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Age of Empires 4: Des Sultans goldene Kriegselefanten

13.04.2021 | 10:49 Uhr |

Age of Empires 4 verspricht großartig zu werden: Es nimmt AoE 2 als Fundament und verheiratet es mit spannenden Neuerungen wie Kriegselefanten, die Formationen brechen und einen stark erweiterten Basenbau mit Mauern, die sich taktisch nutzen lassen. Zudem spielen sich Briten, Chinesen, Mongolen und das Sultanat Delhi völlig unterschiedlich. Age of Empires 4 – die Mega-Preview.

Mächtige indische Kriegselefanten stapfen durch die Hauptstadt des Sultans von Delhi in den ersten Gameplay-Minuten von Age of Empires 4. Golden glänzt das Kettenhemd, welches sich über ihren massiven Körper ausbreitet. Oben drauf sitzen in Körben Bogenschützen, die anrollende Kavallerie schon aus der Ferne mit Pfeilen durchbohren sollen. Die Armee des Sultans staffelt sich in Formation – Pikeniere vorne, Schwertträger in der Mitte, danach Elefanten und Kavallerie in goldener Rüstung. Gold ist eine Farbe, die der Sultan offensichtlich sehr mag: Fast jedes Gebäude ist mit golden zulaufendem Dach versehen, Regierungsgebäude reich verziert. Das gilt auch für die Ringmauer, die sich um die gesamte Stadt erschließt. Jeder Turm läuft spitz nach oben, ist mit Intarsien geschmückt, aber auch mit Schießscharten versehen. Armbrustschützen können dahinter sicher in Stellung gehen und den Feind beharken. 

Spannend: Mauern haben in Age of Empires 4 sowohl nach außen, als auch innen eine Wehrbrüstung. Sollten bereits Truppen des Gegners eingefallen sein, etwa weil ihre Katapulte und Triboke Teile der Mauer zerstört haben, sind unsere Schützen auch nach innen geschützt. Generell können wir in Age of Empires 4 wie etwa in einem Stronghold beliebig Truppen auf den Mauerteilen platzieren und so unser Risiko selbst kalkulieren – eine dicht gestaffelte Reihe von Bogenschützen etwa schickt einen tödlichen Pfeilregen auf angreifende Kavallerie, ist aber empfindlich für den Einschlag großer Brocken, die von Triboken geschleudert werden. Gegen diese helfen insbesondere schnelle Angriffe der Reiterei, die die Geschützmannschaften töten. Unsere Elefanten zermalmen dann die hölzerne Artillerie, sind aber auch besonders gut geeignet, um Angriffsformationen zu durchbrechen.

Mauern haben jetzt nach außen und innen Zinnen, was unsere Bogenschützen schützt, sollte es dem Feind gelingen, eine Bresche in die Mauer zu schlagen und mit Truppen in die inneren Verteidigungsringe vorzudringen.
Vergrößern Mauern haben jetzt nach außen und innen Zinnen, was unsere Bogenschützen schützt, sollte es dem Feind gelingen, eine Bresche in die Mauer zu schlagen und mit Truppen in die inneren Verteidigungsringe vorzudringen.
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Als chinesische Kavallerie den Sturm auf unsere Infanteriereihen probt, stellen wir einfach die großen indischen Elefanten vor sie und schon wird die Wucht der Schockreiterei gebrochen. Sie müssen Geschwindigkeit aus dem Ritt nehmen, unsere Infanterie schickt ihre Pikeniere nach vorne, der Rest ist Geschichte. Was uns hier besonders gut gefällt: Jede Fraktion fühlt sich richtig und gut an: War Age of Empires 2 stilistisch noch sehr generisch, weil etwa Mongolen europäische Lanzenträger mit anderer Farbe ins Feld führten, tragen sie hier ihre Fellmützen, Krummsäbel und reiten ohne Sattel, was es ihnen ermöglicht, aus dem Ritt heraus auch nach hinten zu schießen mit Pfeil und Bogen. Die chinesischen Shogun hingegen kämpfen mit sehr langen Jian-Schwertern oder extra großen Dadao-Klingen.

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Kriegselefanten, die golden schimmern in der Sonne des Orients

Kriegselefanten sind mit 2000 Gesundheitspunkten eine der stärksten Einheiten und nicht nur gut gegen Gebäude und Tore, sondern auch um, wie hier zum Beispie,l den Angriff von Schock-Kavallerie auf Infanterie zu brechen und die feindliche Formation zu zer
Vergrößern Kriegselefanten sind mit 2000 Gesundheitspunkten eine der stärksten Einheiten und nicht nur gut gegen Gebäude und Tore, sondern auch um, wie hier zum Beispie,l den Angriff von Schock-Kavallerie auf Infanterie zu brechen und die feindliche Formation zu zer
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Wie wir aus der Geschichte mit Hannibals Versuch, Rom mit Kriegselefanten zu erobern wissen, sind auch diese nicht unsterblich. In Age of Empires 4 aber zumindest enorm widerstandsfähig: 2000 Schadenspunkte können sie einstecken, so viel wie kaum eine andere Einheit. Es gibt diese Elefanten in unterschiedlichen Ausführungen, etwa schwer gepanzert, wo selbst der Rüssel und die Augenpartie komplett eingekleidet ist. Mit nur einem Führer und einem Speerwerfer auf dem Rücken oder einem Korb, in dem zwei Bogenschützen Platz nehmen können. Das Sultanat Delhi oder Delhi Sultanate, wie es im Original heißt, verfügt zudem über Kataphrakte – schwer gepanzerte Schock-Kavallerie, die im Verbund mit den Elefanten die Moral der feindlichen Armee brechen können.

Leichte Infanterie und Bogenschützen nehmen jetzt jedoch spezielle defensive Verteidigungspositionen ein, bei denen sie angespitzte Baumstämme in die Erde rammen. So schützen sie sich gegen Schock-Kavallerie, was das Überrennen nicht mehr so einfach macht. Auch spielt Gelände eine große Rolle – postieren wir unsere Schützen etwa in einem Feld mit hohem Weizen, bremst das Reiterei-Attacken aus, was ein spannendes neues strategisches Mittel ist. Je höher das Gras oder dichter der Wald, desto weniger sichtbar sind unsere Truppen zudem, was Hinterhalte begünstigt. Wird spannend zu sehen sein, was Relic Entertainment hier als Konter auffahren wird. Feuer würde sich anbieten, etwa die Raketen-Batterien der Chinesen. Oder auch ganz einfache Fackelträger, wie wir sie aus Stronghold kennen.

Es wird wieder nach Herzenslust gebaut

Das Sultanat verfügt über sehr starke Streitkräfte, hat aber einen Nachteil in der Nahrungsbeschaffung, weil Fleisch weniger beliebt ist und schnell Alternativen skaliert werden müssen.
Vergrößern Das Sultanat verfügt über sehr starke Streitkräfte, hat aber einen Nachteil in der Nahrungsbeschaffung, weil Fleisch weniger beliebt ist und schnell Alternativen skaliert werden müssen.
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Aus irgendeinem skurrilen Grund wurde der Basenbau in Strategiespielen immer weiter zurückgefahren: Die meisten RTS-Titel heutzutage basieren auf der Formel von Company of Heroes, wo man Punkte einfährt und dafür Nachschub ordert, statt diesen selbst zu produzieren. In Age of Empires 4 dürften wir endlich wieder nach Herzenslust selbst bauen. Es gibt also keine vorgefertigten Basenteile, sondern wir setzen jedes Gebäude, wie wir das möchten. Relic Entertainment hat allerdings interessante KI-Algorithmen entwickelt, die jedes Gebäude miteinander verknüpfen, etwa über Trampfelpfade, Straßen und Plätze, auf denen Truppen aufmarschieren. Eine Stadt soll sich wie eine Stadt anfühlen, nicht wie eine Ansammlung von Gebäuden. Dabei nutzt man stark Höhenvorteile, weshalb zum Beispiel Festungen gerne auf Hügeln errichtet werden, was die Reichweite unserer Langbogenschützen stark erweitert, so wir sie auf dem Bergfried zusammenziehen.

Truppen dürfen wir auf Mauern beliebig positionieren, ergo unser Risiko selbst kalkulieren - dicht gestaffelte Bogenschützen feuern einen tödlichen Pfeilhagel ab, haben aber eine geringere Überlebenschance bei Beschuss durch Triboke.
Vergrößern Truppen dürfen wir auf Mauern beliebig positionieren, ergo unser Risiko selbst kalkulieren - dicht gestaffelte Bogenschützen feuern einen tödlichen Pfeilhagel ab, haben aber eine geringere Überlebenschance bei Beschuss durch Triboke.
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Das wäre etwa eine Option, sollte die Stadt bereits gefallen sein. Und zu diesen Hügeln führen passende Pfade oder ausgebaute Straßen aus Stein, je nachdem in welchem Zeitalter wir uns befinden - es wird u.a. wieder Das Dunkle Zeitalter, das Feudal-Zeitalter, das Burgen/Ritter-Zeitalter und das Imperialzeitalter geben. Auch hier spielt der Höhenunterschied eine entscheidende Rolle: Katapulte können nur im begrenzten Winkel schießen und lassen sich schwerer bergauf schieben, was uns Zeit verschafft. Zudem bietet es sich an eine eigene Mauer, inklusive Tor und Verteidigungstürmen um den Bergfried als letzte Bastion zu ziehen. Wer sich noch stärker absichern möchte, könnte hier sogar Kasernen und Pferdeställe ansiedeln, um noch in letzter Minute Truppen aufbringen und gegen den Feind rennen zu lassen. Der Autor dieser Zeilen zählt durchaus zu den Age-of-Empires-Fans, die die Einbunkern-Taktik sehr feiern und der sogar seine wichtigsten Wirtschaftsgebäude gerne mit eigener Innenmauer und Burgtor schützt.

Heilige Stätten dienen als strategisch wichtige Kontrollpunkte, aus denen Imame strömen, die unsere Truppen heilen.
Vergrößern Heilige Stätten dienen als strategisch wichtige Kontrollpunkte, aus denen Imame strömen, die unsere Truppen heilen.
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Schlägt der Gegner eine Bresche in die Hauptmauer, lässt sich die Produktion so möglichst lange auf hohem Niveau halten und so genügend Truppen in kurzer Zeit produzieren lassen, um den Gegenschlag vorzubereiten. Generell lässt uns aufatmen, dass Relic sehr darauf bedachte ist, AoE Age of Empires bleiben zu lassen – das Upgrade-System etwa bleibt gleich, so entwickelt sich ein Ritter zum Chevalier und dann zum Paladin. Bessere Rüstungen werden in der Schmiede erforscht. Zwar experimentierte man mit einem komplexeren System, was eher so Richtung Anno gehen sollte mit komplexen Warenkreisläufen, das wurde jedoch wieder verworfen, was tendenziell die richtige Entscheidung sein dürfte: Anno funktioniert so gut, weil es kaum noch Militär hat. Age of Empires hingegen legt seinen Fokus auf Belagerungsschlachten mit größeren Armeen, bei der wir vor allem als Kommandant der Streitkräfte agieren müssen, weniger als Bürgermeister und Wirtschafts-Magistrat.

Relic experimentierte mit komplexen Warenkreisläufen, aber das fühlte sich nicht nach Age an

Age of Empires 4 spielt sich recht traditionell, weil die üblichen Rohstoffe im Fokus stehen und Warenketten sich ähnlich strukturieren wie in Age of Empires 2. Relic wollte zwar eigentlich mehr Komplexität einbauen, entschied sich dann jedoch dagegen.
Vergrößern Age of Empires 4 spielt sich recht traditionell, weil die üblichen Rohstoffe im Fokus stehen und Warenketten sich ähnlich strukturieren wie in Age of Empires 2. Relic wollte zwar eigentlich mehr Komplexität einbauen, entschied sich dann jedoch dagegen.
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Wir sind froh, dass Relic Entertainment wohl nicht zu sehr an den Grundfesten der Serie sägen möchte. So sehr wir Anno lieben, es würde nicht zu dieser Serie passen. Denn in Anno muss man nur einen Teil des Warenkreislaufs eines Produkts unterbrechen, schon bricht dieser zusammen – das würde eine enorme Komplexität ins Gameplay bringen. Wer gerade versucht, genug Truppen heranzuführen, um seine Stadt bei einer Invasion zu halten, der ist froh um wenige Ressourcen-Typen, die sich stringent und schnell wieder aufbauen lassen, schließlich sind gerade in den späteren Phasen schnell mal 100 Arbeiter involviert. Age of Empires 4 fokussiert sich daher wieder nur auf vier Rohstoffe: Nahrung, Holz, Stein, Gold. Alles wird also sehr klassisch: Wir schicken Späher los, die Schafe und Reliquien finden sollen, bauen Holz und Stein mit unseren ersten Dorfbewohnern ab. Wir sammeln Beeren, legen erste Felder an. Palisaden werden hochgezogen, einfache Türme gezimmert, sehr einfache Bogenschützen ohne Kettenpanzer hinaufgeschickt. Das ist alles wie in Age of Empires 2 und das ist gut so. Andere Dinge ergänzen AoE 2 auf sinnvolle Neuerungen: Beim Wechsel des Zeitalters etwa wählen wir ein sogenanntes “Landmark“, bei den Briten etwa eine Abtei oder eine Ratshalle – erstere stärkt unseren religiösen Einfluss, zweitere verringert die Produktionsdauer der für die Engländer so wichtigen Langbogenschützen.

Ein Echtzeitstrategiespiel alter Schule: Relic hat die AoE-Community gefragt, und die Mehrheit sprach sich gegen eine verstärkte Automatisierung von Abläufen aus. Wir müssen also nach wie vor jedem Dorfbewohner seinen Arbeitsplatz zuweisen.
Vergrößern Ein Echtzeitstrategiespiel alter Schule: Relic hat die AoE-Community gefragt, und die Mehrheit sprach sich gegen eine verstärkte Automatisierung von Abläufen aus. Wir müssen also nach wie vor jedem Dorfbewohner seinen Arbeitsplatz zuweisen.
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Mit Mönchen wiederum nehmen wir heilige Stätten ein, die Gold produzieren und als strategisch wichtige Kontrollpunkte dienen. Relic Entertainment liebt ja diese Form der dynamischen Schlacht, die sich nicht nur auf eine Hauptbasis konzentriert und hat das in Dawn of War bravurös bewiesen. Interessant ist auch, dass der Fokus von Waren je Fraktion unterschiedlich ist: Während die Engländer Wildschweine und Reh lieben, isst man dies nicht im Sultanat, sondern muss stattdessen versuchen, möglichst schnell seine Beerensträucher abzuernten und Felder zu bestellen. Die Chinesen hingegen sind Meister des Reisanbaus und generell sehr gut darin, große Mengen an Nahrung in kurzer Zeit zu produzieren. Nicht ganz historisch korrekt, aber für den Multiplayer wichtig: Alle Fraktionen erhalten im Imperialen Zeitalter Zugriff auf Kanonen und Schießpulver. Historisch gesehen geschah das in Europa sehr viel später als in Asien, dennoch ist es spielerisch spannend, weil wir Kanonen auf unseren Wällen und Türmen platzieren können. Diese schießen allerdings ob ihrer frühen Konstruktionsphase nur in einem voreingestellten Winkel, wir können damit also nicht beliebig wie in einem Empire: Total War Truppen auf nah und fern unter Bombardement setzen. Wobei die Chinesen hier schon etwas weiter sind – wie in Total War: Three Kingdoms lassen unsere Raketenwerfer ihre tödlichen, hellen Geschosse durch die Nacht zischen…

Age of Empires 4 erscheint im Herbst 2021 für PC via Xbox Game Pass Ultimate, im Microsoft Store und auf Steam.

Age of Empires 4 im Microsoft Store

Age of Empires 4 im Steam Store

Im Herbst 2021 geht’s los, vorher gibt’s noch eine Beta. Unser Tipp: Gamescom. Zur Gamescom werden traditionell große Strategiespiele enthüllt wie jedes neue Anno und auch Age of Empires 4 erblickte in Köln im Rahmen der Gamescom 2017 das Licht der Welt u
Vergrößern Im Herbst 2021 geht’s los, vorher gibt’s noch eine Beta. Unser Tipp: Gamescom. Zur Gamescom werden traditionell große Strategiespiele enthüllt wie jedes neue Anno und auch Age of Empires 4 erblickte in Köln im Rahmen der Gamescom 2017 das Licht der Welt u
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Erstes Fazit: Endlich wieder Age of Empires

Age of Empires ist die beste Strategiespielreihe aller Zeiten und es wurde Zeit für einen würdigen Nachfolger. Ja, es gibt viele gute RTS-Serien, darunter auch Dawn of War oder Company of Heroes, ebenfalls von Relic Entertainment. Doch viel zu selten steht der Burgenbau im Vordergrund. Richtig gut kann das nur Stronghold, was aber leider immer wieder mit Bugs zu kämpfen hatte. Entsprechend erleichtert bin ich darüber, dass wir Mauern, Wehrtürme & Co. völlig frei setzen dürfen und dabei auch Höhenunterschiede ausnutzen können. Der Bergfried oder das Kastell können also wirklich auf einem höheren Berg postiert werden, was unseren Bogenschützen bei einer Invasion einen erheblichen Reichweitenvorteil gibt. Besonders interessant ist auch, wie unterschiedlich sich die Fraktionen anfühlen – wir arbeiten bereits an einem ersten Fraktionen-Guide, der noch tiefer in diese Materie eindringen wird. Grafisch muss Relic allerdings Gas geben, gerade in der Präsentation zeigt sich Age of Empires 4 aktuell noch sehr schwachbrüstig, hier erwarte ich ein Detaillevel auf dem Niveau von Dawn of War 3 oder gerne sogar Anno 1800. Bis Herbst 2021 bleibt aber noch massig Zeit für Engine-Polishing.

Lesetipp : King Arthur Knight’s Tale gespielt - Age of Empires 4 als RPG

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