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Aldi-PC Medion Akoya E4360 D: Grafikkarte Geforce GT 330 - die Mogelpackung

04.02.2010 | 10:00 Uhr | Michael Schmelzle,

Der GDDR3-Speicher der Nvidia Geforce GT 330 stammt von Hynix
Vergrößern Der GDDR3-Speicher der Nvidia Geforce GT 330 stammt von Hynix
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Aldi bewirbt den Medion Akoya E4360 D mit der "brillanten Grafik" Nvidia Geforce GT 330 - eine vermeintlich brandneue Grafikkarte, die auf der Website von Nvidia nicht gelistet ist. Dass es sich nicht um die nächste Grafikchipgeneration von Nvidia handeln kann - wie es die Bezeichnung "330" andeutet - verrät bereits die Herstellerangabe "DirectX 10 Grafik". Die PC-WELT hat genau hingesehen und entlarvt den Nvidia Geforce GT 330 des Medion Akoya E4360 D als angestaubten Chip in neuer Verpackung.

Ettiketenschwindel: Nvidia Geforce GT 330
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Aufschluss über die Nvidia Geforce GT 330 des Medion Akoya E4360 D soll zunächst das Info-Tool GPU-Z bringen. Das verlässliche Programm identifiziert einen Grafikchip, der nur die Direct Compute 4.0 unterstützt. Diese Angabe demaskiert den Nvidia Geforce GT 330 als DirectX-10.0-Grafikchip. Es kann sich bei ihm also nicht um den aktuellen Directx-10.1-Grafikchip GT215 handeln, den Nvidia im stromsparenden 40-Nanometer-Verfahren fertigt und der beispielsweise bei der Zotac Geforce GT 240 Amp! Edition zum Einsatz kommt.

Aufgedeckt: Nvidia Geforce GT 330 mit demontiertem Kühlkörper
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Des Weiteren meldet GPU-Z für die Nvidia Geforce GT 330 des Medion Akoya E4360 D einen Chiptakt von 500 MHz sowie einen Shader-Frequenz von 1250 MHz. Der 768 MB große GDDR3-Speicher läuft mit 800 MHz und ist an ein 192 Bit breites Speicherinterface angebunden, woraus sich eine Speicherdatenrate von 38,4 GB/s ergibt. Diese Daten legen eine enge Verwandschaft zum Nvidia Geforce 9600 GSO nahe - diesen Grafikchip hat Nvidia im April 2008 auf den Markt gebracht!

Allerdings hat der Nvidia Geforce GT 330 des Medion Akoya E4360 D laut GPU-Z nur 7 ROPs (Raster Operation Processor), während die GSO-Variante ein Dutzend ROPs besitzt. Und die Anzahl der Pixelprozessoren sowie die Texturfüllrate der Nvidia Geforce GT 330 kann GPU-Z gar nicht ermitteln. Diese Angaben wären wichtig, um die 3D-Leistung und die genaue Grafikchip-Abstammung einschätzen zu können.

Uralter Wein in neuen Schläuchen: Nvidia Geforce GT 330 ak G92b
Vergrößern Uralter Wein in neuen Schläuchen: Nvidia Geforce GT 330 ak G92b
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Daher hilft nur noch, den Kühlkörpers abzumontieren, um den Nvidia Geforce GT 330 des Medion Akoya E4360 D zu identifizieren: Der Grafikchip trägt die Bezeichnung G92-168-B1. Nvidia führt diesen Grafikchip aus der 55-Nanometer-Fertigung unter dem Namen G92b, der bereits auf Geforce-9800-GT-Grafikkarten zum Einsatz kam. Allerdings muss es sich beim Nvidia Geforce GT 330 um eine kastrierte Version des 9800 GT handeln, da die 9800-GT-Variante über ein 256 Bit breites Speicherinterface und 16 ROPs verfügt.

In der 3D-Leistung liegt der Nvidia Geforce GT 330 beim Medion Akoya E4360 D hingegen unterhalb einer Geforce GT 9600. Eine GT-9600-Grafikkarte hatte beispielsweise der Aldi-PC Medion Akoya P7300 D an Bord. Damit erreichte der Aldi-PC vom November 2009 im 3D Mark Vantage einen GPU-Score von 3860 Punkten - der aktuelle Aldi-PC Medion Akoya E4360 D ist hier mit 3582 Punkten nicht ganz so flott unterwegs.

GPU-Z kann die Nvidia Geforce GT 330 nicht vollständig identifizieren
Vergrößern GPU-Z kann die Nvidia Geforce GT 330 nicht vollständig identifizieren
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Der Nvidia Geforce GT 330 beim Medion Akoya E4360 D unterstützt aber schon die GPGPU-Technik Nvidia CUDA , die es dem Grafikprozessor erlaubt, bei bestimmten Rechenaufgaben die CPU zu entlasten. Zudem beherrscht die Grafikkarte des Medion Akoya E4360 D die proprietäre Physikbeschleunigungs-Technik Nvidia PhysX . Zudem trägt der Grafikprozessor des Aldi-PCs mittels der Purevideo-HD-Technik von Nvidia die Hauptlast der Video-Decodierung. Allerdings kommt beim Nvidia Geforce GT 330 der veraltete Videoprozessor VP2 zum Einsatz.

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