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Aston Martin AMR C01: Luxus-Rennspiel-Cockpit aus Karbon

02.04.2021 | 13:01 Uhr |

Vollkarbon, Kohlefaser-Monocoque, eingebauter Highend-PC und Sie sitzen genau wie im Aston Martin Valkyrie: Wer Rennspiele liebt, der wird den AMR C01 vergöttern. Das luxuriöseste Rennspiel-Cockpit der Welt, designt von dem Mann, der sonst für James Bonds Dienstwagen verantwortlich ist – Marek Reichman. Zeit für einen ausführlichen Blick auf das 67.000 Euro teure Luxus-Gaming-Kunstwerk.

Aston Martin baut besondere Autos, die eine seltene Balance zwischen dem Sportlichen und dem Edlen, dem Auffälligen und dem Unauffälligen, der Schönheit und puren Kraft ausstrahlen. Wo Lamborghini, Bugatti & Co. immer extremer werden, immer aggressiver, immer sportlicher, ist so ein Aston Martin ein Auto für die Stadt – wunderschön, angenehm zu fahren, komfortabel. Mit eleganten Linien und guter Aerodynamik, ohne das in den Vordergrund zu stellen. Das macht nur ein einziger Supersportler der britischen Luxusmarke, der Aston Martin Valkyrie . V12 Vanquish und D10 hingegen, Autos, die wir vor allem aus James Bond kennen, bestechen durch Luxus und britisches Understatement. Der Engländer muss seinen Reichtum nicht zeigen, er muss ihn nur fühlen. Der große Grill beim DB10 ist von Haien inspiriert, aber eben nicht so exzentrisch, wie das ein Bugatti, Pagani oder viele andere Supersportler ausleben würde. Einen Aston Martin kauft, wer eh schon einen Porsche in der Garage hat und nach etwas Besonderem sucht, was aber nicht zu aufdringlich ist: In München fährt jeder, der ein bisschen mehr Geld hat, einen 911er. Ein gutes, aber kein seltenes Auto.

Ähnlich wie McLaren sehen sich die Briten als Luxusschmiede, will heißen, jedes Auto wird von Hand gebaut. Deshalb werden nicht viele gefertigt – vom neuen Valkyrie gab es nur 150 Stück, vom V12 Vantage, sicherlich einem der ikonischsten James-Bond-Cars dieser Dekade – Daniel Craigs Lebensretter in Casino Royale, wurden nur 420 verkauft. Mal zum Vergleich: Audi baut in einem Jahr eine Million Autos. Aston Martin baute nur 100.000 – in 107 Jahren Firmengeschichte. Und jetzt gesellt sich das erste Gaming-Cockpit dazu: Vollkarbon, gegossenes Kohlefaser-Monocoque, das Lenkrad von Max Verstappen, wahlweise mit Alcantara-Leder in edel oder hellbraunem Hartgummi, was einen besseren Grip verspricht. Drehregler für die Traktionskontrolle, ABS, Bremsvorspannung, einen Knopf für den Geschwindigkeitsbegrenzer in der Boxengasse und einen Satz wunderbar fühlbarer Schaltwippen. Es sieht auch nicht so aus, wie wir mobile Cockpits kennen – eher wie eine Wanne aus feinstem Kohlefaser, die man in seine Villa stellen soll. Denn wo Aston Martin draufsteht, ist ein Luxus-Preis inklusive: 67.000 Euro kostet das Prachtstück aus Vollkarbon.

Dank des 49-Zoll-Screens ist man direkt im Tunnel, die Umgebung verfliegt und auch die Bremsen fühlen sich hart wie in einem Rennauto an.
Vergrößern Dank des 49-Zoll-Screens ist man direkt im Tunnel, die Umgebung verfliegt und auch die Bremsen fühlen sich hart wie in einem Rennauto an.
© Aston Martin

Das war eine spannende Herausforderung. Obwohl der Simulator kein Auto ist, ist er von unseren Rennwagen inspiriert. Er musste dieselbe Eleganz ausstrahlen, mit den gleichen dynamischen Linien und ausgewogenen Proportionen wie jeder Aston Martin mit einer Rennsport-Abstammung. Vor meinen Augen sehe ich den AMR-C01 in den sch ö nsten Häusern als skulpturales Kunstwerk.

- Marek Reichman, Chief Creative Officer Aston Martin

Inspiriert vom eSports-Boom: Aston Martins erstes Rennspiel-Cockpit

Für Rennspiel-Profis: Am F1-Lenkrad sind ein Drehregler für die Traktionskontrolle, ABS, Bremsvorspannung und sogar ein Knopf für den Geschwindigkeitsbegrenzer in der Boxengasse
Vergrößern Für Rennspiel-Profis: Am F1-Lenkrad sind ein Drehregler für die Traktionskontrolle, ABS, Bremsvorspannung und sogar ein Knopf für den Geschwindigkeitsbegrenzer in der Boxengasse
© Aston Martin

Der AMR-C01 wurde von Astons hauseigenem Designteam gestaltet und besteht aus einem Kohlefaser-Monocoque, das eine Sitzposition bietet, die von Aston Martins realem Hypercar Valkyrie inspiriert ist, welches eine ganz besondere Designgeschichte hat – von Gran Turismo auf die Straße. Diese werden Sie schon sehr bald auf PC WELT lesen. Außerdem gibt es dazu natürlich den ikonischen Kühlergrill und die akzentuierten, eleganten, aber nicht aufdringlichen Finnen und das Gefühl, in ein gebackenes Monocoque zu rutschen, was an und für sich schon eine luxuriöse Erfahrung garantiert: Die Füße landen auf den Pedalen tief im Karbon-Monocoque, die Hände kommen auf dem Karbon-Lenkrad zur Ruhe, das mit Knöpfen, Schaltern und Ziffernblättern rund um ein großes digitales Display geschmückt ist.

Die Karbon-Bremsen lassen ein sehr feinfühliges Gasspiel zu. Rennautos haben ja keine Bremsassistenten, Sie müssen also schon richtig in die Bremsen reintreten, damit sich etwas tut.
Vergrößern Die Karbon-Bremsen lassen ein sehr feinfühliges Gasspiel zu. Rennautos haben ja keine Bremsassistenten, Sie müssen also schon richtig in die Bremsen reintreten, damit sich etwas tut.
© Aston Martin

Wir ziehen eine Karbon-Kupplungswippe zurück, wählen den ersten Gang und schweben hinaus aus den Brand Hatch GP-Ring, mit dem wunderschönen Aston Martin Vantage G3, nur eben in der virtuellen Version. In Assetto Corsa, für die Hardcore-Simulation ist das Cockpit optimiert, aber auch alle anderen Rennspiele lassen sich auf dem eingebauten Highend-PC mit Intel Core i7 und Geforce RTX 3080 installieren. Inspiriert wurde der Simulator vom Corona-Lockdown: Aston Martins Team musste sich sehr viel mehr auf Daten aus seinem Simulator verlassen, man konnte ja über längere Zeit nicht auf die Teststrecke. Und dem gigantischen Racing-Boom im eSports – Ferraris LeClerc, McLarens Lando Norris, Red Bulls Max Verstappen – alle junge Piloten, alle Gamer. Leclerc spielt neben Rennspielen besonders gut Fortnite, Lando Norris ist in Call of Duty Warzone unterwegs und Max Verstappen ist als Fußball-Fan auf der Playstation in FIFA anzutreffen. Und natürlich im Rennspiel-eSports. Als nichts mehr ging, stiegen Profi-Piloten, die sonst 1000 PS unter dem Hintern haben, in von ihren Teams optimierte Gaming-Cockpits. Aston Martin Racing Point will ja mit der Verpflichtung des schnellsten Deutschen, dem vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel wieder ganz ganz oben mitspielen. Und eben auch im Luxus-Segment des eSports: Darren Turner, Aston Martin Werksfahrer und Chef von Curv Racing Simulators, die Aston Martin ihre Gaming-Expertise zur Verfügung stellen, erzählt:

"Beim AMR-C01 dreht sich alles um die Liebe zum Rennsport. Wir haben einen Heimsimulator mit unglaublicher Immersion geschaffen, der den Anwendern die M ö glichkeit bietet, nicht nur eine großartige, sondern vor allem auch authentische Zeit mit Rennen in der virtuellen Welt zu verbringen, und das bequem von zu Hause aus. Es ist einfach großartig, wie die Motorsportwelt durch den eSports gerade zusammenwächst.“
Wir wollten keine Kompromisse eingehen. Vollkarbon ist Pflicht für einen Aston Martin“

Zielgruppe sind eSports-Profis und Rennspiel-Enthusiasten mit eher dickerem Portmonee. Mit 67.000 Euro ist es das exklusivste Rennspiel-Cockpits, was Sie sich nach Hause holen können.
Vergrößern Zielgruppe sind eSports-Profis und Rennspiel-Enthusiasten mit eher dickerem Portmonee. Mit 67.000 Euro ist es das exklusivste Rennspiel-Cockpits, was Sie sich nach Hause holen können.
© Aston Martin

"Wir haben die Fahrposition dem Aston Martin Valkyrie nachempfunden, so dass die Nutzer des AMR-C01 das volle Hypercar-Erlebnis bekommen können. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben, indem wir mit Design und Technik den meiner Meinung nach schönsten Heimsimulator auf dem Markt geschaffen haben“, erklärt der Le-Mans-Sieger, der mittlerweile mit Curv Racing Simulators eine Rennspiel-Cockpit-Manufaktur leitet, die eng mit Aston Martin zusammenarbeitet. Die Vorderseite der Karosserie des Simulators ist aus Kohlefaser gefertigt und so geformt, dass sie an den charakteristischen Aston-Martin-Kühlergrill erinnert. Der AMR-C01 sieht kraftvoll aus, behält aber gleichzeitig das Niveau an Raffinesse und Oberflächenqualität bei, das Kunden von der Marke erwarten. Das Vollkarbonfaser-Monocoque bietet eine steife Struktur, deren Design ebenfalls zum sportlichen Look des Simulators beiträgt. Er ist auch recht groß, mit Maßen von 1050mm in der Höhe, 725 in der Breite und einer Länge von zwei Metern.

Es ist ein Luxusartikel, er soll sich luxuriös anfühlen. Wir wollten keinen Stahlrahmen mit Karbonplatten bestücken, sondern ein echtes, gebackenes Kohlefaser-Monocoque anbieten. Ich glaube sogar, es ist das einzige Vollkarbon-Monocoque, was man normal kaufen kann.“

- Darren Turner, Rennfahrer Aston Martin und Projektleiter AMR-CO1

Auch der Sitz ist in Karbon gekleidet und Sie sitzen exakt genauso tief wie im Aston Martin Valkyrie – dem neuen 1000-PS-Geschoss der britischen Edelmarke, der von 0 auf 200 in zehn Sekunden beschleunigt und 410 km/h Spitze macht.
Vergrößern Auch der Sitz ist in Karbon gekleidet und Sie sitzen exakt genauso tief wie im Aston Martin Valkyrie – dem neuen 1000-PS-Geschoss der britischen Edelmarke, der von 0 auf 200 in zehn Sekunden beschleunigt und 410 km/h Spitze macht.
© Aston Martin

Im Inneren schlummert ein Core i7, Geforce RTX 3080 – ein speziell angefertigtes Belüftungssystem hilft, alles kühl zu halten, da die Luft von der Vorderseite angesaugt und über die Rückseite des Monocoques abgeleitet wird. Dann mal los: PC über einen roten Startknopf auf der linken Seite einschalten, AC mit einer Funktastatur hochfahren und schon kann es losgehen. Am auffälligsten ist die Nähe des 49-Zoll-QLED-Screens von Samsung, der sich komplett um uns schwingt – super immersiv, man sieht nichts mehr außer der Rennstrecke, der Raum verschwindet. Als nächstes fällt die Robustheit des Lenkrads auf, zusammen mit dem ultra-mechanischen Gefühl der Paddles. Regelrechte mentalen und physische Akrobatik braucht es indes, um richtig zu bremsen. Obwohl wir ein exaktes Modell des Vantage verwenden, ist das Bremspedal wie das eines Rennwagens eingestellt, mit einer gesunden Dosis Widerstand. Es dauert eine Weile, bis sich Hirn, Augen und Beine vollständig koordinieren – wer schon mal ein Rennauto gefahren ist, der weiß, wie hart man hier in die Bremsen gehen muss. Es gibt in der Regel keine Bremsassistenten, weil die Intensität entscheidend für die Piloten ist.

Geliefert wird der AMR C01 in zahlreichen Lackierungen, die man von Aston Martin kennt: Racing Green, Morning Frost White oder auch Carbon & Lime, wo das Karbon besonders stark durchschimmert.
Vergrößern Geliefert wird der AMR C01 in zahlreichen Lackierungen, die man von Aston Martin kennt: Racing Green, Morning Frost White oder auch Carbon & Lime, wo das Karbon besonders stark durchschimmert.
© Aston Martin

70 Kilo Last kann man auf die Bremsen des AMR CO1 geben, die mit Gummistoppern abgestimmt wurden, um das Gefühl eines Rennwagens zu vermitteln. Ein extremes Cockpit für Rennspiele mit extremem Preis – für 67.000 Euro gibt es auch schon einen schönen gebrauchten Aston Martin, aber diese Käufer sind natürlich auch nicht die Zielgruppe. Vorerst soll es nur 150 Einheiten geben, die meisten sind bereits verkauft – nach Dubai, Bahrain, Los Angeles. Obwohl der ein oder andere F1-Pilot sich eins kaufen wird, schließlich stellen Ferrari, McLaren & Co. zumindest bislang keine eigenen Cockpits her. Auch Sebastian Vettel dürften wir sicherlich bald im AMR CO1 sehen – der schnellste Deutsche, der vierfache Weltmeister, der bei Ferrari zum Pechvogel abstieg, soll Aston Martins Racing Point zu neuem Glanz in der Formel 1 verhelfen.

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