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Kopfhörer Bowers & Wilkins PX7 – Evolution statt Revolution

22.11.2019 | 08:25 Uhr |

Ist der neu? Das war mein spontaner Eindruck des PX7, schaut er doch seinem Vorgänger PX recht ähnlich. Doch beim genauen Vergleich werden die Unterschiede deutlich.

In der Formensprache bleiben die Engländer klassisch, technisch sind sie aber up-to-date. Stromversorgung erfolgt über USB-C, Bluetooth 5.0 sorgt für die Verbindung und AAC sowie aptX-HD für den Klang. Echtes Leder wird bei den Ohrpolstern verarbeitet, was sich zusammen mit einer sehr guten Ausformung in einem sehr angenehmen Tragkomfort niederschlägt. Eine dreistufige aktive Geräuschunterdrückung möchte für alle Gegebenheiten passen und wenn man den Kopfhörer abnimmt, stoppt automatisch die Musikwiedergabe. Bei den eingesetzten Materialien verzichtet B&W diesmal auf das edel wirkende Metall der Vorgänger. Die Bügel sehen jetzt ganz schlicht nach Kunststoff aus, sind aber aus Kohlefaser. Das schlägt sich auch in einem sehr geringen Gewicht von 310g nieder.

B&W bleibt sich beim Design seines neuen Over-Ear Kopfhörer treu.
Vergrößern B&W bleibt sich beim Design seines neuen Over-Ear Kopfhörer treu.
© Bowers & Wilkins

Bedienung ganz klassisch

Hersteller von Bluetooth-Kopfhörern müssen sich immer entscheiden, wie sie das Bedienerlebnis gestalten. Wird es ein Abenteuer oder findet sich der Kunde direkt zurecht?

PX7

Hersteller:

Bowers & Wilkins

Preis:

€ 399,-

Note:

1,3 sehr gut

Vorzüge✅:

Sehr guter neutraler Klang, natürlicher Bass, sehr gute aktive Geräuschunterdrückung

Nachteile❌:

Kabelbetrieb nicht mit leerem Akku, hoher Preis

Alternativen:

Beoplay H9 , Sony MDR-1000X

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Zum Glück hat Bowers & Wilkins (B&W) auf eine Touchbedienung verzichtet und einfach nur normale Taster verbaut. Was sich vielleicht langweilig anhört, ist absolut überzeugend umgesetzt. Auf der rechten Seite sind drei Taster für Lautstärke und Tracksteuerung zu finden, die sich auch blind sehr gut bedienen lassen. Das liegt zum einen an der deutlichen Erhöhung der Tracksteuerungstaste und dem sehr guten Druckpunkt.

Die Tracksteuerung muss man allerdings mögen: Einmal drücken für Pause beziehungsweise Wiedergabe, zweimal drücken ein Titel weiter und dreimal drücken ein Titel zurück. Der Vorteil dieser Art der Steuerung ist, dass die Lautstärketasten wirklich nur für die Lautstärke zuständig sind. Einen Vorteil hat die klassische Bedienung auch noch, der Schiebeschalter für Ein/Aus wirft absolut keine Fragen auf.

In einem Punkt bei der Bedienung ist der PX7 dann doch modern. Nimmt man den Kopfhörer ab, wird die Musikwiedergabe automatisch pausiert, das ist super.

Matt und nicht mehr glänzend, ein Look, der mit der Zeit geht.
Vergrößern Matt und nicht mehr glänzend, ein Look, der mit der Zeit geht.
© Bowers & Wilkins

Guter Sitz und Tragekomfort kennzeichnen den PX7. Dafür verantwortlich sind neben dem angenehmen Ohrpolster auch die großen Ohrhörer. Da drückt nichts auf die Ohren, das fühlt sich recht luftig an. Daher ist auch Gehen und Bewegungen kein Problem. Wobei beim Gehen sich der Trittschall leicht überträgt. Das ist für Over-Ear typisch und reduziert sich mit der aktiven Geräuschunterdrückung.

Unterdrückt der PX7 schon konstruktionsbedingt die Umgebungsgeräusche sehr gut, leistet die aktive Geräuschunterdrückung einen sehr guten Job. Drei Stufen stehen zur Auswahl und zum Glück lassen sich diese einfach über eine Taste am linken Ohrhörer durchschalten. Neben gering und hoch gibt es noch die intelligente Stufe Auto. Bei Auto wird die Unterdrückung adaptiv an die Umgebungsgeräusche angepasst.

Eine Zugfahrt und der Trubel in einer Stadt dienten mir diesmal als Testgelände. Schon im Modus "Gering" wurden die Zuggeräusche sehr gut herausgefiltert, bei "Hoch" war dann wirklich alles ruhig. Mir hat "Gering" am besten gefallen, da man hier noch mitbekommen hat, wenn es eine Durchsage gab. Ein anderer Punkt ist natürlich die Beeinflussung des Klangs, der ist logischerweise im Modus „Gering“ am geringsten.

Klassische Taster für die Bedienung sind eine Wohltat. Die funktionieren immer ohne das man groß nachdenken muss.
Vergrößern Klassische Taster für die Bedienung sind eine Wohltat. Die funktionieren immer ohne das man groß nachdenken muss.
© Bowers & Wilkins

Sound, wie man ihn erwartet

Und schon sind wir beim wichtigsten Beurteilungspunkt eines Kopfhörers, dem Klang. Wie immer bei Bluetooth müssen wir mit einer Beeinträchtigung durch die geringe Datenübertragungsrate und der dadurch recht starken Kompression rechnen. Zum Glück setzt B&W auf aptX-HD und AAC, was die derzeit besten Verfahren unter Bluetooth sind.

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Auch der PX7 kann hier aber nicht zaubern, gefällt aber bei Pop, Rock und Disco mit einer – für Bluetooth – neutralen Abstimmung. Stimmen werden relativ klar wiedergegeben und der Bass macht das, was er machen soll, den Rhythmus vorgeben und für den Grundton sorgen. B&W ist hier nicht dem Trend verfallen, den Bass künstlich zu verstärken.

Das ist nicht mehr die Regel, eine stabile Transportbox in der der Kopfhörer zusammen mit den Kabeln seinen Platz findet.
Vergrößern Das ist nicht mehr die Regel, eine stabile Transportbox in der der Kopfhörer zusammen mit den Kabeln seinen Platz findet.
© Thomas Bergbold

Die Klangabstimmung ist relativ stressfrei. Das bedeutet, es strengt uns nicht an, mehrere Stunden Musik zu hören. Musikinstrumente werden ordentlich voneinander getrennt, was für einen guten Musikgenuss bei akustischer Musik sorgt. Doch wie sein Vorgänger PX auch macht auch Tanzmusik viel Spaß, da spielen beide auf dem gleichen hohen Niveau.

Die App zu den neuen Kopfhörern ist übersichtlich und dient zur Konfiguration.
Vergrößern Die App zu den neuen Kopfhörern ist übersichtlich und dient zur Konfiguration.
© Thomas Bergbold

Apropos Niveau, B&W versteckt in der Bedienungsanleitung noch ein Schmankerl, den Betrieb am USB-C-Kabel. Was man hier zu hören bekommt, ist vom Feinsten. Das habe ich gleich mal mit Highres Audio und Jazz ausprobiert. Toll aufgelöst und frei aufgespielt, das ist mir direkt aufgefallen. So macht Musikhören unheimlich viel Spaß.

Toll gelöst sind die kleinen Erklärungen zu den Funktionen.
Vergrößern Toll gelöst sind die kleinen Erklärungen zu den Funktionen.
© Thomas Bergbold

Fazit

B&W ist mit dem PX7 eine behutsame Weiterentwicklung des PX gelungen. Nur leider nicht an allen Punkten. Möchte man den Klinken-Anschluss für die Musikwiedergabe nutzen, benötigt man immer noch den Akku. Dafür ist dieser etwas leistungsfähiger geworden. Die angegebenen 30 Stunden Laufzeit bei aktiver Geräuschunterdrückung habe ich fast erreicht. Tragekomfort und Bedienung sind sehr gelungen und auf Top-Niveau. Die aktive Geräuschunterdrückung kann sich mit den besten Mitbewerbern messen und klanglich kann man vom PX7 erwarten, was der Name B&W verspricht: Klang auf hohem Niveau unabhängig vom Musik-Genre.

PX7

Hersteller:

Bowers & Wilkins

Preis:

€ 399,-

Note:

1,3 sehr gut

Vorzüge✅:

Sehr guter neutraler Klang, natürlicher Bass, sehr gute aktive Geräuschunterdrückung

Nachteile❌:

Kabelbetrieb nicht mit leerem Akku, hoher Preis

Alternativen:

Beoplay H9 , Sony MDR-1000X

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