2637499

"der8auer" übertaktet Non-K CPUs auf B660-Mainboards - Intel warnt ausdrücklich davor

24.01.2022 | 11:56 Uhr | Sebastian Schenzinger

Extreme Overclocker Roman "der8auer" Hartung zeigt in seinem neuesten YouTube-Video, wie sich Non-K Alder-Lake-CPUs auf Mainboards mit B660-Chipsatz übertakten lassen. Von Intel ist das nicht vorgesehen und mittlerweile warnt der Hersteller ausdrücklich davor. Aus Preis-Leistungs-Sicht eröffnen sich dadurch jedoch ganz neue Möglichkeiten.

Eigentlich lässt Intel eine Übertaktung des Prozessors nur bei den teuren Modellen mit K-Suffix in Kombination mit einem Mainboard mit Z-Chipsatz zu, der günstigeren Hardware bleibt diese Funktion verwehrt. Roman "der8auer" Hartung hat jedoch einen Weg gefunden, diese Einschränkungen zu umgehen und übertaktete einen Core i5-12400 erfolgreich auf allen Kernen auf 5 GHz. Intel hat mittlerweile eine offizielle Warnung ausgesprochen, es nachzumachen.

Kürzlich veröffentlichte Extreme-Overclocker Roman "der 8auer" Hartung auf seinem YouTube-Kanal ein Video , in dem er einen Intel Core i5-12400 sowie einen Intel Core i5-12600 auf einem Asus ROG Strix Maximus Z690 Apex und Z690 Hero mittels einer im BIOS versteckten Funktion erfolgreich übertaktete. Nur einen Tag später folgte ein Video , in welchem Roman "der 8auer" auch einen Intel Core i3-12100 sowie einen Celeron G6900 auf dem gleichen Weg mit deutlich erhöhten Taktraten betreiben konnte. Ein weiteres, jüngst am 21. Januar veröffentlichtes  Video bringt eine äußerst spannende Tatsache ans Licht. So setzte der "8auer" zur Übertaktung eines Core i5-12400 nicht länger auf ein teures Z690-Mainboard, sondern auf zwei bedeutend günstigere B660-Hauptplatinen und sogar den beiliegenden Intel Laminar RM1 Boxed-Kühler. 

CPU-Benchmark 2022: AMD Ryzen oder Intel Core i Prozessor? Der Ranglisten-Vergleich

Offiziell ist nur eine Übertaktung der K-Prozessoren auf Z-Mainboards möglich

Für die Alder Lake Prozessoren sind Mainboards mit vier unterschiedlichen Chipsätzen erhältlich: H610, B660, H670, Z690. Die Unterschiede können Sie dem folgenden Bild entnehmen. Der wichtigste Punkt ist, dass Intel nur für den Z690-Chipsatz eine Übertaktung der P- und E-Cores sowie des BCLK (Baseclock) zulässt. Bei H670 und B660 lässt sich nur der RAM übertakten, bei H610 nicht einmal das. Das ist aber nicht die einzige Voraussetzung, um eine moderne Intel CPU übertakten zu können, zudem muss es sich nämlich um ein teureres K-Modell handeln. Intel verlangt also vom Kunden einen Aufpreis, für die Möglichkeit seinen Prozessor zu übertakten, sowohl bei der CPU als auch beim Mainboard - ganz im Gegensatz zu AMD. 

Überblick über die Intel 600-Chipsätze
Vergrößern Überblick über die Intel 600-Chipsätze
© Intel

Roman "der 8auer" hat jetzt jedoch einen Weg gefunden, den BCLK von non-K CPUs auf zwei unterschiedlichen Mainboards mit B660-Chipsatz zu übertakten. So erreichte er im Video mit einem Intel Core i5-12400 (zum Preisvergleich) auf einem Asus ROG Strix B660-G Gaming Wi-Fi (zum Preisvergleich) einen All-Core-Takt von 4,6 GHz. Umso beeindruckender ist dieses Ergebnis, da hierfür der standardmäßige Boxed-Kühler zum Einsatz kam. Bei der Verwendung eines teureren Luftkühlers sowie eines Asus ROG Strix B660-F Gaming Wi-Fi (zum Preisvergleich) konnte er sogar einen stabilen All-Core-Takt von 5,0 GHz erzielen. 

BIOS-Einstellungen und Ergebnisse

Um den Core i5-12400 auf dem Asus ROG Strix B660-G Gaming Wi-Fi sowie dem Asus ROG Strix B660-F Gaming Wi-Fi zu übertakten, setzte "der 8auer" auf die BIOS-Version 1003. Wichtig laut dem Extreme-Overclocker ist, dass ein XMP-Profil nicht aktiv sein darf, ansonsten bootet der PC wohl nicht mehr. Eine Übertaktung des Arbeitsspeichers ist dennoch über den manuellen Weg möglich. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass eine Veränderung des BCLK den Takt des Arbeitsspeicher beeinflusst, dieser muss also sowieso manuell eingestellt werden. Die weiteren Einstellungen haben wir für Sie aufgelistet oder Sie entnehmen die Informationen dem Video. Nach dem Speichern der Settings kann beim Neustart laut dem "8auer" eine Zeit von einer guten Minute vergehen, bis der PC ein Bild ausgibt.

  • AI Overclock Tuner: Manual

  • BCLK Frequency: gewünschten Wert eintragen, zum Beispiel 115 MHz (entspricht 15 Prozent höherem Baseclock)

  • DRAM Frequency: Wert des verbauten RAMs eintragen 

  • Performance Core Ratio: Sync All Cores

  • All-Core Ratio Limit: gewünschter Multiplier (Maximum beim Core i5-12400 bei 40) --> 40 x 115 MHz = 4600 MHz

  • Min. CPU Cache Ratio: gewünschter Wert (Empfohlen für den Start 36) --> 36 x 115 MHz = 4140 MHz

  • Max. CPU Cache Ratio = Min. CPU Cache Ratio

  • CPU Core/Cache Voltage: Manual Mode

  • CPU Core Voltage Override: gewünschter Wert (empfohlen zum Start: 1,30V)

  • DRAM VDD Voltage; Wert des verbauten RAMs eintragen 

  • DRAM VDDQ Voltage = DRAM VDD Voltage

  • CPU Load-line Calibration: Level 4

  • CPU Current Capability: 170%

  • RAM-Timings: Wert des verbauten RAMs eintragen 

  • Save and Reboot oder F10

Durch eine Übertaktung des Core i5-12400 auf allen Kernen auf 5,0 GHz konnte der "8auer" im Cinebench R20 im MultiCore einen Score von 5923 Punkten erzielen und liegt damit nur ganz knapp hinter einem nicht übertakteten Ryzen 7 5800X mit acht Rechenkernen. Das entspricht einem Performance-Zuwachs von guten 35 Prozent. Selbst ein Core i5-12600K mit zehn Kernen und 16 Threads kommt bei diesem Test ohne OC nur auf elf Prozent mehr Punkte. Die Leistungsaufnahme des Prozessors lag bei rund 115 Watt und die CPU erhitzte sich bei der Verwendung eines Luftkühlers auf 90 Grad Celsius. Ohne Übertaktung liegt die Leistungsaufnahme zum Vergleich bei knapp 70 Watt. 

Intels Statement zur Übertaktung von Non-K Prozessoren

Hersteller Intel hat sich mittlerweile in einem offiziellen Statement gegenüber Tom's Hardware (zum Artikel) folgendermaßen geäußert:

"Intels Non-K Prozessoren der 12. Generation sind nicht zum Übertakten konzipiert. Intel übernimmt keine Garantie für den Betrieb der CPUs jenseits ihrer Spezifikationen. Eine Änderung des Takts oder der Spannung kann den Prozessor oder andere Systemkomponenten beschädigen respektive deren Lebenszeit einschränken sowie die Stabilität und Performance des Systems reduzieren."

Wie erwartet billigt Intel den Vorgang nicht, spricht allerdings nicht davon, die Möglichkeit zur Übertaktung von Non-K Prozessoren unterbinden zeitnah zu wollen. Das Interessante daran ist, dass Intel auf der eigenen Homepage (zur Webseite) mehrere Anleitungen zur Übertaktung von K-Prozessoren zur Verfügung stellt. Im Kleingedruckten ist folgendes, sehr ähnliches Statement, zu finden:

"Eine Änderung der Taktfrequenz bzw. der Betriebsspannung kann den Prozessor oder andere Systemkomponenten beschädigen oder deren Nutzungsdauer verkürzen sowie die Stabilität und Leistung des Systems beeinträchtigen. Wenn der Prozessor außerhalb der für ihn veröffentlichten Spezifikationen verwendet wird, besteht möglicherweise keine Produktgarantie. Weitere Einzelheiten erfahren Sie bei den Herstellern des Systems und der Komponenten."

Vergleichen wir die beiden Aussagen, lässt sich am Inhalt nur ein signifikanter Unterschied erkennen. Während Intel bei den K-Prozessoren von einem möglichen Garantieverlust spricht, wird bei den Non-K CPUs direkt kommuniziert, dass die Garantie erlischt.

Fazit

Bereits ohne die Möglichkeit zur Übertaktung ist der Core i5-12400 aus unserer Sicht die derzeit interessanteste CPU. So sind für den  Core i5-12400F (zum Preisvergleich)  aktuell 182 Euro fällig. Ein vergleichbar schneller AMD Ryzen 5 5600X (zum Preisvergleich) kostet mit 289 Euro bedeutend mehr. Durch die Übertaktung erzielt der Hexa-Core zumindest im Cinebench R20 eine mit dem Ryzen 7 5800X (zum Preisvergleich) vergleichbare Leistung, welcher mit 369 Euro mehr als das doppelte kostet. 

Intel Core i5-12600K im Test: Wird die CPU zum Bestseller?

Leider gibt es zwei Probleme: Derzeit ist nur vom den beiden ASUS B660-Mainboards  Asus ROG Strix B660-G Gaming Wi-Fi (zum Preisvergleich)  und  Asus ROG Strix B660-F Gaming Wi-Fi (zum Preisvergleich)  bekannt, dass sie eine solche Übertaktung zulassen. Ersteres kostet aktuell 214 Euro, zweiteres 250 Euro. Mit dem ASRock B660 Steel Legend (zum Preisvergleich) soll es noch ein drittes kompatibles Mainboard für 193 Euro geben. Die Kosten für ein kompatibles Mainboard sind also nicht gerade günstig. Dazu kommt dann noch, dass beide ASUS-Hauptplatinen nur DDR5-RAM unterstützen. 

Für 16 GB DDR5-RAM (zum Preisvergleich) müssen Sie aktuell mindestens 198 Euro zahlen, die gleiche Menge DDR4-Arbeitsspeicher mit 3600 MHz (zum Preisvergleich) kostet nur 66 Euro. Das Modell von ASRock unterstützt DDR4-RAM und ist dadurch die interessante Wahl. Zudem gab "der8auer" im Forum von Hardwareluxx (zur Webseite) an, dass einer der großen Hersteller derzeit daran arbeite, ein B660-Mainboard mit DDR4-RAM-Slots und der Übertaktungsfunktion auf den Markt zu bringen. Damit ist die Kombination aus einem Core i5-12600K und einer Z690-Hauptplatine mit DDR4-Support aus Preis-Leistungs-Sicht immer noch die bessere Wahl. Sollte jedoch ein günstigeres B660-Mainboard mit DDR4-Slots auf dem Markt erscheinen, welches ein BCLK-OC zulässt, mag sich das schnell ändern. 

PC-WELT Marktplatz

2637499