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AMD greift mit RX 6900 XT Liquid Cooled die RTX 3090 an - jetzt im Test

30.08.2021 | 10:11 Uhr | Sebastian Schenzinger

AMDs schnellste GPU, die Radeon RX 6900 XT Liquid Cooled, heizt der RTX 3090 im Test ordentlich ein, ist aber leider OEM-only.

Die Radeon RX 6900 XT Liquid Cooled ist aus unserer Sicht ein Prestige-Produkt von AMD, um sich nach vielen Jahren mal wieder mit der Gaming-Krone schmücken zu können. Das hochgezüchtete Modell der  RX 6900 XT (zu unserem Testbericht)  liefert sich Dank vorselektiertem XTXH-Grafikchip, höheren Taktraten, schnellerem Videospeicher und einer All-in-One-Wasserkühlung ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Nvidias  RTX 3090 (zu unserem Testbericht) . Großer Wermutstropfen ist, dass es sich bei der RX 6900 XT LC um eine limitierte Sonderausgabe handelt, die es nur in Fertig-PCs zu kaufen gibt.

Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, ist es lange her, dass AMD zuletzt die schnellste Gaming-Grafikkarte (zu unserem Grafikkartenvergleich) im Portfolio hatte. Zuletzt konnte sich AMD 2013 mit der R9 290X gegen die GTX 780 Ti von Nvidia durchsetzen. Die R9 Fury X war die letzte echte High-End-Grafikkarte aus dem Hause AMD, ehe sich der Hersteller für viele Jahre auf die Mittelklasse und das Einsteigersegment fokussierte und die Oberklasse unumkämpft Nvidia überließ. Aus diesem Grund freute uns der Release der RX 6900 XT im Dezember 2020 umso mehr, mit der AMD nach Jahren mal wieder im High-End-Segment mitmischen kann. An die Performance der RTX 3090 kommt die RDNA-2-GPU jedoch nicht ganz heran. Zudem fehlt der RX 6900 XT aus unserer Sicht ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der RX 6800 XT (zu unserem Testbericht) , um den hohen Aufpreis von über 50 Prozent zu gerechtfertigten. Das ändert sich jedoch mit der RX 6900 XT LC.

Kommt die schnellste Gaming-Grafikkarte von AMD?

Die AMD Radeon RX 6900 XT ist zwar eine richtig schnelle Grafikkarte, an die Gaming-Performance der RTX 3090 kommt sie jedoch - zumindest in UHD-Auflösung - nicht ganz heran. Bleibt die Frage, ob der selektierte und höher getaktete XTXH-Grafikchip in Kombination mit schnellerem GDDR6-Videospeicher mit 18,4 Gbps und einer All-in-One-Wasserkühlung ausreicht, um es mit Nvidias BFGPU aufzunehmen. Da AMD die Radeon RX 6900 XT LC leider nicht einzeln anbietet, haben wir von Agando einen Fertig-PC (zum System) für unsere Tests zur Verfügung gestellt bekommen. Die genaue Konfigurationen haben wir hier für Sie aufgeführt .

Hinweis: Zwar haben wir für die Tests der RX 6900 XT LC auf die gleichen Spielszenen und Einstellungen wie bei unseren anderen Grafikkartentests gesetzt, allerdings haben wir das System von Agando als Grundlage genommen und nicht unser GPU-Benchmark-Setup. In CPU-limitierten Szenarien mag die RX 6900 XT LC im direkten Vergleich dadurch das Nachsehen haben, weshalb wir auch nicht in Full-HD getestet haben. Des Weiteren haben wir uns aus diesem Grund auf die Gaming-Tests beschränkt, da bei Anwendungen wie Adobe Photoshop oder DaVinci Resolve die CPU- und RAM-Geschwindigkeit neben der GPU einen großen Einfluss auf das Testergebnis haben. 

In 2160p-Auflösung wird es richtig eng, so eng wie seit vielen Jahren nicht mehr. In vier der 13 von uns getesteten Spielen hat die RX 6900 XT LC die Nase vorne, in vielen weiteren gibt es ein Unentschieden mit der RTX 3090. Summa summarum liegt Nvidias Topmodell nur noch mit einem Prozent Vorsprung an der Spitze. Etwa genauso groß fällt der Abstand der RX 6900 XT LC auf die RTX 3080 Ti aus. Im Vergleich zur normalen RX 6900 XT kann die Liquid-Cooled-Variante um gute sechs Prozent zulegen und liegt damit knapp 16 Prozent vor der RX 6800 XT. Das ist ein Abstand, den wir uns schon von dem Standard-Modell gewünscht hätten. 

Verringern wir die Auflösung auf 1440p zeigt sich das altbekannte Bild. AMD kann mit sehr hohen Taktraten punkten, wohingegen die Nvidia-Grafikkarten ihre PS oder besser gesagt ihre hohe Anzahl an Shader-Einheiten nicht auf die Straße respektive den Bildschirm bringen können. Das führt dazu, dass die RX 6900 XT LC im Schnitt gute drei Prozent vor der RTX 3090 liegt, wohingegen der Vorsprung auf die "normale" RX 6900 XT auf vier Prozent und auf die RX 6800 XT auf 14 Prozent schrumpft. Zumindest in QHD-Auflösung kann sich die limitierte AMD Radeon RX 6900 XT LC die Gaming-Krone aufsetzen, wären da nicht noch die Raytracing-Tests.

Größerer Leistungszuwachs bei aktivem Raytracing

Bei aktiviertem Raytracing zeigt sich im Vergleich zur RX 6900 XT und der RX 6800 XT ein interessantes Bild. Gegenüber den beiden kleineren Schwestermodellen kann die RX 6900 XT LC ihren Vorsprung nämlich vergrößern, was an dem schnelleren GDDR6-Videospeicher liegt. Zwar erhöht das Aktivieren von Raytracing den Speicherbedarf nur marginal, dafür steigt die Anzahl an unzusammenhängenden Speicherzugriffen deutlich an. Im Schnitt liegt die RX 6900 XT LC bei aktiviertem Raytracing deshalb unabhängig von der Auflösung neun Prozent vor der herkömmlichen RX 6900 XT und 18 Prozent vor der RX 6800 XT.

Damit ordnet sich die RX 6900 XT LC zwischen der RTX 3070 Ti (zu unserem Testbericht) und der RTX 3080 (zu unserem Testbericht) ein. Mit den Topmodellen von Nvidia kann die Raytracing-Leistung des selektierten XTXH-Grafikchips dementsprechend nicht mithalten. Die RTX 3090 rechnet im Durchschnitt um 30 Prozent schneller, auf die RTX 3080 Ti beträgt der Rückstand 25 Prozent. Für die QHD-Auflösung reicht die Performance damit in den meisten Fällen aus, in UHD müssen Sie bei der Grafikqualität deutlich Abstriche in Kauf nehmen, um noch auf 60 FPS zu kommen.

Genauso durstig wie die RTX 3080 Ti bei nur leicht höheren Taktraten

Die bisherigen RDNA-2-Modelle haben gegenüber ihren direkten Konkurrenten einen entscheidenden Vorteil und das ist die Energieeffizienz. Wohingegen sich die RTX 3090 bei unseren Gaming-Tests im Schnitt um die 360 Watt genehmigt, begnügt sich die RX 6900 XT mit "nur" 295 Watt. Um die höheren Taktraten der RX 6900 XT LC zu erreichen, hat AMD nicht nur den Grafikchip vorselektiert, sondern auch die TDP der GPU von 255 auf 284 Watt angehoben. Für eine weitere Erhöhung der Leistungsaufnahme sorgt der schnellere Videospeicher mit 18,4 Gbps, die Pumpe der AiO, die Spannungswandler und die Beleuchtung. Summa summarum resultiert daraus eine TGP von 350 Watt, was der Boardpower der RTX 3080 Ti und der RTX 3090 entspricht. Bei unseren Spieletests in UHD-Auflösung liegen die Messergebnisse dann knapp unter diesem Wert, aber immer noch bei satten 342 Watt. Damit ist die RX 6900 XT LC zwar minimal genügsamer als die RTX 3080 Ti oder RTX 3090, aber 16 Prozent durstiger als die RX 6900 XT.

Die AMD Radeon RX 6900 XT LC erweist sich im Test als fast so durstig wie die RTX 3090.
Vergrößern Die AMD Radeon RX 6900 XT LC erweist sich im Test als fast so durstig wie die RTX 3090.

Die Chip-Taktraten fallen schlussendlich gar nicht so viel höher aus, wie man sich vielleicht erhofft hätte: knappe 100 MHz mehr gemäß unseren Messungen, was einer Zunahme von vier Prozent entspricht. Das zeigt einmal mehr, dass gerade bei aktivem Raytracing die Erhöhung des Speichertakts von 16 Gbps auf 18,4 Gbps eine entscheidende Rolle spielt. Vorteile gibt es vor allem für Übertakter, die das Maximum aus der RX 6900 XT LC herausholen wollen. So lässt sich die TGP um weitere 15 Prozent auf 402,5 Watt anheben, was dem gleichen Wert wie bei der RTX 3090 entspricht. Der maximale einstellbare Takt in Wattman liegt bei 5000 MHz für den Grafikchip und bei 3000 MHz für den Videospeicher. Die Spannung lässt sich indes nach wie vor nicht über 1,2 Volt erhöhen.

Etwa 100 MHz höhere Taktraten kann die RX 6900 XT LC gegenüber der luftgekühlten Variante verbuchen.
Vergrößern Etwa 100 MHz höhere Taktraten kann die RX 6900 XT LC gegenüber der luftgekühlten Variante verbuchen.

Für eine weitere Taktsteigerung dürfte jedoch eine Custom-Wasserkühlung notwendig sein. Wir haben den Gaming-PC mal an seine Grenzen gebracht und die CPU via Prime95 sowie die GPU mittels FurMark für eine halbe Stunde zu 100 Prozent ausgelastet. Die Kühlung des Systems macht dabei einen durchaus überzeugenden Eindruck, für eine starke Übertaktung gibt es jedoch keinen Spielraum. Der Grafikchip erhitzt sich während des Tests auf bis zu 80 Grad Celsius und liegt damit auf einem Niveau mit der luftgekühlten Variante. Dafür fällt die Hot-Spot-Temperatur dank der AiO-Kühlung mit 92 Grad Celsius etwas niedriger aus. Die Taktraten des Grafikchips der RX 6900 XT LC fallen dabei um über 100 MHz höher aus als bei der "normalen" RX 6900 XT. Die CPU Temperatur lag nach der halben Stunde bei maximal 79 Grad Celsius. Die Lautstärke der Kühlung hielt sich dabei in Grenzen, zwar war der PC durchaus hörbar, jedoch beim Gaming - spätestens mit Headset - nicht störend.

Watt avg

Watt max

Temp Chip

Temp Memory

Temp Hot Spot

Takt avg

Lüfter rpm

Temp CPU

AMD Radeon RX 6800 XT

302

352

77°C

-

96°C

1919 MHz

1490 rpm

80°C

AMD Radeon RX 6900 XT

302

398

79°C

-

96°C

1867 MHz

1480 rpm

80°C

AMD Radeon RX 6900 XT LC

354

406

80°C

-

92°C

1983 MHz

1900 rpm

79°C

Nvidia GeForce RTX 3080

333

366

74°C

102°C

84°C

1617 MHz

2230 rpm

82°C

Nvidia GeForce RTX 3080 Ti

358

405

70°C

104°C

77°C

1142 MHz

2780 rpm

78°C

Nvidia GeForce RTX 3090

363

402

65°C

102°C

78°C

1129 MHz

1550 rpm

81°C


Radeon RX 6900 XT LC - das Topmodell, das nur in Fertig-PCs erhältlich ist

Da AMD die Radeon RX 6900 XT LC aus für uns unerklärlichen Gründen nicht für den Consumer-Markt anbietet, haben wir von Source IT - auch unter dem Namen Agando bekannt - ein Testsystem (zum Produkt) zur Verfügung gestellt bekommen. Dieses ist mit einem AMD Ryzen 9 5900X ausgestattet, der von einer be quiet! Silent Loop 2 280mm gekühlt wird. Dazu gesellen sich zwei RGB-RAM-Riegel mit jeweils 16 GB bei 3600 MHz mit CL18. Diese finden neben einer Samsung 970 Evo Plus 1 TB und einer Samsung Pro 970 1 TB auf dem MSI MPG X570 Gaming Edge WIFI ihren Platz. Für die Stromversorgung sorgt ein be quiet! Straight Power Platinum mit 1000 Watt. Die Hardware verbaut Agando in dem auf beiden Seiten verglasten MSI Gaming-Tower MPG Sekira 500X. Windows 10 ist in der Pro-Variante vorinstalliert und der Hersteller gewährt auf das System eine Garantie von 36 Monaten. Der Preis für das System hat es jedoch in sich, der liegt nämlich bei 3999,90 Euro. 

Das Gehäuse von MSI setzt auf viel Glas und schicke RGB-Beleuchtung.
Vergrößern Das Gehäuse von MSI setzt auf viel Glas und schicke RGB-Beleuchtung.

Wir haben den PC mal bis auf die Grafikkarte 1:1 nachkonfiguriert und kommen auf einen Einzelkomponentenpreis von 3420 Euro (zum Preisvergleich) . Als GPU haben wir auf eine Sapphire Toxic Radeon RX 6900 XT Extreme Edition (zum Shop) gesetzt, auf der ebenfalls ein XTXH-Grafikchip verbaut ist und eine AiO-Wasserkühlung zum Einsatz kommt. Der Chiptakt fällt gegenüber der AMD Radeon RX 6900 XT LC ein gutes Stück höher aus, dafür taktet der VRAM nur mit 16 Gbps statt 18,4 Gbps. Auch wenn das Liquid Cooled Modell von AMD limitiert ist, halten wir den Preis für den Fertig-PC als zu hoch angesetzt. 

Die Kabel und Tubes sind im Testsystem sehr gut verlegt.
Vergrößern Die Kabel und Tubes sind im Testsystem sehr gut verlegt.

Wir haben uns das System mal im Detail angesehen und uns hat die Build-Qualität sehr überzeugt. Alle Kabel sind ordentlich verlegt und auf der Rückseite des Gehäuses zu einem großen Kabelstrang gebündelt. Die Schläuche der beiden All-in-One-Wasserkühlungen wurden ebenso - soweit möglich - aus dem Weg geschafft, um einen bestmöglichen Airflow zu ermöglichen. Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass Windows 10 Pro zum Zeitpunkt der Auslieferung auf dem aktuellen Stand gewesen ist. Zudem sind nur die notwendigen Treiber und keine unnötige Bloatware vorinstalliert. Im BIOS aktiviert Agando ab Werk das XMP-Profil für eine bestmögliche Performance. Der Hersteller geht sogar noch einen Schritt weiter und schaltet in den Energieoptionen von Windows 10 die "Ultimate Leistung" (zum Artikel) frei. Das mag auf der einen Seite zwar in manchen Szenarien für einen kleinen Performance-Schub sorgen, führt auf der anderen Seite jedoch dazu, dass sich GPU und CPU nicht mehr heruntertakten und dadurch mehr Leistung benötigen. Das sorgt dafür, dass das System auch bei geringer Auslastung immer hörbar ist - zwar nicht störend aber eben bemerkbar.

Was wir uns noch gewünscht hätten, ist, dass der Hersteller ab Werk nicht nur das XMP-Profil, sondern auch die Funktion Resizable Bar im BIOS aktiviert hätte. Dadurch erlangt die CPU vollen Zugriff auf den Videospeicher der Grafikkarte, was in Spielen teils zu zehn Prozent höherer Performance führen kann. Für unseren Test haben wir das Feature manuell aktiviert. Nicht unerwähnt lassen wollen wir außerdem, dass das Gehäuse am Front-Panel zwar über einen USB-C-Anschluss verfügt, dieser jedoch nicht funktional ist. da das Mainboard intern über keinen USB-C-Header verfügt. 

Wichtiger Hinweis: Bei unserem ersten Test-System war ein be quiet! Straight Power Platinum mit 850 Watt verbaut, was der Watt-Empfehlung von Seiten AMD entspricht. Während den Tests kam es jedoch zu reproduzierbaren Neustarts, weshalb uns Agando ein zweites Test-System mit einem 1000 Watt Netzteil zukommen ließ. Laut dem Systemintegrator sorgte die RX 6900 XT LC bei dem ersten System mit Last-Peaks von 550 Watt für eine Abschaltung des Netzteils und damit für die Neustarts des Systems. Mit dem stärkeren Netzteil lief das System dann stabil. Das verdeutlicht jedoch einmal mehr, welch hohe Anforderungen aktuelle High-End-Grafikkarten an die PSU stellen.

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