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Auflösung, Wirkungsgrad und Verzeichnung

01.08.2006 | 15:51 Uhr | Verena Ottmann

Für die objektive Beurteilung der Bildqualität testen wir mit der Software DC Tau 4.0 von Anders Uschold , der unter anderem als vereidigter Sachverständiger für digitale und analoge Fotografie tätig ist. Wir haben uns für diese Software entschieden, da sie Auflösungs-, Kamera- und Hersteller-unabhängig arbeitet. Außerdem erkennt das Programm eventuell vorhandene Verbesserungsalgoritmen einer Kamera - etwa eine automatische Scharfzeichnung. Das Testverfahren besteht aus drei Messungen, von denen jede ein eigenes Target, sprich ein Testbild, benötigt.

Zuerst bestimmen wie die Auflösung einer Kamera. Dazu dient uns als Motiv eine rund 90 x 63 Zentimeter große Glasscheibe, auf der neun Siemenssterne x-förmig angeordnet sind. Dieses Motiv wird von einem Leuchtpult als einzige Lichtquelle beleuchtet. Mit jeder Kamera machen wir mit kleinster, mittlerer und längster Brennweite je eine Belichtungsreihe und suchen die für den Test hinsichtlich Belichtung am besten geeigneten Bilder aus. Die Bilder wandeln wir ins BMP-Format um und lassen die Software damit arbeiten. DC Tau misst jeden Stern einzeln in allen drei Farbkanälen des RGB-Bildes und in einem physiologisch gemittelten Grauwertbild in beliebigen Ausrichtungen. Auf diese Weise erkennt die Software, wo bei jedem Stern der scharfe, aufgelöste in den unscharfen, nicht aufgelösten Bereich übergeht und wie groß beide sind. DC Tau vergleicht zudem die Grenzlinien der äußersten Sterne mit der des Mittelsterns. Weicht die Form einer Außengrenzlinie zu stark von der der Mittelgrenzlinie und der ihr gegenüberliegenden Außengrenzlinie ab, ist die Kamera dezentriert. Das heißt, das Objektiv wurde schlampig montiert, und wir bestellen die Kamera neu. Achtung: Bilder, die mit einer dezentrierten Kamera gemacht wurden, zeigen in den Eckbereichen mehr Unschärfe auf. Darum ist dieses Kriterium für aussagekräftige und repräsentative Tests wichtig.

Hier ein Beispiel für eine sehr hoch auflösendende Kamera und eine stark dezentrierte Kamera (siehe rote Markierungen):

Mit dem gleichen Target ermitteln wir auch den Wirkungsgrad einer Kamera. Er gibt an, wie viel Prozent der höchsten effektiven Auflösung wirklich für Bildinfos genutzt werden. Dazu setzt DC Tau die Nettodateigröße – die Größe des aufgelösten Bereichs – in Verhältnis zur Bruttodateigröße (maximal mögliche Dateigröße, bei unkomprimierten Bildern: Auflösung x Farbtiefe). Ein Wirkungsgrad bis 70 Grad bedeutet, die Kamera löst sehr schlecht auf, nutzt also ihre native Auflösung kaum aus. 70 bis 80 Prozent heißt, die Kamera löst schlecht auf. 80 bis 84 Prozent ist eine akzeptable, 85 bis 90 Prozent eine ausgewogene Auflösung. 90 bis 100 Prozent spricht für eine sehr ausgewogene Auflösung. Liegt der Wirkungsgrad bei über 100 Prozent, heißt das, die Kamera arbeitet mit Anti-Aliasing-Filter, Kantenfortführung und Scharfzeichnung, was zu Artefakten und/oder Moire führen kann. Die im Bild entstehenden Strukturen und ”Schärfen” sind künstlich generiert und verfälschen deutlich.

Zu guter Letzt ermittelt DC Tau mit dem Auflösungs-Testbild die tonnen-, kissen-, oder wellenförmige Verzeichnung einer Kamera. Dazu werden die prozentualen Veränderungen auf 90 Prozent des diagonalen Weges von der Bildmitte zum Bildrand gemessen. Wertung: Im Weitwinkelbereich sind weniger als 2,5 Prozent ein gutes Ergebnis. Ein Wert bis 3,0 Prozent ist mittelprächtig, bis 3,9 Prozent ist schlecht und ab 4 Prozent sehr schlecht. Dann verzeichnet die Kamera sehr stark. Im Tele- und Normalbereich bedeutet unter 1 Prozent sehr gut, bis 1,5 Prozent gut, 1,5 bis 2 Prozent mittelmäßig und ab 2 Prozent schlecht.

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