Verräter zu markieren. Was fehlt, ist eigentlich nur der Sean-Connery-Charme, Cold War inszeniert sich eher als knallharter Agenten-Thriller, in dem jeder jeden hintergeht. 

Die Technik macht Spaß, gerade weil die Missionen alle sehr liebevoll umgesetzt sind. Die Engine schwächelt allerdings in sehr großen Welten, etwa in Vietnam. Dreht dann aber in Berlin voll auf, gerade bei Nacht wird Raytracing opulent eingesetzt. Und keine Sorge: Natürlich mangelt es nicht an satter Action und Hollywood-Blockbuster-Momenten. Die fühlen sich griffig an, spielen sich super flott dank durchgehender 60 FPS und auf der PS5 spüren wir sogar den unterschiedlichen Rückstoß einer Shotgun zu einer MP5. 

Wer Lust auf einen rund acht stündigen Agenten-Thriller hat, der wird hier großartig unterhalten. Und eigentlich ist das Spiel auch deutlich länger, es gibt nämlich unterschiedliche Enden plus Zombie-Koop plus Multiplayer, dem wir in den nächsten Tagen weitere Test-Specials widmen werden.

Pro: 

  • Viele überraschende Missionen, die an James Bond: Liebesgrüße aus Moskau erinnern

  • Gut umgesetzte Stealth-Passagen als Gentleman-Agent

  • Satte Action mit flüssigen 60 FPS

  • Gut geschriebene, völlig irre Geschichte im Stil des ersten Black Ops

  • Adaptive Trigger und magnetische Rumble-Motoren lassen jede Waffe anders anfühlen auf PS5 und vibrieren beim Start eines Helikopter

  • Subtil umgesetztes Raytracing sorgt für eine starke Atmosphäre

  • Sehr unterschiedliche Enden und etliche Möglichkeiten die Geschichte zu beeinflussen

Contra: 

  • Die grafische Qualität wankt: Vietnam ist der Tiefpunkt der Texturschärfe,

  • Berlin hingegen exzellent umgesetzt

  • Mitunter schlecht aufgelöste Explosionen und Partikeleffekte (Flammen und Rauch)

  • KI-Figuren auf der Straße und in Bars wirken etwas hölzern in Mimik und Gestik

Wir haben die Xbox Series X und Series S in der Redaktion und zeigen Euch, wie das einrichten funktioniert. Microsoft hat dazu eine App bereitgestellt, die Euch durch den Einrichtungsprozess führt. Takis zeigt Euch, wie das Ganze abläuft und welche Einstellungen am Fernseher möglich sind.

► Xbox Series X bei Amazon:
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► Xbox Series S bei Amazon:
amzn.to/3pfRvBW

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