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Battlefield 5 War in the Pacific: Die Entscheidungsschlacht für DICE

13.02.2020 | 13:03 Uhr |

Battlefield 5 ist wunderschön, ein Showcase für Raytracing. Aber es hat so viele Probleme. Seit Launch kämpft sich DICE von einem Shitstorm zum nächsten und selbst EAs hauseigene Influencer und Mega-Stars wie JackFrags geben den Schweden keine Schützendeckung mehr. Mit War in the Pacific und Battlefield 5: Vietnam Into The Jungle will DICE die Liebe seiner Fans zurückerobern. Gelingt das?

Iwo Jima, 8 Uhr: Die Boote werden zu Wasser gelassen, die See ist ruhig. Graue Wolken ziehen auf, andächtig lauschen die Soldaten in Battlefield 5: War in the Pacific dem Getöse der Schlacht, die vor ihnen liegt. Und die kommt schneller und brutaler als gedacht: Über unseren Köpfen zischt eine Corsair F4U, liefert sich einen wilden Dogfight mit einer japanischen Zero. Deren Pilot ist besser, die Corsair geht in einem Flammenball runter, erwischt ein Boot vor uns, die Kameraden werden in die Luft gesprengt. Doch die Hölle von Iwo Jima, sie sollte erst beginnen. Am Schwarzmeerstrand kämpfen wir uns Meter für Meter nach vorne, während links und rechts Soldaten vom MG-Feuer der kaiserlichen Armee zerrissen werden. Der Vorstoß gerät ins Wanken, doch über die Flanke brechen Panzereinheiten durch, gepanzerte Amphibienfahrzeuge erheben sich aus den Wellen, geben uns Schutz. Holy shit, in War in the Pacific geht richtig die Post ab, und das fühlt sich endlich wieder wie ein richtiges Battlefield an. Kann DICE das Ruder herumreißen? 

Wir glauben ja, denn Battlefield 5: War in the Pacific ist das, was Battlefield 5 vom Anfang an hätte liefern sollen. Ein enorm taktisches Unterfangen, in dem Infanterie, Artillerie und Air Force harmonieren müssen, sonst werden die Amerikaner den Strand nicht erobern können. Im Kern fühlt sich das hier fast schon wie ein neues Spiel an: Mit sehr viel voluminöseren Karten, neuem Fuhrpark, sehr viel treffsicheren Jägern und zwei Fraktionen, die bislang schmerzlich fehlten: die amerikanischen Streitkräfte und die kaiserlich japanische Armee. Es wirkt so, als habe DICE all das Feedback seiner Community gesammelt und endlich verstanden: Die Leute wollen nicht nur Infanterie-Maps. Eigentlich wollten sie gar keinen Zweiten Weltkrieg, die Mehrheit wünscht sich noch heute ein Battlefield 4 im Next-Gen-Grafikgewand mit 2020er Frostbite-Engine. Je mehr Battlefield-4-DNA die Schweden also abliefern, desto besser.

Alle Screenshots wurden in 4K, Ultra Details und aktiviertem Raytracing auf einer Palit Geforce RTX 2080 Ti aufgenommen. Wie DICE Raytracing in Battlefield implementiert hat, haben wir in diesem Special erklärt .

DICE hat für dieses Spiel wirklich geblutet und gelitten, hat sich durch Shitstorm-Kriege gekämpft und dürfte mit War in the Pacific endlich wieder die Liebe seiner Fans zurückerobern. Wenn wir so spielen, wenn wir gerade diese epischen Panzer-Schlachten erleben, dieses Einspannen einer kompletten Armee – von der Infanterie über Artillerie und Panzereinheiten bis hin zur Luftwaffe, dann fragen wir uns eigentlich nur ständig: Warum nicht gleich so? Warum war Battlefield 5 noch letztes Jahr so engstirnig auf Infanterie-Kämpfe fokussiert? Mitunter wirkte es so, als habe DICE vergessen, was eigentlich die Seele Battlefields ist. Millionen Fans lieben Battlefield, weil es kein Call of Duty ist. Weil es kein schneller Speed-Fix ist – reinrushen, Headshot, go, go, go! Zu viele Karten endeten in einer Art Reißwolf, wo komplette Gänge zur Kill-Area wurden, in die man einfach nur mehr Soldaten reinwerfen musste als der Feind. Das ist aber nicht Battlefield – Battlefield war immer ein taktischer Team-Shooter, mit Betonung auf Team. 

War in the Pacific zeigt einmal mehr, was für eine unfassbare Engine Frostbite ist. Wir reden hier von einem Multiplayer-Shooter für 64 Spieler, der besser aussieht als fast alle Singleplayer-Titel.
Vergrößern War in the Pacific zeigt einmal mehr, was für eine unfassbare Engine Frostbite ist. Wir reden hier von einem Multiplayer-Shooter für 64 Spieler, der besser aussieht als fast alle Singleplayer-Titel.

Teams müssen hier ihr gesamtes Können und Arsenal einsetzen, um Punkte einzunehmen und zu halten. Es gibt Situationen, in denen wir den letzten verbliebenen Panzer in eine Höhle fuhren, mit Minen und Sperrfeuer die Position so lange hielten, bis der Stahlkamerad wieder einsatzbereit war, um in einem letzten Aufgebot noch die feindlichen Linien zu durchbrechen. Natürlich ist das nicht nur auf US-Seite spannend, sondern gerade auch auf japanischer. Denn die Japaner haben schlechtere Panzer als die Amis, können dafür aber häufig auf befestigte Stellungen zurückgreifen – gerade die Flaks entpuppen sich als echte Infanterie-Killer. Diese Verteidigungsanlagen lassen sich erneuern und mehr Sandsäcke aufstapeln, was überlebenswichtig ist, wenn wir mit wenigen Soldaten Wellen von Marines aufhalten müssen, die ihre Boote als mobile Spawn-Punkte nutzen können, ergo einen kompletten Trupp direkt in unserer Flanke absetzen können, wenn wir nicht aufpassen. Und als Squad-Bonus einen Sherman Calliope freischalten können, mit dem Sie komplette Basen einäschern und der auch über Bunkeranlagen drüber hinweg schießt. Battlefield ist nicht einfach nur ballern, wir müssen taktisch klug überlegen, worauf wir unser Feuer verlagern. 

Siehe auch:   Call of Duty: Modern Warfare im Multiplayer-Test

Die Karten in der Analyse + Profi-Tipps: 

Die USA greifen Iwo Jima von ihren Flugzeugträgern und Zerstörern aus an, die japanische Armee verteidigt aus Bunkern, setzt aber auch drei schnelle Zero-Jäger ein, die mit ihren vier 22 Millimeter-MGs enorm gefährlich sind. Über allem thront der Mount Suribachi – ein Monolith aus schwarzem Gestein mit grober Oberfläche, auf dem jede Menge Artillerie der Japaner stationiert ist. Von hier aus lassen sich die Boote und Panzer unter Beschuss nehmen, die am Strand wenig Deckung und Schutz finden. Essentiell sind im ersten Schritt harte Angriffe der US Air Force. Wer fliegen kann, schnappt sich eine Corsair und beschäftigt die Geschütz-Crews. Der Mount Suribachi ist vom Bloody Gulch getrennt, einer tiefe Kluft, die sich über die gesamte Breite der Insel erstreckt. Nordöstlich davon befindet sich der japanische Luftwaffenstützpunkt Motoyama. Von hier aus starten die Japaner ihre Zeros. Achtung: Amerikanische Piloten sollten ihre Routen so legen, dass sie die Infanterie in Booten und LVT-Amphibienpanzern beschützen, die sonst leichtes Futter für Jäger und Jagdbomber werden. 

Auf Iwo Jima müssen Panzereinheiten und Luftwaffe die Infanterie am Leben halten, die am Strand fast keine Deckung haben und gegen Japaner kämpfen, die aus Bunkern schießen.
Vergrößern Auf Iwo Jima müssen Panzereinheiten und Luftwaffe die Infanterie am Leben halten, die am Strand fast keine Deckung haben und gegen Japaner kämpfen, die aus Bunkern schießen.

Tipp: Die LVT lassen sich ab Level 4 mit einer Flak ausrüsten, spätestens dann können Sie die lästigen Stahlfliegen abwimmeln. Zudem sollten Sie oder zumindest einer aus Ihrem Squad die neue Fliegerfaust mitnehmen, die gleich mehrere Raketen abfeuert und enorm effizient gegen die Luftwaffe ist.

Generell ist die Luftwaffe im Dauereinsatz und Sturmangriffe der Infanterie wollen gut mit Panzereinheiten abgestimmt werden: Iwo Jima ist ein unwirtliche Insel, dominiert von aschgrauem Strand, und sie ist fast komplett durchzogen von einer gewaltigen Bunkerlinie. Nutzen Sie die explosiven Rauchgranaten des Shermans, um die Front einzunebeln – dann können die Sanis ran. Wer richtig Punkte machen will, der spielt auf Iwo Jima Sanitäter, denn hier gibt’s absurd viel zu tun. Als Battle-Pickup wird der Flammenwerfer eingeführt – ein unschönes, aber nötiges Mittel, um die japanischen Truppen aus den Befestigungsanlagen zu treiben. Fast über die gesamte Länge der Map ziehen sich Grabenlinien, die eine Reihe von Bunkern und Geschützstellungen miteinander verbinden – hier ist insbesondere die neue M1 Garand nützlich, weil sie one-shot tötet und sehr präzise ist. Sperrfeuer legen Sie mit der ebenfalls neuen M1919A6, einem leichten Maschinengewehr. Squads arbeiten sich im Optimalfall durch diese Grabenlinien durch und nehmen Punkte ein.

Tipp: Landungsboote dienen als Spawn-Punkte und bringen eine durch Panzerplatten gut geschützte MG-Stellung mit - es lohnt sich diese einzusetzen, um die Jungs im Graben zu decken. Die stärkste neue Einheit sind die Raketenwerfer-Panzer, die beiden Seiten zur Verfügung stehen. Diese feuern über eine sehr hohe Distanz und sind extrem präzise – damit lässt sich schon mal eine komplette Basis räumen, damit die Infanterie die Flagge nehmen kann.

Noch Fragen? Schauen Sie die verlinkten Videos von Ex-GameStar-Redakteur Fabian Siegismund, der als bester Battlefield-Spieler Deutschlands gilt .

Wer mehr Urlaubsfeeling haben möchte, der bekommt mit Pacific Storm das komplette Kontrastprogramm geboten: Pacific Storm ist ein üppiges tropisches Paradies aus weißem Sand, smaragdgrünem Grasland und strahlend blauem Ozean. Das Land ist ein Gewirr von Palmen und dichter Vegetation, durchzogen von Schotterstraßen, die Dörfer mit Strohdächern, verstreute Befestigungen und einem kleinen japanischen Militärstützpunkt. Eine wunderschöne Insel, die Küste ist ein Mosaik aus Korallenriffen, die von Haien, Mantas und bunten Fischschwärmen bewohnt sind. Müssten wir hier nicht kämpfen, wir würden surfen und Cocktails schlürfen. Aber hach! Punkte wollen eingenommen werden, auf sieben kleinen Inseln namens Metene, Adawo, Atero, Namuko, Revo, Nadakele und Menuko. Das ist gar nicht so einfach, denn die Amerikaner starten wieder auf dem Wasser in exponierter Position, leicht zu treffen für die japanischen Geschütze. Hier muss die Luftwaffe ran: Brandbomben eignen sich zum Reinigen dieser Stellungen, ein Upgrade auf HE-Bomben hingegen, um Panzer zu knacken, die unsere Landungstruppen beharken. 

Pacific Storm sieht nach Urlaubsparadies aus, ist aber eine taktisch ziemlich anspruchsvolle Karte, weil die Flaggenpunkte auf vielen Inseln verteilt sind.
Vergrößern Pacific Storm sieht nach Urlaubsparadies aus, ist aber eine taktisch ziemlich anspruchsvolle Karte, weil die Flaggenpunkte auf vielen Inseln verteilt sind.

Selbst wenn der Strand genommen ist, löst das nicht alle Probleme: So sind zwar die Inseln mit Brücken verbunden, aber dort lauern meist Minen. Es empfiehlt sich, mit Amphibienpanzern eher den Wasserweg zu nehmen. Im Breakthrough-Modus wollen sieben Flaggen genommen werden, die in Reihen von zwei äußeren, drei inneren und zwei weiteren äußeren Basen angeordnet sind. Besonders cool: Ähnlich wie im Battlefield-4-Liebling Paracel Storm peitscht nach einer gewissen Zeit ein mächtiger Sturm über die Insel – der Regen macht das Vorpreschen den US-Truppen leichter, den Japanern schwieriger, weil diese leichter durch die Verteidigungslinien schleichen können. Auch hier sei das Strategie-Video von Fabian alias BattleBros empfohlen, der noch ein paar weitere Profi-Tipps parat hat. Etwa, dass sich die Baumhütten wundervoll eignen, um dort Landungsboote zu parken - diese dienen als Spawnpunkte und der Bambus ist erstaunlich robust, was den eigenen Truppen Schutz gibt. Die sollten wiederum gut auf ihre Panzer achten, die an vielen Stellen exponiert dastehen und leicht in Hinterhalte von Raketenwerfer-Teams geraten können. 

Früher teuer, heute gratisdie besten Free-to-Play-Spiele

DICE will 2020 Vollgas geben – nach War in the Pacific steht bereits Into the Jungle in den Startlöchern, welches ebenfalls wieder ein kostenloses DLC-Paket wird.
Vergrößern DICE will 2020 Vollgas geben – nach War in the Pacific steht bereits Into the Jungle in den Startlöchern, welches ebenfalls wieder ein kostenloses DLC-Paket wird.
© DICE

Fazit: The Pacific, jetzt auch in spielbar 

Kennen Sie The Pacific? Es ist die wohl beste Weltkriegsserie nach Band of Brothers. Steven Spielberg und Tom Hanks haben ein Epos geschaffen, welches die Kühle, das Chaos und die Grausamkeit des Krieges so knallhart auf den Bildschirm bringen, wie wohl echter Krieg sein muss. So ist Battlefield 5: War in the Pacific. DICE hat viel falsch gemacht seit dem Launch, aber die Liebe, die in diese Karten und all seine taktischen Ideen geflossen sind, sind ein Testament für das Genie der Schweden und die Zukunft von Battlefield im Jahr 2020. Wir können uns glücklich schätzen in einer Ära zu leben, in der solche DLCs kostenfrei sind – noch vor wenigen Jahren hätte man dafür völlig selbstverständlich 15 Euro verlangt. Und das wäre War in the Pacific auch wert: Jede drei Karten spielt sich anders, legt sogar optisch einen anderen Fokus. Pacific Storm versprüht Urlaubsgefühl, Iwo Jima wirkt mehr wie Mordor aus Der Herr der Ringe. DICE hat gerade noch ein paar Probleme mit seiner Time-to-Kill, wo es einige Änderungen gab, die Fans stören - aber ja, es lässt sich konstatieren: DICE ist zurück und flutet seine Fans förmlich mit kostenfreien Inhalten - In the Jungle steht bereits in den Startlöchern, als wir diese Zeilen tippen.

2020 wird ein spannendes Jahr für alle Gamer, denn es steht jede Menge interessante Gaming-Hardware in den Startlöchern. Angefangen bei der ersten diskreten Grafikkarte von Intel, über die Big Navi Karten von AMD bis hin zur Ampere-Generation von Nvidia - also die RTX 3000 Karten. Und natürlich gibt's auch auf dem CPU-Markt einiges Neues: Intel wird wohl seine Comet-Lake-S-Plattform vorstellen und AMD könnte mit seinen Ryzen-4000-Desktop-Prozessoren Ende des Jahres kontern. Und natürlich stehen um Weihnachten noch die neuen Konsolen Xbox Series X und Playstation 5 ins Haus - 2020 kann also kommen!

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